Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Einige Straßen weiter stießen sie auf den Krieger, der mit mehreren anderen Magiern an dem vereinbarten Treffpunkt auf sie wartete. Alle waren bedrückt und still.
— Formiert Euch neu.
Vorel nickte, als er Balkans Befehl hörte. Er wandte sich mit ernster, grimmiger Miene an seine Gefährten. »Das bedeutet, dass wir uns den Ichani nähern sollen, ohne dabei gesehen zu werden. Wenn der nächste Befehl kommt, sollen wir sofort angreifen und unsere Zauber auf einen einzigen Sachakaner konzentrieren. Los.«
Als Vorel davoneilte, folgten Dannyl, Farand und die anderen Magier ihm wortlos. Sie alle wissen, dass dies die letzte Konfrontation sein wird, dachte Dannyl. Wenn wir danach noch leben, werden wir die Stadt den Ichani überlassen.
Cery beobachtete, wie Sonea und Akkarin ihrem Führer in den dunklen Tunnel folgten. Dann holte er tief Luft und ging mit Takan in die entgegengesetzte Richtung.
Er hatte viel zu tun. Die anderen Diebe mussten wissen, dass Akkarin und Sonea es in den Inneren Ring geschafft hatten. Die falschen Magier konnten jetzt in die Straßen geschickt werden. Die Sklaven mussten gefunden und beseitigt werden. Und er… er brauchte etwas Starkes zu trinken.
Der Weg durch den Inneren Ring war schrecklich gewesen, selbst für jemanden, der mit den Tunneln der Straße der Diebe vertraut war. Die Decke unter der Mauer war eingestürzt, so dass man sich an manchen Stellen nur kriechend fortbewegen konnte. Sonea hatte ihm versichert, dass sie und Akkarin in der Lage wären, die Decke mit Magie zu stabilisieren, falls sie weiter einsackte, aber jedes Mal, wenn er die Lunge erneut mit staubiger Luft gefüllt hatte, hatte Cery sich nur allzu leicht vorstellen können, unter den Trümmern begraben zu werden.
Er erreichte einen Abschnitt des Tunnels, der parallel zu einer Gasse verlief. Gitter, die hoch oben in der Mauer eingelassen waren, gaben den Blick auf die Straße dahinter frei. Schnelle Schritte wurden laut, und Cery hielt kurz inne, um zu beobachten, wie ein Magier vorbeirannte. Der Mann kam schlitternd zum Stehen.
»Oh nein«, wimmerte er.
Cery trat dichter an eins der Gitter heran und sah, dass die Straße draußen eine Sackgasse war. Und der Magier war ein Novize – ein Junge noch. Seine Roben waren voller Staub.
Dann erklang aus geringer Entfernung eine Frauenstimme.
»Wo bist du? Wo bist du, kleiner Magier?«
Der Akzent der Frau hatte solche Ähnlichkeit mit dem Savaras, dass Cery einen Moment lang glaubte, sie sei es tatsächlich. Aber die Stimme war höher, und das Lachen, das nun folgte, war grausam.
Der Junge sah sich verzweifelt um, aber dies war der Innere Ring, und nirgendwo lagen Unrat oder Kisten herum, hinter denen man sich verstecken konnte. Cery lief durch den Tunnel zu dem Gitter, das dem Jungen am nächsten war, dann drückte er es auf.
»He, Magier!«, flüsterte er.
Der Junge zuckte zusammen, dann drehte er sich um und starrte Cery an.
»Komm her.« Cery winkte ihn zu sich heran. »Schnell.«
Der Junge blickte kurz in die Richtung, aus der die Stimme der Sachakanerin gekommen war, dann sprang er auf die Öffnung zu. Er fiel mit dem Kopf voran in den Tunnel, rollte sich auf die Seite und kam dann unbeholfen auf die Füße. Als die Frauenstimme abermals erklang, wich er, keuchend vor Angst, zurück.
»Wo bist du geblieben?«, rief die Frau, während sie weiter die Gasse hinunterging. »Dieser Weg führt nirgendwohin. Du musst dich in einem der Häuser verstecken. Das wollen wir uns doch mal ansehen.«
Sie probierte es an einigen Türen, dann sprengte sie eine davon auf. Als sie dahinter verschwand, drehte Cery sich mit einem Grinsen zu dem Novizen um.
»Du bist jetzt in Sicherheit«, sagte er. »Sie wird Stunden brauchen, um alle Häuser zu durchsuchen. Wahrscheinlich wird sie sich bald langweilen und nach leichterer Beute Ausschau halten.«
Der Junge hatte aufgehört zu keuchen und atmete jetzt langsam und bedächtig ein und aus. Dann richtete er sich auf und stieß sich von der Mauer ab.
