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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Torian schaute sich um, doch Cathar war nirgendwo zu erblicken, obwohl sie sich gerade noch berührt hatten. Dafür sah er etwas in der Mitte der Höhle. Erst als er näher trat, erkannte er einen nackten, geschlechtslosen Körper, der reglos auf einer Art Altar lag. Die Gesichtszüge wirkten seltsam unwirklich, unfertig, als hätte ein Modellbildner mitten in der Arbeit die Lust verloren.

»Töte es!« gellte Cathars Stimme von irgendwo her. Zögernd trat Torian bis ganz an den Unbekannten heran. Nichts an der Gestalt wirkte feindselig oder gar bedrohlich. Es schien sich um ein harmloses, trotz seiner Fremdartigkeit fast Sympathie erweckendes menschenähnliches Wesen zu handeln.

Aber dann schlug die Gestalt die Augen auf, und Torian prallte mit einem Entsetzensschrei zurück. Unter den Lidern wurden zwei zerfranste Löcher voller dunklen, kochenden Blutes sichtbar, in dem sich Würmer ineinander verknotet hin und her wanden. Aus den Augen rannen schleimige, fast schwarze Blutfäden, die die Haut wie Säure zerfraßen, wo sie sie berührten. Gleichzeitig richtete sich die Gestalt mit einem Ruck auf und stieg von dem Altar herunter.

»Töte es!« schrie Cathar noch einmal, und diesmal konnte Torian den Magier sehen, der aus dem Hintergrund der gewaltigen Halle herangestürmt kam. Er zögerte nicht mehr länger, sondern stieß sein Schwert dem blutenden Ungeheuer, das mittlerweile jede Ähnlichkeit mit einem Menschen verloren hatte, in die Brust und riß es sofort wieder heraus. Ohne einen Laut brach die Kreatur zusammen.

Aber es war noch nicht vorbei.

Mit gespreizten Beinen stand Torian über dem Wesen, das er erstochen hatte. Seine Hände umklammerten das Schwert, und irgend etwas Finsteres, unglaublich Machtvolles umklammerte seinen Geist. Er verspürte mit einem Male das schreckliche Bedürfnis, seine Klinge zu nehmen und noch einmal in den reglosen Körper vor seinen Füßen zu treiben, immer und immer wieder. Natürlich tat er es nicht, aber es kostete ihn ungeheure Anstrengung, und er fühlte, wie dieses furchtbare Etwas in ihm stärker und stärker wurde. Es war wie ein Ungeheuer, das bis zu diesem Moment tief in seiner Seele geschlummert hatte und das nun erwacht war, ein schreckliches, namenloses Tier, das Blut geschmeckt hatte und nach mehr schrie.

Er stöhnte. Kalter Schweiß bedeckte seine Stirn. Seine Hände begannen zu zittern. Töte! wisperte eine Stimme in ihm. Töte! Töte! Töte!

Torian schaute auf. Cathars Gesicht schien vor ihm auf und ab zu tanzen, immer wieder zu verschwimmen, als woge ein unsichtbarer Nebel vor seinem Blick. Aber er sah trotzdem, daß es dem Magier nicht anders erging als ihm. Auch in seinen Augen flackerte das Grauen.

»Was… was ist… das?« flüsterte er. »Was geschieht mit uns?«

Cathar antwortete nicht, sondern stieß ebenfalls ein fast qualvolles Stöhnen aus. Blasiger Schaum erschien auf seinen Lippen, und für einen Moment verzerrte sich sein Gesicht. Torian begriff, daß der Magier die gleichen Qualen ausstand wie er selbst. »Jeder… sieht einen Mho’Dhul als… als ein Wesen seiner eigenen Rasse«, stieß Cathar schließlich hervor. »Sonst wäre…« Die weiteren Worte verstand Torian bereits nicht mehr. Das dunkle Etwas in seinem Geist wuchs, krallte sich in sein Bewußtsein und schaltete seinen Willen Stück für Stück aus. Und er war unfähig, sich dagegen zu wehren.

Dann war der Körper vor ihnen plötzlich verschwunden. Dafür erscholl hinter ihnen ein gellender, von rasender Wut erfüllter Schrei.

Sie fuhren in einer beinahe synchronen Bewegung herum. Die Monstergestalt stand hinter ihnen, und sie veränderte sich noch weiter. Die Hände verwandelten sich zu furchtbaren Klauen, die Finger zu rasiermesserscharfen Krallen. Die Haut war am ganzen Körper aufgeplatzt, und dahinter nahm Torian wimmelnde Bewegung von unzähligen Spinnen wahr.

Torian wollte sein Schwert heben, kam aber nicht mehr dazu. Alles ging unglaublich schnell, und trotzdem nahm er jede noch so winzige Einzelheit mit beinahe übernatürlicher Klarheit wahr. Cathar sprang vor und streckte beide Hände nach der Kreatur aus. Ein kehliger, abgehackter Schrei kam über seine Lippen. Torian glaubte die zerstörerischen Kräfte wie einen Hauch der Hölle zu spüren, die der Magier gegen das Ungeheuer schleuderte.

