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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Lange genug.« Er trat zu mir und kniete sich neben mich, eine Hand auf meinem Arm. »Und was ist an der Tür gewesen?«, fragte er Mrs. Beardsley. Seine Stimme verriet nicht mehr als schwaches Interesse, aber seine Hand hielt meinen Arm fest umklammert. Mich durchfuhr ein leiser Schauder. Ja genau, was?

»Nichts«, sagte sie nur. »Soweit ich sehen konnte, war niemand dort. Aber – man kann von der Tür aus die Esche sehen, und der Halbmond ging gerade auf.«

Es folgte beredtes Schweigen. Schließlich rieb sich Jamie fest mit der Hand über das Gesicht, seufzte und stand auf.

»Aye. Schön. Ich habe eine Stelle gefunden, wo wir geschützt übernachten können. Hilf mir mit der Ziege, Sassenach.«

Wir befanden uns auf hügeligem Terrain, das mit spitzen Felsvorsprüngen sowie Carolina-Nelkenpfeffer und Stechwinden gespickt war, und das Fortkommen zwischen den Bäumen war in der Dunkelheit so unsicher, dass ich zweimal stürzte und mich nur mit viel Glück abfangen konnte, bevor ich mir den Hals brach. Selbst bei Tageslicht wäre es schwierig gewesen; bei Nacht war es fast unmöglich. Glücklicherweise war es nur ein kurzes Stück bis zu der Stelle, die Jamie gefunden hatte.

Es war eine Art flacher Riss in der Seitenwand einer bröckeligen Lehmbank, die mit wildem Wein überwuchert und mit dichten Grasbüscheln bewachsen war. Hier war irgendwann einmal ein Bach geflossen, und das Wasser hatte einen großen Erdbrocken aus der Bank gefräst und ein überhängendes Dach zurückgelassen. Doch das Flussbett war vor einigen Jahren irgendwie umgelenkt worden, und die runden Steine, die einmal seinen Boden gebildet hatten, waren verstreut in den moosigen Boden eingesunken; einer von ihnen rollte mir jetzt unter den Fuß, und ich fiel auf das Knie und stieß es mir schmerzhaft an einem anderen der verflixten Steine.

»Alles in Ordnung, Sassenach?« Jamie hörte meinen rüden Ausruf, blieb stehen und drehte sich zu mir um. Er stand direkt über mir auf dem Abhang, Hiram auf den Schultern. Von unten als Silhouette gegen den Himmel betrachtet, sah er grotesk und ziemlich Angst einflößend aus, eine große, gehörnte Gestalt mit gekrümmten, monströsen Schultern.

»Bestens«, sagte ich ziemlich atemlos. »Hier ist die Stelle, nicht wahr?«

»Aye. Hilf mir … ja?« Er hörte sich noch viel atemloser an als ich. Er ließ sich vorsichtig auf die Knie sinken, und ich eilte an seine Seite, um ihm dabei zu helfen, Hiram abzulegen. Jamie verharrte auf den Knien und stützte sich mit einer Hand vom Boden ab.

»Ich hoffe, es wird morgen nicht zu schwierig, den Pfad zu finden«, sagte ich und beobachtete ihn nervös. Er hatte erschöpft den Kopf gesenkt, und die Luft rasselte bei jedem Atemzug feucht in seiner Brust. Ich wollte ihn an einem Ort mit Feuer und Essen sehen, und zwar so schnell wie möglich.

Er schüttelte den Kopf, hustete und räusperte sich.

»Ich weiß, wo er ist«, sagte er und hustete wieder. »Es ist nur …« Der Husten schüttelte ihn heftig, ich konnte sehen, wie sich seine Schultern verkrampften. Als er aufhörte zu husten, legte ich ihm sanft eine Hand auf den Rücken, und ich konnte spüren, wie ihn ein leises, konstantes Zittern durchlief; nicht vor Kälte; es war einfach das Zittern überanstrengter Muskeln.

»Ich kann nicht mehr, Claire«, sagte er leise, als beschämte ihn dieses Eingeständnis. »Ich bin erledigt.«

»Leg dich hin«, sagte ich genauso leise. »Ich kümmere mich um alles.«

Es folgte einiges Hin und Her, doch innerhalb einer guten Viertelstunde hatten es sich alle einigermaßen bequem gemacht, die Pferde waren an den Beinen gefesselt, und es brannte ein kleines Feuer.

Ich kniete mich hin, um nach meinem Hauptpatienten zu sehen, der sich auf seine Brust stützte und das geschiente Bein nach vorn weggestreckt hatte. Hiram, der seine Damen hinter sich sicher im Schutz des Überhangs versammelt hatte, gab ein ärgerliches »Mäh!« von sich und bedrohte mich mit seinen Hörnern.

»Undankbarer Kerl«, sagte ich und wich zurück.

