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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Lorlen wusste nicht, wie viele Magier überlebt hatten oder wie viel Kraft ihnen noch geblieben war, aber er würde es bald genug herausfinden.

»Hier. Setzt Euch«, murmelte Osen.

Lorlen wandte sich vom Fenster ab. Sein Assistent hielt ihm einen antiken Stuhl hin. Als Osen den Stuhl abstellte, brachte Lorlen ein schiefes Lächeln zustande.

»Vielen Dank. Ich bezweifle, dass ich ihn lange benötigen werde.«

Der junge Mann richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße draußen.

»Nein. Sie sind schon da.«

Als Lorlen aus dem Fenster blickte, sah er sechs Gestalten aus dem Staub auftauchen. Die Sachakaner gingen langsam vorbei, auf den Palast zu. Kariko schaute zur Mauer empor.

Nein, wir werden euch nicht noch einmal Gelegenheit geben, uns den Stein unter unseren Füßen wegzusprengen, dachte Lorlen, während er auf die Tür zuging.

— Angriff!

Auf Balkans Befehl riss Lorlen die Tür auf und trat, gefolgt von Osen, ins Freie. Weitere Magier erschienen, um einen Halbkreis um die Sachakaner zu bilden. Lorlen fügte seine Kraft ihrem Schild hinzu, dann griff er die Ichani an.

Die Sachakaner fuhren zu ihnen herum. Ein Bild von einem der Ichani blitzte in Lorlens Gedanken auf. Sofort konzentrierte die Gilde ihre Energie auf diesen einen Mann. Die Wucht ihrer Zauber schleuderte den Ichani gegen die Palastmauer, bis die Gegenangriffe der Sachakaner die Gilde zwangen, ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Schild zu lenken.

Die Angriffe, die den Schild der Gilde trafen, waren schrecklich. Furcht stieg in Lorlen auf, als der Halbkreis der Magier zurückzuckte. Wenn sie einem solchen Ansturm zu lange ausgesetzt wären, würde die Gilde rasch schwächer werden.

— Rückzug.

Auf Balkans Befehl zogen sich die Magier der Gilde in die Häuser und Gassen zurück, aus denen sie gekommen waren. Die Ichani rückten näher.

»Wir haben zumindest einen von ihnen geschwächt«, stieß Osen hervor.

»Ihr kümmert Euch um den Schild, ich werde angreifen«, sagte Lorlen.

Sie bewegten sich vorsichtig auf die Tür zu. Dort angekommen, blieb Lorlen stehen.

»Jetzt!«

Lorlen ließ seinen Schild sinken und warf alles, was ihm an Energie noch verblieben war, in einen Zauber, den er gegen den geschwächten Ichani schleuderte. Der Sachakaner taumelte, und weitere Zauber flogen ihm entgegen, als die Magier der Gilde die Schwäche des Mannes erkannten. Der Sachakaner schrie auf – ein wortloser Schrei der Furcht und des Entsetzens -, dann brach sein Schild zusammen. Unter dem nächsten Angriff wurde er abermals gegen die Palastmauer geschleudert, die um ihn herum nachgab. Er sackte in die Knie und fiel zu Boden.

Um sie herum wurde Jubel laut, der jedoch abrupt endete, als die Ichani mit machtvollen Zaubern zurückschlugen. Osen stieß einen erstickten Laut aus.

»Geht… zurück… hinein…«, sagte Osen mit zusammengebissenen Zähnen.

Lorlen folgte Osens Blick, und sein Magen krampfte sich vor Furcht zusammen, als er sah, dass Kariko, der Anführer der Ichani, auf sie zukam und Osens Schild mit einem Zauber nach dem anderen attackierte. Lorlen griff nach Osens Arm und führte ihn zurück ins Haus. Holz und Mauerwerk barsten, als Karikos Zauber ihnen durch die Tür folgten. Dann geriet Osens Schild ins Wanken.

»Nein«, keuchte Osen. »Nicht jetzt schon.«

Lorlen packte Osen an den Schultern und stieß ihn zur Seite. Ein lautes Krachen zerriss die Luft, und die vordere Mauer des Hauses brach nach innen ein. Risse zogen sich durch die Decke. Irgendetwas traf Lorlen mit großer Wucht im Rücken, und er sackte in die Knie.

Dann wurde er zu Boden gepresst. Die Decke war eingestürzt, vermutete er. Ein ungeheures Gewicht drückte ihn nieder und trieb die Luft aus der Lunge. Dann, als sich nichts mehr regte, wurde er sich des Schmerzes bewusst. Er sandte seinen Geist nach innen und erstarrte, als er die gebrochenen Knochen und die zerfetzten Organe sah und begriff, was das bedeutete.

Es blieb ihm nur noch eines zu tun.

