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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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Er schüttelte plötzlich den Kopf wie ein Hund, der sein Fell vom Wasser befreit, und lächelte mich grimmig an. »Jedenfalls hat mir Monsieur Forez nichts erzählt, worüber ich nicht schon selbst nachgedacht habe. Doch es ist zu spät, a nighean donn.« Er nahm meine andere Hand. »Aye, ich habe Angst. Aber wenn ich mich geweigert habe umzukehren, obwohl man mir die Heimat und die Freiheit in Aussicht gestellt hat, dann tue ich es auch nicht aus Angst. Nein, a nighean donn. Es ist zu spät.«

Kapitel 24

Der Bois de Boulogne

Wie sich herausstellte, war Monsieur Forez’ Besuch nur der Beginn einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Störungen.

»Eine italienische Person steht unten, Madame«, teilte mir Magnus mit. »Er wollte mir seinen Namen nicht nennen.« Der Butler hatte einen verkniffenen Zug um den Mund; ich vermutete, dass der Besucher zwar seinen Namen nicht hatte nennen wollen, dass er aber reichlich andere Worte für den Butler übrig gehabt hatte.

Zusammen mit der Bezeichnung »italienische Person« reichte das aus, um mich die Identität des Besuchers ahnen zu lassen, und so war ich beim Betreten des Salons relativ wenig überrascht, Charles Stuart am Fenster stehen zu sehen.

Bei meinem Eintreten fuhr er herum, den Hut in den Händen. Er war auf jeden Fall überrascht, mich zu sehen; im ersten Moment klappte ihm der Mund auf, dann fing er sich und begrüßte mich mit einer knappen Verbeugung.

»Milord Broch Tuarach ist nicht daheim?«, erkundigte er sich und runzelte missmutig die Stirn.

»Nein, das ist er nicht«, sagte ich. »Möchtet Ihr vielleicht eine kleine Erfrischung, Eure Hoheit?«

Er blickte sich neugierig in dem gut ausgestatteten Salon um, schüttelte aber den Kopf. Soweit ich wusste, war er erst einmal hier gewesen, als er nach seinem Rendezvous mit Louise über die Dächer gekommen war. Weder er noch Jamie hatten es für angemessen gehalten, ihn zu unseren Abendgesellschaften einzuladen; solange ihn Louis nicht offiziell anerkannte, mied ihn der französische Adel.

»Nein. Ich danke Euch, Madame Fraser. Ich werde nicht bleiben; mein Bediensteter wartet draußen, und es ist ein langer Ritt bis zu meinem Quartier. Ich wollte meinen Freund James nur um etwas bitten.«

»Äh … nun ja, ich bin mir sicher, dass mein Mann Eurer Hoheit gern zur Seite stehen würde – wenn er kann«, antwortete ich vorsichtig und fragte mich, was für eine Bitte er wohl hatte. Vermutlich wollte er Geld leihen; in Fergus’ Auslese hatten sich in letzter Zeit eine ganze Reihe ungeduldiger Briefe von Schneidern, Schuhmachern und anderen Gläubigern gefunden.

Charles lächelte, und seine Miene nahm eine überraschende Liebenswürdigkeit an.

»Ich weiß; ich kann Euch gar nicht sagen, Madame, wie sehr ich die hingebungsvollen Dienste Eures Gemahls zu schätzen weiß; der Anblick seines loyalen Gesichts wärmt mir das Herz in der Einsamkeit meiner gegenwärtigen Umgebung.«

»Oh?«, sagte ich.

»Es ist nichts Kompliziertes, worum ich bitte«, versicherte er mir. »Es ist nur, dass ich eine kleine Investition getätigt habe, eine Schiffsladung Portwein in Flaschen.«

»Tatsächlich?«, sagte ich. »Wie interessant.« Murtagh war heute Morgen nach Portugal aufgebrochen, Nesselsaft- und Odermennigfläschchen in seiner Tasche.

»Es ist eine Kleinigkeit.« Charles tat die Investition jedes Cents, den er sich hatte leihen können, mit einer hochherrschaftlichen Handbewegung ab. »Aber es wäre mir lieb, wenn mein Freund James die Veräußerung der Fracht übernehmen würde, sobald sie eintrifft. Es ist nicht standesgemäß«, und hier richtete er sich auf und hob ganz unbewusst ein wenig die Nase, »dass eine – eine Person wie ich dabei angetroffen wird, dass sie sich dem Handel widmet.«

»Ja, ich verstehe vollkommen, Eure Hoheit«, sagte ich und biss mir auf die Unterlippe. Ich fragte mich, ob er diese Sichtweise auch seinem Geschäftspartner St. Germain anvertraut hatte – für den der junge schottische Thronprätendent zweifellos weniger Bedeutung besaß als jeder französische Adelige und der sich leidenschaftlich »dem Handel widmete«, wann immer er eine Chance auf Profit sah.

