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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Die Düne war höher als die meisten anderen, und er war sich sicher, daß sie am Nachmittag noch nicht dagewesen war. Aber das hatte in dieser ständigen Verformungen unterworfenen Wüstenlandschaft ja nicht viel zu bedeuten. Mühsam stiegen sie die Anhöhe hinauf. Sie sanken bis zu den Knien im staubfeinen Sand ein, der immer wieder unter ihren Stiefeln nachgab und sie ein Stück zurückrutschen ließ. Unter anderen Umständen hätten sie versucht, die Düne zu umgehen, aber hier, wo jede Sekunde kostbar war, schied diese Möglichkeit aus.

Nach Minuten, die Torian wie Ewigkeiten vorkamen, erreichten sie den höchsten Punkt der Anhöhe, und Torian stieß einen leisen Freudenschrei aus, als er in dem dahinterliegenden Tal wirklich den flachen Trichter liegen sah.

Der Abstieg gestaltete sich ungleich leichter als der Weg hier herauf. Torian konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als Cathar in einer seiner Aura von Macht und Überheblichkeit spottenden Bewegung den Halt verlor und den Abhang in ganz und gar nicht würdevoller Haltung hinunterkugelte. Aber das Grinsen verging ihm, als er gleich darauf ebenfalls den Halt verlor und dem Magier auf gleichem Wege folgte. Noch während des Sturzes, als seine Konzentration auf die Umgebung erlosch, gewahrte er den schwarzen, von zuckender Bewegung erfüllten Teppich, der sich am Fuß der Düne ausbreitete.

Wieder schrie er voller Panik auf. Er versuchte seinen Sturz zu bremsen, doch alles, was er zu packen bekam, war loser Sand, und so rutschte er mitten in die Masse der Tausenden von Spinnen hinein.

Blindlings drosch er um sich, hieb auf die faustgroßen, schwarzen Leiber ein, die wie eine Woge über ihm zusammenschlugen – und im nächsten Moment verschwanden.

Schwer atmend richtete sich Torian auf, schaute sich noch einmal furchtsam um und entspannte sich erst, als er sah, daß die Spinnen wirklich vollends verschwunden waren, wenngleich er sich klar war, daß es sich nur um eine Atempause handelte und die Ausstrahlung des Mho’Dhul ihn jederzeit erneut überwältigen konnte. Wieder mußte er den Ekel, den die Berührung der widerlichen Biester in ihm ausgelöst hatte, gewaltsam unterdrücken. Auch wenn er wußte, daß alles nur eine Einbildung gewesen war, hatte er die Spinnenbeine auf seiner Haut gespürt, und seinem Gefühl war es so ziemlich egal, ob die Berührung Wirklichkeit oder nur eine Einbildung gewesen war.

Cathar musterte ihn besorgt. »Das war erst ein Vorspiel dessen, was dich dort unten erwartet«, warnte er. »Du mußt dich besser beherrschen, sonst schaffen wir es nie.«

Torian nickte knapp. Sie traten an den Trichter, und jetzt erkannte er, daß er sich am Nachmittag nicht getäuscht hatte. Im Mittelpunkt der Mulde gähnte eine gemauerte, in die Tiefe führende Röhre von etwas mehr als einem Meter Durchmesser. Und jetzt fielen ihm auch die eisernen Steigeisen in der Wand auf. Wieder tauchten die peitschenartigen Fühler und anschließend der scheußliche Kopf eines Ameisenlöwen aus der für ein reales Wesen seiner Größe viel zu engen Röhre auf; diesmal nicht explosionsartig, sondern langsam, zögernd. Torian tötete das Wesen mit einem fast beiläufigen Hieb und warf es zur Seite.

»Ich gehe voran«, sagte er und setzte den Fuß auf die oberste Sprosse, ohne Cathars Antwort abzuwarten. Vorsichtig prüfte er die Festigkeit des Krampens, bevor er ihm sein ganzes Gewicht anvertraute und weiterkletterte. Das Schwert hatte er in die Scheide zurückgesteckt und sich dafür einen Dolch zwischen die Zähne geklemmt, denn auch wenn alle Gefahren, die sie erwarten mochten, nur Illusionen darstellten, verlieh die Waffe ihm ein, wenn auch trügerisches, Gefühl der Sicherheit.

Der Schacht war nicht besonders tief; nach kaum einer Minute hatte er bereits den Grund erreicht. Vor ihm erstreckte sich ein Stollen, der sich bereits nach wenigen Schritten in Finsternis verlor.

»Alles in Ordnung. Du kannst nachkommen!« rief Torian nach oben. Ein Schatten fiel über die Öffnung des Schachtes, dann kam Cathar behende herabgeklettert.

