Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Der Anblick ließ seine Selbstbeherrschung vollends zusammenbrechen. Er schrie auf, riß seine Hand los und schlug Shyleens Linke mit einem verzweifelten Hieb beiseite. Gleichzeitig kippte er wieder nach hinten, von der Kraft seiner eigenen Bewegung abermals in den Sand hineingestoßen. Diesmal versank er rasend schnell. Der Treibsand flutete wie scheuerndes Wasser an seinem Leib hinauf, erreichte sein Kinn, stieg weiter, überflutete seinen Mund, verschloß seine Augen; Sand kroch in seine Nase, zwängte sich zwischen seinen verzweifelt zusammengepreßten Zähnen hindurch und floß seine Kehle hinab. Er wollte husten, konnte es aber nicht. Rote Ringe tanzten vor seinen Augen.
Plötzlich fühlte er sich erneut gepackt und mit unwahrscheinlicher Kraft in die Höhe gezogen, heraus aus dem Treibsand – und mitten hinein in den zuckenden Teppich aus Tausenden von Spinnenleibern.
Halb wahnsinnig vor Panik begann er um sich zu schlagen, als die Spinnen auf ihn zustürmten und ihre winzigen, giftigen Zähne in seine Haut bohrten. Shyleen wollte seine Hand festhalten, doch das Entsetzen verlieh Torian schier übermenschliche Kräfte. Er schlug abermals ihren Arm beiseite, versetzte ihr einen Stoß, der sie rücklings taumeln und zum zweiten Male in die Spinnenarmee hineinstürzen ließ, fuhr herum und fiel ebenfalls auf die Knie. Spinnen krochen an seinen Beinen empor, hakten sich mit drahtigen Klauen in seine Kleider, krabbelten unter sein Wams, fingerten nach seinem Haar und seinem Gesicht. Torian schrie, sprang hoch und begann auf die Spinnen einzuschlagen. Dutzende von ihnen starben, aber für jede, die er erschlug, hasteten zehn neue herbei, und plötzlich lief eine schwerfällige, wogende Bewegung durch die gewaltige Masse der Tiere. Dann begann sich das grauenerregende Heer rings um ihn zusammenzuziehen. Die Viecher bildeten einen regelrechten Wall um ihn, der mit jeder Sekunde höher wurde. Seine Beine verschwanden bis zu den Waden in der zuckenden schwarzen Masse, dann bis zu den Knien, den Oberschenkeln…
Eine Hand packte ihn an der Schulter und riß ihn grob herum. Er sah einen Schatten auf sich zurasen, zog instinktiv den Kopf ein und spürte den brennenden Schmerz einer Ohrfeige. Sein Kopf wurde in den Nacken geworfen. Er keuchte, verlor das Gleichgewicht und fiel nach hinten, mitten hinein in die wogende Masse der Spinnen. Ein zweiter Schlag traf ihn, als er aufspringen wollte. Wieder hörte er Shyleens Stimme irgend etwas schreien, aber er war wie von Sinnen vor Angst.
Plötzlich sah er etwas anderes vor sich; den dunklen Stoff einer Kutte, und darunter ein Gewimmel von schwarzem Horn und Haar anstelle eines Gesichts, mit Augen darin; die vor Zorn – aber auch Sorge – zu brennen schienen, aber er war noch immer zu sehr in Panik, um es zu erkennen. Blind vor Angst hob er die Fäuste und schlug danach. Das letzte, was er bewußt wahrnahm, war Cathars Schwert, das mit der flachen Seite gegen seine Schläfe hämmerte und ihn bewußtlos zusammensinken ließ.
Es dauerte lange, bis er nach dem Aufwachen in die Wirklichkeit zurückfand. Auch ohne sich an den Inhalt des Traumes zu erinnern, war er sich des Umstandes, daß er geträumt hatte, vollends bewußt, aber es war ein Traum von der unangenehmen, hartnäckigen Sorte gewesen, dessen Einzelheiten unfaßbar blieben und nur einen vagen Eindruck von Angst und Entsetzen hinterließen, der einen jedoch noch ein gutes Stück ins Wachsein verfolgt und einfach nicht begreift, daß er dort nichts verloren hat. Torian brauchte einige Augenblicke, um sich ganz davon zu lösen; um so mehr, als es dort, wo er sich wiederfand, noch genauso heiß war wie in der Alptraumwelt seines Traumes, und sein Durst kaum weniger groß.
Er versuchte zu sprechen, aber seine Kehle war dafür viel zu ausgedörrt, und er brachte nur ein mühsames Krächzen zustande. Aber irgendwer in seiner Nähe reagierte darauf, und wenige Augenblicke später wurde sein Kopf sanft angehoben, und eine Schale mit kühlem Wasser berührte seine Lippen. Er leerte sie bis zur Neige, mit so tiefen, gierigen Schlucken, daß ihm fast sofort übel wurde und er all seine Kraft zusammennehmen mußte, um sich nicht zu übergeben und die kostbare Flüssigkeit gleich wieder zu erbrechen.
