Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Das ist doch bestimmt tief genug«, sagte ich und überblickte sein Werk. Ich selbst hätte mich mit einer flachen Mulde in der Erde begnügt, aber Schlamperei lag Jamie nicht. »Hör auf, Jamie, und zieh dir sofort ein anderes Hemd an. Du bist nass zum Auswringen; du wirst dich fürchterlich verkühlen.«
Er machte sich nicht die Mühe, mir zu widersprechen, sondern ergriff den Spaten und glättete sorgsam die Ecken des Loches und formte die Kanten so, dass sie nicht zu bröckeln begannen.
Unter den Kiefern wurde der Schatten jetzt undurchdringlich, und die Hühner hatten sich zum Schlafen begeben, Federbälle, die wie braune Mistelknäuel in den Bäumen hockten. Auch die Vögel im Wald waren verstummt, und der Schatten des Hauses fiel lang und kalt über das frische Grab. Ich schlang die Arme um mich selbst und erschauerte, weil es so still war.
Jamie warf die Schaufel mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden, und ich schrak auf. Er kletterte aus dem Loch und blieb eine Minute mit geschlossenen Augen stehen. Er schwankte vor Erschöpfung. Dann öffnete er die Augen und lächelte mir müde zu.
»Dann lass es uns zu Ende bringen«, sagte er.
Ob es die offene Tür tatsächlich dem Geist des Verstorbenen ermöglicht hatte zu entfleuchen oder ob es nur daran lag, dass Jamie bei mir war – jedenfalls zögerte ich jetzt nicht mehr, das Haus zu betreten. Das Feuer war ausgegangen, und in der Küche war es kalt und düster, doch ich hatte nicht das Gefühl, dass sich etwas Böses darin aufhielt. Sie war einfach nur leer.
Mr. Beardsleys sterbliche Überreste ruhten friedlich unter einer der Decken aus seinem Warenlager, stumm und ruhig. Und ebenfalls leer.
Mrs. Beardsley hatte sich geweigert, uns bei den Formalitäten zu helfen – oder das Haus auch nur zu betreten, solange sich die Leiche ihres Mannes noch darin befand –, also fegte ich den Herd und entzündete ein neues Feuer, das sich widerstrebend zum Brennen überreden ließ, während sich Jamie um den Schmutz auf dem Speicher kümmerte. Als er wieder herunterkam, hatte ich mich an meine Hauptaufgabe gemacht.
Jetzt, wo er tot war, sah Beardsley sehr viel weniger grotesk aus als im Leben; die verzerrten Gliedmaßen waren entspannt, und er sah nicht mehr so aus, als führte er einen panischen Kampf. Jamie hatte ihm ein Leinenhandtuch über den Kopf gelegt, doch als ich einen Blick darunter warf, konnte ich sehen, dass sich nichts Schleimiges oder Unappetitliches darunter verbarg; Jamie hatte ihn sauber durch das blinde Auge erschossen, und die Kugel hatte den Schädel nicht zersprengt. Das gesunde Auge war jetzt geschlossen, die geschwärzte Wunde starrte mich offen an. Ich legte ihm das Tuch sanft wieder über das Gesicht, dessen Symmetrie im Tod wiederhergestellt war.
Jamie kam die Leiter herunter, stellte sich leise hinter mich und berührte kurz meine Schulter.
»Geh dich waschen«, sagte ich und wies hinter mich auf den kleinen Wasserkessel, den ich zum Erhitzen über das Feuer gehängt hatte. »Ich komme hier schon zurecht.«
Er nickte, zog sein nasses, schmutziges Hemd aus und warf es ins Feuer. Ich lauschte den leisen, vertrauten Geräuschen, die er beim Waschen machte. Dann und wann hustete er, aber das Atmen schien ihm hier weniger Schwierigkeiten zu bereiten als draußen in der Kälte.
»Ich wusste nicht, dass es so sein kann«, sagte er hinter mir. »Ich dachte, ein Schlaganfall bringt einen Mann auf der Stelle um.«
»Manchmal«, sagte ich ein wenig geistesabwesend, stirnrunzelnd auf meine Arbeit konzentriert. »Es ist sogar meistens so.«
»Aye? Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, Dougal oder Rupert zu fragen. Oder Jenny. Ob mein Vater …« Der Satz brach abrupt ab, als hätte er ihn verschluckt.
