Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Lorlen schaute zu dem Alchemisten hinüber, der einige Schritte entfernt stand. Sarrin sah müde und abgehärmt aus, blickte dem näher rückenden Feind jedoch mit grimmiger Entschlossenheit entgegen. Balkan, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte, brachte es irgendwie fertig, zuversichtlich und gelassen zu wirken. Lady Vinara schien ebenso ruhig und entschlossen.
Lorlen wandte sich wieder den Wagen mit den Ichani zu. Die Späher hatten in der vergangenen Nacht berichtet, wo der Feind stand. Die Sachakaner waren nur wenige Reisestunden von der Stadt entfernt in ein verlassenes Bauernhaus eingebrochen. Es hatte den Anschein, als wollten sie erst am nächsten Tag angreifen, und der König war sehr erfreut gewesen, das zu hören. Er hoffte noch immer, dass Sarrin Erfolg haben würde.
Einer der Ratgeber des Königs hatte darauf hingewiesen, dass die Ichani sich nur dann Ruhe gönnen würden, wenn es unerlässlich war. Lorlen hatte den Mann erkannt; es war Raven, der Spion, der Rothen während der ersten Tage seiner Reise begleitet hatte.
»Wenn sie schlafen wollen, sollten wir es verhindern«, hatte Raven gesagt. »Ihr braucht keine Magier auszuschicken. Gewöhnliche Menschen mögen in einer magischen Auseinandersetzung nicht von Nutzen sein, aber unterschätzt unsere Fähigkeit nicht, andere zu plagen.«
Also hatte sich eine Hand voll Wachen in die Nacht aufgemacht, um Schwärme von Saftfliegen in das Bauernhaus zu werfen, die Sachakaner mit lautem Lärmen zu wecken und am Ende das Gebäude in Brand zu setzen. Letzteres geschah mit besonderer Genugtuung, da die Ichani zuvor einen der Wachmänner gefangen hatten. Was sie ihm angetan hatten, ließ nichts Gutes ahnen für die Bürger, die sich noch in Imardin aufhielten.
Lorlen blickte über die Schulter und betrachtete die Stadt. Die Straßen lagen still und verlassen da. Die meisten Mitglieder der Häuser waren nach Elyne gesegelt und hatten ihre Familien und Diener mitgenommen. Während der vergangenen zwei Tage hatte sich ein Strom von Wagen zum Südtor hinaus ergossen, als der Rest der Bevölkerung in die benachbarten Dörfer geflüchtet war. Die Wachen hatten, so gut sie es vermochten, für Ordnung gesorgt, aber sie verfügten nicht über genug Männer, um den Plünderungen zur Gänze Einhalt gebieten zu können. Sobald die Sonne am vergangenen Abend untergegangen war, hatte man die Tore geschlossen und die Befestigungen errichtet.
Natürlich könnten die Ichani die Tore ignorieren. Sie könnten direkt auf die Lücke zuhalten, wo die Äußere Mauer früher einmal das Grundstück der Gilde umgeben hatte.
Die Magier der Gilde konnten nichts tun, um das zu verhindern. Sie wussten bereits, dass sie diese Schlacht verlieren würden. Sie konnten nur hoffen, ein oder zwei Ichani zu töten.
Trotzdem graute Lorlen vor dem Gedanken, dass die prächtigen alten Bauten zerstört werden würden. Lord Jullen hatte die kostbarsten Bücher und Unterlagen zusammengepackt und wegbringen lassen und die übrigen in einem Raum unter der Universität eingeschlossen. Die Patienten, die sich in den Heilerquartieren aufgehalten hatten, waren ebenso aus der Stadt fortgeschickt worden wie Dienstboten und Familienangehörige.
Ähnliche Vorkehrungen waren im Palast getroffen worden. Lorlen schaute zu den Türmen hinüber, die jenseits der Inneren Mauer gerade noch zu erkennen waren. Die Stadtmauern waren erbaut worden, um die zentralen Gebäude zu schützen. Im Laufe der Jahrhunderte hatten die kyralischen Könige den Palast je nach Laune und Geschmack umgebaut, aber die Mauer darum herum war unversehrt geblieben. Und dahinter warteten die besten Männer der Wache, bereit zu kämpfen, falls die Gilde besiegt wurde.
»Sie haben die Hüttenviertel erreicht«, murmelte Osen.
Lorlen wandte sich wieder nach Norden und blickte zu den Hüttenvierteln hinüber. Das Labyrinth ungeplanter Straßen breitete sich vor ihm aus. Und alle waren verlassen. Er fragte sich, wo die Hüttenleute hingegangen waren. Weit fort, hoffte er.
