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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Brownsville bestand aus einem halben Dutzend baufälliger Hütten, die im abgestorbenen Gebüsch eines Abhangs verstreut lagen wie eine Hand voll Abfall, die jemand ins Gras geworfen hat. Dicht an der Straße – wenn die schmale Furche aus aufgewühltem, schwarzem Schlamm diesen Namen denn verdiente – lehnten zwei Blockhütten schwankend an den beiden Seiten eines stabiler aussehenden Gebäudes wie zwei Trunkenbolde, die sich bequem auf einen nüchternen Begleiter stützten. Ironischerweise schien dieses größere Gebäude als Gemischtwarenladen und Schankraum des Dorfes zu fungieren. Diesen Eindruck vermittelten jedenfalls die Fässer mit Bier und Schießpulver und die Berge triefend nasser Felle, die daneben auf dem schlammigen Hof standen – doch Roger fand, dass diese klingenden Bezeichnungen auch hier fehl am Platze waren.

Dennoch war es eindeutig der Ort, an dem er anfangen musste – und wenn es nur um seiner Begleiter willen war, die angesichts der Fässer zu vibrieren begonnen hatten wie Eisenspäne in der Nähe eines Magneten; der Hefegeruch des Biers wehte ihnen wie ein Willkommensgruß entgegen. Auch er würde zu einem ordentlichen Glas nicht nein sagen, dachte er, und gab mit der Hand das Signal zum Halten. Es war ein betäubend kalter Tag, und das Frühstück war schon lange her. Es war unwahrscheinlich, dass sie hier mehr als Brot oder einen Eintopf bekommen würden, doch solange es heiß war und sich mit Alkohol herunterspülen ließ, würde sich niemand beschweren.

Er glitt von seinem Pferd und hatte sich gerade umgedreht, um den anderen etwas zuzurufen, als eine Hand seinen Arm umklammerte.

»Attendez.« Fergus sprach leise und bewegte die Lippen dabei kaum. Er stand neben Roger, den Blick auf etwas gerichtet, das sich hinter ihm befand. »Nicht bewegen.«

Roger bewegte sich ebenso wenig wie die Männer, die noch auf den Pferden saßen. Was auch immer Fergus sah, sie sahen es auch.

»Was ist denn?«, fragte Roger ebenfalls mit leiser Stimme.

»Jemand – zwei Jemande – zielt durch das Fenster mit Gewehren auf uns.«

»Ah.« Roger registrierte, wie vernünftig es von Jamie gewesen war, nicht gestern Abend nach Anbruch der Dunkelheit in Brownsville einzureiten. Offenbar war er über die argwöhnische Natur der Menschen in abgelegenen Orten im Bilde.

Ganz langsam hob er beide Hände und wies mit einem Ruck seines Kinns auf Fergus, der es ihm widerstrebend nachmachte. Sein Haken glänzte dumpf im blassgrauen Licht des bedeckten Himmels. Die Hände nach wie vor erhoben, drehte Roger sich ganz langsam um. Obwohl er wusste, was ihn erwartete, spürte er, wie sich sein Magen verdrehte, als er die beiden glänzenden Läufe sah, die aus der geölten Hirschhaut hervorlugten, mit der das Fenster bedeckt war.

»Hallo, im Haus!«, rief er so autoritär, wie es mit erhobenen Händen ging. »Ich bin Hauptmann Roger MacKenzie, Befehlshaber einer Milizkompanie unter Oberst James Fraser aus Fraser’s Ridge!«

Die einzige Wirkung, die diese Information zeigte, war, dass einer der Gewehrläufe herumfuhr und sich auf Roger richtete, so dass er geradewegs in den kleinen, dunklen Kreis der Mündung blicken konnte. Dieser unwillkommene Anblick machte ihm jedoch gleichzeitig klar, dass das andere Gewehr ursprünglich gar nicht auf ihn gezeigt hatte. Es zielte nach wie vor unverwandt über seine rechte Schulter hinweg auf die Gruppe der Männer, die immer noch hinter ihm auf den Pferden saßen, in ihren Sätteln hin und her rutschten und sich beklommen murmelnd unterhielten.

Wunderbar. Und was jetzt? Die Männer warteten darauf, dass er irgendetwas unternahm. Er holte gerade Luft, um noch einmal zu rufen, doch bevor er etwas sagen konnte, erklang hinter der Hirschhaut eine heisere Stimme.

»Ich sehe dich, Morton, du Schwein!«

Dieser Ausruf ging mit einem heftigen Ruck des ersten Gewehrlaufes einher, der sich abrupt von Roger abwandte, um sich auf dasselbe Ziel zu richten wie der zweite – wahrscheinlich Isaiah Morton, einen der Milizmänner aus Granite Falls.

