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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Nervös?« fragte eine Stimme hinter ihm, die wohl spöttischer klingen sollte, als sie es tatsächlich tat.

Torian schrak aus seinen Grübeleien hoch, drehte sich herum und erkannte Cathar in der schlanken Gestalt, die sich wie ein Schatten vom nachtdunklen Hintergrund des Gesteins abhob. Er hatte den Magier nicht näher kommen gehört. Um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen, antwortete er nicht gleich, sondern starrte den Magier nur an, der wie er im Schutze eines mächtigen Felsblockes niedergekniet war und zum Turm der kleinen Festung hinaufblickte. Die sonderbar geformten Zinnen des bizarren Bauwerkes erinnerten ihn an die Zähne eines riesengroßen Raubtieres, und die schmalen Fensteröffnungen schienen wie schwarze Augen zu ihnen herabzustarren. Aber Torian wußte, daß sie nicht in Gefahr waren, entdeckt zu werden.

Nach einer Weile nickte er. »Um ehrlich zu sein, ich habe sogar ganz erbärmliche Angst«, gestand er. »Ich habe immer mehr das Gefühl, daß dieser Berg eine einzige tödliche Falle ist.«

Cathar zuckte die Achseln. »Vielleicht.« Er deutete mit einer Kopfbewegung nach oben. »Aber ich bin sicher, daß dort oben nichts mehr lebt. Ansonsten wäre unser Unternehmen von vorneherein zum Scheitern verurteilt.«

Torian wußte, daß der Magier nur zu recht hatte. Man mußte kein Meisterstratege sein, um zu erkennen, daß diese an sich nicht sehr große, halb aus dem Fels herausgemeißelte Festung allein reichte, eine ganze Armee aufzuhalten. Der Pfad hier herauf war so schmal, daß zwei Männer nicht nebeneinander gehen konnten, und er verlief schnurgerade, ohne die allergeringste Deckung. Cathar hatte nicht übertrieben – ein einziger Mann, der hinter den Zinnen des Kastells stand, konnte eine Armee aufhalten, indem er nur mit Steinen warf.

»Nein, vor körperlichen Feinden habe ich keine Angst«, fuhr der Magier fort, ohne auf eine Antwort Torians zu warten. »Aber es gibt etwas anderes, das ich fürchte. Es ist dieses Land selbst. Die meisten der Narren dort hinten halten es einfach für ein Stück nutzloser Erde, auf dem es nur Sand und Steine und allenfalls ein paar giftige Spinnen und Skorpione gibt, aber wir wissen beide, daß es nicht stimmt. Du spürst es ebenso wie ich, nicht wahr? Dieses Land lebt. Und es registriert sehr genau, wer es betritt und was er tut.«

Torian erschrak ein wenig, denn Cathar hatte genau das ausgesprochen, was ihm selbst durch den Kopf ging, aber er entgegnete noch immer nichts. Statt dessen musterte er den Magier aufmerksam. Obwohl sie dicht nebeneinander kauerten, konnte er das Gesicht Cathars nicht richtig erkennen, denn die Nacht war sehr finster. Aber er spürte dafür um so deutlicher, daß sich der Magier nur äußerlich gelassen gab. Innerlich war auch er bis zum Zerreißen gespannt.

Torian schob den Gedanken mit Macht von sich, drehte sich wieder herum und blickte zu der Bergfestung hinauf, die irgendwo über ihnen aufragte. Trotz ihres unheimlichen und angsteinflößenden Äußeren war sie jetzt nur noch als Schatten auszumachen, wie ein kolossales schwarzes Loch in der Wirklichkeit. Man konnte nicht sehen, wo der natürlich gewachsene Fels aufhörte und das Mauerwerk des Kastells begann. Vielleicht lag es aber auch nur an den Schatten der Abenddämmerung, die sich nun immer rascher über das Land breiteten und in ihrem dämmerigen Licht ohnehin alles finsterer und bedrohlicher erscheinen ließen, als es tatsächlich war.

Nach einer Weile wandte sich Cathar schweigend um, bedeutete Torian mit einer Kopfbewegung, ihm zu folgen, und ging zum Lager zurück. Nicht der geringste Laut war von dort zu vernehmen, und selbst die Gestalten der Menschen schienen mit den Schatten der Nacht zu verschmelzen. Die Angst ballte sich wie eine finstere Wolke über dem Rastplatz, so deutlich, daß Torian glaubte, sie fast körperlich spüren zu können. Sein Blick huschte über die Gesichter der Menschen. Die meisten starrten mit steinerner Miene ins Nichts, warteten und hingen ihren Gedanken nach. Nichts schien sich seit seinem Aufbruch verändert zu haben.