Die Wagen der Ichani hatten jetzt die ersten Häuser erreicht und hielten an. Sechs Männer und eine Frau stiegen aus und gingen auf die nördlichen Tore zu. Die Sklaven zogen die Karren in die Hüttenviertel weiter.
Ein Ichani ist mit ihnen gegangen, stellte Lorlen fest. Einer weniger, der gegen uns kämpfen kann. Nicht dass das einen großen Unterschied machen würde.
»Der König ist da«, murmelte Osen.
Lorlen drehte sich zu dem näher kommenden Monarchen um. Die Magier knieten vor ihm nieder, dann erhoben sie sich hastig wieder. Lorlen folgte ihrem Beispiel.
»Administrator.«
»Euer Majestät«, erwiderte Lorlen.
Der König blickte zu den Sachakanern hinunter.
»Habt Ihr noch einmal versucht, Verbindung mit Akkarin aufzunehmen?«
Lorlen nickte. »Stündlich, seit Ihr es angeordnet habt.«
»Keine Antwort?«
»Nichts.«
Der König nickte. »Dann werden wir ihnen allein gegenübertreten. Lasst uns hoffen, dass er sich geirrt hat, was ihre Stärke angeht.«
Sonea hatte die Nordtore noch nie geschlossen gesehen. Die riesigen Metallplatten waren stets voller Rostflecken gewesen, und Schmutz hatte die Verzierungen verdeckt. Jetzt waren sie sauber und glänzten schwarz – zweifellos instand gesetzt aus Trotz und Stolz.
Auf der Mauer stand eine Reihe von Magiern. Braune Roben mischten sich unter die roten, grünen und purpurnen. Mitgefühl mit ihren ehemaligen Klassenkameraden stieg in ihr auf. Sie mussten furchtbare Angst haben.
Dann kamen auf der Straße unter ihr die Ichani in Sicht. Soneas Herz schlug schneller, und sie hörte, wie Akkarin leise nach Luft schnappte. Sie waren nur etwa hundert Schritte entfernt, und diesmal sah sie sie nicht durch die Augen eines anderen Magiers.
Sie, Akkarin, Cery und Takan beobachteten das Geschehen aus einem Haus an der Nordstraße. Cery hatte sie dort hingeführt, weil es in dem Gebäude ein kleines Turmzimmer über dem zweiten Stockwerk gab, von dem aus man den besten Blick auf das Gebiet vor den Toren hatte.
»Der Mann an der Spitze ist Kariko«, murmelte Akkarin.
Sonea nickte. »Und die Frau muss Avala sein. Was ist mit den übrigen?«
»Erinnerst du dich an den Spion, dessen Gedanken du gelesen hast? Der hochgewachsene Mann dort drüben ist Harikava, sein Herr. Die beiden am anderen Ende der Reihe sind Inijaka und Sarika. Ich habe sie in den Gedanken der Spione gesehen, die ich getötet habe. Die beiden anderen, Rikacha und Rashi, sind alte Verbündete von Kariko.«
»Es sind nur sieben«, sagte sie. »Einer fehlt.«
Akkarin runzelte die Stirn. »Ja.«
Die Ichani gingen einige Schritte am Haus vorbei, dann blieben sie stehen. Sie blickten zu der Reihe in Roben gewandeter Gestalten empor, die auf der Äußeren Mauer standen.
Die Stimme, die jetzt zu ihnen herunterwehte, erkannte Sonea nicht.
»Bleibt stehen, Sachakaner. Ihr seid nicht willkommen in meinem Land.«
Sonea sah, dass ein kostbar gewandeter Mann neben Administrator Lorlen stand.
»Ist das… der König?«
»Ja.«
Eine widerstrebende Bewunderung für den Monarchen stieg in ihr auf. Er war in der Stadt geblieben, obwohl er zusammen mit den Häusern hätte fliehen können.
Kariko breitete die Hände aus. »Behandelt man in Kyralia so einen Gast? Oder einen müden Reisenden?«
»Ein Gast tötet nicht die Familie und die Diener seines Gastgebers.«
Kariko lachte. »Nein. Willkommen oder nicht, ich bin in Eurem Land. Und ich will Eure Stadt. Öffnet Eure Tore, und ich werde Euch gestatten, weiterzuleben und mir zu dienen.«
»Wir würden lieber sterben, als Euresgleichen zu dienen.«
Soneas Herz tat einen Satz, als sie Lorlens Stimme erkannte.
»War das einer von denen, die sich ›Magier‹ nennen?« Kariko lachte. »Es tut mir leid. Das Angebot galt nicht Euch oder Eurer Gilde. Ich halte mir keine Magier. Der Tod ist die einzige Möglichkeit, mit der Eure jämmerliche Gilde mir dienen kann.« Er verschränkte die Arme vor der Brust. »Öffnet Eure Tore, König Merin.«