Die Gestalt explodierte.

Für den tausendsten Teil einer Sekunde schien ihr Körper von innen heraus aufzuglühen, dann brach ein unglaublich grelles, gleißendes Licht aus ihm hervor und riß ihn auseinander. Nur ein teerartiger, blasenschlagender Fleck auf dem Boden blieb von der Kreatur zurück.

Und irgend etwas in Torian stieß einen gellenden Triumphschrei aus.

Er schloß mit einem entsetzten Stöhnen die Augen und wandte sich ab. Aber das Bild der explodierenden Gestalt blieb vor seinem inneren Auge bestehen. Dies – und der Ausdruck lodernden Triumphes in den Augen des Magiers.

»Cathar«, flüsterte er entsetzt, »was hast du getan?«

Aber dann wurde das dunkle Etwas in ihm noch stärker, griff nach seinem Bewußtsein und fegte auch diesen Gedanken davon. Er spürte kaum noch, wie Cathar ihn hochhob und davontrug.

Sie hatten drei Stunden gebraucht, um den Fuß des Berges zu erreichen, und fast eine weitere, um einen Weg hinauf zu finden. Regen und Wind hatten den Granit im Laufe der Jahrmillionen so gründlich glattgeschliffen, daß ein Versuch, den Berg zu besteigen, dem sinnlosen Unterfangen gleichkam, eine steil geneigte Glaswand hinaufzuklettern. Doch es gab einen Weg, eigentlich nur einen schmalen Pfad. Torian hatte die dunkle Linie zuerst für einen Schatten gehalten, und erst als sie unmittelbar davorstanden, hatte er erkannt, daß es in Wirklichkeit ein zerklüfteter Riß war, der wie eine gezackte, von einer gigantischen Axt geschlagene Wunde im Gestein klaffte.

Von unten aus betrachtet hatte der Berg nicht einmal sonderlich hoch ausgesehen. Sicher, er war ein Koloß, massig und finster und schon durch seine alleinige Existenz beeindruckend; ein titanisches Monument, aber nicht sonderlich hoch. Wenigstens war es das, was Torian geglaubt hatte.

Aber es stimmte nicht. Sie quälten sich seit mehr als zwei Stunden über steile Pässe und Geröllfelder, aber der mißgestaltete Schatten der Burg auf seinem Gipfel war keinen Deut näher gerückt, fast als wüchse der Berg im gleichen Maße über ihnen empor, in dem sie ihn erklommen. Torian lächelte über diesen albernen Gedanken, aber es gelang ihm nicht vollends, ihn dorthin zurückzutreiben, wo er hergekommen war. Etwas blieb zurück; eine Unsicherheit, die ihm fremd war, und ein Gefühl körperloser Bedrohung, das ihn ängstigte. Viel mehr, als er sich selbst gegenüber einzugestehen bereit war.

Um mit seinen Gedanken allein zu sein, war er ein Stück vorausgeklettert, während die anderen im Schutz einer überhängenden Felsnase ein Nachtlager aufgeschlagen hatten. Wieder starrte er in die Höhe.

Die Festung ragte wie eine zornig geballte Faust aus schwarzem Stein gegen den Nachthimmel empor. Der Wind hatte sich gelegt, aber die Umgebung war immer noch von Bewegung erfüllt: ein Rascheln und Schaben hier, ein Huschen dort, ein leises Schleifen da… es war nichts Konkretes, nichts, worauf man deuten oder was man auch nur in Worte fassen konnte, aber es war da: ein lautloses, aber unüberhörbares Flüstern und Wispern irgendwo dicht jenseits der Wirklichkeit. Fast ohne daß er es selbst bemerkte, glitt Torians Hand zum Gürtel, strich über den Griff seines Schwertes und zog sich wieder zurück.

Es war noch nicht gänzlich dunkel geworden, und er konnte für kurze Zeit jede noch so winzige Einzelheit dort oben erkennen, denn die Luft war hier über der Wüste in den wenigen Minuten zwischen Tag und Nacht von geradezu phantastischer Klarheit. Und der Weg war auch nicht mehr weit: keine Meile mehr, die ihn und seine Begleiter von dem Kastell trennte. Dort oben rührte sich nichts. Torian glaubte zwar, zu spüren, daß mißtrauische Augen jede noch so winzige Bewegung hier unten verfolgten, aber zu sehen war nichts. Nur der gigantische, steinerne Drachen, der mit seinem Haupt den Turm im Mittelpunkt der Burg und mit seinen wie zum Sprung geöffneten riesigen Schwingen die Mauern des Kastells bildete, schien seinen starren Blick auf ihn gerichtet zu haben. Torian wußte, wie unsinnig dieser Gedanke war – aber für einen Moment glaubte er wirklich, den Blick dieser unheimlichen, aus uraltem schwarzem Granit gemeißelten Augen zu spüren. Einen Blick, der voller Bosheit und stummem Haß war.

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