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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Ich suchte dich schon«, sagte Natascha und lief auf ihn zu. »Ich habe es dir doch immer gesagt, du aber wolltest es nicht glauben«, fügte sie triumphierend hinzu. »Er hat Sonja einen Antrag gemacht.«

Obgleich sich Nikolaj in letzter Zeit nur wenig mit Sonja beschäftigt hatte, so war es doch, als risse in seinem Innern etwas entzwei, als er dies hörte. Für Sonja als mittellose Waise war Dolochow eine anständige, in mancher Hinsicht sogar glänzende Partie. Wenn man die Sache mit den Augen der alten Gräfin und der ganzen Gesellschaft ansah, so war es unmöglich, ihn abzuweisen. Deshalb war auch das erste, was Nikolaj empfand, als er dies hörte, ein gewisses Gefühl der Erbitterung gegen Sonja. Er wollte eben sagen: Nun, das ist ja herrlich! Selbstverständlich muß sie ihr kindliches Versprechen vergessen und den Antrag annehmen, aber er kam nicht dazu, es auszusprechen …

»Und kannst du dir vorstellen?« fuhr Natascha fort. »Sie hat ihn abgewiesen, kurzweg abgewiesen. Sie hat ihm gesagt, sie liebe einen anderen …«, fügte sie nach einer kleinen Pause hinzu.

Ja, anders konnte meine Sonja auch nicht handeln! dachte Nikolaj.

»Und wie sehr Mama sie auch bestürmt hat, sie hat ihn abgewiesen, und ich weiß auch, daß sie ihren Sinn nicht ändern wird, wenn sie einmal etwas gesagt hat …«

»Also Mama hat sie bestürmt?« fragte Nikolaj vorwurfsvoll.

»Ja«, sagte Natascha. »Weißt du, Nikolenka, sei nicht böse, aber ich weiß, du wirst sie ja doch niemals heiraten. Ich weiß – Gott mag wissen woher –, weiß ganz gewiß, daß du sie nicht heiraten wirst.«

»Das kannst du gar nicht wissen«, entgegnete Nikolaj. »Aber ich muß mit ihr reden. Was für ein reizender Kerl doch diese Sonja ist!« fügte er lächelnd hinzu.

»Ja, sie ist reizend! Ich werde sie dir gleich schicken.«

Natascha gab dem Bruder einen Kuß und lief davon.

Gleich darauf erschien Sonja mit ängstlicher, verwirrter und schuldbewußter Miene. Nikolaj trat auf sie zu und küßte ihr die Hand. Das war das erstemal, seit er wieder in Moskau war, daß sie unter vier Augen von ihrer Liebe miteinander sprachen.

»Sonja«, sagte er anfänglich schüchtern, wurde aber dann immer kühner und kühner, »wenn Sie diese vorteilhafte, diese glänzende Partie ausschlagen wollen, er ist ein prächtiger, ein edler Mensch, er ist mein Freund, so …«

Sonja unterbrach ihn.

»Ich habe ihm bereits eine abschlägige Antwort gegeben«, sagte sie hastig.

»Wenn Sie ihn meinetwegen abgewiesen haben, so fürchte ich, daß Sie auf mich …«

Wieder unterbrach ihn Sonja. Sie sah ihn mit einem flehenden, erschrockenen Blick an.

»Nicolas, sprechen Sie nicht davon!« bat sie.

»Doch es ist meine Pflicht. Vielleicht ist es Eigendünkel meinerseits, aber es ist besser, alles auszusprechen. Wenn Sie ihn meinetwegen abgewiesen haben, muß ich Ihnen die ganze Wahrheit sagen. Ich liebe Sie, glaube ich, mehr als alle anderen …«

»Das ist mir genug«, sagte Sonja und wurde rot.

»Nein, ich habe mich schon tausendmal verliebt und werde mich auch immer wieder verlieben, obschon ich für niemanden ein solches Gefühl der Freundschaft, des Vertrauens und der Zuneigung empfinde wie für Sie. Und dann bin ich noch jung. Und maman will es nicht. Nun, kurz und gut, ich kann mich durch kein Versprechen binden. Deshalb bitte ich Sie, den Antrag Dolochows in Erwägung zu ziehen«, sagte er; es kostete ihn Mühe, den Namen seines Freundes auszusprechen.

»Sprechen Sie nicht so zu mir! Ich verlange nichts. Ich liebe Sie wie einen Bruder und werde Sie immer lieben, und weiter brauche ich nichts.«

»Sie sind ein Engel, und ich bin Ihrer nicht wert, ich fürchte nur, Sie zu enttäuschen.«

Nikolaj küßte ihr noch einmal die Hand.

