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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Dannyl nickte. »Dann werden wir ebenfalls in diese Richtung gehen.«

Das Grundstück der Gilde lag so still und verlassen da, wie es sonst nur in der Sommerpause der Fall war. Die Stille war jedoch zu vollkommen. Selbst während der wenigen Wochen des Jahres, in denen kein Unterricht stattfand und die meisten Magier die Gelegenheit nutzten, ihre Familien zu besuchen, war es auf dem Grundstück niemals so ruhig.

Als Rothen die Universität betrat, fragte er sich langsam, ob die Gilde tatsächlich der beste Aufenthaltsort für ihn war. Während der ganzen Reise nach Imardin hatte er keinen anderen Gedanken gehabt, als in seine vertraute Umgebung zurückzukehren. Aber jetzt stellte er fest, dass er die Sicherheit, die ihn in die Gilde gezogen hatte, hier nicht finden würde.

Aus den Gedanken von Karikos Opfern wusste er, dass die Gilde sich vor dem Palast ein letztes Mal den Ichani gestellt hatte. Sie hatten einen Sachakaner getötet, sich dabei jedoch vollkommen erschöpft. Bei Karikos folgenden Opfern hatte es sich um Palastwachen gehandelt, daher vermutete Rothen, dass die Ichani sich nach wie vor im Zentrum der Stadt aufhielten. Wohin würden sie gehen, sobald sie die Kontrolle über den Palast erlangt hatten? Rothen blieb am Eingang der Großen Halle stehen, und das Blut gefror ihm in den Adern.

Die Gilde.

Balkan weiß das, dachte er. Er wird allen den Befehl gegeben haben, die Stadt zu erlassen. Er wird wollen, dass wir uns an einem anderen Ort versammeln, unsere Energie erneuern und dann Pläne für die Rückeroberung Imardins schmieden. Ich sollte von hier fortgehen und versuchen, mich ihnen anzuschließen.

Rothen blickte zu der prächtigen Decke der Halle empor und stieß einen schweren Seufzer aus. Zweifellos würde all dies während der nächsten ein oder zwei Tage zerstört werden. Er schüttelte bekümmert den Kopf und wandte sich zum Gehen.

Zuerst glaubte er, die Ichani seien angekommen, dann erschrak er, als er die Stimmen erkannte. Er drehte sich um und eilte durch den Raum.

Vor der Gildehalle standen Balkan und Dorrien. Sie stritten miteinander, aber Rothen hielt nicht inne, um zu lauschen. Beide Männer drehten sich nach ihm um.

»Vater!«, stieß Dorrien hervor.

Eine Woge der Zuneigung und der Erleichterung schlug über Rothen zusammen. Er lebt. Dorrien kam auf ihn zugelaufen und umarmte ihn. Rothen versteifte sich, als ein scharfer Schmerz seine Schulter durchzuckte.

»Dorrien«, sagte er. »Was tust du hier?«

»Lorlen hat alle Magier nach Imardin gerufen«, antwortete Dorrien. Dann richtete er den Blick auf die Narbe an Rothens Wange, die Kariko ihm zugefügt hatte. »Vater, wir glaubten, du seist tot. Warum hast du keine Verbindung zu uns aufgenommen?« Stirnrunzelnd musterte er Rothens Schulter. »Du bist verletzt. Was ist passiert?«

»Ich war mir nicht sicher, ob ich es riskieren konnte, die Gedankenrede zu benutzen. Die Gilde hatte das Verbot verhängt und…« Rothen zögerte, denn es widerstrebte ihm, Dorrien von dem Ring zu erzählen. »Ich habe mir im Kampf die Schulter und den Arm gebrochen und die Knochen im Schlaf schlecht zusammengefügt. Aber du hast mir nicht geantwortet – oder vielleicht habe ich nicht die richtige Frage gestellt. Warum bist du in der Gilde? Hierher werden die Ichani doch gewiss als Nächstes kommen.«

Dorrien sah Balkan an. »Ich… ich habe nicht mit den anderen Magiern gekämpft. Ich habe mich bei der ersten Gelegenheit davongeschlichen.«

Rothen musterte seinen Sohn überrascht. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Dorrien einem Kampf auswich. Sein Sohn war kein Feigling.

Tiefe Mutlosigkeit zeichnete sich auf Dorriens Zügen ab. »Ich habe meine Gründe«, erklärte er. »Mehr kann ich darüber nicht sagen. Ich musste schwören, Stillschweigen in dieser Angelegenheit zu wahren. Du wirst mir vertrauen müssen, wenn ich sage, dass die Ichani mich auf keinen Fall fangen dürfen. Wenn sie meine Gedanken lesen, haben wir damit unsere letzte Chance verloren, die Ichani zu töten.«

»Unsere letzte Chance haben wir bereits gehabt«, warf Balkan ein. Dann wurden seine Augen plötzlich schmal. »Es sei denn…«

Dorrien schüttelte den Kopf.

