Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Ihr habt… mich gesucht?« Es war eine reichlich dumme Frage, wie ihm im gleichen Moment zu Bewußtsein kam, und Shyleen nickte auch wütend.
»Es war nicht sehr schwer, deine Spur zu finden, nachdem der Sturm einmal vorbei war«, grollte sie. »Und dich schreien zu hören.«
»Ich… bin stundenlang gelaufen«, begann Torian stotternd. »Zumindest habe ich das geglaubt, aber ich bin wohl nur im Kreis herumgeirrt. Die Hitze – «
»Es war nicht die Hitze«, stellte Cathar ruhig fest.
Verwirrt brach Torian ab, und auch Shyleen runzelte die Stirn und blickte den Magier fragend an, aber Cathar dachte gar nicht daran, seine geheimnisvolle Andeutung zu erklären, sondern machte eine beschwichtigende Geste in ihre Richtung – oder das, was er dafür halten mochte, denn nichts, was er tat, übte nach Torians Meinung auch nur die geringste beruhigende Wirkung aus – und wandte sich dann wieder an ihn.
»Warum bist du fortgelaufen?« fragte er.
Seine Worte brachten Torian noch mehr in Verlegenheit. Er ärgerte sich, daß es Cathar ständig gelang, ihn durch seine alleinige Anwesenheit nervös zu machen und sich wie ein kleiner Junge vorkommen zu lassen, den man beim Klauen erwischt hatte. »Ich… muß wohl für einen Moment die Beherrschung verloren haben«, murmelte er. »Ich weiß, daß es ein Fehler war, aber – «
»Nur die Beherrschung verloren?« bohrte Cathar nach. »War das wirklich alles? Du bist wie ein Verrückter in den Sturm hinausgerannt, nur weil dir für einen Moment die Nerven durchgegangen sind?«
»Nein«, gestand Torian. »Ich dachte, ich…« Er brach ab, schüttelte den Kopf und nahm eine Handvoll Sand auf, um sie durch die Finger rinnen zu lassen. »Ach verdammt, ich habe phantasiert. Die Hitze, der Sturm und die ganzen Anstrengungen der letzten Tage waren wohl einfach zuviel. Wir sind alle erschöpft.«
Cathar schüttelte mißbilligend den Kopf. »Nun laß dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen«, stieß er ungeduldig hervor. »Was soll das heißen? Was meinst du mit phantasiert?«
»Was man eben damit meint«, antwortete Torian kurz angebunden. Seine Nervosität war jäh aufflackerndem Trotz gewichen. In diesen Sekunden wurde ihm wieder überdeutlich bewußt, wie sehr er den Magier trotz ihrer erzwungenen Zusammenarbeit haßte. »Ich habe mir etwas eingebildet. Ich glaubte zu sehen, wie Shyleen von dem Sturm aus der Höhle gerissen wurde. Es war nur eine Illusion, die sich nach einer Weile in Nichts auflöste, aber sie war echt genug, mich im ersten Moment zu täuschen.«
»Und da bist du prompt hinterhergerannt, um der angeblichen Shyleen zu helfen«, murmelte Cathar mit einem neuerlichen verständnislosen Kopfschütteln. »Ich verstehe immer weniger, wie es dir gelingen konnte, so viele meiner Brüder zu besiegen, von Ch’tuons Geschöpfen einmal ganz abgesehen.«
»Vielleicht gerade deshalb«, schnappte Torian zornig. »Deine Rasse mußte untergehen, weil bei euch nur das Recht des Stärkeren herrschte, während wir uns gegenseitig helfen. Gemeinschaft und das Vertrauen ineinander sind unsere Stärke, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich auch losgerannt wäre, wenn ich mir eingebildet hätte, du wärest fortgeschleudert worden.«
Ein flüchtiges Lächeln spielte um Shyleens Lippen, aber sie wurde sofort wieder ernst. »Du hast nicht phantasiert«, sagte sie ruhig. »Zumindest nur zu einem kleinen Teil.«
»Nicht – « Torian fuhr auf, starrte sie an und suchte vergeblich nach Worten.
»Ich habe es auch gespürt, und Cathar ebenfalls«, fuhr Shyleen fort. »Ich nahm ebenfalls eine Bewegung in der Wüste wahr, aber bevor ich irgend etwas tun konnte, ranntest du bereits los. Es muß ein… so etwas wie ein Ruf gewesen sein, den wir empfangen haben. Eine Art magisches Locken, wenn du so willst.«
»Ich hätte es anders ausgedrückt, aber im Prinzip ist es richtig«, bestätigte Cathar. »Wir sind höchstens noch ein paar Meilen von der Schattenburg entfernt.«
»Wir sind – « Erregt sprang Torian auf und schaute sich um, aber wieder konnte er nichts erkennen als einige Felsen und hitzeflimmernden Sand.
»Bleib stehen!« Shyleen schrie mit so schriller, angsterfüllter Stimme, daß er mitten in der Bewegung verharrte.