»Immer mit der Ruhe, Torian«, mahnte eine Stimme irgendwo hinter ihm. »Du bist außer Gefahr.«
Diese Stimme kam ihm bekannt vor, aber er wußte nicht, woher. Ein weibliches Gesicht erschien vor ihm, als er aufsah, schmal, mit weichen Zügen, eingerahmt von schulterlangem, schwarzem Haar, und etwas sagte ihm, daß er auch dieses Gesicht sehr gut kennen mußte. Aber irgend etwas stimmte nicht mit seinen Erinnerungen. Hinter seiner Stirn führten die Gedanken einen irren Tanz auf, Bilder, Namen, Erinnerungen und Fetzen von Gesprächen wirbelten wie verrückt durcheinander, gemischt mit Szenen aus dem Alptraum, dem er gerade entkommen war, ohne daß er sie zu fassen bekam. Stöhnend schloß er die Augen, ließ sich wieder zurücksinken und versuchte, sich mit Gewalt zur Ruhe zu zwingen – natürlich erreichte er so ungefähr das Gegenteil damit. Sein Herz begann wie wild zu pochen, und plötzlich war ihm heiß und kalt zugleich. Nur ganz langsam beruhigte sich sein rasender Puls.
Als er die Augen – nach einer Ewigkeit, wie es ihm schien – wieder öffnete, war das Gesicht noch immer über ihm, und diesmal erinnerte er sich auch an Shyleens Namen.
Woran er sich nicht entsinnen konnte, war, wie er hierhergekommen war – wo immer dieses hier auch sein mochte. Seine Gedanken begannen sich schon wieder zu verwirren. Er schloß erneut die Augen, preßte die Lider so fest aufeinander, daß bunte Kreise vor seinen Augen erschienen, und atmete gezwungen tief ein.
»Alles in Ordnung?« fragte Shyleen, als er die Augen wieder öffnete.
Natürlich war ganz und gar nichts in Ordnung, aber er nickte trotzdem, versuchte so etwas wie ein Lächeln auf seine Züge zu zwingen und setzte sich vorsichtig auf. Hätte ihn Shyleen nicht blitzschnell festgehalten, wäre er sofort wieder zurückgestürzt, denn in seinem Kopf begann sich augenblicklich wieder alles zu drehen.
»Nicht übertreiben«, warnte Shyleen. »Du bist noch ein bißchen wackelig auf den Beinen – vorsichtig ausgedrückt.«
Er lag auf dem Rücken, wie ein Kind im Schoße seiner Mutter mit dem Kopf auf ihren Oberschenkeln. Ihre Hand lag auf seiner Stirn, und er fühlte sich auf sonderbare Weise behütet und sicher; zumindest die zwei oder drei Sekunden lang, bis ihm die Spinnen und der Treibsand wieder einfielen und er mit einem gellenden Schrei in die Höhe fuhr.
Shyleen packte augenblicklich seine Arme, hielt ihn mit erstaunlicher Kraft fest und zwang ihn, sich zu entspannen. »Es ist alles in Ordnung, Torian«, wiederholte sie noch einmal. »Keine Angst, du bist in Sicherheit.«
Einen Herzschlag lang drohten ihn trotz ihrer beruhigenden Worte die Erinnerungen zu übermannen. Er glaubte, etwas Schwarzes, Kriechendes zu sehen, das unter dem Sand grub und wühlte, sich mit dünnen, haarigen Beinen in seine Richtung arbeitete und ihn anstarrte: gierig, geifernd, mit schnappenden, winzigen Kiefern…
Cathar, der neben Shyleen hockte, versetzte ihm eine schallende Ohrfeige. Der Schlag tat weh, aber er riß Torian auch in die Wirklichkeit zurück. Der Wahnsinn, der schon wieder nach seinen Gedanken hatte greifen wollen, zog sich übergangslos zurück, und er wurde sich seiner wirklichen Umgebung bewußt. Er lag nur wenige Schritte von der Stelle entfernt, an der er in den Treibsand geraten war, aber von der gewaltigen Spinnenarmee war keine Spur zu sehen. Auch spürte er nichts mehr von der Wirkung des Giftes. Verwirrt starrte er Shyleen an und ließ seinen Blick dann zu Cathar wandern. Obwohl er das Gesicht des Magiers nicht erkennen konnte, glaubte er, in den Augen stummen Zorn blitzen zu sehen. »Was ist… geschehen?« fragte er stockend.
»Das gleiche wollte ich dich gerade fragen«, erwiderte Shyleen zornig. »Du mußt von Sinnen sein, einfach blindlings in die Wüste hineinzulaufen.« Sie machte eine heftige Bewegung mit der geballten Faust. »Hätten wir dich nicht gefunden, wärest du jetzt tot.«