Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Akkarin schlug mit dem Glas gegen die Tischkante, und es zersprang. Er wählte einen Splitter aus und gab ihn Sonea, bevor er nach einem zweiten Splitter griff. Cery beobachtete das Geschehen mit offenkundiger Neugier.
Gemeinsam ließen Sonea und Akkarin das Glas zu winzigen Kugeln schmelzen. Dann nahm Akkarin einen weiteren Splitter und ritzte sich die Haut auf der Innenfläche seiner Hand auf. Sonea tat das Gleiche. Akkarin griff abermals nach ihrer Hand, und sie spürte, wie sein Geist den ihren berührte. Er erklärte ihr, wie sie das Blut und ihre Magie benutzen konnte, um das Glas zu erhitzen, und sie folgte seinen Anweisungen.
Als die Blutsteine abgekühlt waren, legte Takan ein kleines Stück Gold auf den Tisch. Es erhob sich, schwebte einen Moment lang vor Akkarins Gesicht und nahm langsam die Form von zwei Ringen an. Als Akkarin seinen Blutstein in die Fassung eines Ringes senkte, tat Sonea das Gleiche mit dem anderen Ring. Ihr fiel auf, dass der Stein aus der Innenseite des Rings herausragte, so dass er die Haut des Trägers berührte. Die goldenen Krampen der Fassungen schlossen sich um die Steine. Akkarin pflückte die beiden Ringe aus der Luft, dann wandte er sich mit ernster Miene zu Sonea um.
»Mit diesen Ringen werden wir in der Lage sein, in die Gedanken des anderen zu blicken. Das hat gewisse… Nachteile. Manchmal kann es recht unangenehm sein, genau zu wissen, wie ein anderer Mensch dich sieht. So etwas kann Freundschaften beenden, aus Liebe Groll machen und die Selbstachtung untergraben.« Er hielt inne. »Aber es kann auch das gegenseitige Verständis zweier Menschen vertiefen. Wir sollten diese Ringe nicht häufiger tragen, als es unbedingt sein muss.«
Sonea nahm seinen Ring entgegen und bedachte seine Worte. Der Ring konnte Liebe in Groll verwandeln? Aber Akkarin hatte nie ausgesprochen, dass er sie liebte. Sie dachte an Jonnas Worte.
Das war auch nicht notwendig, sagte sie sich. Hier und da ein flüchtiger Blick auf seine Gedanken war vollkommen genug.
Oder vielleicht nicht?
Sie betrachtete den Ring und stellte fest, dass sie zwischen zwei Möglichkeiten hin und her gerissen war: Entweder Akkarin liebte sie und hatte Angst, dass die Ringe alles verderben würden, oder er liebte sie nicht und befürchtete, die Ringe könnten die Wahrheit enthüllen.
Aber als er vor wenigen Minuten in ihrem Bewusstsein verweilt war, war sie davon überzeugt gewesen, dass sie mehr bei ihm gespürt hatte als bloßes Verlangen.
Sie legte den Ring auf den Tisch. Morgen würden sie ihn benötigen. Morgen würden sie erfahren, wie hoch der Preis dafür war. Fürs Erste wollte sie nicht mehr wissen als das, was sie vorhin in seinen Gedanken gelesen hatte.
Cery stand plötzlich auf. »Ich würde ja gern bleiben, aber ich muss mich noch um einige andere Dinge kümmern.« Er hielt inne, dann deutete er auf den Sack, den er auf einen Stuhl gestellt hatte. »Ich habe euch noch einige Kleider mitgebracht. Sie sind vielleicht geeigneter als das, was ihr im Moment tragt.«
Akkarin nickte. »Danke.«
»Gute Nacht.«
Als Cery gegangen war, erhob sich auch Takan. »Es ist schon spät«, bemerkte er. »Wenn Ihr mich nicht mehr braucht…?«
Akkarin schüttelte den Kopf. »Nein. Sieh zu, dass du etwas Schlaf bekommst, Takan.« Er blickte zu Sonea hinüber. »Und wir brauchen ebenfalls ein wenig Ruhe.«
Er stand auf und ging ins Schlafzimmer. Sonea machte Anstalten, ihm zu folgen, dann hielt sie jedoch noch einmal inne, um die Kleider mitzunehmen, die Cery ihnen gebracht hatte.
Als sie den Sack auf das Bett warf, musterte Akkarin ihn zweifelnd. »Welche Verkleidung hat sich Cery denn nun für uns ausgedacht?«
Sonea öffnete den Sack und stülpte ihn um. Eine Kaskade schwarzen Tuchs ergoss dich daraus. Sie warf Akkarin einen kurzen Blick zu, dann breitete sie die Kleidungsstücke auf dem Bett aus.
Es waren Roben. Magier-Roben.
Akkarin starrte sie mit grimmiger Miene an.
