Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Durch den schwärzer werdenden Nebel sah ich, wie Jamies Schwert zu Boden fuhr, anmutig und endgültig, kalt wie der Tod. Die Spitze berührte die Taille der hirschledernen Kniehose, drang ein und stieß mit einer ruckartigen Drehbewegung abwärts. Das Beige der Hose wurde von einer plötzlichen Flut aus schwarzrotem Blut durchtränkt.
Das Blut stürzte mir heiß über die Oberschenkel, und die Kälte meiner Haut wanderte einwärts bis ins Mark. Der Knochen, der mein Becken mit dem Rücken verband, war im Begriff zu brechen; ich konnte den Druck spüren, als die Schmerzen kamen wie Blitzschläge, die an meinem Rückgrat hinunterfuhren, bis sie im Becken meiner Hüften in Flammen aufgingen, ein jeder ein Schlag der Vernichtung, der verbrannte, schwarze Felder zurückließ.
Mein Körper, meine Sinne schienen zu zersplittern. Ich sah nichts, konnte aber nicht sagen, ob meine Augen offen oder geschlossen waren; alles war Finsternis, die sich drehte, hin und wieder gefleckt mit den wechselnden Mustern, die man sieht, wenn man nachts als Kind die Fäuste gegen die geschlossenen Augenlider presst.
Die Regentropfen trommelten mir auf das Gesicht, auf den Hals, auf die Schultern. Schwere, kalte Tropfen schlugen einzeln auf, um sich dann in kleine warme Rinnsale aufzulösen, die mir über die kalte Haut liefen. Dieses Gefühl spürte ich deutlich, isoliert von der reißenden Qual, die in meiner Mitte kam und ging. Ich versuchte, mich darauf zu konzentrieren, um mich von der leisen, sachlichen Stimme im Zentrum meines Verstandes abzulenken, die sagte, als trüge sie Notizen in einen Patientenbogen ein: »Du hast natürlich einen Blutsturz. Vermutlich eine Plazentaruptur, dem hohen Blutverlust nach. In den meisten Fällen tödlich. Der Blutverlust erklärt die Taubheit an Händen und Füßen und das verdunkelte Gesichtsfeld. Es heißt, das Gehör schwindet als Letztes, anscheinend stimmt das auch.«
Ob es der letzte meiner Sinne war, der mir bleiben würde, oder nicht, jedenfalls hörte ich noch. Und es waren Stimmen, die ich hörte, die meisten erregt, eine, die um Ruhe bemüht war, alle auf Französisch. Ein Wort, das ich hören und verstehen konnte – mein eigener Name, der wieder und wieder gerufen wurde, doch aus der Ferne. »Claire! Claire!«
»Jamie!«, versuchte ich zu sagen, doch meine Lippen waren starr und taub vor Kälte. Ich war zu keiner Bewegung fähig. Der Tumult in meiner Nähe legte sich ein wenig; es war irgendjemand eingetroffen, der zumindest bereit war, sich den Anschein zu geben, als wüsste er, was zu tun war.
Vielleicht wusste er es ja. Man zog mir den durchnässten Rock sanft zwischen den Oberschenkeln hervor und schob ein zusammengefaltetes Tuch an seine Stelle. Helfende Hände drehten mich auf die linke Seite und zogen mir die Knie an die Brust.
»Bringt sie ins Hôpital«, schlug eine Stimme neben mir vor.
»Dort kommt sie doch nicht lebend an«, sagte eine andere pessimistisch. »Wir können genauso gut noch ein paar Minuten warten und dann den Abdecker kommen lassen.«
»Nein«, beharrte eine dritte. »Die Blutung lässt nach; vielleicht überlebt sie doch. Außerdem kenne ich sie, ich habe sie im Hôpital des Anges gesehen. Bringt sie zu Mutter Hildegarde.«
Ich nahm alle Kraft zusammen, die mir geblieben war, und es gelang mir zu flüstern: »Mutter.« Dann gab ich das Ringen auf und gab mich der Dunkelheit hin.
Kapitel 25
Raymond der Häretiker
Die hohe Gewölbedecke über mir wurde von Ogiven gestützt, jenen architektonischen Errungenschaften des vierzehnten Jahrhunderts, in denen sich vier Säulen am oberen Ende zu Rippen verjüngen, die sich in gekreuzten Doppelbögen treffen.
Mein Bett stand unter einem solchen Deckenkreuz, und ringsum waren Gazevorhänge zugezogen, um mir Zurückgezogenheit zu gewähren. Doch der zentrale Punkt der Ogive befand sich nicht genau über mir; mein Bett stand knapp neben der Mitte. Das störte mich jedes Mal, wenn ich zur Decke blickte; am liebsten hätte ich das Bett durch schiere Willenskraft beiseitegerückt, als ob eine Position unter dem Zentrum des Gewölbes mir helfen würde, wieder zu meiner eigenen Mitte zu finden.
