Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und?«, sagte ich belustigt.
Er prustete und strich sich die Krümel vom Schoß.
»Das muss ich wohl tun, wenn ich das Lagerhaus nicht selbst beaufsichtigen will – und dazu habe ich keine Zeit.« Er runzelte die Stirn, während er im Kopf die Verpflichtungen des heutigen Tages durchging. Dies war eine Aufgabe, die möglicherweise etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, und auf seinem Schreibtisch warteten Aufträge auf ihn, im Hafen warteten Schiffskapitäne, und im Lagerhaus warteten Fässer.
»Am besten nehme ich Fergus mit«, sagte er resigniert. »Wenn die Zeit knapp wird, kann er vielleicht einen Brief zum Montmartre bringen.«
»Ein gutes Herz ist mehr als eine Krone«, sagte ich zu Jamie, der jetzt vor seinem Schreibtisch stand und reumütig den eindrucksvollen Papierberg durchblätterte.
»Oh, aye?«, sagte er. »Und wer sagt das?«
»Lord Alfred Tennyson, glaube ich«, sagte ich. »Ich glaube nicht, dass es ihn schon gibt, aber er ist Dichter. Onkel Lamb hatte ein Buch mit berühmten britischen Dichtern. Ich weiß noch, dass auch etwas von Burns darin stand – ein Schotte«, erklärte ich. »Er hat gesagt, ›Freiheit und Whisky geh’n Hand in Hand‹.«
Jamie prustete. »Ich kann zwar nicht sagen, ob er Dichter ist, aber auf jeden Fall ist er Schotte.« Dann lächelte er und beugte sich vor, um mich auf die Stirn zu küssen. »Zum Essen bin ich wieder da, a nighean donn. Pass auf dich auf.«
Ich beendete erst mein eigenes Frühstück und verputzte dann auch noch Jamies Toast, um nichts zu vergeuden, dann watschelte ich nach oben, um mein morgendliches Nickerchen zu machen. Nach dem ersten Alarm hatte ich noch ein paar Mal leichte Blutungen gehabt, doch es waren nicht mehr als ein paar Tropfen gewesen, und seit einigen Wochen gar nichts mehr. Dennoch verbrachte ich so viel Zeit wie möglich im Bett oder auf dem Sofa und begab mich nur nach unten, um Besucher zu empfangen oder um mit Jamie im Esszimmer zu speisen. Als ich jedoch zum Mittagessen hinunterging, stellte ich fest, dass der Tisch nur für eine Person gedeckt war.
»Milord ist noch nicht zurück?«, fragte ich überrascht. Der Butler schüttelte den Kopf.
»Nein, Milady.«
»Nun, vermutlich kommt er ja bald; sorgt dafür, dass es etwas zu essen für ihn gibt, wenn er eintrifft.« Ich war zu hungrig, um auf Jamie zu warten; wenn ich zu lange nichts aß, wurde mir auch jetzt noch häufig übel.
Nach dem Essen legte ich mich wieder hin. Da unsere ehelichen Beziehungen im Moment ruhen mussten, gab es nicht viel, was man im Bett tun konnte, außer zu lesen oder zu schlafen, also tat ich beides reichlich. Auf dem Bauch zu schlafen, war unmöglich, auf dem Rücken zu schlafen, unbequem, da es das Baby zum Strampeln animierte. Demzufolge lag ich auf der Seite und krümmte mich um meinen wachsenden Bauch wie eine Cocktailkrabbe um eine Kaper. Ich schlief nur selten tief, sondern döste eher und überließ mich in Gedanken den sanften, zufälligen Bewegungen des Kindes.
Irgendwo in meinen Träumen glaubte ich, Jamie in meiner Nähe zu spüren, doch als ich die Augen öffnete, war das Zimmer leer, und ich schloss sie wieder, eingelullt, als triebe auch ich gewichtslos in einem Meer so warm wie Blut dahin.
Schließlich wurde ich irgendwann am späten Nachmittag geweckt, weil es an der Schlafzimmertür leise klopfte.
»Entrez«, sagte ich, während ich blinzelnd erwachte. Es war Magnus, der sich entschuldigte, jedoch weitere Besucher ankündigte.
»Es ist die Prinzessin de Rohan, Madame«, sagte er. »Die Prinzessin wollte eigentlich warten, bis Ihr wach werdet, aber als dann auch noch Madame d’Arbanville eingetroffen ist, dachte ich, ich sollte vielleicht …«
»Schon gut, Magnus«, sagte ich. Ich kämpfte mich hoch und schwang meine Füße über die Bettkante. »Ich komme nach unten.«
Ich freute mich auf den Besuch. Wir hatten unsere abendlichen Empfänge letzten Monat eingestellt, und mir fehlten die Geschäftigkeit und die Plaudereien, so albern vieles davon war. Louise kam zwar häufig vorbei, um sich zu mir zu setzen und mir von den jüngsten Ereignissen bei Hofe zu erzählen, aber Marie d’Arbanville hatte ich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Ich fragte mich, was sie heute hierherführte.
