Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ende der Woche würde Murtagh – bewaffnet mit einer Tasche voll Rosmarinessenz, Nesselsaft und Odermennigwurzel – nach Lissabon aufbrechen, wo er sich in den Hafenspelunken umhören und herausfinden würde, welches Schiff der Comte St. Germain gemietet hatte. Dann würde er eine Überfahrt auf diesem Schiff buchen und eine Nachricht mit dem Namen und dem Abfahrtsdatum des Schiffs nach Paris senden.
»Nein, das kommt häufig vor«, sagte Jamie auf meine Frage, ob das dem Kapitän des Schiffes nicht verdächtig vorkommen würde. »Fast alle Frachtschiffe nehmen ein paar Passagiere mit; so viele, wie sie im Zwischendeck unterbringen können. Und Murtagh wird genug Geld dabeihaben, um ihn zum willkommenen Bonus zu machen, und wenn sie ihm die Kapitänskajüte zuweisen müssen.« Er hob mahnend den Zeigefinger.
»Und nimm eine Kajüte, hörst du mich? Egal, was es kostet; du wirst dich zurückziehen müssen, um die Kräuter einzunehmen, und wir dürfen es nicht riskieren, dass dich jemand dabei sieht, wenn du nur eine Hängematte irgendwo im Schiffsbauch hast.« Er betrachtete seinen Patenonkel mit kritischem Blick. »Hast du einen anständigen Rock? Wenn du wie ein Bettler aussiehst, werfen sie dich am Ende in den Hafen, ehe sie herausfinden, was du in deinem Sporran hast.«
»Mmpfm«, sagte Murtagh. Der schmächtige Schotte trug normalerweise nicht viel zur Diskussion bei, doch was er sagte, hatte immer Hand und Fuß. »Und wann nehme ich die Mittel?«, fragte er.
Ich zog das Stück Papier hervor, auf dem ich die Anweisungen und die Dosierung notiert hatte.
»Zwei Löffel Odermennig – das ist das hier«, ich tippte auf die kleine klare Glasflasche, die mit einer dunkelrosa Flüssigkeit gefüllt war, »vier Stunden, bevor du Symptome zeigen willst. Nimm nach der ersten Dosis alle zwei Stunden einen weiteren Löffel – wir wissen ja nicht, wie lange du es durchhalten musst.« Ich reichte ihm die zweite Flasche, die aus grünem Glas bestand und eine rötlich schwarze Tinktur enthielt. »Das ist konzentrierte Rosmarinessenz. Dieses Mittel wirkt schneller. Trink etwa ein Viertel der Flasche eine halbe Stunde, ehe du dich zeigen willst; so lange sollte es etwa dauern, bis sich deine Haut rötet. Die Wirkung lässt schnell wieder nach, du wirst also mehr nehmen müssen, wenn du es unauffällig bewerkstelligen kannst.« Ich holte eine dritte, kleinere Flasche aus meiner Arzneikiste. »Und wenn dein ›Fieber‹ in vollem Gange ist, kannst du dir Arme und Gesicht mit Nesselsaft einreiben, um Ausschlag hervorzurufen. Möchtest du diesen Zettel behalten?«
Er schüttelte entschlossen den Kopf. »Nein, ich merke es mir. Es ist gefährlicher, mit diesem Papier angetroffen zu werden, als zu vergessen, wie viel ich nehmen muss.« Er wandte sich an Jamie.
»Und du wartest in Oviedo auf das Schiff, Junge?«
Jamie nickte. »Aye. Es muss dort anlegen; alle Weinfrachter versorgen sich dort mit frischem Wasser. Und falls es das zufällig nicht tut, dann …«, er zuckte mit den Schultern, »dann miete ich ein Boot und versuche, es einzuholen. Solange es mir gelingt, an Bord zu gehen, ehe wir Le Havre erreichen, sollte alles gut sein, doch es ist besser, wenn wir es noch in der Nähe der spanischen Küste tun können. Ich möchte nicht länger auf See sein, als ich muss.« Er wies mit dem Kinn auf die Flasche in Murtaghs Hand.
»Am besten wartest du damit, bis du mich an Bord kommen siehst. Ohne Zeugen könnte der Kapitän sonst den einfachen Ausweg wählen und dich in der Nacht über Bord werfen.«
Murtagh grunzte. »Aye, das kann er gern versuchen.« Er berührte den Griff seines Dolches, und es lag ein Hauch von Ironie in dem Wort »versuchen«.
Jamie sah ihn stirnrunzelnd an. »Vergiss dich nicht. Du wirst ja angeblich an den Pocken leiden. Mit etwas Glück werden sie Angst haben, dich zu berühren, aber warte vorsichtshalber, bis ich in Rufweite bin und wir auf See sind.«
»Mmpfm.«
Ich ließ meinen Blick vom einen zum anderen schweifen. Der Plan war zwar an den Haaren herbeigezogen, doch er konnte funktionieren. Wenn man den Kapitän des Schiffes davon überzeugen konnte, dass einer seiner Passagiere die Pocken hatte, würde er sein Schiff unter keinen Umständen nach Le Havre bringen, wo die französischen Hygienevorschriften die Vernichtung des Fahrzeugs erfordern würden. Und es war gut möglich, dass er die Fracht angesichts der Notwendigkeit, entweder mit der Fracht nach Lissabon zurückzufahren und seinen gesamten Profit zu opfern oder mehrere Wochen in Oviedo zu verlieren, während man mit Paris kommunizierte, stattdessen an den reichen schottischen Kaufmann veräußern würde, der gerade an Bord gekommen war.
