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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Das ist doch nicht richtig«, sagte er. »Soll das etwa eine polnische Masurka sein? Aber sie tanzt ausgezeichnet.«

Da Nikolaj wußte, daß Denissow sogar in Polen als Meister im Tanzen der polnischen Masurka berühmt war, lief er auf Natascha zu.

»Geh und fordere Denissow auf. Der kann Masurka tanzen! Einfach wunderbar!« sagte er.

Als die Reihe wieder an Natascha kam, stand sie auf und eilte mit ihren bandgeschmückten Schuhen schüchtern und ganz allein quer durch den Saal auf die Ecke zu, wo Denissow saß. Sie merkte, daß alle Blicke erwartungsvoll auf ihr ruhten. Nikolaj sah, daß Denissow und Natascha lachend miteinander stritten, daß Denissow zwar Ausflüchte machte, aber doch glücklich lächelte. Er lief hinzu.

»Ach bitte, Wassilij Dimitritsch«, sagte Natascha, »bitte kommen Sie doch!«

»Aber verehrteste Komtesse, erlassen Sie es mir doch in Gnaden«, erwiderte Denissow.

»Aber, Waska, zier dich doch nicht so!« rief Nikolaj.

»Gerade wie ein Kater wird man hier mit ›Waska[*]‹ gelockt« scherzte Denissow.

»Einen ganzen Abend werde ich Ihnen dafür vorsingen«, bettelte Natascha.

»Diese kleine Fee macht doch mit mir, was sie will«, brummtet Denissow und schnallte den Säbel ab.

Er trat aus den Stuhlreihen heraus, nahm seine Dame fest bei der Hand, hob den Kopf hoch, setzte das Bein vor und wartete so auf den Takt. Nur wenn er zu Pferde saß oder, wie eben jetzt, Masurka tanzte, sah man nicht, wie klein eigentlich Denissow war, dann erschien er als der forsche junge Mann, als der er sich selber auch fühlte. Während er auf den Takt wartete, blickte er seine Dame scherzend und siegesgewiß von der Seite an, stampfte dann plötzlich mit dem einen Fuß, sprang leicht wie ein Ball vom Boden auf und flog den Kreis entlang, indem er seine Dame nach sich zog. So chassierte er lautlos auf einem Bein durch die Hälfte des Saales, schien die vor ihm stehende Stuhlreihe gar nicht zu sehen und schoß geradewegs auf sie los, hielt aber plötzlich, die Beine spreizend und mit den Sporen einhakend, auf den Absätzen an, blieb einen Augenblick stehen, stampfte dann sporenklirrend mit beiden Füßen an einem Fleck auf, drehte sich ein paarmal wirbelnd im Kreis herum und flog dann, mit dem linken Bein gegen das rechte schlagend, abermals durch den Saal. Natascha erriet immer, was er gerade tun wollte, und folgte ihm, selber nicht wissend wie, indem sie sich ihm ganz überließ. Bald schwenkte er sie mit der rechten, bald mit der linken Hand im Kreise, bald fiel er vor ihr auf die Knie und führte sie um sich herum, sprang dann wieder auf und stürmte mit solch wildem Eifer vorwärts, als wolle er, ohne Atem zu schöpfen, durch alle Zimmer jagen, bald machte er jäh wieder halt und fing eine neue, unerwartete Tour an. Als er dann seine Dame mit einer letzten, schneidigen Schwenkung wieder auf ihren Platz gebracht und sich sporenklirrend vor ihr verbeugt hatte, war Natascha so verwirrt, daß sie ihm nicht einmal mit einem Knicks dankte. Sie sah ihn nur voller Verwunderung starr an und lächelte, als kenne sie ihn gar nicht wieder.

»Was war denn das?« stammelte sie.

Obgleich Jogel diese Masurka nicht als vorschriftsmäßig gelten lassen wollte, waren doch alle von Denissows Meisterschaft entzückt; die Jüngeren forderten ihn immer wieder auf, und die Älteren fingen an, sich lächelnd über Polen und die gute alte Zeit zu unterhalten. Denissow, ganz rot von der Masurka, wischte sich mit dem Taschentuch den Schweiß von der Stirn, setzte sich neben Natascha und wich den ganzen Abend nicht mehr von ihrer Seite.

