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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Es gab jedoch noch einen anderen Weg, in die Stadt zu gelangen: die Lücke in der Äußeren Mauer, die um das Grundstück der Gilde verlief.

Dann fragte er sich, warum die Ichani ihre Kraft auf die Zerstörung der Stadttore vergeudet hatten. Sie mussten aus den Gedanken der Magier, die sie im Fort und in Calia gefangen und getötet hatten, von der Bresche in der Äußeren Mauer erfahren haben. Vielleicht hatten sie der Gilde ihre Überlegenheit demonstrieren wollen. Und möglicherweise beabsichtigten sie, die verlorene Energie zu ersetzen, indem sie gewöhnlichen Imardiern auflauerten.

So oder so, sie mussten sich ihrer Stärke und ihres Sieges über Kyralia sehr sicher sein. Während Rothen zu dem bewaldeten Hügel hinter der Gilde hinüberritt, stieg ein wachsendes Gefühl der Angst in ihm auf. Würde er zu spät kommen? Hatten die Ichani die Gilde bereits zerstört? Auf jeden Fall musste er sich dem Gelände mit äußerster Vorsicht nähern.

Als er die ersten Bäume erreichte, ließ er seine Stute langsamer laufen. Der Wald wurde schnell dichter, bis Rothen absitzen und die Stute führen musste. Ein Bild flammte vor seinen Augen auf. Nicht noch einmal…

Während er weiterging, überlagerte die Erfahrung des Todes seine Umgebung. Diesmal war es eine Palastwache. Als die Vision erlosch, stieß Rothen einen tiefen Seufzer aus.

Der Hang wurde steiler. Rothen stolperte durch niedrige Vegetation, über Holzscheite, Steine und Löcher im Boden. Nachdem er eine freie Fläche erreicht hatte, hob er den Kopf und sah etwas Weißes durch die Bäume schimmern.

Beim Anblick der Gebäude überwältigten ihn Erleichterung und Glück. Er eilte weiter, bis er am Rand des Waldes angelangt war. Auf einer Lichtung unter ihm standen Dutzende kleiner Häuser: ein Dorf.

Obwohl Rothen nur wenige hundert Schritte entfernt von hier gelebt hatte, hatte er das Dorf nur einmal gesehen, als Novize. Die Siedlung war als Dienstbotenquartier bekannt.

Er ging zu den Gebäuden hinunter, und eine der Türen wurde geöffnet. Ein Mann, der eine Dienstbotenuniform trug, eilte ihm entgegen.

»Mylord«, sagte der Mann und verneigte sich hastig. »Wie steht die Schlacht?«

»Das weiß ich nicht«, antwortete Rothen. »Ich bin soeben erst angekommen. Warum bist du noch hier?«

Der Mann zog die Schultern hoch. »Ich habe mich freiwillig gemeldet, ein Auge auf die Häuser zu haben, bis alle zurückkehren.«

Rothen klopfte seiner Stute auf den Hals. »Ist noch jemand aus den Ställen hier?«

»Nein, aber ich kann mich um Euer Pferd kümmern.«

»Danke.« Rothen reichte dem Diener die Zügel. »Wenn bis zum Ende des Tages niemand zurückkommt, verlass das Dorf. Wenn du willst, kannst du das Pferd nehmen.«

Der Mann schien überrascht zu sein. Er verbeugte sich, dann strich er der Stute sanft über die Nüstern und führte sie davon. Rothen wandte sich ab und machte sich auf den Weg zur Gilde.

Drei Stunden waren verstrichen, seit Cery sich von Sonea und Akkarin getrennt hatte. Den Berichten seiner Männer zufolge war Sonea in die Hüttenviertel gegangen, um sich den einzelnen Ichani vorzunehmen. Akkarin war im Inneren Ring verschwunden, und Takan konnte nicht sagen, was sein Herr tat.

Sie hatten eine Schmugglerhöhle unter dem Inneren Ring als Treffpunkt ausgewählt. Es war ein großer Raum, in dem sich Waren bis zur Decke stapelten. Als drei Gestalten durch den Gang zwischen den Regalen auf ihn zukamen, lächelte Cery und eilte ihnen entgegen.

»Deine Gilde hat einen der Ichani getötet«, sagte er. »Einer ist tot, sieben sind noch übrig.«

»Nein.« Sonea lächelte. »Zwei sind tot, sechs sind noch übrig.«

Cery sah Faren an. »Der in den Hüttenvierteln?«

»Ja, auch wenn es nicht mein Werk war.«

Er grinste triumphierend. »Dann hat also eine meiner Fallen funktioniert?«

»Ich denke, du solltest dir erst einmal anschauen, was von den Hüttenvierteln noch übrig ist, bevor du damit prahlst«, erwiderte Faren trocken. Sein Stellvertreter nickte zustimmend.

