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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Sonea starrte ihn an, hin- und hergerissen zwischen Ungläubigkeit und Überraschung. War das eine Entschuldigung?

Er sah ihr in die Augen. »Ich wollte nur… falls ich all das überleben sollte, werde ich versuchen, es wieder gutzumachen.« Er zuckte die Achseln. »Falls ich das hier überleben sollte, ist das das Geringste, was ich tun kann.«

Sie nickte. Jetzt wusste sie erst recht nicht, was sie zu ihm sagen sollte. Dann jedoch brauchte sie nicht länger darüber nachzudenken, da eine hochgewachsene Gestalt zwischen den Kistenstapeln in Sicht kam.

»Akkarin!« Sie sprang von ihrem Stuhl auf und eilte ihm entgegen. Er lächelte ihr grimmig zu.

»Sonea.«

»Hast du gesehen, was die Hüttenleute getan haben?«

»Ja, ich habe es durch den Ring beobachtet, und ich habe auch die Folgen gesehen.«

Sie runzelte die Stirn. Seine Miene war angespannt, als verberge er den Schmerz einer Verletzung.

»Was ist los?«, flüsterte sie. »Was ist passiert?«

Sein Blick wanderte über ihre Schulter zu Regin hinüber. Dann griff er nach ihrem Arm und führte sie einige Schritte den Gang hinunter, bevor er sich mit einem schweren Seufzer wieder zu ihr umdrehte.

»Lorlen ist tot.«

Lorlen? Tot? Sie starrte ihn entsetzt an, dann schlug eine Woge des Mitgefühls über ihr zusammen, als sie die Qual in seinem Gesicht sah. Lorlen war Akkarins engster Freund gewesen, und doch hatte Akkarin ihn belügen, ihn erpressen und ihn durch den Ring kontrollieren müssen. Die vergangenen Jahre waren für die beiden furchtbar gewesen. Plötzlich erschien ihr die Last, die sie niederdrückte, seit sie von Rothens Tod erfahren hatte, unerträglich schwer.

Sie schlang die Arme um Akkarins Taille und legte den Kopf an seine Brust. Er zog sie fest an sich, dann holte er tief Luft.

»Ich bin Dannyl und Osen begegnet«, erzählte er ihr leise. »Sie waren bei Lorlen, daher wissen sie jetzt von unserer Anwesenheit in der Stadt. Ich habe ihnen gesagt, dass sie es den anderen nicht erzählen dürfen, und ich… ich habe Lorlens Ring an mich genommen.«

»Was ist mit dem Rest der Gilde?«

»Ich bezweifle, dass noch irgendjemand übrig ist, der nicht erschöpft oder der Erschöpfung nahe wäre«, antwortete er. »Die Diebe haben einige von ihnen in die Tunnel gebracht. Andere sind in die Gilde zurückgekehrt.«

»Wie viele sind ums Leben gekommen?«

»Das weiß ich nicht. Zwanzig. Fünfzig. Vielleicht mehr.«

So viele. »Was sollen wir jetzt tun?«

Er drückte sie noch einmal an sich, dann hielt er sie auf Armeslänge von sich weg.

»Kariko ist mit vier weiteren Ichani im Palast. Avala streift noch immer durch die Straßen. Wir müssen sie finden, bevor sie sich den anderen wieder anschließt.«

Sonea nickte. »Ich wünschte, ich hätte gewusst, was die Diebe mit dem Ichani in den Hüttenvierteln vorhatten. Dann hätte einer von uns seine Kraft nehmen können.«

»Ja, aber immerhin müssen wir uns jetzt um einen Ichani weniger kümmern.« Er ließ sie los und trat wieder in den Gang hinaus. »Dein Freund Cery hat einige interessante Ideen. Falls Kyralia überlebt, dürfte die Gilde feststellen, dass die Säuberung zu einer gefährlichen Übung geworden ist.«

Sonea lächelte. »Ich dachte, davon hätte ich sie schon überzeugt.«

»Nicht ganz so erfolgreich, wie Cerys Freunde es vielleicht tun werden.«

Als sie das andere Ende des Raums erreichten, stellte Sonea fest, dass Cery mit dem versprochenen Essen zurückgekehrt war. Takan machte sich hungrig über die Mahlzeit her und wirkte nicht mehr gar so besorgt wie zuvor. Regin blickte mit einem interessierten Leuchten in den Augen von Sonea zu Akkarin.

»Regin von Winar«, sagte Akkarin. Sonea hörte einen Anflug von Abneigung in seiner Stimme. »Man erzählt mir, dass du von den Dieben gerettet wurdest.«

Regin stand auf und verneigte sich. »Sie haben mir das Leben gerettet, Mylord. Ich hoffe, dass ich ihnen diese Gunst werde vergelten können.«

Akkarin nickte und sah zu Takan hinüber. »Dazu wirst du vielleicht schon sehr bald Gelegenheit haben.«

»Wohin gehen wir?«

Dannyl drehte sich zu Farand um. Der junge Magier hatte während der letzten halben Stunde kein Wort gesagt. Er war Dannyl vertrauensvoll und ohne Fragen gefolgt, bis jetzt.

