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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Und wer zum Teufel seid Ihr?« Der zweite Mann, der seine Waffe in der Tat gesenkt hatte, sah Fergus verwirrt an.

Der Franzose tat die Frage mit einer Geste seines Hakens ab – der, wie Roger bemerkte, die Frauen sehr zu faszinieren schien.

»Das ist nicht von Wichtigkeit«, sagte er herablassend und hob seine vorstehende Aristokratennase noch zwei Zentimeter höher. »Ich verlange – das heißt, wir verlangen –«, verbesserte er sich und nickte Roger höflich zu, »– zu erfahren, wer Ihr seid.«

Sämtliche Bewohner der Blockhütte wechselten verwirrte Blicke, als fragten sie sich in der Tat, wer sie denn seien. Doch nach kurzem Zögern schob der Größere der beiden Männer kampflustig das Kinn vor.

»Mein Name ist Brown, Sir. Richard Brown. Dies ist mein Bruder Lionel, seine Frau Meg, seine Tochter Alicia –« Das schien das Mädchen mit der Schürze zu sein, welches jetzt das Kleidungsstück von ihrem Kopf entfernt hatte und tränenüberströmt und schluckend dastand. »Und meine Schwester Thomasina.«

»Stets zu Diensten, Madame, Mesdemoiselles.« Fergus vollführte eine extrem elegante Verbeugung vor den Damen, wobei er jedoch sorgfältig darauf achtete, die Pistole weiterhin auf Richard Browns Stirn gerichtet zu halten. »Bitte verzeiht die Störung.«

Mrs. Brown nickte ihm zu. Ihr Blick schien ein wenig glasig zu sein. Miss Thomasina Brown, eine hochgewachsene, streng aussehende Person, ließ ihre Blicke zwischen Roger und Fergus hin und her wandern und trug dabei den Ausdruck eines Menschen, der eine Küchenschabe mit einem Tausendfüßler vergleicht und sich überlegt, auf welchen er zuerst treten soll.

Da es Fergus nun gelungen war, die Atmosphäre von einer bewaffneten Konfrontation in das Geplauder eines Pariser Salons zu verwandeln, machte er ein selbstzufriedenes Gesicht. Er sah Roger an und neigte den Kopf, womit er ihm eindeutig die weitere Abwicklung der Situation überließ.

»Nun denn.« Roger trug ein loses, wollenes Jagdhemd, aber er fühlte sich, als sei es eine Zwangsjacke. Er atmete noch einmal tief durch und versuchte, die Luft in seine Brust zu zwingen. »Nun, wie ich schon sagte, bin ich … äh … Hauptmann MacKenzie. Wir sind von Gouverneur Tryon beauftragt, eine Miliz zusammenzustellen, und sind gekommen, um Euch von Eurer Pflicht zu unterrichten, Männer und Vorräte beizusteuern.«

Richard Brown machte ein überraschtes Gesicht, sein Bruder ein finsteres. Bevor sie jedoch Einspruch erheben konnten, trat Fergus dichter an Roger heran und murmelte: »Vielleicht sollten wir zunächst in Erfahrung bringen, ob sie Morton umgebracht haben, mon capitaine, bevor wir sie bitten, sich uns anzuschließen?«

»Oh, mpfm.« Roger fixierte die Browns mit dem strengsten Ausdruck, den er zuwege brachte. »Mr. Fraser. Würdet Ihr nach Morton sehen? Ich werde hier bleiben.« Ohne den Blick von den Browns abzuwenden, streckte er die Hand nach Fergus’ Pistole aus.

»Och, der Morton ist noch ganz fidel, Käptn’n. Hat sich natürlich verdrückt, ist in den Wald gerast, als hätt’er Feuer unterm Arsch, aber als ich ihn zuletzt geseh’n hab, konnt’er Arme und Beine noch bewegen.« Im Eingang ertönte eine nasale Stimme aus Glasgow, und als Roger dort hinüber blickte, sah er eine Ansammlung interessierter Köpfe in die Blockhütte linsen, darunter auch Henry Galleghers Igelkopf. Außerdem war eine Anzahl erhobener Gewehre zu sehen, und Roger konnte ein wenig freier atmen.

»Und sonst ist auch keinem etwas passiert, Henry?«

Gallegher, der jetzt in das Zimmer getreten war und mit amüsierter Miene am Torpfosten lehnte, zuckte mit den Achseln, die Muskete in der Hand.

»Von uns haben die Halunken keinen durchlöchert, aber Eure Satteltasche ist mit Schrot durchsiebt, Sir«, fügte er hinzu, und seine Zähne blitzten kurz in seinem Bart auf.

