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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Trotz der Dunkelheit und des langen Tages, den sie hinter sich hatte, blieb sie wach. Schließlich schuf sie eine winzige, schwache Lichtkugel und drehte sich auf die Seite, um Akkarin zu betrachten, vollauf zufrieden damit, nichts mehr zu tun, als die Einzelheiten und Umrisse seines Gesichts zu studieren.

Dann öffnete er die Lider und sah in ihre Augen. Eine kleine Falte erschien auf seiner Stirn. »Du solltest eigentlich schlafen«, murmelte er.

»Ich kann nicht schlafen«, erwiderte sie.

Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. »Wann habe ich das schon einmal gehört?«

Als Cery in sein Quartier zurückkam, sog er tief die Luft ein. Ein warmer, würziger Duft hing im Raum. Lächelnd folgte er dem Duft ins Badezimmer, wo er Savara im Badezuber fand.

»Du badest schon wieder?«, fragte er.

Sie lächelte hinterhältig. »Hast du Lust, zu mir zu kommen?«

»Ich glaube, ich werde fürs Erste in sicherer Entfernung bleiben.«

Ihr Lächeln vertiefte sich. »Dann erzähl mir wenigstens, was ich verpasst habe.«

»Ich hole mir nur schnell einen Stuhl.«

Er kehrte in den Empfangsraum zurück, blieb in der Mitte stehen und atmete mehrmals tief durch.

Einmal mehr verspürte er das starke Verlangen, ihr alles zu offenbaren. Er hatte einen Handel mit ihr geschlossen: Als Gegenleistung dafür, dass sie ihm Vorschläge machte, wie man die Ichani töten konnte, würde er sie mit Informationen versorgen. Ein Teil von ihm war sich ganz sicher, dass er ihr vertrauen konnte, aber ein anderer Teil flüsterte ihm leise Warnungen zu.

Wie viel wusste er denn wirklich über sie? Sie war Sachakanerin. Sie hatte ihre Landsleute für ihn aufgespürt und identifiziert, wohlwissend, dass sie getötet werden würden. Das bedeutete allerdings nicht, dass ihr tatsächlich Kyralias Interessen am Herzen lagen. Sie hatte ihm erzählt, dass sie für eine andere »Gruppe« der sachakanischen Gesellschaft arbeite, und es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass ihre Loyalität ihrem eigenen Volk galt.

Er hatte ein Abkommen mit ihr getroffen, und bisher hatte sie ihren Teil des Handels eingehalten…

Aber er konnte ihr nicht erzählen, dass Akkarin und Sonea zurückgekehrt waren. Sollte etwas von ihrer Anwesenheit in Imardin und ihren Plänen bekannt werden, würden die Ichani den Sieg davontragen. Wenn er Savara vertraute und sie ihn verriet, würde Kyralias Niedergang auf seinen Schultern lasten.

Und Sonea würde vielleicht getötet werden. Er hatte leichte Gewissensbisse, wenn er daran dachte, dass er der neuen Frau in seinem Leben um der alten willen Informationen vorenthielt. Aber wenn ich das Leben der alten aufs Spiel setzen würde, weil ich der neuen zu Unrecht vertraue, überlegte er weiter, würde ich mich erheblich schlechter fühlen als jetzt.

Trotzdem würde Savara es zu guter Letzt herausfinden. Eine seltsame, unbekannte Furcht ließ Cerys Herz schneller schlagen, als er darüber nachdachte, wie sie darauf reagieren könnte.

Sie wird es verstehen, sagte er sich. Was für ein Dieb wäre ich, wenn ich so einfach Geheimnisse verraten würde, die man mir anvertraut? Und es ist unwahrscheinlich, dass sie lange hier bleiben wird. Sobald alles vorüber ist, wird sie mich ohnehin verlassen.

Er holte noch einmal tief Luft, dann griff er nach einem Stuhl und trug ihn ins Bad. Savara verschränkte die Arme auf dem Rand der Wanne und stützte das Kinn auf die Hände.

»Also, was haben die Diebe beschlossen?«

»Unsere Ideen haben ihnen gefallen«, antwortete er. »Limek lässt seine Leute Roben schneidern.«

Sie grinste. »Ich hoffe, diese Leute können schnell laufen.«

»Sie werden die Straße der Diebe benutzen, um sich in Sicherheit zu bringen. Außerdem haben wir einige Leute beauftragt, nach guten Stellen Ausschau zu halten, an denen wir Fallen für die Ichani aufbauen können.«

Savara nickte. »Die Gilde hat heute einen Gedankenruf nach Akkarin ausgesandt.«

Er heuchelte Überraschung. »Was hat er gesagt?«

»Er hat nicht geantwortet.«

Cery runzelt die Stirn. »Du glaubst doch nicht, dass er…?«

»Dass er tot ist?« Sie zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Vielleicht. Oder vielleicht ist es einfach zu gefährlich zu antworten. Er könnte die falschen Leute auf sich aufmerksam machen.«

Cery nickte und stellte dabei fest, dass es ihm nur allzu leicht fiel, einen besorgten Gesichtsausdruck aufzusetzen. Savara nahm die Arme vom Rand des Badezubers und winkte ihn zu sich.