Ah. Die Erkenntnis traf schlagartig meinen Solar Plexus. Das war es also. Ich hatte nicht mehr daran gedacht, aber er hatte es mir vor Jahren erzählt, kurz nach unserer Hochzeit. Sein Vater hatte mit angesehen, wie man ihn in Fort William auspeitschte, und hatte kurz danach einen tödlichen Schlaganfall erlitten. Jamie war verletzt und krank aus dem Fort befreit worden und ins Exil gegangen. Er hatte erst Wochen später vom Tod seines Vaters erfahren – hatte keine Chance gehabt, Abschied zu nehmen, hatte seinen Vater weder begraben noch seinem Grab seinen Respekt zollen können.
»Jenny müsste es doch gewusst haben«, sagte ich sanft. »Sie hätte es dir gesagt, wenn …« Wenn Brian Fraser einen solch langgezogenen Tod der Würdelosigkeit gestorben war, ein Schatten seiner selbst, machtlos vor den Augen der Familie, die zu schützen er bemüht gewesen war?
Hätte sie das? Wenn sie ihren Vater in Inkontinenz und Hilflosigkeit gepflegt hätte? Wenn sie tage- oder wochenlang gewartet hätte, plötzlich des Vaters und des Bruders beraubt, allein gelassen, dem Tod ins Auge zu schauen, der Sekunde um endlose Sekunde näher kam … und doch war Jenny Fraser eine sehr starke Frau, die ihren Bruder über alles liebte. Vielleicht hätte sie versucht, ihn zu schützen – vor der Schuld und auch vor dem Wissen.
Ich drehte mich zu ihm um. Er war jetzt halb nackt, aber sauber, und hatte ein frisches Hemd aus der Satteltasche in den Händen. Sein Blick war auf mich gerichtet, aber ich sah, wie seine Augen an mir vorbeihuschten, um sich voll verstörter Faszination an die Leiche zu heften.
»Sie hätte es dir gesagt«, wiederholte ich und bemühte mich, meiner Stimme einen überzeugten Tonfall zu verleihen.
Jamie holte tief und schmerzhaft Luft.
»Vielleicht.«
»Doch«, sagte ich mit mehr Bestimmtheit.
Er nickte, holte noch einmal Luft und atmete weniger beschwerlich aus. Mir wurde klar, dass Beardsleys Tod nicht nur in diesem Haus herumspukte. Doch den Schlüssel zu der einzigen Tür, die man für Jamie öffnen konnte, hatte Jenny in der Hand.
Ich verstand jetzt, warum er geweint und sich solche Mühe mit dem Grab gegeben hatte. Weder aus Schock noch Mildtätigkeit, und schon gar nicht aus Achtung vor dem Toten – sondern um Brian Frasers willen, des Vaters, den er weder beerdigt noch betrauert hatte.
Ich wandte mich zurück und zog die Kanten der Decke hoch, schlug sie ordentlich über die gesäuberten, präsentablen Überreste und band sie an Kopf und Füßen mit Zwirn fest, so dass ein ordentliches, anonymes Paket entstand. Jamie war neunundvierzig, dasselbe Alter, in dem sein Vater gestorben war. Ich warf ihm rasch einen verstohlenen Blick zu, während er sich fertig anzog – wenn sein Vater ein Mann wie er gewesen war … Ich verspürte einen plötzlichen Stich der Trauer um einen solchen Verlust. Um das Ende solcher Kraft, um die ausgelöschte Liebe, um den Verlust eines Mannes, von dem ich wusste, dass er ein großer Mann gewesen war, allein durch das, was ich von ihm in seinem Sohn widergespiegelt sah.
Als er angezogen war, umrundete Jamie den Tisch, um mir zu helfen, die Leiche anzuheben. Doch anstatt seine Hände unter den Toten zu schieben, streckte er sie aus und nahm meine Hände in die seinen.
»Schwöre mir, Claire«, sagte er. Seine Stimme war vor lauter Heiserkeit fast unhörbar; ich musste mich zu ihm hinüberbeugen, um sie zu hören. »Wenn mich eines Tages dasselbe Schicksal ereilen sollte wie meinen Vater … dann schwöre mir, dass du mir dieselbe Gnade erweist wie ich diesem armen Teufel hier.«
Er hatte vom Graben frische Blasen an den Fingern; sie fühlten sich seltsam weich an, mit Flüssigkeit gefüllt und nachgiebig, als er meine Hände umfasste.
»Ich werde tun, was getan werden muss«, erwiderte ich schließlich flüsternd. »Genau wie du.« Ich drückte seine Hände und ließ sie los. »Komm jetzt und hilf mir, ihn zu begraben. Es ist vorbei.«
Kapitel 28
Brownsville
Es war weit nach Mittag, als Roger, Fergus und die Milizkompanie Brownsville erreichten, nachdem sie zunächst den Weg verfehlt hatten und mehrere Stunden in den Bergen herumgeirrt waren, bevor sie zwei Cherokeeindianern begegneten, die ihnen den Weg wiesen.