»Was ist denn?« fragte er. »Ich denke, wir haben unser Ziel fast erreicht?«
»Eben«, antwortete Cathar an ihrer Stelle. Er machte mit der Hand eine vage Bewegung nach Norden, dorthin, wo die Schattenburg liegen mußte. »Aber eben nur fast. Wir können nicht mehr weiter; niemand kann es.«
»So?« fragte Torian, leise und nur noch mühsam beherrscht. Er fühlte sich immer verwirrter, und im gleichen Maße stieg auch sein Zorn, weil er nicht eine einzige vernünftige Antwort, sondern nur unverständliche Phrasen zu hören bekam. »Und warum nicht, wenn unser Ziel so nahe liegt? Ich sehe nichts, das uns noch aufhalten könnte.«
»Weil – «, begann Shyleen, wurde aber sofort von Cathar unterbrochen, der mit einer fließenden, schlangenartigen Bewegung auf die Beine kam und seine Hand wie einen Speer in Richtung Norden stach.
»Probier es«, stellte er ihm ruhig anheim. »Ich habe schon einmal versucht, es dir zu zeigen, als ich die vier Soldaten habe töten müssen. Dies hier ist genau dasselbe.«
Einen Moment starrte Torian ihn an, bemühte sich vergeblich, sich zu konzentrieren, schürzte dann trotzig die Lippen, drehte sich mit einem entschlossenen Ruck um und machte einen Schritt in die angegebene Richtung. Nichts geschah. Er warf Shyleen und dem Magier einen halb wütenden, halb triumphierenden Blick zu und machte einen weiteren Schritt. Eine rasche, kaum wahrnehmbare Wellenbewegung schien durch die Wüste zu laufen. Es war, als würden zwei Bilder übereinandergeschoben, die sich durch winzige, im ersten Moment nicht einmal sichtbare Details voneinander unterschieden. Dann…
Der Sand vor seinen Füßen begann sich zu bewegen. Ein leises Rascheln und Wispern erklang, und etwas Dünnes, Schwarzbehaartes schob sich durch die körnige, weißgelbe Schicht. Eine riesige Hand griff nach Torians Nacken und fuhr prickelnd sein Rückgrat hinunter. Ein zweites Spinnenbein erschien neben dem ersten, dann ein drittes, ein viertes, und schließlich schob sich ein faustgroßer pelziger Ball durch den Sand. Winzige, vielfach gebrochene Facettenaugen, in denen eine bösartige Intelligenz geschrieben zu stehen schien, starrten ihn in stummer Wut an, dann raste das Tier blitzartig ihm entgegen.
Ohne zu denken, trat Torian zu, doch die Spinne wich seinem Fuß mit einem blitzartigen Haken aus, schoß seinen Stiefel herauf und grub ihre nadelspitzen Zähne durch den Stoff der Hose in seine Wade. Er schrie auf, schlug mit der Hand nach dem Tier und schleuderte es ein paar Meter weit zurück. Wieder lief eine rasche, wellenförmige Bewegung durch den Sand, und neben der ersten Spinne erschien eine zweite, die ebenfalls in grenzenloser Wut auf ihn zuraste. Und irgendwo, sehr weit entfernt, aber rasch näherkommend, begann etwas Schwarzes, Wirbelndes wie eine lebende Decke das Gelb der Wüste zu verschlingen…
Mit einem krächzenden Schrei prallte Torian zurück.
Und die Spinnen verschwanden. Von einer Sekunde auf die andere lag die Wüste wieder so still und tot da wie immer; nur der Sand tanzte in verspielter Bosheit im Wind, der bizarre Formen aus dem aufgewirbelten Sand und Staub schuf. Von den Spinnen war keine Spur mehr zu entdecken, nicht einmal von den beiden Tieren, die nur noch wenige Schritte von ihm entfernt gewesen waren.
»Was… was war das?« murmelte Torian mit zitternder Stimme. Vergeblich versuchte er sich einzureden, daß es nur eine Täuschung gewesen war, nichts als ein Trugbild, das ihn gewarnt hatte, hervorgerufen durch die Hitze und den Durst und seine vollkommen überreizten Nerven.
»Ich weiß nicht, was du gesehen hast«, antwortete Shyleen mit einer Ruhe, die ebensowenig echt war wie die Bewegungen im Sand, die er immer noch aus den Augenwinkeln wahrzunehmen glaubte. »Aber es war dasselbe, was dir zustieß, kurz bevor wir dich fanden.« Sie stand auf, trat an Torians Seite und machte eine Geste, als wollte sie ihm die Hand auf die Schulter legen, führte die Bewegung aber nicht zu Ende, sondern starrte nur mit brennenden Augen in die Wüste. »Das, was uns allen zustieße, würden wir weitergehen, auch wenn jeder von uns etwas anderes sähe«, fuhr sie nach einigen Sekunden fort. »Jeder würde in seine eigene, ganz persönliche Hölle geraten. Verstehst du, was ich dir erklären will?«