»Komm her, Cery«, murmelte sie. »Du lässt mich den ganzen Tag über hier allein. Meinst du nicht, dass einem das auf die Dauer zu langweilig werden könnte?«

Er erhob sich und verschränkte die Arme vor der Brust. »Den ganzen Tag? Ich habe gehört, dass du heute heimlich auf dem Markt warst.«

Sie kicherte. »Ich dachte mir schon, dass du das hören würdest. Ich wollte etwas abholen, was ein Goldschmied für mich gefertigt hat. Sieh mal.«

Auf dem Rand des Badezubers stand eine kleine Schachtel. Savara griff danach und hielt sie ihm hin.

»Ein Geschenk für dich«, sagte sie. »Besetzt mit einigen Juwelen von meinen Messern.«

Cery nahm den Deckel der Schachtel ab, und als er den seltsamen Silberanhänger darin erblickte, stockte ihm der Atem. Kunstvolle, geäderte Flügel sprossen aus einem länglichen Körper. Zwei gelbe Juwelensplitter bildeten die Augen des Insekts, und der geschwungene Schwanz war mit grünen Steinen besetzt. Der Unterleib bestand aus einem großen, glatten Rubin.

»In meinem Land hält man es für ein glückliches Omen, wenn kurz vor einer Schlacht eine Inava auf einem Menschen landet«, erklärte sie ihm. »Außerdem ist die Inava eine Botin getrennter Liebender. Mir ist aufgefallen, dass kyralische Männer keinen Schmuck tragen, aber du könntest den Anhänger unter deinen Kleidern verbergen.« Sie lächelte. »Direkt auf der Haut.«

Ein jähes Schuldgefühl stieg in ihm auf. Er nahm den Anhänger aus der Schachtel und legte sich die Kette um den Hals.

»Sie ist wunderschön«, sagte er. »Ich danke dir.«

Savara wandte für einen Moment den Blick ab, als sei ihr die Sentimentalität ihres Geschenks plötzlich peinlich. Dann lächelte sie verschlagen.

»Wie wäre es, wenn du jetzt zu mir kämest und mir richtig danken würdest?«

Cery lachte. »In Ordnung. Wie könnte ich dazu nein sagen?«

33

Die Ankunft der Ichani

Die Morgensonne schob sich langsam über den Horizont, als widerstrebe es ihr, sich dem kommenden Tag zu stellen. Die ersten Lichtstrahlen berührten die Türme des Palasts und tauchten sie in ein leuchtendes Orangegelb. Nach und nach breitete sich das goldene Licht vom Rand der Stadt über die Äußere Mauer aus, bis es die Gesichter der Magier erreichte, die auf der Mauer standen.

Sie hatten die Gilde verlassen, gleich nachdem die Späher ihnen berichtet hatten, dass die Sachakaner näher rückten. Nachdem sie auf die Äußere Mauer gestiegen waren, hatten sie sich zu einer langen Reihe formiert. Der Anblick Hunderter Magier, die Seite an Seite standen, war ehrfurchtgebietend – und bot einen krassen Gegensatz zu den beiden überladenen Karren, die langsam der Stadt entgegenschwankten. Lorlen musste sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Menschen auf diesen Wagen bereits mehr als vierzig der besten Krieger der Gilde getötet hatten und um ein Vielfaches stärker waren als die Magier auf der Mauer.

Die Ichani hatten einen Ersatz für die Wagen gefunden, die Rothen und Yikmo zerstört hatten, aber dadurch hatte sich ihre Ankunft in Imardin um einen halben Tag verzögert. Das Opfer der Krieger hatte der Gilde jedoch nichts genutzt. Sarrins Versuche, schwarze Magie zu erlernen, waren gescheitert. Der alte Magier hatte erklärt, dass er die Beschreibungen und Anweisungen in den Büchern über schwarze Magie nicht völlig verstehen könne. Mit jedem Tag, der verstrich, war er nervöser geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Yikmo und seine Männer umsonst gestorben waren, lastete schwer auf Sarrins Gewissen.

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