Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich glaubte zu wissen, wo der Ort sein würde, an dem das geschah. Weil er sich noch so deutlich an sein erstes Duell erinnerte, hatte sich Jamie in weiser Voraussicht das Haar kurz geschoren. Ich war mir sicher, dass diese Erinnerung auch eine Rolle gespielt hatte, als es um die Wahl des Ortes ging, an dem er seinem Feind gegenübertreten würde. Der Bois de Boulogne, in der Nähe des Pfads der Sieben Heiligen. Der Bois war ein beliebter Ort für illegale Duelle, denn sein dichter Wuchs schützte die Beteiligten vor der Entdeckung. Morgen würde eine seiner schattigen Lichtungen erleben, wie Jamie Fraser und Jack Randall aufeinandertrafen. Und ich.
Ich lag auf dem Bett, ohne mir die Mühe zu machen, mich zu entkleiden oder zuzudecken, die Hände auf dem Bauch verschränkt. Ich sah zu, wie das Zwielicht in Schwärze überging, und ich wusste, dass ich heute Nacht nicht schlafen würde. Ich tröstete mich, soweit es ging, an den kleinen Bewegungen meines unsichtbaren Mitbewohners, während mir Jamies Worte in den Ohren hallten: Im Morgengrauen bist du tot.
Der Bois de Boulogne war ein kleines Fleckchen beinahe unberührten Waldes, das man am Rand von Paris so nicht erwartet hätte. Es hieß, dass sich nicht nur Füchse und Dachse, sondern sogar noch Wölfe in seinen Tiefen fanden, doch diese Erzählungen wirkten in keiner Weise abschreckend auf die Liebespaare, die sich auf dem grasigen Waldboden unter dem Geäst vergnügten. Der Wald bot Zuflucht vor dem Lärm und Schmutz der Stadt, und nur seine Abgelegenheit verhinderte, dass er zur Spielwiese des Adels wurde. So jedoch wurde er weitgehend von jenen frequentiert, die in der Nähe wohnten und im Schatten der hohen Eichen und der weißlichen Birken des Bois Momente der Erholung suchten … und von jenen, die weiter entfernt wohnten und Zurückgezogenheit suchten.
Der Wald war zwar nicht groß, doch er war immer noch zu weitläufig, um ihn zu Fuß nach einer Lichtung zu durchsuchen, die Platz für zwei Duellanten bot. Es hatte im Lauf der Nacht zu regnen begonnen, und der Tag war nur widerstrebend angebrochen, ein dumpfer Schimmer, der durch die finstere Wolkendecke brach. Der Wald flüsterte vor sich hin, als sich das leise Prasseln des Regens mit dem gedämpften Rascheln und Reiben der Blätter und Zweige vermischte.
Die Kutsche kam kurz hinter der letzten Ansammlung baufälliger Hütten auf der Straße zu stehen, die durch den Wald führte. Ich hatte dem Kutscher gesagt, was er tun sollte; er schwang sich vom Bock, band die Pferde fest und verschwand zwischen den Gebäuden. Die Menschen, die in der Nähe des Waldes lebten, wussten, was dort vor sich ging. Es konnte nicht viele Stellen geben, die sich für ein Duell eigneten; sie würden den Leuten bekannt sein.
Ich lehnte mich zurück und zog den schweren Umhang fester um mich, denn ich zitterte in der Kälte der frühen Dämmerung. Ich fühlte mich furchtbar; die Erschöpfung der schlaflosen Nacht zerrte an mir, und das Gewicht von Angst und Schmerz lag mir bleiern in der Magengrube. Über alldem lag eine brodelnde Rage, die ich von mir zu schieben versuchte, damit sie mich nicht handlungsunfähig machte.
Doch sie kam immer wieder zurückgeschlichen, drängte sich an die Oberfläche, wenn ich nicht aufpasste, so wie jetzt. Wie konnte er das tun?, murmelte mein Verstand, von kalter Wut erfüllt. Ich sollte nicht hier sein; ich sollte zu Hause sein und in aller Ruhe an Jamies Seite liegen. Ich sollte ihn nicht verfolgen müssen, ihn nicht von seinem Tun abhalten müssen, nicht gegen meine Wut und die Übelkeit ankämpfen müssen. Die Bewegungen der Kutsche hatten einen bohrenden Schmerz am unteren Ende meiner Wirbelsäule ausgelöst. Ja, es war gut möglich, dass er außer sich war; das konnte ich verstehen. Aber es ging doch hier um ein Menschenleben, zum Kuckuck. Wie konnte sein verdammter Stolz wichtiger sein als das? Und mich ohne ein Wort der Erklärung zurückzulassen! Mich durch das Gerede der Nachbarn herausfinden zu lassen, was geschehen war.
»Du hast es mir versprochen, Jamie, verdammt, du hast es mir versprochen!«, flüsterte ich. Im Wald war es still und nebelverhangen, und überall tropfte Wasser. Waren sie schon hier? Würden sie hier sein? Hatte ich den Ort falsch geraten?
