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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Torian reagierte, ohne zu denken, blindlings den Reflexen und Reaktionen gehorchend, die er sich selbst im Laufe endloser Jahre antrainiert hatte. Als der Angreifer herumfuhr und sein Schwert mit beiden Händen hob, um den vermeintlich hilflos vor ihm Liegenden zu töten, stieß er ihm den linken Fuß vor das Knie, vollführte mit dem anderen Bein eine blitzartige, scherenförmige Bewegung und hakte seinen Fuß hinter den des Schwarzgekleideten. Der Krieger taumelte. Seine eigene Bewegung, mit der er Schwung geholt hatte, um Torian endgültig zu erledigen, wurde ihm zum Verhängnis.

Er fiel, stürzte jedoch nicht vollends, sondern sank nur auf ein Knie herab und fand im letzten Moment mit den Händen Halt an einem Felsen, aber der Augenblick reichte Torian, herum und auf die Füße zu kommen und mit einem Sprung hinter ihm zu sein. Seine Gedanken überstürzten sich. Er hätte sich bücken und Nassans Schwert aufheben können, aber seine rechte Schulter war noch immer verkrampft und halb gelähmt von der ungeheuren Wucht, die im Schwerthieb des Angreifers gesteckt hatte. Er wußte, daß er dem Mann mit dieser Waffe nicht gewachsen war. Wer immer sich unter dem schwarzen Mantel verbarg, mußte Körperkräfte besitzen, die sich mit denen von Garth messen konnten. Aber Torian hatte nicht nur mit dem Schwert zu kämpfen gelernt…

So kompliziert dieser Gedankengang gewesen war, er hatte nur den Bruchteil einer Sekunde in Anspruch genommen. Noch während der Mann vor ihm mit wild rudernden Armen um sein Gleichgewicht kämpfte, fuhr Torian herum, schlang den linken Arm von hinten um seinen Hals und tastete mit den Fingerspitzen nach dem Kinn, das sich unter dem schwarzen Stoff der Gesichtsmaske verbergen mußte; gleichzeitig legte sich sein rechter Arm um den Schädel des Angreifers, die Armbeuge gegen die rechte, die gespreizten Finger gegen die linke Schläfe des Mannes gepreßt. Der Unbekannte bäumte sich auf, als er begriff, was Torian tat. Seine Hände ließen das Schwert fallen, tasteten nach oben, zerrten einen Moment lang vergeblich an Torians Handgelenken und glitten weiter auf der Suche nach seinem Gesicht und den Augen.

Sie erreichten sie nie.

Torian atmete tief ein, konzentrierte sich nur auf seine Hände und stieß einen gellenden Schrei aus. Jedes bißchen Kraft, das in seinem Körper war – und es war eine Menge! –, lag in dieser einen, blitzartigen Bewegung, in der er die Arme gegeneinander bewegte.

Unter dem schwarzen Stoff in seinen Händen erscholl ein Laut, als zerbreche ein trockener Ast. Der Körper in Torians Armen erschlaffte, und er ließ die Leiche zu Boden sinken. Im Lager mußte man seinen Schrei und die Geräusche des Kampfes gehört haben, und er verstand nicht, wieso nicht längst jemand gekommen war, um nach ihm zu sehen. Furchtsam schaute er sich um, versuchte die Dunkelheit auf der Suche nach weiteren Angreifern mit den Augen zu durchdringen, und erst als er sich sicher war, daß ihm zumindest im Augenblick keine Gefahr mehr drohte, entspannte er sich, trat einige Schritte zurück und wollte sich nach seinem Schwert bücken, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Er fuhr blitzschnell herum. Nichts war mehr zu sehen, aber was er unter anderen Umständen vielleicht als Einbildung abgetan hätte, weckte jetzt erst recht sein Mißtrauen. Sein Blick ruhte auf dem Körper des Unbekannten ein paar Schritte vor ihm, und er hatte den Eindruck, als hätte der Leichnam noch vor wenigen Sekunden ein wenig anders dagelegen.

Dann wiederholte sich die Bewegung. Torians Augen quollen vor Entsetzen ein Stückweit aus den Höhlen, und einen Moment glaubte er, schlicht und einfach den Verstand verloren zu haben. Was er sah, war undenkbar. Undenkbar, hämmerten seine Gedanken, immer und immer wieder. Es war vollkommen undenkbar! Er hatte gehört, wie das Genick des Mannes gebrochen war, hatte gespürt, wie sich sein Körper in einem letzten entsetzlichen Krampf aufbäumte und dann urplötzlich erschlaffte, als das Leben aus ihm wich. Er war tot; ohne jeden Zweifel tot!