13

Während der nächsten zwei Tage sah Rostow Dolochow weder bei den Seinen noch traf er ihn zu Hause an. Am dritten Tage erhielt er folgenden Brief:

»Da ich aus Dir bekannten Gründen Euer Haus nicht mehr zu betreten beabsichtige und wieder zur Armee zurückkehre, gebe ich heute abend meinen Freunden ein Abschiedsessen und bitte auch dich, in den Englischen Hof zu kommen.«

So fuhr Rostow um zehn Uhr abends vom Theater aus, wo er mit den Seinen und Denissow gewesen war, in den Englischen Hof. Er wurde sogleich in den vornehmsten Raum dieses Hotels geführt, den Dolochow für diesen Abend gemietet hatte. Gegen zwanzig Herren drängten sich um einen Tisch, an dem Dolochow zwischen zwei Kerzen saß. Auf dem Tisch lagen Goldstücke und Banknoten: Dolochow hielt die Bank. Nach seinem Antrag und Sonjas abschlägiger Antwort hatte ihn Nikolaj noch nicht wiedergesehen und empfand bei dem Gedanken, wie sich dieses Wiedersehen zwischen ihnen gestalten würde, ein etwas peinliches Gefühl.

Dolochows klarer, kalter Blick traf Rostow schon an der Tür, als hätte er ihn bereits lange erwartet.

»Lange nicht gesehen«, sagte er zu ihm. »Schön, daß du gekommen bist. Wir haben inzwischen ein kleines Spielchen gemacht, gleich wird der Zigeuner Iljuscha mit seinen Sängern kommen.«

»Ich war einmal bei dir«, sagte Rostow und wurde rot.

Dolochow gab keine Antwort.

»Du kannst setzen«, sagte er dann.

Rostow fiel in diesem Augenblick das eigenartige Gespräch ein, das er einmal mit Dolochow geführt hatte. »Sich auf Glücksspiele einlassen können nur Dummköpfe«, hatte Dolochow damals gesagt.

»Oder hast du vielleicht Angst, mit mir zu spielen?« fuhr Dolochow fort, als hätte er Rostows Gedanken erraten, und lächelte.

Aus diesem Lächeln ersah Rostow, daß sich Dolochow in derselben Gemütsverfassung befand wie bei dem Festessen im Klub und überhaupt immer zu den Zeiten, in denen er, als würde ihm das Alltagsleben zu langweilig, das unwiderstehliche Bedürfnis empfand, durch eine sonderbare, meist grausame Tat dieser Langenweile ein Ende zu machen.

Rostow empfand ein Gefühl des Unbehagens. Er suchte nach einem Scherz, mit dem er die Worte Dolochows hätte beantworten können, fand aber keinen. Doch ehe er noch irgend etwas sagen konnte, sah ihm Dolochow gerade ins Gesicht und sagte langsam und gedehnt, so daß es alle hören konnten, zu ihm: »Weißt du noch, wir sprachen einmal zusammen vom Spiel … Ein Dummkopf, wer auf gut Glück Karten spielt; man muß sichergehen. Aber ich will es doch einmal versuchen.«

Das Glücksspiel oder das Sichergehen? dachte Rostow.

»Besser ist schon, man spielt nicht«, fügte Dolochow hinzu, schlug ein neu aufgerissenes Spiel Karten auseinander und rief: »Bank, meine Herren.«

Dolochow schob das Geld vor und fing an, die Karten abzuziehen. Rostow saß neben ihm und spielte anfänglich nicht mit. Dolochow sah ihn an.

»Warum spielst du nicht?« fragte Dolochow.

Und merkwürdig, Nikolaj fühlte den unwiderstehlichen Drang, eine Karte zu nehmen, eine unbedeutende Summe darauf zu setzen und sich am Spiel zu beteiligen.

»Ich habe kein Geld bei mir«, sagte Rostow.

»Ich borge dir.«

Rostow setzte fünf Rubel auf die Karte und verlor, setzte noch einmal und verlor wieder.

Dolochow schlug, das heißt, gewann zehn Karten hintereinander von Rostow.

»Meine Herren«, sagte Dolochow, nachdem sie eine Weile gespielt hatten, »ich bitte, das Geld auf die Karten zu legen, sonst kann ich mich beim Auszahlen irren.«

Einer der Spieler bemerkte scherzhaft, daß er doch hoffe, ihm trauen zu können.

»Trauen schon, aber ich fürchte, mich zu irren. Ich bitte also, das Geld auf die Karten zu legen«, erwiderte Dolochow. »Du aber geniere dich nicht, wir rechnen dann zusammen ab«, fügte er zu Rostow gewandt hinzu.

Das Spiel ging weiter; indessen reichte ein Diener ununterbrochen Champagner herum.

Alle Karten Rostows wurden geschlagen, und es waren ihm schon achthundert Rubel angekreidet worden. Eben hatte er die ganzen achthundert Rubel als Einsatz auf eine Karte notiert, als ihm der Diener Champagner präsentierte, und während er das Glas nahm, überlegte er es sich noch anders und änderte die Zahl in seinen gewöhnlichen Einsatz von zwanzig Rubeln um.

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In Rußland werden die Katzen mit dem Kosenamen Waska angelockt. (Anm. d. Übers.)

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