Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Es geht nicht anders, Sassenach. Wenn du recht hast – und bis jetzt habe ich mein Leben dafür aufs Spiel gesetzt –, dann geht es um die Wahl zwischen Charles Stuarts Träumen und dem Leben verdammt vieler Schotten. Ich habe wirklich nicht das Geringste für König Geordie übrig – ich, ein Mann, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt ist? –, aber ich sehe nicht, was ich sonst tun sollte.«
Er runzelte die Stirn und fuhr sich mit der Hand durch das Haar, wie immer, wenn er nachdachte oder erregt war. »Wenn es eine Chance gäbe, dass Charles Erfolg hat … aye, nun ja, das wäre vielleicht etwas anderes. Für eine ehrenwerte Sache ein Risiko einzugehen – aber deine Geschichtsbücher sagen ja, dass er keinen Erfolg haben wird, und ich muss sagen, alles, was ich über den Mann weiß, spricht dafür, dass du recht hast. Es sind meine Verwandten und meine Familie, die in Gefahr sind, und wenn das Gold eines Bankiers der Preis für ihr Leben ist … nun, das ist wohl auch kein größeres Opfer als meine Ehre.«
Er zuckte halb humorvoll, halb verzweifelt mit den Schultern. »Jetzt begehe ich also nicht mehr nur Diebstahl an der Post Seiner Hoheit, sondern auch Bankraub und Piraterie auf hoher See, und anscheinend führt kein Weg daran vorbei.«
Er schwieg einen Moment und senkte den Blick auf seine Hände, die er auf dem Schreibtisch zusammengeballt hatte. Dann wandte er mir den Kopf zu und lächelte.
»Ich wollte immer Pirat werden, als ich klein war«, sagte er. »Schade, dass ich kein Entermesser mitnehmen kann.«
Ich lag im Bett, Kopf und Schultern auf Kissen gestützt, die Hände leicht auf dem Bauch verschränkt, und überlegte. Seit dem ersten Alarm hatte ich kaum noch geblutet, und es ging mir gut. Dennoch war jede Art von Blutung in diesem Stadium Grund zur Sorge. Insgeheim fragte ich mich, was geschehen würde, wenn ein Notfall eintrat, während Jamie nach Spanien unterwegs war, doch es half nicht, wenn ich mir Sorgen machte. Er musste gehen; es hing viel zu viel von dieser einen Schiffsladung Wein ab, als dass private Sorgen eine Rolle spielen durften. Und wenn alles gutging, sollte er lange vor dem Geburtstermin zurück sein.
Und wir mussten unsere privaten Sorgen beiseiteschieben, ob nun Gefahr drohte oder nicht. Charles hatte seine Aufregung nicht für sich behalten können, und er hatte Jamie anvertraut, dass er bald zwei Schiffe benötigen würde – möglicherweise sogar mehr. Er hatte Jamie um Rat bezüglich der Bauart und der Anbringung von Deckskanonen gebeten. Die jüngsten Briefe seines Vaters aus Rom hatten einen leise fragenden Unterton gehabt – James Stuart hatte eine empfindliche politische Spürnase, und er roch Lunte, doch er wusste offensichtlich noch nicht, was sein Sohn im Schilde führte. Jamie, der bis zur Hüfte in dechiffrierten Briefen watete, vermutete zwar, dass Philip von Spanien bis jetzt weder Charles’ Avancen noch die päpstliche Einmischung erwähnt hatte, doch auch James Stuart hatte schließlich Spione.
Nach einer Weile wurde mir bewusst, dass sich Jamie anders verhielt. Als ich in seine Richtung blickte, sah ich, dass er zwar ein aufgeschlagenes Buch auf dem Knie liegen hatte, dass er jedoch nicht mehr umblätterte – oder auch nur auf die Seiten schaute. Stattdessen waren seine Augen auf mich geheftet – oder genauer gesagt auf die Stelle, an der sich mein Nachthemd öffnete, zwar einige Zentimeter tiefer, als es der Anstand gebieten mochte, doch strenger Anstand schien mir ja auch kaum vonnöten zu sein, wenn man mit dem eigenen Ehemann im Bett lag.
Sein Blick war abwesend und voller Sehnsucht, und ich begriff, dass Anstand im Bett mit dem eigenen Ehemann zwar keine gesellschaftliche Anforderung sein mochte, er unter den Umständen aber dennoch vernünftig war. Doch es gab natürlich Alternativen.
Jamie, der meinen Blick auf sich ruhen sah, errötete leicht und widmete sich hastig und mit übertriebenem Interesse wieder seinem Buch. Ich drehte mich auf die Seite und legte ihm eine Hand auf den Oberschenkel.
