Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian blickte sie lange, sehr lange an. Er sagte kein Wort.
Er hatte geschlafen, viele Stunden lang, denn als er aufwachte, war es Nacht geworden, und der Mond stand bereits hoch am Himmel, wenn er sich nicht gerade hinter einer Wolke verbarg. Wie schon in den Nächten zuvor war es empfindlich kalt, und Torian fror, kaum daß er sich aus der Decke geschält hatte. Er machte einige Lockerungsübungen, um die Taubheit aus seinen Gliedern zu vertreiben, bevor er Harnisch und Umhang anlegte und die Plane seines Zeltes zurückschlug.
Die meisten Männer schienen sich bereits schlafen gelegt zu haben, nur wenige saßen noch um ein Lagerfeuer herum. Auch Shyleen hielt sich bei ihnen auf. Cathar hingegen war nirgendwo zu entdecken, aber Torian war sich sicher, daß der Magier irgendwo im Verborgenen lauerte und seinen Aufbruch beobachtete.
Er wartete, bis sich wieder eine Wolke vor das bleiche Antlitz des Mondes schob, dann huschte er lautlos vorwärts, zwischen den Zelten hindurch und tauchte in der tintigen Schwärze der Nacht unter. Abgesehen von den Menschen am Feuer gab es keine Wachen, so daß es ihm gelang, das Lager unbemerkt zu verlassen. Erst als er einen Dünenkamm überschritten hatte und sich nun unmittelbar vor der Grenze des Wahnsinnsschirmes befinden mußte, blieb er stehen und kauerte sich in den Sichtschutz eines Felsens.
Totenstille lastete um ihn herum, sah man vom ewigen Säuseln des Windes ab, das er kaum noch bewußt zur Kenntnis nahm. Jetzt, wo er sich nicht mehr bewegte, kroch die Kälte unangenehm unter seine Kleidung und ließ ihn frösteln. Torian schaufelte mit den Händen etwas Sand zur Seite. Nur die oberste Schicht war abgekühlt, der darunterliegende Sand hatte noch die Hitze des Tages gespeichert, und Torian duckte sich tief in die Mulde.
Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, aber vielleicht kam es ihm auch nur so vor, weil er nicht sicher war, ob seine Rechnung wirklich aufgehen würde, und fieberhaft darauf wartete, daß etwas geschah.
Aber schließlich vernahm er das gedämpfte Rascheln von Sand, und gleich darauf glaubte er wenige Meter entfernt eine Bewegung wahrzunehmen. Trotzdem hätte er die Gestalt, die in ihrer schwarzen Kutte beinahe völlig mit der herrschenden Dunkelheit verschmolz, fast übersehen. Erst als der Mond die Wüste wieder mit seinem kalten Licht übergoß, erkannte er, wen er vor sich hatte.
Lautlos stand er auf und näherte sich Cathar, doch mit seinen übermenschlich feinen Sinnen spürte ihn der Magier schon, als er noch mehrere Schritte von ihm entfernt war, und fuhr herum.
»Welche Überraschung, dich hier zu finden«, sagte Torian spöttisch. »Willst du die laue Nacht ebenfalls für einen Spaziergang nutzen?«
Die Augen des Magiers sprühten vor Zorn, wie Torian deutlich erkennen konnte, und er erwartete fast, daß er sich auf ihn stürzen würde. Doch er entdeckte auch Verwirrung in Cathars Zügen.
»Und wenn es so wäre?« fragte der Magier nach einigen Sekunden.
»Wie wäre es denn, wenn wir diesen Spaziergang gemeinsam unternähmen? Es soll nicht ganz ungefährlich für einen allein hier draußen sein, habe ich mir sagen lassen.«
Wieder schien es für einen kurzen Moment so, als ob der Magier ihn angreifen wollte, doch dann nickte Cathar nur wütend. »Also gut. Du willst vor dem Schirm nicht kapitulieren. Natürlich liegt das in meinem Interesse, versuchen wir es gemeinsam. Was weißt du?«
»Ich weiß nichts«, erwiderte Torian. »Aber ich glaube, ich habe einen der Einstiege in die Kavernen entdeckt. Mit ein wenig Glück ist es wirklich einer.«
»Und mit ein wenig Pech sind wir in ein paar Minuten tot«, ergänzte der Magier ruhig. Dann lächelte er. »Ich habe etwas in dieser Art vermutet. Es liegt an dem Parasiten in dir. Ohne daß du es merktest, hat er dich wohl zu diesem Einstieg geführt.«
Torian schrak fast unmerklich zusammen. Er hatte bislang angenommen, es wäre Zufall gewesen, obwohl sein Verstand ihm erfolglos, aber hartnäckig zugeflüstert hatte, daß es solche Zufälle nicht gab. Etwas hatte die ganze Zeit über verhindert, daß sein Denken in diese Richtung irrte, und es war ihm nicht einmal sonderbar erschienen, daß er sich ohne weiteres zutraute, den Weg zum Trichter des Ameisenlöwen wiederzufinden, obwohl er in kopfloser Flucht von dort fortgerannt und auch ein Stück bewußtlos von Shyleen getragen worden war. Aber er spürte die Richtung, und wenn er die Augen schloß, konnte er den Trichter fast vor sich sehen.