»Danke«, sagte er. »Du hast mir das Leben gerettet.«
Cery zuckte die Achseln. »Kein Problem.«
»Wer bist du – und warum bist du hier? Ich dachte, man hätte alle Bewohner der Stadt fortgeschickt.«
»Ceryni ist mein Name«, antwortete Cery. »Ceryni von den Dieben.«
Der Junge blinzelte überrascht. Dann grinste er.
»Es ist mir eine Ehre, dich kennen zu lernen, Dieb. Ich bin Regin von Winar.«
Der Rhythmus des Pferdes beherrschte alles. Der Atem stob ihm im Takt mit dem Hämmern seiner Hufe aus den Nüstern. Der Schmerz in Rothens Schulter flammte bei jeder Bewegung des Tieres neu auf. Er konnte ihn mit ein wenig heilender Magie lindern, aber er wollte nicht mehr von seiner Kraft benutzen, als unbedingt notwendig war. Die Gilde brauchte jeden Funken Magie, um gegen die Ichani zu kämpfen. Er hatte seine Stärke nicht einmal eingesetzt, um die Müdigkeit zu verscheuchen, nachdem er die ganze Nacht hindurch geritten war.
Vor ihm leuchtete die Stadt wie ein glitzernder, auf einem Tisch ausgebreiteter Schatz. Jedes Gebäude erstrahlte im goldenen Licht des Morgens. Es würde höchstens eine Stunde dauern, bis er sie erreicht hatte.
Auf einem verkohlten Acker rauchte ein ausgebranntes Haus. Kleine Gruppen von Menschen, größtenteils Familien, liefen mit Taschen, Kisten und Körben die Straße entlang. Sie beobachteten ihn mit einer Mischung aus Hoffnung und Furcht auf den Gesichtern. Je näher er der Stadt kam, umso zahlreicher wurden diese Flüchtlinge, bis sie sich in einen wahren Strom aus Menschen verwandelten, der sich durch das Land wälzte.
Nichts von alledem ließ Gutes ahnen für das Schicksal der Gilde. Rothen fluchte leise. Die einzigen Gedankenrufe, die er aufgefangen hatte, waren Balkans Befehle gewesen. Er wagte es nicht, nach Dorrien oder Dannyl zu rufen.
Ein Bild blitzte vor seinen Augen auf. Er konnte eine Straße in der Stadt sehen, dann ein sachakanisches Gesicht. Kariko. Rothen blinzelte mehrmals, aber das Bild wollte nicht verblassen.
Ich habe mir so sehr gewünscht, zu wissen, was in Imardin vorgeht, dass ich Halluzinationen habe, dachte Rothen. Oder liegt das am Schlafmangel?
Er sandte ein wenig heilende Magie in seinen Körper, aber die Vision blieb. Ein Gefühl schrecklicher Angst schlug über Rothen zusammen, aber es war nicht seine eigene Angst. Grüne Roben blitzten in seinen Gedanken auf, und dann kam das Erkennen. Lord Sarle.
Sandte der Heiler dieses Bild aus? Es fühlte sich nicht so an, als geschehe es mit Absicht.
Kariko hielt ein Messer in der Hand. Er lächelte und beugte sich tiefer über Sarle.
»Schaut zu, Sklaventöter.«
Schmerz zuckte in Rothen auf, dann ein fernes, aber schreckliches Gefühl von Lähmung und Furcht. Langsam verebbte seine Wahrnehmung von Lord Sarles Bewusstsein zu nichts, und plötzlich war Rothen wieder frei.
Er keuchte auf und sah sich mit weit aufgerissenen Augen um. Das Pferd war stehen geblieben. Männer und Frauen eilten an ihm vorbei und warfen ihm im Laufen ängstliche Blicke zu.
Der Blutstein! dachte Rothen. Kariko muss ihn Lord Sarle übergestreift haben. Schaudernd wurde ihm klar, dass er Sarles Tod gefühlt hatte. Er wird mir den Tod eines jeden Magiers zeigen, den er ermordet.
Und beim nächsten Mal könnte es Dorrien oder Dannyl sein.
Rothen drückte die Fersen in die Flanken des Pferdes und ließ es auf die Stadt zugaloppieren.
34
Die Jagd beginnt
Der Staub von der Zerstörung der Mauer lag noch immer wie ein Nebel über den Straßen der Stadt. Alles war trostlos und verlassen, aber hier und da nahm Lorlen an der Ecke eines Gebäudes oder hinter einem Fenster eine flüchtige Bewegung wahr. Er und Osen waren erst wenige Minuten zuvor in eins der Häuser vor dem Palast eingebrochen. Jetzt warteten sie auf die Ankunft der Ichani und auf Balkans Befehl zum Angriff.