Es raschelte unter den berittenen Männern, jemand schrie erschrocken auf, und dann brach die Hölle los, als beide Gewehre gleichzeitig losgingen. Pferde stiegen und bockten, Männer brüllten und fluchten, und aus dem Fenster quoll scharfer, weißer Rauch.

Roger hatte sich bei der ersten Explosion flach auf den Boden geworfen. Doch als jetzt die Echos verhallten, rappelte er sich wie automatisch auf, strich sich den Dreck aus den Augen und stürmte mit dem Kopf zuerst auf die Tür zu. Wie er im Hinterkopf überrascht feststellte, funktionierte sein Verstand ganz klar. Brianna brauchte zwanzig Sekunden, um ein Gewehr zu laden, und er bezweifelte, dass diese Kerle sehr viel schneller waren. Er ging davon aus, dass ihm noch zehn Sekunden Gnadenfrist blieben, und er hatte nicht vor, diese ungenutzt zu vertun.

Er prallte mit der Schulter gegen die Tür, die nach innen flog und gegen die Wand krachte, worauf hin Roger stolpernd in den Raum rumpelte und vor die gegenüberliegende Wand donnerte. Der Stoß versetzte seiner Schulter einen betäubenden Hieb, dann prallte er von der Wand ab und brachte es irgendwie fertig, auf den Beinen zu bleiben, wenn er auch wie ein Betrunkener schwankte.

Mehrere Leute im Inneren des Raumes hatten sich umgedreht, um ihn anzugaffen. Sein Blick klärte sich so weit, dass er sehen konnte, dass nur zwei von ihnen tatsächlich Gewehre in der Hand hatten. Er holte tief Luft, stürzte sich mit einem Satz auf denjenigen, der ihm am nächsten stand, einen mageren Kerl mit einem schütteren Bart, und packte ihn vorn am Hemd – genauso, wie es ein besonders angsteinflößender Lehrer in Rogers dritter Grundschulklasse immer gemacht hatte.

»Was glaubst du denn, was du da machst, du Zwerg!?«, brüllte er und riss den Mann auf die Zehenspitzen hoch. Mr. Sanderson wäre bei dem Gedanken, dass sein Beispiel so einprägsam gewesen war, sicher angenehm berührt gewesen. Nicht nur einprägsam, sondern auch wirkungsvoll; zwar machte der schmächtige Mann in Rogers Griff sich weder in die Hosen, noch schluchzte er drauflos, wie es die Drittklässler gelegentlich bei dieser Behandlung getan hatten, aber er gab leise Würgegeräusche von sich und schlug ohne Wirkung gegen Rogers Hand, die ihn am Hemd gepackt hatte.

»Ihr da, Sir! Lasst meinen Bruder los!« Rogers Opfer hatte bei seiner Ergreifung Gewehr und Pulverhorn fallen gelassen und überall auf dem Boden schwarzes Pulver verschüttet. Dem anderen Schützen war es dagegen gelungen, seine Waffe neu zu laden, und er bemühte sich jetzt, Roger damit aufs Korn zu nehmen. Dabei waren ihm allerdings die drei Frauen im Raum hinderlich, von denen zwei unter lautem Protest an seinem Gewehr zogen und sich ihm in den Weg stellten. Die Dritte hatte sich ihre Schürze über den Kopf geworfen und gab ein lautes, rhythmisches, hysterisches Kreischen von sich.

An diesem Punkt kam Fergus in das Haus geschlendert, eine enorme Pistole in der Hand. Damit zielte er lässig auf den Mann mit dem Gewehr.

»Seid doch so freundlich und lasst das Gewehr sinken, bitte«, sagte er laut genug, dass man ihn trotz des Lärms hören konnte. »Und vielleicht könntet Ihr diese junge Frau mit kaltem Wasser übergießen, Madame? Oder ihr eine kräftige Ohrfeige versetzen?« Er wies mit seinem Haken auf die schreiende Frau, deren Lautstärke ihn leicht zusammenzucken ließ.

Wie hypnotisiert ging eine der Frauen langsam auf das kreischende Mädchen zu, rüttelte sie fest an der Schulter und begann, ihr ins Ohr zu murmeln, ohne den Blick von Fergus abzuwenden. Das Kreischen brach ab und ging in abgehacktes Schlucken und Schluchzen über.

Roger verspürte immense Erleichterung. Schiere Wut, schlichte Panik und die absolute Notwendigkeit, irgendetwas zu unternehmen, hatten ihn bis hier gebracht, aber er hätte jederzeit zugegeben, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, was er als Nächstes tun sollte. Er holte tief Luft, spürte, wie seine Beine zu zittern begannen, und ließ sein Opfer langsam sinken, bis er schließlich mit einem befangenen Nicken seinen Griff löste. Der Mann trat rasch ein paar Schritte zurück, dann blieb er stehen und strich sich über die Falten seines Hemdes, die zusammen gekniffenen Augen verächtlich auf Roger geheftet.

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