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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Doch, ich verstehe dich sehr gut«, erwiderte Rostow, der ganz unter dem Einfluß seines neuen Freundes stand.

Im Herbst kehrte die Familie Rostow nach Moskau zurück. Anfang des Winters kam auch Denissow und wohnte wieder bei ihnen. Diese ersten Wintermonate des Jahres 1806, die Nikolaj Rostow in Moskau verlebte, waren für ihn und die ganze Familie eine besonders glückliche und heitere Zeit. Nikolaj führte eine Menge junger Leute ins Elternhaus ein. Wera war jetzt eine zwanzigjährige Schönheit, Sonja ein sechzehnjähriges Mädchen mit all den Reizen einer sich eben erschließenden Knospe, und Natascha ein Backfisch, halb Kind, halb junge Dame, bald kindlich komisch, bald mädchenhaft bezaubernd.

Während dieser Zeit war das Rostowsche Haus in einen ganz besonderen Dunstkreis von Verliebtheit gehüllt, wie das immer zu sein pflegt, wenn viele hübsche junge Mädchen beieinander sind. Jeder junge Mann, der ins Rostowsche Haus kam und diese jungen frischen, immer über irgend etwas – wahrscheinlich über das eigne Glück – lächelnden kindlichen Gesichter und das lustige Leben und Treiben sah, der das nicht gerade tiefsinnige, aber gegen jedermann freundliche, zu allem bereite und hoffnungsfrohe Schwatzen der jungen Mädchen mit anhörte und bald ihrem schlichten Gesang, bald ihrem anspruchslosen Klavierspiel lauschte, fühlte sich sogleich von demselben Gefühl der Liebesbereitschaft und Erwartung irgendeines Glückes angesteckt, das alle jungen Leute im Rostowschen Hause selber empfanden.

Unter den jungen Männern, die Rostow ins Elternhaus einführte, befand sich als erster auch Dolochow, der allen im Hause sehr gut gefiel, nur Natascha nicht. Seinetwegen hatte sie sich beinahe mit dem Bruder gezankt. Sie behauptete steif und fest, er habe einen schlechten Charakter, in der Duellangelegenheit sei Pierre im Recht und er im Unrecht gewesen, und außerdem sei er ein unangenehmer, affektierter Mensch.

»Ich kann dich einfach nicht begreifen«, rief Natascha in starrem Eigensinn, »er ist schlecht und gefühllos. Ja, deinen Denissow, den mag ich gern, er ist zwar auch ein Zechbruder und so weiter, aber das kann ich verstehen, habe ihn trotzdem gern. Ich weiß nur nicht, wie ich dir das erklären soll … Bei Dolochow ist alles Berechnung, und das kann ich nicht ausstehen, während bei Denissow …«

»Na, mit Denissow ist das doch etwas ganz anderes«, erwiderte Nikolaj, und ließ durchfühlen, daß selbst Denissow einen Vergleich mit Dolochow nicht aushalte. »Man darf nicht vergessen, was für einen Charakter Dolochow hat, du solltest nur sehen, wie er sich gegen seine Mutter benimmt, was er für ein gutes Herz hat!«

»Das weiß ich nicht, aber ich fühle mich in seiner Gegenwart nicht wohl. Weißt du auch, daß er in Sonja verliebt ist?«

»Dummes Zeug!«

»Ich glaube es ganz sicher. Du wirst schon sehen.«

Nataschas Voraussage sollte zur Wahrheit werden. Dolochow, der sich sonst nichts aus Damengesellschaft machte, kam jetzt immer häufiger ins Haus, und die Frage, wem zuliebe er dies tat, war bald dahin gelöst, daß er Sonjas wegen kam, obgleich kein Mensch darüber sprach. Und auch Sonja selbst wußte dies, obgleich sie niemals gewagt hätte, es sich einzugestehen, und wurde jedesmal, wenn Dolochow kam, rot wie ein Mohnröschen.

Dolochow speiste oft bei den Rostows zu Mittag, versäumte keine Theatervorstellung, der sie beiwohnten, und kam sogar zu den Jugendbällen bei Jogel, die die Rostows regelmäßig besuchten. Er bewies Sonja so vorzugsweise seine Aufmerksamkeit und sah sie mit solchen Augen an, daß nicht nur sie selber unter diesem Blick errötete, sondern sogar die Gräfin und auch Natascha rot wurden, wenn sie diese Blicke bemerkten.

Man sah, wie sich dieser sonderbare, starke Mann ganz unter dem unwiderstehlichen Einfluß befand, den dieses schwarze, anmutige Mädchen, das einen anderen liebte, auf ihn ausübte.