»Ich muss einen Freund treffen«, antwortete Dannyl.

»Aber Euer ehemaliger Hoher Lord hat uns aufgefordert, die Stadt zu verlassen.«

»Ja.« Dannyl nickte. »Er hat auch gesagt, dass die Ichani im Palast seien. Ich muss Tayend treffen, solange es noch möglich ist. Er kann uns außerdem gewöhnliche Kleider geben.«

»Tayend? Er ist in Imardin?«

»Ja.« Dannyl unterzog die nächste Straße einer schnellen Musterung, um sich davon zu überzeugen, dass niemand dort war. Farand folgte ihm um die Ecke. Die Villa, in der Tayend wohnte, war nur etwa ein Dutzend Häuser entfernt. Dannyls Puls beschleunigte sich.

»Aber er ist nicht zu der Anhörung erschienen«, bemerkte Farand.

»Nein, er ist erst vor wenigen Tagen angekommen.«

»Er hätte sich kaum einen schlechteren Zeitpunkt dafür aussuchen können.«

Dannyl lachte leise. »Das ist allerdings wahr.«

»Warum ist er nicht wieder abgereist?«

Dannyl suchte nach einer Antwort auf Farands Frage. Weil Tayend die verrückte Idee hat, er könne mir helfen, den Kampf zu überleben. Weil er nicht will, dass ich allein die Zerstörung der Gilde mit ansehen muss. Weil ich ihm wichtiger bin als seine eigene Sicherheit.

Er seufzte. »Weil er nicht begriffen hat, wie gefährlich diese Ichani sind«, erklärte er Farand. »Und ich konnte ihn nicht davon überzeugen, dass Nichtmagiern ebenso große Gefahr drohen würde wie Magiern. Sind alle Elyner so halsstarrig?«

Farand lachte leise auf. »Soweit ich höre, ist das eine nationale Eigenheit.«

Sie hatten die Tür der Villa erreicht. Dannyl zog einen Schlüssel aus der Tasche, streckte die Hand nach dem Schloss aus… und erstarrte.

Die Tür stand offen.

Während er noch mit hämmerndem Herzen auf die Lücke zwischen der Tür und dem Rahmen starrte, legte Farand ihm die Hand auf die Schulter.

»Botschafter?«

»Die Tür ist nicht verschlossen. Tayend hätte sie niemals offen stehen lassen. Jemand muss hier gewesen sein.«

»Dann sollten wir wieder gehen.«

»Nein!« Dannyl holte einige Male tief Luft und drehte sich zu Farand um. »Ich muss mich davon überzeugen, dass es ihm gut geht. Ihr könnt mich begleiten oder irgendwo in der Nähe warten, bis ich wieder herauskomme. Oder Ihr könnt mich hier zurücklassen und versuchen, aus der Stadt wegzukommen.«

Farand blickte zu der Villa empor. Er atmete tief durch und straffte sich. »Ich werde Euch begleiten.«

Dannyl drückte die Tür auf. In dem Empfangsraum dahinter war niemand zu sehen. Langsam und vorsichtig schlich er durch das Haus und blickte in einen Raum nach dem anderen, konnte aber keine anderen Spuren von dem Gelehrten entdecken als eine Reisetruhe in einem der Schlafzimmer und mehrere benutzte Weingläser.

»Vielleicht ist er weggegangen, um etwas zu essen zu besorgen«, sagte Farand. »Wenn wir warten, kommt er vielleicht zurück.«

Dannyl schüttelte den Kopf. »Er hätte das Haus nicht verlassen, wenn er nicht dazu gezwungen worden wäre. Nicht heute.« Er trat in die Küche, wo auf einem großen Tisch ein halbleeres Weinglas und eine Flasche standen. »Könnte ich irgendeinen Raum übersehen haben?«

Farand zeigte auf eine Tür. »Was ist mit dem Keller?«

Die Tür führte zu einer Treppe, über die man in einen großen Lagerraum voller Flaschen und Nahrungsmittel gelangte. Der Raum war verlassen. Dannyl kehrte in die Küche zurück. Farand deutete auf das halbleere Weinglas.

»Er ist in aller Eile fortgegangen«, murmelte er. »Von diesem Raum aus. Also, wenn ich hier gestanden und etwas mich veranlasst hätte, aus dem Haus zu fliehen, wohin wäre ich dann gegangen?« Er sah Dannyl an. »Der Dienstboteneingang liegt am nächsten.«

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