Und doch…

Er spürte die Anwesenheit des Fremden überdeutlich. Es war da, unsichtbar und lautlos, wie ein übler Geruch, der sich in der Wirklichkeit festgesetzt hatte, wartend, bereit, und mit einem Mal empfand Torian Haß gegen sich selbst, daß er es – abgesehen von Cathar – als einziger fühlen konnte, während all die anderen ihrem Schicksal gegenüber blind und taub waren und allenfalls einen kleinen Teil dessen erahnen konnten, was um sie herum wirklich geschah.

Nicht einmal die Hälfte ihres Trupps war noch am Leben, seit einer der Männer auf dem Weg hier herauf an einem schmalen Felsgrat das Gleichgewicht verloren hatte und in die Tiefe gestürzt war. Torian fühlte sich schuldig am Tod jedes einzelnen Opfers, das diese Reise bislang gekostet hatte. Nicht dessentwegen, was er seit ihrem Aufbruch aus Armar getan hatte, denn das hatte er tun müssen, sondern weil er sich überhaupt auf dieses wahnsinnige Unternehmen eingelassen hatte. Die Menschen waren Cathar und ihm in blindem Vertrauen gefolgt, und wenn er ihnen auch niemals Hoffnungen gemacht hatte, von denen er nicht wußte, ob er sie erfüllen konnte, war er schon allein dadurch schuldig geworden, daß er den Plan des Schwarzen Magiers unterstützte. Aber er hatte nicht anders handeln können.

Er verscheuchte diese Gedanken, die ihn in letzter Zeit immer häufiger befielen, suchte sich einen geschützten Platz und schloß die Augen. Wenige Sekunden später war er bereits eingeschlafen.

Über der Wüste wurde es Tag. Und wie immer hier, in diesem Teil der Welt, der vielleicht zu den menschenfeindlichsten und gefährlichsten überhaupt zählte, ging die Sonne mit ungeheurer Pracht auf. Der Horizont war in flammendes Rot getaucht, und die Kälte der Nacht wich bereits jetzt einem ersten warmen Hauch, der bald zu stickiger Hitze und nicht viel später zu unerträglicher Glut werden würde. Aber erst bald, noch war es reichlich kühl. Manchmal brachte der Wind Geräusche mit sich: das Rascheln des Sandes, ein leises Klirren, der schwer zu beschreibende Laut sorgsam eingefetteten Leders, das über hartes Lavagestein schleifte, wenn sich einer der Männer im nur wenige Schritte entfernten Lager im Schlaf umdrehte. Und dann war da die Festung: ein Koloß wie eine zornig geballte Lavafaust vor dem flammendroten Himmel.

Obwohl sich der Horizont jetzt bereits seit Minuten mit der Röte der Morgendämmerung überzogen hatte, war es noch immer nicht hell geworden, wenigstens nicht hier, auf der der Sonne abgewandten Seite des zyklopischen Berges, dessen Schatten wie ein ins Gigantische vergrößerter Zeigefinger in die Wüste hinauswies und das Licht auffraß. Der Wind, der aus der Wüste herüberwehte und Torian und den Mann neben ihm, mit dem zusammen er vor knapp einer Stunde den letzten Teil der Nachtwache übernommen hatte, mit einem beständigen Bombardement kleiner spitzer Sandkörner überschüttete, war noch kalt und ließ ihn die Wärme des Felsens, auf dem er saß, um so deutlicher spüren. Es war eine unangenehme Wärme. Nicht die gespeicherte Sonnenhitze des vorangegangenen Tages, die der Stein jetzt allmählich wieder freigab, sondern eine eigenartige, irgendwie schmierige Wärme, als brodele tief unter dem Fuß dieses Höllenberges ein schwarzes Feuer, dessen tödlichen Hauch sie fühlten.

Torian versuchte den Gedanken abzuschütteln und sich auf seine eigentliche Aufgabe zu konzentrieren, aber es gelang ihm nur zum Teil. Das Kastell war irgendwo vor und über ihnen, denn obwohl er die Festung nicht sehen konnte, spürte er ihre Nähe wie einen üblen Hauch, der die ganze Umgebung erfüllte. Der Fels war so schwarz wie ein Stück gefrorener Nacht, und was er an Licht reflektierte, das schien der Riesenschatten des Berges aufzusaugen. Wenn es irgendwelche Wachen gab, hätten sie fünf Schritte vor ihnen sein können, und er hätte sie nicht gesehen.

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