Rostow merkte wohl, daß etwas Neues zwischen Dolochow und Sonja vorging, machte sich aber weiter keine bestimmten Vorstellungen darüber, welcher Art diese neuen Beziehungen waren. In irgendeinen müssen die immer verliebt sein, dachte er in bezug auf Sonja und Natascha. Aber er fühlte sich in Anwesenheit Sonjas und Dolochows nicht mehr so wohl wie früher und blieb seltener zu Hause.

Im Herbst des Jahres 1806 fingen alle an, mit noch größerem Eifer vom Krieg mit Napoleon zu reden als im vergangenen Jahr. Nach einem Erlaß mußten nicht nur zehn Rekruten, sondern überdies noch neun Landwehrleute von jedem Tausend gestellt werden. Überall verfluchte man Bonaparte, und ganz Moskau sprach von nichts anderem als von dem bevorstehenden Krieg. Für die Rostows hatten diese Kriegsvorbereitungen nur deshalb Interesse, weil Nikoluschka erklärt hatte, unter diesen Umständen keinesfalls in Moskau zu bleiben und nur noch das Ende von Denissows Urlaub abzuwarten, um sich dann nach den Feiertagen mit ihm zusammen wieder zu seinem Regiment zu begeben. Seine bevorstehende Abreise hinderte ihn jedoch nicht daran, sich zu amüsieren, sondern trieb ihn im Gegenteil noch dazu an. So war er meist nicht zu Hause und besuchte Diners, Abendgesellschaften und Bälle.

11

Am dritten Weihnachtsfeiertag aß Nikolaj mittags zu Hause, was in der letzten Zeit selten vorgekommen war. Es war dies ein offizielles Abschiedsessen, da er sich ja mit Denissow gleich nach dem Dreikönigsfest wieder zum Regiment begeben wollte. Ungefähr zwanzig Personen waren geladen, unter ihnen auch Dolochow und Denissow.

Noch nie hatte sich im Rostowschen Hause die Liebesluft und der Dunstkreis der Verliebtheit so fühlbar gemacht wie in diesen Feiertagen. Ergreife das Glück beim Schopf, mach andere in dich verliebt und verliebe dich selber! Das ist das einzig Wahre in der Welt, alles andere ist – Unsinn. Und damit beschäftigen wir uns hier auch nur, schien dieser Dunstkreis sagen zu wollen.

Nikolaj hatte wie immer zwei Paar Pferde müde gejagt, ohne daß es ihm gelungen wäre, überallhin zu fahren, wo er hätte Besuch machen müssen und eingeladen war, und kam so erst kurz vor dem Essen nach Hause. Gleich als er eintrat, merkte und fühlte er eine gewisse Spannung in diesem Dunstkreis der Verliebtheit im Hause und beobachtete außerdem noch eine gewisse Verlegenheit, die sich einiger Mitglieder der Gesellschaft bemächtigt hatte. Besonders erregt schienen Sonja, Dolochow und die alte Gräfin zu sein, auch Natascha merkte man etwas an. Nikolaj begriff sofort, daß zwischen Sonja und Dolochow vor dem Mittagessen etwas vorgefallen sein mußte, und behandelte sie in der Feinfühligkeit seines Herzens beide während des Essens besonders liebevoll und vorsichtig. Am Abend dieses dritten Weihnachtsfeiertages sollte bei dem Tanzlehrer Jogel wieder einer jener Jugendbälle stattfinden, die er immer an den Feiertagen für seine Schüler und Schülerinnen veranstaltete.

»Nikolenka, kommst du heute mit zu Jogel? Bitte, bitte, komm doch bitte mit«, bettelte Natascha. »Er läßt dich ganz besonders einladen. Wassilij Dimitritsch« – das war Denissow – »kommt auch mit.«

»Wohin gehe ich nicht, wenn die Komtesse es befiehlt!« sagte Denissow, der im Rostowschen Hause aus Spaß die Rolle von Nataschas Ritter spielte, »bin sogar bereit, einen Pas de châle zu tanzen.«

»Wenn ich irgend kann, komme ich. Ich habe zwar bei den Archarows zugesagt, die geben heute eine Abendgesellschaft«, erwiderte Nikolaj. »Und du?« wandte er sich an Dolochow.

Aber kaum hatte er es ausgesprochen, als er auch schon merkte, daß er diese Frage nicht hätte stellen dürfen.

»Ja, vielleicht …«, gab Dolochow kalt und ungehalten zur Antwort und warf Sonja einen Blick zu. Dann zog er finster die Brauen zusammen und blickte Rostow ebenso an, wie er bei dem Festessen im Klub Pierre angesehen hatte.

Da ist irgend etwas geschehen, dachte Nikolaj und wurde in dieser Annahme noch bestärkt, als sich Dolochow gleich nach dem Mittagessen empfahl. Er rief Natascha und fragte sie, was los sei.

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