Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich drückte seine mit Blasen übersäte Hand, und er küsste mich sanft auf den Scheitel. An der Wegmündung warf ich einen Blick zurück, aber ich sah nur das schwache Glänzen der verwitterten Schindeln des Farmhauses. Die Bergesche und was auch immer darunter sein mochte – oder auch nicht –, waren im Dunkeln verborgen.
Nach einem kleinen Anstandsprotest, weil wir ihn zu zweit bestiegen, benahm sich Gideon außergewöhnlich gut. Ich hatte das Gefühl, dass auch er froh war, die Farm hinter sich zu lassen. Als ich das sagte, nieste Jamie und vertrat die Meinung, dass der durchtriebene Verbrecher nur abwartete und dabei schon seine nächste Untat plante.
Für die Ziegen schien diese nächtliche Exkursion die reine Vergnügungsreise zu sein, und sie trotteten mit dem lebhaftesten Interesse neben uns her, fraßen hier und da ein Maul voll trockenem Gras, schubsten sich gegenseitig oder stießen gegen die Pferde und hörten sich überhaupt wie eine Elefantenherde im knackenden Unterholz an.
Ich verspürte große Erleichterung, die Heimstatt der Beardsleys endlich hinter mir zu lassen. Als die Kiefern die Sicht auf die Mulde ganz versperrten, wandte ich meine Gedanken entschieden von den verstörenden Ereignissen des Tages ab und begann darüber nachzudenken, was uns wohl in Brownsville erwartete.
»Ich hoffe, Roger ist gut zurechtgekommen«, sagte ich und lehnte mich mit einem kleinen Seufzer an Jamies Brust zurück.
»Mmpfm.« Lange Erfahrung lehrte mich, dieses spezielle Katarrhgeräusch als Ausdruck einer allgemeinen, höflichen Übereinstimmung mit meiner Aussage zu diagnostizieren, hinter der sich völlige persönliche Indifferenz gegenüber der tatsächlichen Sachlage verbarg. Entweder sah er keinen Grund zur Besorgnis, oder er war der Meinung, dass Roger sich selbst freischwimmen musste.
»Ich hoffe, er hat so etwas wie ein Wirtshaus gefunden«, versuchte ich es erneut, weil ich dachte, dieser Gedanke würde vielleicht mit etwas mehr Begeisterung aufgenommen werden. »Warmes Essen und ein sauberes Bett wären schön.«
»Mmpfm.« Darin klang ein Hauch von Humor mit, vermischt mit – aus langer Erfahrung geborener – Skepsis, was die mögliche Existenz von Dingen wie warmem Essen und sauberen Betten im Hinterland von Carolina betraf.
»Die Ziegen scheinen sehr gut mitzukommen«, unternahm ich einen erneuten Vorstoß und wartete gespannt.
»Mmpfm.« Widerstrebende Zustimmung, vermischt mit tiefem Argwohn, was die Fortsetzung dieses guten Benehmens seitens der Ziegen betraf.
Ich war gerade dabei, mir sorgfältig eine weitere Bemerkung zurechtzulegen, in der Hoffnung, ihn noch einmal dazu zu verleiten – dreimal war bis jetzt der Rekord –, als Gideon plötzlich Jamies ursprüngliches Misstrauen rechtfertigte, indem er laut schnaubend den Kopf hochwarf und stieg.
Ich prallte rückwärts gegen Jamies Brust und stieß mit dem Kopf so fest an sein Schüsselbein, dass ich Sterne sah. Sein Arm erdrückte mich fast, als er laut rufend einhändig an den Zügeln zog.
Ich hatte keine Ahnung, was er sagte oder ob er auf Englisch oder Gälisch brüllte. Das Pferd wieherte schrill, stieg und schlug mit den Hufen, und ich bemühte mich, irgendetwas zum Festhalten zu finden, Mähne, Sattel, Zügel … ein Ast peitschte mein Gesicht und blendete mich. Die Hölle war losgebrochen; ich hörte Gekreisch und Geblöke und ein Geräusch wie von zerreißendem Stoff, und dann wurde mir ein heftiger Hieb versetzt, und ich flog in die Dunkelheit.
Ich war nicht ohnmächtig, aber das spielte keine große Rolle. Ich war rücklings mitten im Gebüsch gelandet, rang nach Atem, war bewegungsunfähig, und das Einzige, was ich sehen konnte, waren ein paar verstreute Sterne hoch am Himmel.