Die Darstellung des Pockenopfers war der Part, von der bei dieser Maskerade alles abhing. Jamie hatte sich freiwillig als Versuchskaninchen für einen Test der Kräuter zur Verfügung gestellt, und sie hatten großartig gewirkt. Seine helle Haut war innerhalb von Minuten dunkelrot angelaufen, und der Nesselsaft rief Blasen hervor, die ein Schiffsarzt oder ein panischer Kapitän leicht mit Pocken verwechseln konnte. Und sollte es noch Zweifel geben, würde der Odermennigurin die Illusion eines Mannes komplettieren, der Blut pisste, weil die Pocken seine Nieren angegriffen hatten.
»Himmel!«, hatte Jamie verblüfft ausgerufen, als das Kraut seine Wirkung zu zeigen begann.
»Oh, wunderbar!«, hatte ich gesagt und über seine Schulter hinweg auf den weißen Porzellannachttopf und seinen scharlachroten Inhalt geblickt. »Das ist ja noch besser als erwartet.«
»Oh, aye? Und wie lange dauert es, bis es abflaut?«, hatte Jamie ziemlich nervös gefragt.
»Ein paar Stunden, denke ich«, sagte ich. »Warum? Fühlt es sich seltsam an?«
»Eigentlich nicht«, sagte er und rieb sich die Haut. »Es juckt ein bisschen.«
»Das ist nicht die Pflanze«, mischte sich Murtagh griesgrämig ein. »Es ist der ganz natürliche Zustand eines Jungen in deinem Alter.«
Jamie grinste seinen Paten an. »Und daran kannst du dich noch erinnern, ja?«
»Ich kann mich an Zeiten erinnern, als du noch gar nicht geboren warst, Junge, geschweige denn, dass jemand an dich gedacht hätte«, hatte Murtagh gesagt und den Kopf geschüttelt.
Jetzt verstaute der kleine Schotte die Fläschchen in seinem Sporran, nachdem er sie einzeln in weiches Leder gewickelt hatte, damit sie nicht zerbrachen.
»Ich informiere dich über das Schiff und seine Abreise, sobald ich kann. Und wir sehen uns dann in Spanien. Hast du bis dahin das Geld?«
Jamie nickte. »Oh, aye. Nächste Woche, schätze ich.« Jareds Geschäft war zwar in Jamies Obhut gut gediehen, aber die Geldreserven reichten nicht aus, um ganze Schiffsladungen Portwein zu kaufen, ohne dass die anderen Verpflichtungen des Hauses Fraser beeinträchtigt wurden. Doch die Schachpartien hatten sich in mehrfacher Hinsicht ausgezahlt, und Monsieur Duverney junior, ein prominenter Bankier, hatte dem Freund seines Vaters bereitwillig einen größeren Kredit zur Verfügung gestellt.
»Schade, dass wir den Wein nicht nach Paris bringen können«, hatte Jamie im Lauf unserer Planung angemerkt, »aber St. Germain würde es mit Sicherheit herausfinden. Am besten verkaufen wir ihn vermutlich über einen Makler in Spanien – ich kenne einen guten Mann in Bilbao. Der Profit wird deutlich kleiner sein, als er es in Frankreich wäre, und die Steuern sind höher, aber man kann nicht alles haben, nicht wahr?«
»Ich wäre damit zufrieden, wenn wir Duverney seinen Kredit zurückzahlen können«, sagte ich. »Apropos, was wird Signore Manzetti denn in Bezug auf das Geld tun, das er Charles Stuart geliehen hat?«
»Darauf pfeifen vermutlich«, sagte Jamie fröhlich. »Und den Ruf der Stuarts bei allen Banken des Kontinents ruinieren.«
»Das erscheint mir aber etwas hart für den armen alten Manzetti«, stellte ich fest.
»Aye, nun ja. Wo gehobelt wird, fallen Späne, wie meine Großmutter zu sagen pflegt.«
»Du hast doch gar keine Großmutter mehr.«
»Nein«, räumte er ein, »aber wenn ich eine hätte, würde sie genau das sagen.« Dann verschwand das Spielerische aus seinem Ton. »Es ist wirklich nicht fair gegenüber den Stuarts. Und sollten die jakobitischen Anführer Wind von dem bekommen, was ich hier tue, würden sie es vermutlich als Hochverrat betrachten, und sie hätten recht.« Er rieb sich mit der Hand über die Stirn und schüttelte den Kopf, und ich sah den Ernst, den er bis jetzt überspielt hatte.