Ich war inzwischen so unförmig, dass ich mich langsam über die Treppe bewegte, weil das zusätzliche Gewicht mir auf jeder Stufe einen Ruck versetzte. Die vertäfelte Tür des Salons war geschlossen, doch ich hörte die Stimme im Zimmer deutlich.
»Ob sie es schon weiß?«
Die Frage, die in jenem gesenkten Tonfall gestellt wurde, der die schmackhaftesten Gerüchte kennzeichnet, erreichte mich just, als ich im Begriff war einzutreten. Stattdessen hielt ich auf der Schwelle inne, so dass ich nicht zu sehen war.
Es war Marie d’Arbanville, die gesprochen hatte. Da sie aufgrund der Position ihres nicht mehr ganz jungen Ehemanns überall willkommen war und sie selbst sogar für französische Verhältnisse ungewöhnlich gesellig war, hörte Marie alles, was in der Gegend von Paris hörenswert war.
»Ob sie was schon weiß?« Die Antwort kam von Louise; aus ihrer hohen Stimme sprach die perfekte Selbstsicherheit der geborenen Aristokratin, der es gleichgültig ist, wer was hört.
»Oh, du hast es noch nicht gehört!« Marie machte es spannend wie ein Kätzchen, das begeistert darüber ist, eine neue Maus zum Spielen gefunden zu haben. »Du liebe Güte! Natürlich, ich habe es ja selbst erst vor einer Stunde gehört.«
Und bist sofort hierhergeeilt, um mir davon zu erzählen, dachte ich. Was auch immer »es« war. Ich vermutete, dass meine Chancen, die unbereinigte Version zu hören, hier im Flur besser standen.
»Es ist Milord Broch Tuarach«, sagte Marie, und ich brauchte sie gar nicht zu sehen, um mir vorzustellen, wie sie sich vorbeugte und ihre grünen Augen hin und her huschen ließ, während sie sich an ihrer Neuigkeit ergötzte. »Er hat erst heute Morgen einen Engländer zu einem Duell herausgefordert – wegen einer Hure!«
»Was!« Louises Ausruf des Erstaunens übertönte das Geräusch, mit dem ich nach Luft schnappte. Ich suchte Halt an einem kleinen Tisch, während mir schwarze Flecken vor den Augen tanzten und die Welt an den Säumen Risse bekam.
»Oh ja!«, sagte Marie jetzt. »Jacques Vincennes war dabei; er hat es meinem Mann erzählt! Es war in diesem Bordell am Fischmarkt – man stelle sich das vor, zu dieser Morgenstunde ein Bordell zu besuchen! Männer sind ja so seltsam. Jedenfalls hat Jacques gerade mit Madame Elise, der das Haus gehört, etwas getrunken, als plötzlich im oberen Stockwerk beängstigendes Geschrei ertönte und es heftig rumpelte.«
Sie hielt inne, um Luft zu holen – und die Sache noch dramatischer zu machen –, und ich hörte, wie eine Flüssigkeit in ein Glas geschenkt wurde.
»Also ist Jacques natürlich zur Treppe gestürzt – zumindest sagt er das; ich vermute, in Wirklichkeit hat er sich hinter dem Sofa versteckt, er ist ja so ein Feigling –, und nach weiterem Schreien und Lärmen gab es einen furchtbaren Knall, und ein englischer Offizier kam im Laufschritt die Treppe herunter. Er war halb entkleidet, trug keine Perücke, und polterte gegen die Wände. Und wer ist dann oben an der Treppe erschienen wie die Rache Gottes? Unser lieber petit James!«
»Nein! Dabei hätte ich geschworen, dass er der Letzte wäre, der … Doch erzähle weiter! Was ist dann passiert?«
Eine Teetasse klirrte leise gegen eine Untertasse, gefolgt von Maries Stimme, die jetzt vor lauter Erregung jede Geheimnistuerei aufgab.
»Nun – wie durch ein Wunder kam der Mann im Stehen am Fuß der Treppe an, wo er sich augenblicklich umdrehte und zu Lord Tuarach aufblickte. Jacques sagt, der Mann hatte sich gut im Griff für jemanden, der gerade mit offener Hose einen Tritt in die untere Etage bekommen hat. Er hat gelächelt – kein richtiges Lächeln, sondern die böse Sorte – und gesagt: Ihr braucht doch nicht gleich handgreiflich zu werden, Fraser; Ihr hättet doch gewiss warten können, bis Ihr an der Reihe seid? Ich hätte zwar gedacht, dass Ihr zu Hause genug bekommt. Aber manchen Männer bereitet es ja Lust, dafür zu bezahlen.«