Ein kleines Stück weiter ertönte ein Heidenlärm, bei dem ein Chor verängstigter Ziegen die Hauptrolle spielte, unterbrochen von etwas, das ich für Frauenschreie hielt. Die Schreie zweier Frauen.
Ich schüttelte verwirrt den Kopf. Dann drehte ich mich um und begann, davonzukriechen, da ich etwas verspätet begriffen hatte, wodurch dieses Geräusch verursacht wurde. Ich hatte schon oft genug Panther schreien gehört – aber immer aus sicherer Entfernung. Dieser war ganz und gar nicht weit entfernt. Das Geräusch zerreißenden Stoffes, das ich gehört hatte, war das Fauchen einer Großkatze aus nächster Nähe gewesen.
Ich stieß gegen einen umgestürzten Baumstamm und rollte mich prompt darunter. Ich quetschte mich so tief wie möglich in die kleine Höhlung. Es war nicht das beste Versteck, das ich je gesehen hatte, aber mit etwas Glück verhinderte es ja zumindest, dass mich etwas von einem Baum herab ansprang.
Ich hörte Jamie immer noch schreien, obwohl sich der Tenor seiner Worte jetzt in eine Art heisere Wut verwandelt hatte. Die Ziegen hatten ihr Gejammer zum Großteil eingestellt – die Katze konnte sie doch wohl nicht alle gerissen haben? Von Mrs. Beardsley konnte ich auch nichts hören, aber die Pferde machten mit ihrem Wiehern und Stampfen ein fürchterliches Theater.
Mein Herz hämmerte gegen den laubbedeckten Boden, und kalter Schweiß tropfte mir über das Kinn. Nichts, was einem so den nackten Terror einjagt wie die primitive Angst, gefressen zu werden, und ich konnte die Tiere sehr gut verstehen. Es knackte neben mir im Gebüsch, und Jamie rief meinen Namen.
»Hier«, krächzte ich. Ich war nicht bereit, meine Zuflucht zu verlassen, solange ich nicht genau wusste, wo der Panther war – oder zumindest genau wusste, dass er nicht in meiner Nähe war. Die Pferde hatten aufgehört zu wiehern, obwohl sie immer noch schnaubend auf der Stelle traten und dabei so viel Lärm machten, dass klar war, dass keines von ihnen unserem Besucher zum Opfer gefallen oder weggelaufen war.
»Hier!«, rief ich ein wenig lauter.
Weiteres Knacken, dicht bei mir. Jamie stolperte gebückt durch die Dunkelheit und tastete sich unter dem Baumstamm entlang, bis seine Hand auf meinen Arm traf und ihn ergriff.
»Bist du unverletzt, Sassenach?«
»Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber ich glaube schon«, erwiderte ich. Ich schlüpfte vorsichtig unter meinem Baumstamm hervor und nahm eine Inventur vor. Hier und dort ein blauer Fleck, aufgeschabte Ellbogen und ein stechendes Gefühl an der Stelle, wo der Ast meine Wange geohrfeigt hatte. Im Großen und Ganzen war also alles in Ordnung.
»Gut. Komm schnell, er ist verletzt.« Er zog mich hoch und fing an, mich mit einer Hand in meinem Rücken durch die Dunkelheit zu schieben.
»Wer?«
»Der Ziegenbock natürlich.«
Meine Augen hatten sich inzwischen gut an die Dunkelheit gewöhnt, und ich machte die großen Umrisse Gideons und der Stute aus, die unter einer blattlosen Pappel standen und aufgeregt die Mähnen und Schweife schüttelten. Daneben hockte eine weitere Gestalt, die ich für Mrs. Beardsley hielt, über etwas am Boden gebeugt.
Ich konnte Blut riechen und kräftigen Ziegengeruch. Ich hockte mich nieder, streckte die Hand aus und ertastete raues, warmes Haar. Bei meiner Berührung fuhr die Ziege mit einem lauten »MÄHähäh!« zusammen, das mich ein wenig beruhigte. Er mochte verletzt sein, aber war nicht im Begriff zu verenden – zumindest noch nicht; der Körper unter meinen Händen war fest und vital, die Muskeln angespannt.
»Wo ist die Katze?«, fragte ich und stieß dabei auf die gerillten, harten Hörner, um mich dann hastig an der Wirbelsäule entlangzutasten, dann hinunter an Rippen und Flanken. Das gefiel der Ziege ganz und gar nicht, und sie wand sich heftig unter meinen Händen.