Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich betrachtete seine eleganten langen Waden, während er sich den Strumpf hochzog und die Kante umklappte. »Entstellende Verletzung, soso. So etwas brächte ich bestimmt zuwege«, sagte ich finster.
Er streckte grunzend den Arm nach dem anderen Strumpf aus. »Oh, pass auf, wohin du deine Elfenpfeile schießt, Sassenach.« Er versuchte sich an einem anzüglichen Augenzwinkern, doch es wurde nur ein Blinzeln daraus. »Wenn du zu hoch zielst, nütze ich dir überhaupt nichts.«
Ich zog die Augenbraue hoch und verkroch mich wieder unter die Decke. »Keine Sorge. Nicht höher als zum Knie, das verspreche ich.«
Er tätschelte eine meiner Rundungen, die sich unter der Decke abmalte, und brach zum Stall auf. Dabei sang er lauthals die Melodie von »Up Among the Heather«. Der Refrain hallte aus dem Treppenhaus zu mir zurück:
»Sitz’ mit einem Mädchen, halt sie auf dem Knie,
Sticht mich eine Hummel, gleich über dem Knieee,
Draußen in der Heide, auf dem Hügel Benachieeee!«
Ich beschloss, dass er recht hatte; er hatte kein Gespür für Musik.
Zufrieden döste ich noch eine Weile vor mich hin, raffte mich aber schließlich auf und ging frühstücken. Die meisten Burgbewohner hatten schon gegessen und waren bei der Arbeit; diejenigen, die noch im Saal saßen, begrüßten mich freundlich. Es gab keine Seitenblicke, und ich hörte nicht eine einzige, verstohlen feindselige Bemerkung einer Person, die sich fragte, wie gut ihr böser kleiner Scherz wohl funktioniert hatte. Dennoch beobachtete ich die Gesichter.
Den Morgen verbrachte ich allein mit meinem Korb und einem Grabstock im Garten und auf den Wiesen. Mir wurden einige der gebräuchlicheren Kräuter knapp. Normalerweise gingen die Dorfbewohner zu Geillis Duncan, wenn sie Hilfe brauchten, doch in letzter Zeit waren mehrere Patienten aus dem Dorf in meinem Sprechzimmer aufgetaucht, und meine Arzneien waren sehr gefragt gewesen. Möglicherweise hielt die Krankheit ihres Mannes sie ja so auf Trab, dass sie sich nicht um ihre Stammkundschaft kümmern konnte.
Den Nachmittag verbrachte ich in meinem Sprechzimmer. Viele Patienten bekam ich nicht zu sehen; nur einen Fall eines hartnäckigen Ekzems, einen verrenkten Daumen und einen Küchenjungen, der sich einen Topf mit heißer Suppe über das Bein geschüttet hatte. Nachdem ich Lavendelsalbe ausgegeben und den Daumen wieder eingerenkt hatte, machte ich mich daran, eine Pflanze mit dem passenden Namen Steinwurz in einem der kleineren Mörser des verstorbenen Mr. Beaton zu zerstoßen.
Es war eine zähe Arbeit, die sich jedoch gut für einen solch untätigen Nachmittag eignete. Das Wetter war schön, und als ich mich auf meinen Tisch stellte, um einen Blick ins Freie zu werfen, konnte ich sehen, wie die blauen Schatten unter den Ulmen länger wurden.
Hier innen standen die Glasflaschen glänzend in Reih und Glied, und daneben lagen Bandagen und Kompressen aufeinandergestapelt im Schrank. Der Apothekerschrank war gründlich gereinigt und desinfiziert und enthielt jetzt getrocknete Kräuter, Wurzeln und Pilze, ordentlich in Baumwollgaze verpackt. Ich atmete die scharfen, würzigen Düfte meiner Zuflucht ein und seufzte zufrieden auf.
Dann hörte ich auf zu stampfen und legte den Stößel hin. Schockiert stellte ich fest, dass ich zufrieden war. Trotz der unzähligen Ungewissheiten des Lebens hier, trotz des unangenehmen Gefühls, das der Talisman hinterlassen hatte, trotz des ständigen leisen Schmerzes um Frank war ich tatsächlich nicht unglücklich. Ganz im Gegenteil.
Auf der Stelle schämte ich mich für meine Treulosigkeit. Wie konnte ich nur glücklich sein, wo Frank doch vor Sorge von Sinnen sein musste? Angenommen, die Zeit lief tatsächlich ohne mich weiter – und ich sah keinen Grund, warum sie das nicht tun sollte –, musste ich jetzt seit über vier Monaten als vermisst gelten. Ich malte mir aus, wie er die schottische Landschaft absuchte, bei der Polizei anrief, auf ein Lebenszeichen, nur ein Wort von mir wartete. Inzwischen musste er die Hoffnung fast aufgegeben haben und stattdessen auf die Nachricht warten, dass man meine Leiche gefunden hatte.
