Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Sie konnte ein Gefühl der Kränkung und des Ärgers nicht unterdrücken, als sie die Ungeduld in seinem Tonfall hörte. Dies war kein guter Zeitpunkt, um plötzlich rätselhaft und heimlichtuerisch zu werden. Wenn sie sich trennten, wie sollten sie sich dann wiederfinden? Dann fiel ihr der Ring wieder ein.
»Soll ich deinen Blutring jetzt überstreifen? Du hast gesagt, wir sollten sie tragen, falls wir getrennt würden.«
Ein Ausdruck von Erschrecken huschte über seine Züge, dann wurde seine Miene weicher. »Ja«, sagte er, »aber ich werde deinen noch nicht benutzen. Ich möchte dir nicht zeigen, was ich befürchte in der nächsten Stunde sehen zu müssen.«
Sie starrte ihn an. Was würde es sein, das er ihr nicht zeigen wollte? Hatte es etwas mit Lorlen zu tun?
»Ich muss gehen«, sagte er. Sie nickte und sah ihm noch eine Weile nach. Nachdem er außer Sicht war, eilte sie ins Nordviertel. Als sie den Schatten einer Gasse erreicht hatte, nahm sie Akkarins Ring aus ihrer Tasche und betrachtete ihn. Seine Warnung in der vergangenen Nacht war ihr nur allzu deutlich im Gedächtnis geblieben.
Aber wenn sie sich trennten, mussten sie in der Lage sein, mit dem anderen in Verbindung zu treten. Sonea schob ihre Zweifel beiseite und streifte den Ring auf ihren Finger. Am Rande ihrer Gedanken konnte sie jedoch kein Gefühl seiner Anwesenheit wahrnehmen. Sie suchte, spürte jedoch nichts. Vielleicht funktionierte der Ring nicht.
Nein, dachte sie, der Schöpfer des Rings kontrolliert, wie viel der Träger spürt. Aber der Ringschöpfer konnte nicht aufhören, die Gedanken und Erfahrungen des Ringträgers zu spüren. Das bedeutete, dass Akkarin jetzt jeden einzelnen ihrer Gedanken wahrnahm.
Hallo?, dachte sie.
Es kam keine Antwort. Sie lächelte und zuckte die Achseln. Was immer er tat, er wollte gewiss nicht, dass sie ihn ablenkte – und sie wollte auf keinen Fall seine Konzentration stören, wenn er sie am dringendsten brauchte.
Sie befolgte die Anweisungen des Führers und fand den Eingang zu dem Tunnel ohne Probleme. Zu ihrer Überraschung wartete Faren auf der anderen Seite. Sein Stellvertreter, der wortkarge Mann, den sie bereits einen Tag zuvor gesehen hatte, stand neben ihm.
»Die Gilde hat einen Ichani getötet«, erklärte Faren aufgeregt. »Ich dachte, ich erzähle es dir selbst.«
Sie lächelte, und ihre Stimmung hellte sich ein wenig auf. »Das ist mal eine gute Nachricht. Was ist mit den übrigen Ichani?«
»Die Frau streift allein durch die Stadt. Der Mann mit den Sklaven war beim letzten Bericht, den ich gehört habe, immer noch auf der Nordseite. Ich nehme an, die übrigen sind unterwegs zum Palast. Was macht dein ständiger Begleiter?«
Sie runzelte die Stirn. »Er musste sich um irgendeine Angelegenheit allein kümmern. Ich soll den Ichani mit den Sklaven finden und mich dann still verhalten.«
Faren grinste. »Dann machen wir uns am besten gleich auf die Suche nach ihm.«
Nach einem kurzen Marsch kamen sie in einer Gasse wieder ans Tageslicht. Faren führte sie zu einem hohen Stapel Kisten und trat durch eine schmale Lücke. Dort ging er in die Hocke und klopfte gegen etwas Metallisches.
Als die Luke geöffnet wurde und ein unangenehmer Geruch ihr entgegenwehte, unterdrückte Sonea ein Stöhnen.
»Schon wieder die Abwasserkanäle.«
»Ich fürchte, so ist es«, erwiderte Faren. »Sie sind der direkteste Weg, um aus der Stadt zu gelangen.«
Sie stiegen in die schummrige Dunkelheit hinab. Neben der Leiter stand ein Mann mit einem breiten Gesicht, der eine Lampe in der Hand hielt und eine zweite zu seinen Füßen stehen hatte. Der Dieb nahm die Lampe entgegen und bewegte sich an dem Mauervorsprung entlang, der an einer Seite des Tunnels verlief. Sie kamen an mehreren Lukenwächtern vorbei. An einer Stelle erklärte Faren Sonea, dass sie soeben unter der Äußeren Mauer hindurchgingen. Als sie wieder aus der Kanalisation stiegen, fand sie sich in einem vertrauten Teil der Hüttenviertel wieder. Faren führte sie schnell durch ein Tor in einer Mauer zurück auf die Straße der Diebe.