»Stellt keine Mutmaßungen an. Ich habe bereits zu viel gesagt.«

»Wenn du dir solche Sorgen machst, dass die Ichani deine Gedanken lesen könnten, warum bist du dann hier in der Gilde, die wahrscheinlich ihr nächstes Ziel sein wird?«, fragte Rothen.

»Ich habe von der Eingangshalle aus einen guten Blick auf die Tore«, erwiderte Dorrien. »Sobald ich sie kommen sehe, werde ich durch den Wald fliehen. Wenn ich in die Stadt ginge, wäre die Gefahr noch größer, dass sie mich fangen.«

»Warum brecht Ihr dann nicht sofort auf?«, wollte Balkan wissen.

Dorrien wandte sich zu ihm um. »Ich werde erst dann gehen, wenn es unbedingt sein muss. Falls das Geheimnis, das ich hüte, auf andere Weise offenbart werden sollte, möchte ich hier sein, um zu helfen.«

Balkan runzelte die Stirn. »Wenn wir mit Euch fortgingen, könntet Ihr es doch sicher wagen, uns in Euer Geheimnis einzuweihen.«

Der eigensinnige Ausdruck auf Dorriens Gesicht war Rothen nur allzu vertraut. Er schüttelte den Kopf.

»Ich schätze Eure Chancen, ihn zu überreden, nicht allzu hoch ein, Balkan. Allerdings glaube ich durchaus, dass wir fliehen sollten, sobald die Ichani hier eintreffen. Was mich auf die Frage bringt, warum Ihr in der Gilde seid?«

Die Miene des Kriegers verdüsterte sich zusehends. »Irgendjemand sollte bleiben, um das Schicksal unserer Heimat zu bezeugen.«

Rothen nickte. »Dann werden wir drei bis zum Ende hier ausharren.«

»Süßes Blutkraut«, flüsterte Faren, der eine winzige Flasche in Händen hielt. »In Wein oder Süßspeisen praktisch nicht wahrnehmbar. Es wirkt schnell, also seid bereit.«

Sonea sah den Dieb an und verdrehte die Augen.

»Was ist los?«, fragte er.

»Irgendwie überrascht es mich nicht, dass du so viel über Gifte weißt, Faren.«

Er lächelte. »Ich gestehe, dass ich mich mit dem Thema vertraut gemacht habe, um es meinen Namensvettern gleichzutun. Diese Kenntnisse waren mir bisweilen recht nützlich, aber nicht annähernd so häufig, wie du glaubst. Dein Freund aus der Gilde scheint übrigens ein besonderes Interesse an dem Thema zu haben.«

»Er ist nicht mein Freund.«

Sonea drückte abermals ein Auge gegen das Guckloch. Der Raum dahinter wurde von einem großen Esstisch beherrscht. Silbernes Besteck glänzte sanft in dem Licht, das durch zwei kleine Fenster fiel. Auf den kostbaren Tellern lagen die kalten, geronnenen Überreste eine halb verzehrten Mahls.

Sie befanden sich in einer der großen Villen des Inneren Rings. Das Esszimmer war ein kleiner, privater Raum, der neben dem Haupteingang über zwei Dienstboteneingänge verfügte. Sonea und Faren standen hinter der einen Tür, Akkarin hinter der anderen.

»Cery schien zu glauben, dass es eine besondere Verbindung zwischen euch beiden gibt«, forschte Faren weiter nach.

Sie schnaubte leise. »Er hat sich einmal erboten, Regin zu töten. Es war ein verlockendes Angebot.«

»Ah«, erwiderte Faren.

Sonea betrachtete die Gläser auf dem Tisch. In den meisten befanden sich noch Reste von Wein. In der Mitte des Tisches standen Flaschen, die teils geöffnet, teils noch verschlossen waren. Und alle waren mit Gift versetzt.

»Also, was hat unser freiwilliger Helfer getan, dass er Cery zu einem so großzügigen Angebot verleitet hat?«

»Das geht dich nichts an.«

»Ach nein? Wie interessant.«

Sonea zuckte zusammen, als plötzlich die Haupteingangstür des Esszimmers aufgerissen wurde. Regin sprang in den Raum, dann drückte er die Tür hinter sich zu. Er lief um den Tisch herum zu dem Dienstboteneingang, hinter dem Akkarin sich bereithielt. Die Hand auf dem Griff, hielt er inne.

Die Haupttür wurde abermals geöffnet. Regin tat so, als versuche er verzweifelt, die Klinke der anderen Tür herunterzudrücken. Im nächsten Moment trat einer der Ichani in den Raum, und Soneas Herz begann zu rasen. Der Mann sah zuerst Regin an, dann fiel sein Blick auf den Tisch.

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