»Was ist passiert?«, fragte Cery an Sonea gewandt.

»Das kann Faren dir später erklären.« Sie blickte über seine Schulter, und er drehte sich um. Takan kam auf ihn zu. »Weiß einer von euch, wo Akkarin ist?«, fügte Sonea hinzu.

Der Diener schüttelte den Kopf. »Ich habe seit zwei Stunden nichts mehr von ihm gehört.«

Sonea runzelte die Stirn. Da Takans Gesicht den gleichen Ausdruck zeigte, vermutete Cery, dass Akkarin in einem Alleingang unterwegs war, worin dieser auch bestehen mochte. Was war so wichtig, dass der Magier sein Tun vor seinen beiden engsten Gefährten verborgen hielt?

»Wo sind die anderen Ichani?«, fragte Faren.

»Fünf sind im Palast, einer streift durch die Stadt«, antwortete Cery.

»Lass mich raten«, sagte Sonea, »es ist die Frau, die sich von den anderen getrennt hat.«

»Ja.«

Sie seufzte. »Ich sollte wohl besser hier warten, bis Akkarin zurückkommt.«

Cery lächelte. »Ich habe hier unten jemanden versteckt, den du treffen solltest.«

»Oh, und wer ist das?«

»Ein Magier. Ich habe ihn vor der Ichani gerettet. Er ist sehr dankbar. Tatsächlich ist er so dankbar, dass er sich freiwillig erboten hat, den Köder für unsere nächste kleine Falle zu spielen.«

Cery führte sie um einen Stapel Kisten herum in eine kleine Nische, in der etliche Stühle standen. Auf einem davon saß ein Novize. Als sie näher kamen, blickte er auf, dann erhob er sich lächelnd.

»Sei gegrüßt, Sonea.«

Sonea starrte ihn entsetzt an. Wie er erwartet hatte, antwortete sie mit zusammengebissenen Zähnen.

»Regin.«

35

In der Falle

»Setz dich, Sonea«, drängte Cery sie. »Ihr beide bleibt hier, während ich uns etwas zu essen besorge.«

Sonea sah Cery fassungslos an. Zweifellos hatte er keine Ahnung von dem, was zwischen ihr und Regin vorgefallen war. Dann zwinkerte er ihr zu, und sie begriff, dass er sich durchaus daran erinnert hatte, wer Regin war.

»Nur zu«, sagte er. »Ihr beide habt euch sicher viel zu erzählen.«

Sonea nahm widerstrebend Platz. Sie wandte sich zu Faren um, aber der Dieb war auf die andere Seite des Raums gegangen und unterhielt sich leise mit seinem Stellvertreter. Takan lief in einer anderen Ecke auf und ab. Regin sah sie an, dann wandte er den Blick ab, rieb die Hände aneinander und räusperte sich schließlich.

»Also«, begann er, »hast du schon irgendwelche Sachakaner getötet?«

Sonea widerstand dem Drang, in Gelächter auszubrechen. Es war eine seltsame, aber auch irgendwie passende Art, ein Gespräch mit ihrem alten Feind anzufangen.

»Zwei«, antwortete sie.

Er nickte. »Den in den Hüttenvierteln?«

»Nein. Einen im Südpass und einen vorher, in der Stadt.«

Er blickte zu Boden. »War es schwer?«

»Jemanden zu töten?« Sie verzog das Gesicht. »Ja und nein. Man denkt wohl nicht weiter darüber nach, wenn man versucht, nicht selbst getötet zu werden. Die Gedanken kommen erst später.«

Er lächelte schwach. »Ich wollte eigentlich wissen, ob es schwer ist, diese Ichani zu töten.«

»Oh.« Sie senkte den Kopf. »Wahrscheinlich. Ich hatte bei diesen beiden nur Erfolg, weil ich sie überlistet habe.«

»Weißt du denn nicht, wie stark sie sind?«

»Nein. Ich bin mir nicht einmal sicher, wie stark ich selbst bin. Ich nehme an, das werde ich herausfinden, wenn ich gegen einen von ihnen kämpfen muss.«

»Woher weißt du dann, ob du einen Kampf gewinnen kannst?«

»Gar nicht.«

Regin sah sie ungläubig an. Dann errötete er und wandte den Blick ab. »Wir haben es dir alle ziemlich schwer gemacht«, sagte er leise. »Lord Fergun, ich und die anderen Novizen… und die ganze Gilde, als sie herausgefunden hat, dass du schwarze Magie erlernt hattest – aber du bist trotzdem zurückgekommen. Du bist trotzdem bereit, dein Leben für uns aufs Spiel zu setzen.« Er schüttelte den Kopf. »Wenn ich von diesen Dingen gewusst hätte, wäre ich während des ersten Jahres nicht so grob zu dir gewesen.«

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