Der Kutscher tauchte wieder auf, begleitet von einem Jungen, vielleicht vierzehn, der leichtfüßig neben ihm auf den Kutschbock hüpfte und mit der Hand geradeaus und dann nach links zeigte. Der Kutscher ließ die Peitsche knallen und schnalzte mit der Zunge, um die Pferde langsam lostraben zu lassen, und wir bogen von der Straße in den Schatten des erwachenden Waldes ab.
Wir hielten zweimal an und warteten, während der Junge vom Kutschbock sprang und ins Unterholz huschte, um im nächsten Moment wieder aufzutauchen und verneinend den Kopf zu schütteln. Als er das dritte Mal zurückgerannt kam, war ihm die Erregung so deutlich anzusehen, dass ich die Tür schon geöffnet hatte, ehe er so nah war, dass er dem Kutscher etwas zurufen konnte.
Ich hatte Geld in der Hand; ich hielt es ihm entgegen, klammerte mich an seinen Ärmel und sagte: »Zeig mir, wo! Schnell, schnell!«
Ich bemerkte die hinderlichen Zweige kaum, die wie ein Geflecht quer über den Pfad wuchsen, genauso wenig wie die plötzliche Nässe, die meine Kleider durchtränkte, als ich sie streifte. Auf dem Weg lag eine weiche Laubschicht, und unsere Schuhe machten nicht das geringste Geräusch, während ich dem Umriss seines zerlumpten, von der Nässe gefleckten Hemdes folgte.
Ich hörte sie, ehe ich sie sah; sie hatten schon begonnen. Das Klirren des Metalls wurde vom nassen Gebüsch gedämpft, war aber dennoch deutlich. Nicht ein einziger Vogel sang im nassen Morgengrauen, doch die tödliche Stimme des Kampfes hallte mir in den Ohren.
Es war eine große Lichtung, tief im Wald, jedoch von der Straße und über den Pfad gut zu erreichen. Groß genug, um der Beinarbeit, die ein ernstes Duell erforderte, Platz zu bieten. Bis aufs Hemd entkleidet, kämpften sie im Regen, und der nasse Stoff, der an ihnen klebte, legte die Umrisse ihrer Schultern, ihres Rückgrats bloß.
Jamie hatte gesagt, er wäre der bessere Fechter; möglich, doch Jonathan Randall war auch nicht schlecht. Er wich aus wie eine Schlange, und sein Schwert hieb zu wie ein silberner Reißzahn. Jamie war genauso schnell, von erstaunlicher Anmut für so einen großen Mann, leichtfüßig und zielsicher. Ich sah wie angewurzelt zu und wagte es nicht zu rufen, weil ich Angst hatte, Jamie abzulenken. Sie drehten sich in einem engen Kreis aus Hieben und Paraden, und ihre Füße tanzten über das kurze Gras.
Reglos stand ich da und sah zu. Ich war durch die verblassende Nacht gekommen, um sie zu finden, sie aufzuhalten. Und jetzt, da ich sie gefunden hatte, konnte ich nicht eingreifen, denn jede Störung konnte tödlich sein. Alles, was ich tun konnte, war abzuwarten und zu sehen, welcher meiner Männer sterben würde.
Randall hatte die Klinge gehoben, um Jamies Hieb abzuwenden, jedoch nicht schnell genug, um sich auf die Heftigkeit der Attacke gefasst zu machen, die sein Schwert zu Boden schleuderte.
Ich öffnete den Mund, um zu schreien. Ich hatte Jamies Namen rufen wollen, um ihn jetzt aufzuhalten, in jenem Moment der Gnade zwischen der Entwaffnung seines Gegners und dem tödlichen Hieb, der nun folgen musste. Ich schrie auch, doch der Laut erklang schwach und erstickt. Während ich wartend dagestanden hatte, hatte der bohrende Schmerz in meinem Rücken zugenommen und sich geballt wie eine Faust. Jetzt spürte ich, wie plötzlich irgendwo etwas entzweiging, als hätte die Faust losgerissen, was sie hielt.
Ich tastete wild um mich und klammerte mich an einen Ast. Ich sah Jamies Gesicht zu einer Miene ruhigen Triumphes erstarrt und begriff, dass er im Nebel der Gewalt nichts hören konnte. Solange der Kampf andauerte, würde er nur Augen für sein Ziel haben. Randall, der vor der unerbittlichen Klinge zurückwich, rutschte im nassen Gras aus und ging zu Boden. Er bäumte sich auf, um sich zu erheben, doch das Gras war rutschig. Seine Halsbinde war zerrissen, und er hatte den Kopf zurückgeworfen, das dunkle Haar vom Regen nass, die Kehle entblößt wie die eines Wolfs, der um Gnade winselt. Doch Rache kennt keine Gnade, und es war nicht die entblößte Kehle, auf die sich die Klinge niedersenkte.