Er zog eine Fackel unter dem Umhang hervor und entzündete sie. »Gehen wir«, forderte er ihn auf und wollte sich umdrehen, doch Cathar hielt ihn am Arm fest.
»Einen Moment noch«, erwiderte der Magier. »Da ist etwas, was ich dir sagen muß. Meine Macht reicht vielleicht aus, die Wirkung des Schirmes während des ersten Stückes Weg aufzuheben, aber mehr auch nicht. Wenn wir wirklich an einen Einstieg gelangen, kann ich sie allenfalls etwas mildern. Ich weiß nicht einmal, ob ich mich selbst vor der Ausstrahlung der Mho’Dhul abkapseln kann. Alles weitere liegt dann an dir. Vielleicht kann dieses Ding in deiner Schulter dich schützen, denn wenn es dir heute mittag nicht geholfen hätte, wärest du binnen weniger Sekunden wahnsinnig geworden. Aber es kann durchaus sein, daß es in den Kavernen selbst seine Macht verliert. Ich möchte, daß du das weißt.«
Torian schluckte und kämpfte seine Furcht nieder, dann nickte er. »Versuchen wir es«, entschied er und trat über die unsichtbare Grenzlinie. Alles, was er spürte, war ein leichtes Kribbeln, als würden Dutzende sanfter Hände über seinen Körper streichen; das war alles, und das Gefühl verflog so schnell, wie es gekommen war. Unsicher schaute er sich um. Von Spinnen, Riesenameisen oder irgendwelchen anderen namenlosen Schrecken, welche die Mho’Dhul ihm vorgaukeln mochten, war nichts zu entdecken.
Er machte einen weiteren Schritt und blieb wieder stehen, wandte sich um und wartete, bis Cathar an seine Seite getreten war. Das Gesicht des Magiers war angespannt, selbst er schien dem scheinbaren Frieden um sie herum nicht zu trauen. Langsam gingen sie weiter, schauten sich immer wieder in alle Richtungen um, und zumindest Torian wartete förmlich darauf, daß etwas passierte.
Um sich zu orientieren und die Richtung zu bestimmen, brauchte er seine Augen nicht einmal. Der Einstieg (wenigstens hoffte er, daß es sich um den Einstieg handelte und seine Nerven und die aufgeputschte Phantasie ihm nicht nur einen Streich spielten) zerrte wie mit unsichtbaren Händen an ihm und lenkte seine Schritte. Doch er spürte noch etwas anderes. Vielleicht war es nur eine Einbildung, weil er fürchtete, etwas zu spüren, aber er vermeinte immer wieder ein leichtes Gleiten und Huschen in der Wirklichkeit zu entdecken; flüchtige Bewegungen, die er nur aus den Augenwinkeln wahrnahm, gerade am Rande des Sichtbaren, und die verschwanden, sobald er sich genauer darauf zu konzentrieren versuchte, als ob sich eine zweite Realität über die ihm vertraute Wirklichkeit zu schieben und sie zu verdrängen trachtete und mit jeder Sekunde deutlicher wurde. Die den Wahnsinn bringende Ausstrahlung der Mho’Dhul.
»Wie weit ist es noch?« fragte Cathar. Sein Gesicht war schweißüberströmt, seine Lippen bebten. »Es… es wird stärker. Ich fürchte, es nicht noch lange zurückdrängen zu können.«
»Ich weiß es nicht«, entgegnete Torian. »Aber ich glaube nicht, daß-«
Er kam nicht dazu, den Satz zu vollenden. Ein gigantisches, mehr als mannsgroßes Spinnenbein, einem Tentakel gleich, tastete aus dem Nichts nach ihm, wuchs in die Höhe und verschmolz mit einem ebenso gewaltigen, schwarzbehaarten Leib. Mit einem heiseren Schrei prallte Torian zurück. Mit der Fackel schlug er nach dem Spinnenbein und packte mit der freien Hand den Knauf seines Schwertes, brauchte es aber nicht zu ziehen. Die finstere Säule und der monströse Schatten über ihm verschwanden so rasch, wie sie gekommen waren.
»Weiter«, stieß Torian hervor. Das Sprechen fiel ihm schwer. »Ich glaube, der Trichter liegt hinter der Sanddüne da vorne.« Er unterstrich seine Worte mit der entsprechenden Armbewegung.