Ein Junge erwartete sie dort mit der Nachricht, dass der Ichani und die Sklaven sich jetzt nur noch wenige Straßen entfernt befanden.
»Sie sind auf dem Weg zur Hauptstraße«, sagte der Junge.
»Gib allen Bescheid, dass sie sich bereithalten sollen, dann melde dich wieder bei mir.«
Der Junge nickte und eilte davon.
Kurze Zeit später kletterten sie über eine wacklige Leiter in den zweiten Stock eines Hauses hinauf. Faren brachte Sonea zu einem Fenster, und sie entdeckte die sachakanischen Sklaven auf der Straße unter ihr. Der Ichani sah zu, wie zwei von ihnen mit Tabletts voller Brot aus einer Bäckerei kamen. Einige der Limek-ähnlichen Tiere kämpften um den Kadaver eines Rebers. Die Wagen waren nirgends zu sehen.
Der Junge, dem sie zuvor auf der Straße der Diebe begegnet waren, trat in den Raum. Seine Augen leuchteten vor Erregung.
»Es ist alles bereit«, verkündete er.
Sonea musterte Faren fragend. »Bereit wofür?«
»Wir haben einige Fallen für die Sachakaner aufgestellt«, erklärte Faren. »Das war Cerys Idee.«
Sie lächelte. »Natürlich. Was genau habt ihr geplant?«
Faren ging zu einem Seitenfenster hinüber. Darunter grenzte ein kleiner, umfriedeter Innenhof an eine schmale Gasse. Zwei stämmige Männer hielten eine lange Metallstange mit einer geschärften Spitze an die Mauer. Sie blickten nervös zum Fenster hinauf. Faren machte das Zeichen für »Warten«.
»Zwei weitere Männer stehen auf der anderen Seite der Gasse«, sagte Faren. »In jeder Mauer ist ein Loch, das mit falschem Mörtel gefüllt ist. Einer unserer unechten Magier wird den Ichani in die Gasse locken. Wenn er die richtige Stelle erreicht, werden die Männer ihn aufspießen.«
Sonea starrte ihn ungläubig an. »Das ist euer Plan? Das wird niemals funktionieren. Sein Schild wird den Ichani schützen.«
»Vielleicht wird er irgendwann träge und glaubt, die Mauern seien Schutz genug.«
»Vielleicht«, erwiderte sie, »aber die Chance, dass er das tut, ist äußerst gering. Ihr geht ein schreckliches Risiko ein.«
»Glaubst du, unsere Helfer wüssten das nicht?«, sagte Faren leise. »Sie wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es nicht funktionieren wird. Sie sind einfach genauso entschlossen wie du, gegen diese Sachakaner zu kämpfen.«
Sie seufzte. Natürlich würden die Hüttenleute kämpfen wollen, selbst wenn sie dazu ungeheure Risiken eingehen mussten. »Hm, wenn es nicht funktioniert, sollte ich dort unten sein, um -«
»Zu spät«, sagte Farens Stellvertreter. »Schaut euch das an.«
Sonea trat vor eins der Fenster mit Blick auf die Straße und sah, dass der Ichani und seine Sklaven sich näherten. Einige Jugendliche kamen den Sachakanern von der anderen Seite der Straße entgegengelaufen und begannen, Steine nach ihnen zu werfen. Als der Ichani auf sie zuging, hörte Sonea einen erstickten Aufschrei, dann erschien direkt unter ihr ein in Roben gewandeter Mann auf der Straße. Er eilte auf den Ichani zu, dann blieb er am Eingang der Gasse stehen. Als der Ichani den falschen Magier sah, lächelte er.
Ein Zauber zuckte durch die Luft. Der falsche Magier konnte ihm mit knapper Not ausweichen und in die Gasse fliehen.
Sonea lief zu dem Seitenfenster hinüber. Die beiden Männer mit dem Speer waren bereit zuzustoßen. Es konnte unmöglich funktionieren… aber wenn doch… Voller Entsetzen wurde ihr klar, was geschehen würde.
»Faren, ich muss hinunter auf die Straße.«
»Dazu bleibt nicht genug Zeit«, entgegnete er. »Pass auf.«
Der Ichani trat in die Gasse. Der Mann in der Robe blieb stehen. Sonea konnte das schwache Aufflackern einer Barriere erkennen, die ihm den Weg versperrte. Als der Ichani nur noch einen Schritt von den versteckten Männern entfernt war, schrie der falsche Magier etwas, das Sonea nicht verstand. Die Speere schnellten durch die Mauer…
…und bohrten sich tief in den Körper des Ichani. Der Sachakaner schrie vor Schmerz und Überraschung.