»Interessantes Buch?«, fragte ich und streichelte ihn beiläufig.
»Mmpfm. Oh, aye.« Seine Röte nahm zu, doch er wandte den Blick nicht von der Buchseite ab.
Ich ließ meine Hand unter die Bettwäsche gleiten und grinste vor mich hin. Er ließ das Buch sinken.
»Sassenach!«, sagte er. »Du weißt, du kannst nicht …«
»Nein«, sagte ich, »aber du kannst es. Oder besser, ich kann es für dich tun.«
Er löste meine Hand entschlossen von sich und gab sie mir zurück.
»Nein, Sassenach, das wäre nicht recht.«
»Nicht?«, sagte ich überrascht. »Warum denn nicht?«
Er wand sich unbehaglich und wich meinem Blick aus.
»Nun, ich … ich würde mich nicht gut fühlen, Sassenach. Mir von dir Befriedigung zu holen und nicht in der Lage zu sein, sie dir … nun, es würde sich nicht richtig anfühlen, das ist alles.«
Ich brach in Gelächter aus und legte den Kopf auf seinen Oberschenkel.
»Jamie, du bist unbeschreiblich!«
»Ich bin nicht unbeschreiblich«, sagte er indigniert. »Aber ich bin auch nicht so selbstsüchtig … Claire, hör auf damit!«
»Du hattest also vor, noch mehrere Monate zu warten?«, fragte ich, ohne aufzuhören.
»Ich könnte es«, sagte er, so würdevoll es unter den Umständen möglich war. »Ich habe dr-dreiund-zwanzig Jahre gewartet, und ich kann …«
»Nein, das kannst du nicht.« Ich zog die Bettdecke zurück und bewunderte den Umriss, der sich deutlich unter seinem Nachthemd abzeichnete. Ich berührte ihn, und er bewegte sich sacht und suchte meine Hand. »Welche Rolle dir Gott auch immer zugedacht hat, Jamie Fraser, die eines Mönchs war es nicht.«
Mit unbeirrter Hand zog ich sein Nachthemd hoch.
»Aber …«, begann er.
»Zwei gegen einen«, sagte ich und beugte mich über ihn. »Du hast verloren.«
Während der nächsten Tage arbeitete Jamie unablässig, damit das Geschäft seine Abwesenheit gut verkraften konnte. Dennoch nahm er sich fast immer Zeit, nach dem Mittagessen nach oben zu kommen und eine Weile bei mir zu sitzen, und so kam es, dass er bei mir war, als ein Besucher angekündigt wurde. Das war nichts Ungewöhnliches; Louise kam etwa jeden zweiten Tag vorbei, um über die Schwangerschaft zu plaudern oder über ihre verlorene Liebe zu jammern – obwohl ich insgeheim glaubte, dass ihr Charles als Gegenstand edelmütigen Verzichts viel lieber war denn als tatsächlicher Geliebter. Sie hatte versprochen, mir türkischen Honig mitzubringen, und ich rechnete eigentlich damit, ihr rundliches, rosiges Gesicht zur Tür hereinschauen zu sehen.
Doch zu meiner Überraschung war der Besucher Monsieur Forez. Magnus führte ihn persönlich in mein Wohnzimmer und nahm mit beinahe abergläubischer Ehrfurcht seinen Hut und seinen Umhang entgegen.
Jamie schien überrascht über diesen Besuch, doch er erhob sich, um den Henker höflich zu begrüßen und ihm eine Erfrischung anzubieten.
»Ich trinke im Allgemeinen keinen Alkohol«, sagte Monsieur Forez mit einem Lächeln. »Doch ich möchte auch die Gastfreundschaft meiner geschätzten Kollegin nicht verletzen.« Er verneigte sich förmlich in Richtung der Couch, auf der ich ruhte. »Ich hoffe, es geht Euch gut, Madame Fraser?«
»Ja«, sagte ich vorsichtig. »Danke.« Ich fragte mich, welchem Umstand wir die Ehre seines Besuchs verdankten. Denn Monsieur Forez mochte als Lohn für seine offiziellen Dienste zwar großes Ansehen und beträchtlichen Reichtum genießen, doch ich glaubte nicht, dass sein Amt ihm viele Einladungen zum Dinner einbrachte. Ich fragte mich plötzlich, ob Henker überhaupt so etwas wie einen Freundeskreis hatten.
Er durchquerte das Zimmer und legte ein kleines Päckchen neben mir auf die Couch, wobei er mich sehr an einen väterlichen Geier erinnerte, der seinen Jungen das Essen bringt. Da ich das Leichenschmalz nicht vergessen hatte, ergriff ich das Päckchen vorsichtig und wiegte es in der Hand; es war leicht für seine Größe und duftete schwach adstringierend.