Falls ich noch eine Mitte hatte. Mein Körper fühlte sich blau und empfindlich an, als wäre ich geprügelt worden. Meine Gelenke schmerzten und fühlten sich lose an wie von Skorbut untergrabene Zähne. Ich lag unter mehreren dicken Decken, doch diese konnten die Wärme auch nur festhalten, und ich hatte keine Wärme mehr. Die Kälte des Regens an jenem Morgen hatte sich tief in meine Knochen gesenkt.
Von all diesen körperlichen Symptomen nahm ich objektiv Notiz, als gehörten sie zu jemand anderem; ansonsten empfand ich nichts. Das kleine, kalte, logische Zentrum meines Verstandes war noch da, doch die Hülle aus Gefühlen, die seine Äußerungen normalerweise filterte, war fort; tot oder lahmgelegt oder ganz einfach nicht mehr da. Ich wusste es nicht; es interessierte mich nicht. Ich war seit fünf Tagen im Hôpital des Anges.
Mutter Hildegardes lange Finger tasteten mit unerbittlicher Sanftheit durch das Baumwollnachthemd, das ich trug, untersuchten die Tiefen meines Bauches, suchten die harte Hülle einer kontrahierten Gebärmutter. Doch das Gewebe war nachgiebig wie eine reife Frucht und wund unter ihren Fingern. Ich zuckte zusammen, als ihre Finger tief darin einsanken, und sie runzelte die Stirn und murmelte leise etwas, das ein Gebet sein mochte.
Ich fing einen Namen unter den gemurmelten Worten auf und fragte: »Raymond? Ihr kennt Meister Raymond?« Ich konnte mir kaum ein weniger passendes Paar vorstellen als die ehrfurchtgebietende Nonne und den kleinen Gnomen aus der Höhle voller Schädel.
Mutter Hildegardes buschige Augenbrauen fuhren erstaunt in die Höhe.
»Meister Raymond, sagt Ihr? Diesen häretischen Scharlatan? Que Dieu nous en garde!« Möge Gott uns beschützen.
»Oh. Ich dachte, ich hätte gehört, wie Ihr ›Raymond‹ sagt.«
»Ah.« Die Finger hatten ihr Werk wieder aufgenommen und betasteten meine Leistengegend, auf der Suche nach den Verdickungen vergrößerter Lymphknoten, die auf eine Entzündung hindeuteten. Sie waren da, das wusste ich; ich hatte sie selbst gefühlt, als ich meine Hände in rastlosem Elend über meinen leeren Körper hinwegbewegte. Ich konnte das Fieber spüren, eine schmerzende Kälte tief in meinen Knochen, die in Flammen aufgehen würde, wenn sie die Oberfläche meiner Haut erreichte.
»Ich habe um die Hilfe des heiligen Raymond Nonnatus gebeten«, erklärte Mutter Hildegarde und wrang ein Tuch in kaltem Wasser aus. »Er ist ein unverzichtbarer Helfer der werdenden Mütter.«
»Zu denen ich nicht mehr gehöre.« Wie aus der Ferne sah ich den plötzlichen Schmerz, der ihr die Augenbrauen zusammenzog; er verschwand beinahe auf der Stelle, als sie sich daranmachte, mir die Stirn zu betupfen, mir mit dem kalten Wasser energisch über die Wangen zu fahren und hinunter in die heißen, feuchten Mulden an meinem Hals.
Ich erschauerte plötzlich bei der Berührung des kalten Wassers, und sie hielt auf der Stelle inne und legte mir nachdenklich die Hand auf die Stirn.
»St. Raymond ist nicht wählerisch«, sagte sie in leise tadelndem Ton. »Ich selbst nehme jede Hilfe an, die ich bekommen kann; eine Vorgehensweise, die ich Euch ebenfalls empfehlen würde.«
»Mmm.« Ich schloss die Augen und zog mich in die Zuflucht aus grauem Nebel zurück. Jetzt schien er voller schwacher Lichter zu sein, die kurz aufflackerten wie Gewitterblitze an einem Sommerhorizont.
Ich hörte steinerne Rosenkranzperlen klicken, als sich Mutter Hildegarde aufrichtete, und die leise Stimme einer der Schwestern in der Tür, die sie zum nächsten Notfall riefen. Sie hatte die Tür fast erreicht, als ihr ein Gedanke kam. Mit rauschenden Röcken machte sie kehrt und zeigte gebieterisch mit dem Finger auf das Fußende meines Betts.