»Die Tasche mit dem Whisky?«, wollte Roger wissen.

»Die doch nicht!« Gallegher riss entsetzt die Augen auf, dann grinste er beruhigend. »Nein, die andere.«

»Och, na dann.« Roger winkte ab. »Das ist nur meine Ersatzhose, oder?«

Diese stoische Antwort erntete Gelächter und Beifallsrufe von den Männern, die sich jetzt zur Tür hinein gezwängt hatten, was Roger ermutigte, sich dem kleineren Brown zuzuwenden.

»Und was habt Ihr gegen Isaiah Morton?«, fragte er fordernd.

»Er hat meine Tochter entehrt«, erwiderte Mr. Brown, der jetzt die Fassung zurückerlangt hatte, prompt. Er funkelte Roger an, und sein Bart zuckte vor Wut. »Ich habe ihm gesagt, ich würde ihn ihr tot zu Füßen legen, wenn er es je wagen würde, sein mieses Gesicht im Umkreis von zehn Meilen um Brownsville zu zeigen – und da hol mich doch der Teufel, wenn der kleine Mistkerl nicht so dreist ist, geradewegs vor meine Tür zu reiten!«

Mr. Richard Brown wandte sich an Gallegher.

»Wollt Ihr damit sagen, wir haben den Schuft beide verfehlt

Gallegher zuckte entschuldigend mit den Achseln.

»Aye. Tut mir leid.«

Die jüngere Miss Brown war diesem Wortwechsel mit leicht geöffnetem Mund gefolgt.

»Sie haben ihn nicht getroffen?«, fragte sie, und in ihren geröteten Augen leuchtete Hoffnung auf. »Isaiah lebt noch?«

»Aber nicht mehr lange«, versicherte ihr Onkel ihr grimmig. Er bückte sich, um seine Vogelflinte aufzuheben, und sämtliche weiblichen Browns brachen in erneutes Kreischen aus, als sich die Gewehre der Miliz simultan erhoben und auf Brown zielten. Er legte das Gewehr ganz langsam wieder hin.

Roger sah Fergus an, der eine Augenbraue hochzog und fast unmerklich mit den Achseln zuckte. Es war seine Sache.

Die Browns standen jetzt dicht beieinander, die beiden Brüder funkelten ihn an, die Frauen hatten sich schluchzend und murmelnd hinter ihnen zusammengedrängt. Die Milizionäre steckten neugierig die Köpfe zu den Fenstern hinein, und alles starrte Roger an und wartete auf seine Anweisung.

Und was zum Teufel sollte er ihnen sagen? Morton war Mitglied der Miliz und hatte daher – nahm er an – ein Anrecht auf ihren Schutz. Roger konnte ihn wohl kaum an die Browns ausliefern, ganz gleich, was er getan hatte – immer vorausgesetzt, man konnte ihn überhaupt dingfest machen. Andererseits war Roger damit beauftragt, die Browns und den Rest der kampffähigen Männer des Dorfes zum Milizdienst heranzuziehen und ihnen außerdem Vorräte für mindestens eine Woche zu entlocken; sie sahen nicht so aus, als würden sie zum jetzigen Zeitpunkt auf einen solchen Vorschlag begeistert reagieren.

Er hegte die ärgerliche Überzeugung, dass Jamie Fraser sofort gewusst hätte, wie sich diese diplomatische Krise lösen ließ. Er persönlich hatte keine Ahnung.

Aber er hatte immerhin eine Verzögerungstaktik. Er ließ seufzend die Pistole sinken und griff nach dem Beutel an seiner Hüfte.

»Henry, hol die Satteltasche mit dem Whisky, aye? Und Mr. Brown, vielleicht gestattet Ihr mir, etwas Essbares und ein Fass von Eurem Bier zu erwerben, damit sich meine Männer erfrischen können.«

Und mit etwas Glück würde Jamie Fraser ja hier sein, bis es ausgetrunken war.

Kapitel 29

Hirams Harem

Es war doch noch nicht ganz überstanden. Es war schon lange dunkel, als wir auf der Beardsleyfarm mit allem fertig waren, aufgeräumt hatten, unsere Taschen wieder gepackt und die Pferde erneut gesattelt hatten. Ich überlegte vorzuschlagen, vor unserem Aufbruch noch etwas zu essen – wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen –, aber die Atmosphäre auf dem Hof war so verstörend, dass weder Jamie noch ich Appetit hatten.

»Lass uns damit warten«, sagte er, während er der Stute die Satteltaschen auf den Rücken hievte. Er blickte zum Haus zurück. »Ich habe zwar ein Loch im Bauch, aber in Sichtweite dieses Hauses bekomme ich keinen Bissen herunter.«

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