Ich stellte den Mörser hin und schritt in meiner engen Kammer auf und ab, während ich mir, von Schuldgefühlen und Bedauern überwältigt, die Hände an der Schürze rieb. Ich hätte schneller entwischen sollen. Ich hätte angestrengter versuchen sollen zurückzukehren. Aber das hatte ich doch, rief ich mir ins Gedächtnis. Ich hatte es wiederholt versucht. Und siehe da, was geschehen war.
Ja. Siehe da. Ich war mit einem vogelfreien Schotten verheiratet, wir wurden beide von einem sadistischen Dragonerhauptmann gejagt und lebten mit einem Haufen Barbaren zusammen, die Jamie ohne jedes Zögern umbringen würden, wenn sie ihn als Bedrohung für ihren ach so wichtigen Anführerposten empfanden. Und das Schlimmste von allem war, dass ich glücklich war.
Ich setzte mich und blickte hilflos auf die gesammelten Tiegel und Flaschen. Seit unserer Rückkehr nach Leoch hatte ich von einem Tag zum nächsten gelebt und die Erinnerungen an mein früheres Leben bewusst unterdrückt. Tief im Inneren wusste ich, dass ich bald eine Entscheidung würde treffen müssen, doch ich hatte diese Notwendigkeit von einem Tag zum nächsten, von einer Stunde zur nächsten verschoben und meine Ungewissheit in den Freuden von Jamies Gegenwart vergraben – und in seinen Armen.
Plötzlich rumpelte und fluchte es im Korridor, und ich erhob mich hastig und ging zur Tür. Just in diesem Moment kam Jamie persönlich hereingestolpert, auf der einen Seite gestützt von Alec MacMahons gebeugter Gestalt, auf der anderen von einem aufrecht bemühten, aber spindeldürren Stalljungen. Jamie ließ sich auf meinen Hocker sinken, streckte den linken Fuß aus und betrachtete ihn mit verzerrter Miene. Seine Grimasse schien jedoch eher der Verärgerung als dem Schmerz geschuldet zu sein, und so war ich relativ unbesorgt, als ich mich hinkniete und den anstößigen Körperteil in Augenschein nahm.
»Leicht verstaucht«, sagte ich nach einer oberflächlichen Untersuchung. »Was hast du getan?«
»Bin heruntergefallen«, sagte Jamie knapp.
»Vom Zaun?«, hänselte ich ihn. Er sah mich finster an.
»Nein. Von Donas.«
»Du bist dieses Biest geritten?«, fragte ich ungläubig. »In diesem Fall hast du ja noch Glück, dass du mit einem verstauchten Knöchel davongekommen bist.« Ich holte einen Verband und fing an, das Gelenk zu bandagieren.
»Nun, eigentlich war’s gar nicht so schlimm«, sagte Alec gelassen. »Eine Zeitlang hast du deine Sache sogar ganz gut gemacht, Junge.«
»Das weiß ich«, sagte Jamie und biss die Zähne zusammen, als ich den Verband festzog. »Eine Biene hat ihn gestochen.«
Die buschigen Augenbrauen fuhren in die Höhe. »Oh, das war es also? Das Biest hat sich aufgeführt wie von einem Elfenpfeil getroffen«, vertraute Alec mir an. »Ist mit allen vieren in die Luft, und als es wieder unten war, ist es wie von Sinnen über den Platz gerast – wie eine Hummel in einem Glas. Der Kleine ist oben geblieben«, sagte er und nickte Jamie zu, der als Antwort einen neuen Fluch erfand, »bis das Monster über den Zaun gegangen ist.«
»Über den Zaun? Und wo ist er jetzt?«, fragte ich. Ich stand auf und klopfte mir den Staub von den Händen.
»Auf halbem Weg zur Hölle vermutlich«, sagte Jamie. Er stellte den Fuß auf den Boden und belastete ihn vorsichtig. »Und da kann er auch herzlich gerne bleiben.« Er zuckte zusammen und richtete sich auf dem Hocker auf.
»Ich glaube nicht, dass der Teufel viel mit einem halb zugerittenen Hengst anfangen kann«, stellte Alec fest. »Er kann sich schließlich selbst in ein Pferd verwandeln, wenn es nötig ist.«
»Vielleicht ist Donas ja der Teufel«, meinte ich belustigt.
»Das könnte ich mir gut vorstellen«, sagte Jamie, der zwar immer noch Schmerzen hatte, jetzt aber allmählich seine übliche gute Laune wiederfand. »Aber der Teufel ist doch normalerweise ein Rapphengst, oder nicht?«