12

Die Bälle bei Jogel waren die lustigsten in ganz Moskau. Das sagten nicht nur die Mütter, die zuzusehen kamen, wie ihre Jüngsten die eben erst erlernten Pas in Anwendung brachten, das sagten auch die Backfische und die sehr jungen Herren selber, die bis zum Umfallen tanzten, ja, das sagten sogar die der Tanzstunde bereits entwachsenen jungen Damen und Herrn, die mit etwas herablassender Miene auf diesen Bällen erschienen, sich aber immer glänzend auf ihnen amüsierten. In diesem Jahr waren auf diesen Bällen zwei Verlobungen zustande gekommen. Die beiden hübschen Prinzessinnen Gortschakow hatten dort ihre Männer kennen gelernt und sich jetzt verheiratet, was den Ruhm dieser Bälle noch erhöhte. Das Besondere bei diesen Bällen bestand eben darin, daß weder ein Hausherr noch eine Hausfrau da war, sondern nur der gutmütige Herr Jogel, der wie eine Feder durch den Saal flog, nach allen Regeln der Kunst seine Kratzfüße machte und das Geld für die Tanzstunden und Bälle bei allen seinen Gästen einsammelte, und ferner darin, daß nur diejenigen hierher kamen, die wirklich tanzen und sich amüsieren wollten, wie das eben dreizehn- und vierzehnjährige Mädchen, die zum erstenmal lange Kleider tragen, verlangen.

Alle, mit wenigen Ausnahmen, schienen hübsch zu sein: so begeistert lächelten sie und so glänzend strahlten ihre Augen. Manchmal wurde sogar von den besten Schülerinnen, zu denen Natascha gehörte, die sich besonders durch ihre Anmut auszeichnete, ein pas de châle getanzt. Auf diesem letzten Ball aber heute kamen nur Ekossaisen, Anglaisen und die eben erst Mode gewordene Masurka an die Reihe. Der Saal war Jogel im Hause des Grafen Besuchow zur Verfügung gestellt worden, und der Ball war, wie alle behaupteten, vorzüglich gelungen. Es waren eine Menge hübscher junger Mädchen da, unter denen die Rostows die reizendsten waren. Sie waren auch beide ganz besonders glücklich und heiter. Sonja, stolz auf den Antrag Dolochows, ihre Absage und ihre Auseinandersetzung mit Nikolaj, war schon zu Hause den ganzen Abend wie ein Kreisel herumgewirbelt, so daß die Zofe ihr nur mit Mühe hatte die Zöpfe zu Ende flechten können; jetzt strahlte ihr Gesicht in überfließendem Glück.

Natascha, nicht weniger stolz darauf, daß sie zum ersten Male ein langes Kleid anhatte und sich auf einem richtigen Ball befand, war noch glückseliger. Sie trugen beide die gleichen weißen Mullkleider mit rosa Bändern.

Natascha verliebte sich im selben Augenblick, als sie den Saal betrat. Und zwar verliebte sie sich nicht in einen einzelnen, sondern in alle miteinander. Und wen sie gerade ansah, in den war sie auch schon verliebt, sobald sie ihn nur angesehen hatte.

»Ach, wie herrlich!« rief sie immer wieder und lief zu Sonja hin.

Nikolaj und Denissow gingen im Saale auf und ab und sahen freundlich und gönnerhaft den Tanzenden zu.

»Wie reizend sie ist, sie wird einmal eine Schönheit werden«, sagte Denissow.

»Wer?«

»Komtesse Natascha«, erwiderte Denissow.

»Und wie sie tanzt! Wie graziös!« fügte er, nachdem er eine Weile geschwiegen hatte, hinzu.

»Ja, von wem redest du denn eigentlich?«

»Von deiner Schwester«, brüllte Denissow ärgerlich.

Rostow lachte.

»mon cher comte, Sie sind einer meiner besten Schüler, Sie müssen unbedingt tanzen«, sagte der zierliche Herr Jogel und trat auf Rostow zu. »Voyez combien de jolies demoiselles!«

Dann wandte er sich mit derselben Bitte an Denissow, der ebenfalls ein früherer Schüler von ihm war.

»Non, mon cher, je ferai tapisserie«, erwiderte Denissow. »Wissen Sie denn nicht, wie wenig mir Ihre Stunden genützt haben?«

»O nein, nein!« beeilte sich Jogel, ihn zu trösten. »Sie haben nur nicht immer achtgegeben, aber Sie haben Anlagen, ja, sehr gute Anlagen.«

Man spielte die neu aufgekommene Masurka. Nikolaj wollte Jogel keine abschlägige Antwort geben und forderte Sonja auf. Denissow setzte sich zu den älteren Herrschaften, stützte sich mit der Hand auf den Säbel, trat mit dem Fuß den Takt, erzählte den alten Damen lustige Geschichten und brachte sie zum Lachen, wobei er immer die tanzende Jugend beobachtete. Jogel tanzte mit Natascha, die seine beste Schülerin und sein Stolz war, als erstes Paar. Weich und zart mit seinen in zierlichen Schuhen steckenden Füßchen auftretend, flog Jogel mit der etwas schüchternen, aber eifrig ihre Pas ausführenden Natascha durch den Saal. Denissow verwandte kein Auge von ihr, klopfte mit dem Säbel den Takt und machte ein Gesicht, das deutlich besagte, er tanze nicht, weil er nicht wolle, und nicht etwa, weil er nicht könne. Mitten in einer Figur rief er den vorübergehenden Rostow zu sich heran.

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