Staub und Schmutz regneten auf ihn herab, als er in seiner Tasche nach dem Ring tastete.

In den Tunneln unter dem Inneren Ring war alles still. Hier und da warteten Freiwillige an den Ausgängen. Als ein Bote erschien und auf sie zueilte, blieb der Mann stehen, der Akkarin und Sonea als Führer diente.

»Sachakanischer Magier… ist bei den… Sklaven geblieben«, keuchte der Mann. »Sie sind in den… Hüttenvierteln. Nordseite.«

»Also ist einer von ihnen bereits von den anderen getrennt worden«, bemerkte Sonea. »Sollen wir uns zuerst auf die Suche nach ihm machen?«

»Es wird einige Zeit dauern, dort hinzukommen«, sagte Akkarin. Er wandte sich in die Richtung, in der der Palast stand. »Ich würde gern sehen, wie es der Gilde ergangen ist, aber… dieser einzelne Ichani könnte versuchen, sich Kariko wieder anzuschließen, sobald er erfährt, dass die Gilde besiegt worden ist.« Er nickte langsam und wandte sich zu dem Führer um. »Ja. Bring uns in die Hüttenviertel.«

»Ich werde ihnen Bescheid geben, dass Ihr kommt«, sagte der Bote und rannte davon.

Der Führer setzte sich in Bewegung. Einige Minuten später wurden sie von einer nicht mehr ganz jungen Frau aufgehalten.

»Der Tunnel ist eingestürzt«, meldete sie. »In diese Richtung könnt Ihr nicht weitergehen.«

»Auf welchem Weg kann man dann am schnellsten in die Hüttenviertel gelangen?«

»Dicht an der Mauer der Gilde verläuft ein weiterer Tunnel«, erklärte der Führer ihnen.

Akkarin blickte auf. »Die Lücke in der Mauer ist fast direkt über uns.«

»Das wäre der schnellere Weg«, meinte der Führer achselzuckend. »Aber man könnte Euch sehen.«

»Die Gilde und die Ichani sind draußen vor dem Palast. Man wird uns für zwei gewöhnliche Imardier halten, die wie so viele andere aus der Stadt fliehen. Bring uns zu einem Ausgang, der so dicht wie möglich an der Mauer liegt.«

Der Führer nickte und ging voran. Nach einigen Biegungen blieb er vor einer Leiter stehen, die an einer Mauer befestigt war, und zeigte auf eine Luke über ihnen.

»Durch diese Luke gelangt Ihr in einen Lagerraum. Dort gibt es eine Tür, die in eine Gasse führt.« Er gab ihnen Anweisungen, wie sie auf der anderen Seite der Mauer einen Eingang zu den Tunneln finden konnten. »Dort werdet Ihr auf andere Führer treffen. Sie kennen das Nordviertel besser als ich.«

Akkarin stieg die Leiter hoch. Sonea, die ihm folgte, fand sich kurz darauf in einem großen Raum voller Lebensmittel wieder. Sie traten durch eine Tür in eine schmale Sackgasse hinaus. Akkarin ging voran und blieb vor dem Eingang stehen. Als Sonea ihn erreicht hatte, sah sie, dass sie auf der anderen Seite der Straße waren, die parallel zum Inneren Ring verlief. Als sie die Ruinen bemerkte, machte sich tiefe Mutlosigkeit in ihr breit.

Ein Windstoß trieb den Staub fort, und sie erkannte vertraute Farben unter den Trümmern. Als sie genauer hinschaute, wurde ihr klar, dass es sich um die Roben von Magiern handelte.

»Der Weg ist frei«, murmelte Akkarin. Als sie aus der Gasse traten, wollte sich Sonea den Magiern zuwenden, doch Akkarin legte ihr eine Hand auf den Arm.

»Sie sind tot, Sonea«, murmelte er sanft. »Sonst hätte die Gilde sie nicht liegen lassen.«

»Ich weiß«, sagte sie. »Ich wollte nur wissen, wer sie sind.«

»Nicht jetzt. Dafür wird später noch Zeit sein.«

Akkarin zog sie zu der Lücke in der Mauer hinüber. Sie hatten soeben den Fuß des zerstörten Tores erreicht, als Akkarin stehen blieb. Sonea sah ihn an und erschrak. Sein Gesicht war schneeweiß geworden, und er starrte auf eine Stelle irgendwo tief unter dem Boden.

»Was ist passiert?«

»Lorlen.« Er drehte sich abrupt zum Inneren Ring um. »Ich muss ihn finden. Geh du voraus. Such nach diesem Ichani, aber unternimm nichts, bevor ich da bin.«

»Aber -«

»Geh«, sagte er und bedachte sie mit einem kalten Blick. »Ich muss dies hier allein tun.«

»Was tun?«

»Tu einfach das, was ich sage, Sonea.«

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