»Sind Eure Hoheit allein bei diesem Unternehmen?«, erkundigte ich mich unschuldig.

Er runzelte leicht die Stirn. »Nein, ich habe einen Partner, aber er ist Franzose. Ich würde es vorziehen, die Früchte meines Vorhabens in die Hände eines Landsmanns zu legen. Außerdem«, fügte er nachdenklich hinzu, »habe ich gehört, dass mein lieber James ein äußerst kluger und fähiger Kaufmann ist; es ist ja möglich, dass er den Wert meiner Investition durch einen besonnenen Verkauf noch steigern kann.«

Wer auch immer ihm von Jamies Kompetenz erzählt hatte, hatte sich vermutlich nicht die Mühe gemacht hinzuzufügen, dass es wahrscheinlich in ganz Paris keinen Weinhändler gab, der St. Germain verhasster war. Doch wenn sich die Dinge wie geplant entwickelten, würde das ohnehin keine Rolle spielen. Und wenn nicht, war es gut möglich, dass St. Germain all unsere Probleme löste, indem er Charles Stuart erwürgte, wenn er herausfand, dass dieser die Hälfte seines exklusiven Gostos-Portweins an seinen meistgehassten Rivalen hatte liefern lassen.

»Ich bin mir sicher, dass mein Mann sein Bestes tun wird, den Besitz Eurer Hoheit zum größtmöglichen Nutzen aller Beteiligten zu veräußern«, sagte ich vollkommen wahrheitsgemäß.

Seine Hoheit dankte mir huldvoll, wie es sich für einen Prinzen geziemte, der die Dienste eines getreuen Untertanen in Anspruch nahm. Er verneigte sich, küsste mir mit großer Förmlichkeit die Hand und verabschiedete sich unter fortgesetzten Dankbarkeitsbekundungen gegenüber Jamie. Magnus, der sich durch den königlichen Besuch nicht beeindrucken ließ, schloss mürrisch hinter ihm die Tür.

Jamie kam tatsächlich erst nach Hause, als ich schon schlief, doch ich erzählte ihm beim Frühstück von Charles’ Besuch und von seiner Bitte.

»Gott, ich frage mich, ob Seine Hoheit St. Germain das erzählen wird?«, sagte er. Nachdem er für seine gesunde Verdauung gesorgt hatte, indem er energisch seinen Porridge löffelte, komplettierte er die Mahlzeit mit einem französischen Frühstück aus Baguette mit Butter und dampfender Schokolade. Ein Grinsen breitete sich über sein Gesicht, während er an seinem Kakao nippte und sich dabei die Reaktion des Comte ausmalte.

»Ob es wohl lèse-majesté ist, einen Exilprinzen zu verprügeln? Denn wenn nicht, hoffe ich, dass Seine Hoheit Sheridan oder Balhaldy in seiner Nähe hat, wenn St. Germain davon erfährt.«

Zu weiteren Spekulationen in dieser Richtung kam er nicht, weil plötzlich Stimmen im Flur erklangen. Im nächsten Moment erschien Magnus in der Tür, einen Brief auf seinem Silbertablett.

»Verzeihung, Milord«, sagte er und verneigte sich. »Der Bote, der dies überbracht hat, drängte sehr darauf, dass man Euch auf der Stelle davon in Kenntnis setzt.«

Jamie nahm die Note mit hochgezogenen Augenbrauen vom Tablett, öffnete sie und las sie.

»Oh, zum Kuckuck!«, sagte er angewidert.

»Was ist denn?«, fragte ich. »Doch nicht schon Murtagh?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Es ist vom Vorarbeiter des Lagerhauses.«

»Probleme auf den Docks?«

Jamies Gesicht spiegelte eine seltsame Mischung von Gefühlen wider; Ungeduld, die mit Belustigung kämpfte.

»Nicht ganz. Der Mann ist anscheinend in einem Bordell in die Klemme geraten. Er bittet mich untertänigst um Verzeihung«, er wies ironisch auf die Note, »hofft aber, dass ich bereit bin, zu kommen und ihm zu helfen. Mit anderen Worten«, übersetzte er und zerknüllte seine Serviette, während er sich erhob, »würde ich seine Rechnung bezahlen?«

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