»Die dürfen wir nicht anziehen«, sagte er leise. »Wir sind keine Gildemagier mehr. Das wäre ein Verbrechen.«
»Dann wird die Gilde morgen zu viel damit zu tun haben, Kyralier zu verhaften, um gegen die Ichani kämpfen zu können«, sagte sie. »Es wird Hunderte von Nichtmagiern in den Straßen geben, die Roben tragen und versuchen, die Sachakaner voneinander zu trennen.«
»Das hier ist etwas… etwas anderes. Wir sind Ausgestoßene. Und diese Roben sind schwarz. Niemand wird uns für gewöhnliche Magier halten.«
Sonea betrachtete den noch immer halb vollen Sack. Sie griff hinein und zog zwei Hosen und zwei Hemden heraus. Beide waren großzügig geschnitten.
»Seltsam. Warum hat er uns zwei verschiedene Ausstattungen gegeben?«
»Um uns eine Alternative anzubieten.«
»Oder wir sollen die Roben unter den anderen Sachen tragen.«
Akkarins Augen wurden schmal. »Und die äußeren Gewänder zu einem bestimmten Zeitpunkt abstreifen?«
»Vielleicht. Du musst zugeben, dass es eine beeindruckende Vorstellung wäre. Zwei schwarze Magier…«
Sie atmete tief durch und blickte auf das Bett hinunter, dann verspürte sie eine seltsame Erregung, als ihr klar wurde, dass sie zwei Roben in voller Länge vor sich hatte – die Roben eines fertig ausgebildeten Magiers.
»Das kann ich nicht anziehen!«, protestierte sie.
Akkarin kicherte leise. »Jetzt, da du mir zustimmst, stelle ich fest, dass ich meine Meinung geändert habe. Vielleicht ist dein Freund tatsächlich so raffiniert, wie ich es langsam vermute.« Er strich mit der Hand über den Stoff. »Wir werden uns erst in diesen Gewändern zeigen, wenn unsere Identität ohnehin offenbar geworden ist. Aber sobald das geschehen ist, könnte es für die Sachakaner so aussehen, als hätte die Gilde uns akzeptiert. Das wird sie zumindest ins Grübeln bringen.«
»Und die Gilde?«
Er runzelte die Stirn. »Wenn sie wirklich wollen, dass wir zurückkehren, werden sie alles akzeptieren müssen, was wir sind«, murmelte er. »Schließlich können wir nicht einfach vergessen, was wir gelernt haben.«
Sie senkte den Blick. »Also sind das hier schwarze Roben für schwarze Magier.«
»Ja.«
Sie runzelte die Stirn. Der Gedanke, vor Rothen in schwarzen Roben zu erscheinen… Dann durchzuckte sie ein scharfer Stich der Trauer. Aber Rothen ist tot.
Sie seufzte. »Mir gefiele es besser, wenn sie schwarze Magie als höhere Magie bezeichnen würden, aber wenn die Gilde uns jemals akzeptieren sollte, wird sie uns wohl kaum höhere Magier nennen. Dieser Ausdruck ist bereits vergeben.«
Akkarin nickte. »Außerdem sollte man schwarzen Magiern keinen Grund geben zu glauben, sie stünden höher als andere.«
Sonea sah ihn forschend an. »Glaubst du, dass sie uns akzeptieren werden?«
Akkarin zog die Brauen zusammen. »Falls die Gilde überlebt, wird sie nie mehr so sein wie früher.« Er griff nach einer der Roben und hängte sie über die Rückenlehne eines Stuhls. »Jetzt sollten wir erst einmal schlafen. Vielleicht werden wir eine ganze Weile keine Gelegenheit mehr dazu finden.«
Während er begann, seine Kleider abzustreifen, setzte Sonea sich auf die Bettkante und dachte über seine Worte nach. Die Gilde hatte sich bereits verändert. So viele Magier waren tot… Einmal mehr schnürte ihr der Gedanke an Rothen die Kehle zu.
»Ich habe noch nie jemanden im Sitzen schlafen sehen«, bemerkte Akkarin.
Sonea drehte sich um und beobachtete, wie Akkarin unter die Decken schlüpfte. Plötzlich verspürte sie eine seltsame Mischung aus Erregung und Schüchternheit. Seit sie am Morgen neben ihm in einem Bett erwacht war, hatte sich etwas verändert. Es war eindeutig bequemer als Stein, ging es ihr durch den Kopf, aber es fühlte sich so eigenartig an, ein Bett miteinander zu teilen…
Sie legte den Sack mit den übrigen Kleidern beiseite, dann zog sie sich aus und schlüpfte ins Bett. Akkarin hatte die Augen geschlossen, und sein Atem folgte dem tiefen, gleichmäßigen Rhythmus des Schlafs. Sonea lächelte und beugte sich vor, um die Lampe zu löschen.