»Für meinen Geschmack ging mir bislang alles ein wenig zu einfach«, murmelte Torian. Er hatte den Dolch inzwischen wieder weggesteckt und sein Schwert dafür gezogen. In der anderen Hand hielt er die Fackel, die einen kleinen Lichtkreis in die Dunkelheit um sie herum hineinfraß, sich an den rauhen Steinwänden brach und ihre Augen mit bizarren Schatten narrte, die Bewegungen vorgaukelten, wo keine waren.

»Noch sind wir nicht am Ziel«, erwiderte Cathar gepreßt. »Wenn es noch Leben in der Schattenburg gäbe, wären wir niemals bis hierher gelangt.«

Langsam drangen sie tiefer in den Stollen ein. Mit jedem Schritt verstärkte sich Torians Unbehagen. Ein paarmal war er sich nicht einmal mehr sicher, ob die tanzenden Schatten an den Wänden wirklich allein durch das Licht der Fackel erzeugt wurden oder ob es nicht bereits Boten des Wahnsinns waren, der nach ihm zu greifen begann. Manchmal sah er Fratzen titanischer Ungeheuerlichkeiten, schattenhafte Tentakelarme, die aus dem Dunkel heraus nach ihnen züngelten, aber immer wieder zu Nichts zusammenschmolzen, bevor sie ihnen wirklich gefährlich werden konnten. Mit aller Kraft hämmerte er sich ein, daß es sich nur um Illusionen handelte.

Plötzlich wurde es vor ihnen heller, die Wände wichen seitlich zurück, und sie gelangten in einen Felsendom von solcher Größe, daß Torian der Atem stockte. Was er sah, war schlichtweg unmöglich. Die Höhle war von einem schwachen Schimmer erfüllt, ohne daß ein Ursprung des düsteren Lichtes zu entdecken war, das gerade ausreichte, die Ausmaße des Felsendomes zu erkennen, nicht aber Einzelheiten, die sich darin befanden. Die Wände strebten fünfzig, sechzig Meter lotrecht in die Höhe und bildeten ein gewaltiges steinernes Dach, und das, obwohl der Grund der Höhle höchstens zehn Meter unter der Erdoberfläche lag!

Aber Torian kam nicht mehr dazu, sich darüber zu wundern. Die ohnehin bröckelnden Mauern um seinen Geist wurden mit unvorstellbarer Gewalt niedergerissen, und im gleichen Moment verschwamm die Welt vor seinen Augen.

Es war wie eine getreuliche Wiederholung des Wahnsinns, der ihn schon einmal gepackt hatte. Alles um ihn herum verschwand von einer Sekunde auf die andere, und er glaubte, sich auf einer gewaltigen, vollkommen leeren Ebene zu befinden. Leer, bis auf ein riesiges Netz, schimmernd wie versponnenes Silber.

Das Netz einer Spinne.

Er war in diesem Netz gefangen, verstrickt in die klebrigen Fäden, die nicht sehr viel dicker als Haare waren, ihn aber wie stählerne Taue festhielten. Und von überallher drängten die Spinnen heran, widerliche, gigantische Dinger mit Leibern, so groß wie warzig aufgedunsene Köpfe, Beinen, so lang wie ein menschlicher Unterarm, und rasiermesserscharfen Fängen, die gierig klapperten. Mit unglaublicher Schnelligkeit turnten sie an den straff gespannten Seilen des Netzes heran, kamen von allen Seiten auf Torian zu. Er war sich der Tatsache vollkommen bewußt, daß dies alles nicht Wirklichkeit war, nur eine Illusion, der Wahnsinnsschirm eines Mho’Dhuls, der ihn mit den schlimmsten. Schrecken seines Unterbewußtseins konfrontierte, aber dieses Wissen nützte rein gar nichts, denn er sah die Spinnen, hörte das Rasseln und Zischeln ihrer behaarten Beine, konnte ihren Geruch deutlich wahrnehmen, spürte, wie das Netz unter seinem Gewicht zu erzittern begann, als er sich hin und her warf. Er schrie so laut und gellend, daß seine Kehle zu zerreißen schien, zerrte mit aller Kraft an den klebrigen Fäden des gigantischen Netzes und verstrickte sich nur noch tiefer darin. Die Spinnen kamen näher, näher und näher…

Sie erreichten ihn nicht.

Eine Hand packte ihn und riß ihn fort, irgend etwas tastete nach seinem Geist und schirmte ihn erneut ab, wenn auch längst nicht mehr so stark wie zuvor. Das Netz war verschwunden, aber die Spinnen waren immer noch da, doch auch sie bildeten nicht mehr als verschwommene, halbstoffliche Schatten, die zwar lauerten, aber nicht mehr auf ihn zukrochen. Es war alles nur Illusion! dachte er verzweifelt. Nur eine Illusion! Ein Trugbild! Immer und immer wieder hämmerte er sich diese Worte ein, und ganz allmählich begann sich sein Herzschlag zu beruhigen.

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