Jamie lachte, dann brach er ab, weil er husten musste, und der Krampf ließ seine Schultern erbeben. Er hatte sich an einer Seite der Aushöhlung zusammengerollt und benutzte seinen zusammengefalteten Rock als Kopfkissen.

»Und was dich angeht«, sagte ich und betrachtete ihn. »Ich habe keinen Scherz gemacht, als ich dir das Gänseschmalz versprochen habe. Öffne deinen Umhang und mach dein Hemd auf, und zwar sofort.«

Er sah mich verkniffen an und warf einen raschen Blick in Mrs. Beardsleys Richtung. Ich lächelte insgeheim über sein Schamgefühl, gab Mrs. Beardsley aber den kleinen Kessel aus meiner Satteltasche und schickte sie fort, um Wasser und mehr Brennholz zu holen, dann kramte ich den Kürbisbehälter mit der Mentholsalbe hervor.

Bei genauerem Hinsehen alarmierte mich Jamies Aussehen ein wenig. Er war blass, seine Lippen weiß, seine Nasenlöcher rot gerändert, und in seinen Augen spiegelte sich die Erschöpfung. Er sah sehr krank aus und hörte sich noch schlimmer an, denn bei jedem Atemzug keuchte es in seiner Brust.

»Nun, wenn Hiram nicht vor den Augen seiner Frauen gestorben ist, wirst du mir wohl auch nicht vor der Nase wegsterben«, sagte ich zweifelnd und strich mir etwas von dem duftenden Schmalz auf den Finger.

»Ich sterbe überhaupt nicht«, sagte er ziemlich gereizt. »Ich bin nur ein kleines bisschen müde. Morgen früh bin ich wieder ganz ich selb– oh, Himmel, ich hasse das!«

Seine Brust war ganz warm, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass er Fieber hatte; da meine eigenen Finger sehr kalt waren, war es jedoch schwer zu sagen.

Er fuhr zusammen, machte ein schrilles »Iiih«-Geräusch und versuchte, sich mir zu entwinden. Ich packte ihn fest am Hals, legte mein Knie auf seinen Bauch und malträtierte ihn trotz aller Proteste weiter. Schließlich gab er seinen Kampf auf und ergab sich. Jetzt kicherte und nieste er nur noch dann und wann und jaulte kurz auf, wenn ich eine besonders kitzlige Stelle berührte. Die Ziegen fanden das Ganze sehr unterhaltsam.

Ein paar Minuten später lag er gut eingeschmiert und keuchend auf dem Boden. An Brust und Hals war seine Haut rot und schmalzglänzend von der Einreibung, und ein kräftiges Aroma von Pfefferminze und Kampfer lag in der Luft. Ich legte ihm ein dickes Flanellstück auf die Brust, knöpfte ihm das Hemd zu, hüllte ihn in seinen Umhang und steckte ihn bis zum Kinn unter eine Decke.

»Nun gut«, sagte ich zufrieden und wischte mir die Hände an einem Tuch ab. »Sobald ich heißes Wasser habe, trinken wir eine schöne Tasse Andorntee.«

Er machte argwöhnisch ein Auge auf.

»Tun wir das?«

»Nun, du schon. Ich persönlich würde lieber heiße Pferdepisse trinken.«

»Ich auch.«

»Schade, sie hat leider keine mir bekannten medizinischen Qualitäten.«

Er stöhnte und schloss das Auge wieder. Einen Moment lang atmete er schwer, so dass er sich anhörte wie ein kaputter Blasebalg. Dann hob er den Kopf ein paar Zentimeter und öffnete die Augen.

»Ist die Frau schon zurück?«

»Nein, ich denke, es wird wohl im Dunklen etwas dauern, bis sie den Bach findet.« Ich zögerte. »Hast du … alles gehört, was sie mir erzählt hat?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nicht alles – aber genug. Mary-Ann und das alles?«

»Ja, genau.«

Er grunzte.

»Hast du ihr geglaubt, Sassenach?«

Ich antwortete nicht sofort, sondern ließ mir Zeit und pulte mir währenddessen das Gänseschmalz unter den Fingernägeln hervor.

»Vorhin schon«, sagte ich schließlich. »Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.«

Er grunzte erneut, diesmal beifällig.

»Ich glaube nicht, dass sie gefährlich ist«, sagte er. »Aber halt dein Messer bereit, Sassenach – und dreh ihr nicht den Rücken zu. Wir werden abwechselnd Wache halten; weck mich in einer Stunde.«

Er schloss die Augen, hustete, und schlief ohne weitere Umstände ein.

Wolken begannen, sich vor den Mond zu schieben, und ein kalter Wind fuhr über uns durch das Gras auf der Uferbank.

»Ihn in einer Stunde wecken«, murmelte ich und rutschte herum, um es mir auf dem steinigen Boden wenigstens ansatzhaft bequem zu machen. »Ha, ha, ha.« Ich beugte mich vor und hievte mir Jamies Kopf auf den Schoß. Er stöhnte leise, zuckte aber nicht mit der Wimper.

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