Aber er bewegte sich.

Langsam, mit seltsam ziellos wirkenden, umständlichen Bewegungen, stemmte er sich auf Hände und Knie hoch, taumelnd und fahrig (und tot), aber er bewegte sich.

Torians Blick fiel auf die Hände des Mannes. Sie waren schwarz. Sie steckten nicht in Handschuhen, und sie waren auch nicht dunkel von Schmutz oder geronnenem Blut, sondern schwarz, von einer Farbe, die das Licht aufzufressen schienen, und es waren auch nicht die Hände eines Menschen…

Was Torian sah, waren Krallen, raubvogelartig gekrümmte, lederhäutige Krallen, die in zollangen, rasiermesserscharfen Nägeln endeten, viel zu oft geknickt, als hätten sie ein paar Gelenke zuviel, und von nässenden Warzen und Pusteln übersät. Und sie bewegten sich! Der Unbekannte hielt die Hände vollkommen still, aber sie bewegten sich trotzdem, die Haut zuckte und bebte, zog sich zusammen und zitterte, als liefe eine Armee widerlicher kleiner Insekten darunter entlang.

Torian wich mit einem gurgelnden Laut vor der entsetzlichen Erscheinung zurück und hob beide Hände wie schützend vor das Gesicht, ohne sich dessen auch nur bewußt zu werden, während er dem unglaublichen Schauspiel folgte. Rings um ihn wich die Stille des Wüstenmorgens einem Chor überraschter Schreie und dann den Lauten eines rasch heftiger werdenden Kampfes, aber das registrierte Torian nur am Rand, mit einem Teil seines Bewußtseins, das wie durch ein Wunder noch zu rationalem Denken fähig, aber vollkommen machtlos über seinen Körper war. Für einen Moment spürte er den eisigen Griff des Wahnsinns in seinem Gehirn, als sich die Gestalt vor ihm vollends aufrichtete und ihr Schwert hob, noch immer mit diesen fahrigen, fürchterlichen Bewegungen.

Wie eine Marionette, deren Fäden durcheinandergeraten waren, dachte Torian entsetzt.

Taumelnd bewegte sich die Gestalt auf ihn zu, das Schwert nur halb erhoben, der Kopf pendelnd, als hätten die Muskeln nicht die Kraft, ihn allein zu halten. Torians Angriff hatte das schwarze Tuch heruntergerissen, hinter dem sich das Gesicht des unbekannten Kriegers bisher verborgen hatte.

Er schrie. Nur ein einziges Mal und nicht sehr lange oder sehr laut, aber in seinem Schrei lag alles Entsetzen der Welt; und noch ein bißchen mehr.

Das Gesicht des Mannes war…

Torians Verstand weigerte sich, den Anblick als wahr zu akzeptieren. Etwas in ihm zerbrach mit einem hörbaren, schmerzenden Laut. Was er sah, war nicht das Gesicht eines lebenden Menschen, nicht einmal irgendeines fremdartigen Ungeheuers – sondern die grauenerregende Fratze eines Mannes, der vielleicht schon vor Jahrzehnten gestorben war! Dünne, wie ausgetrocknetes Pergament gerissene Haut spannte sich über den Knochen, so daß es viel mehr Ähnlichkeit mit einem Totenschädel hatte als mit den Zügen eines lebenden Menschen. Die Augen waren eingesunken, ausgetrocknet und zu zerknitterten, halb durchsichtigen dünnen Hautsäcken geworden, die wie trübe gewordene Glaskugeln haltlos in ihren Höhlen hin und her rollten, und aus dem Mund, der halb offenstand, hing ein zerfetzter Lappen, der einmal eine Zunge gewesen war.

Torkelnd kam die entsetzliche Kreatur näher und hob das Schwert, das sie mit einer der von schwarzem Eigenleben erfüllten Klauen führte. Und es war das Blitzen des tödlichen Stahles, das Torian wieder in die Wirklichkeit zurückriß. Mit einem entsetzten Kreischen sprang er zurück, wich der niederpfeifenden Klinge im letzten Augenblick aus und trat nach der Waffenhand des Angreifers. Noch vor einer Minute hätte er damit sein Leben aufs Spiel gesetzt, denn der Mann – Mann? – hätte zweifellos seinen Fuß gepackt und ihn zu Boden geworfen. Aber seine Reaktionen waren langsamer geworden, als müsse er sich von diesem zweiten Tod erholen, und Torians Fuß traf, zerbrach sein Handgelenk, und die Waffe wirbelte davon.

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