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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Sollte ich besser jemanden holen, Claire? Einen Heiler, eine der Frauen aus dem Hôpital?«

Ich schüttelte den Kopf und leckte mir die trockenen Lippen.

»Nein. Ich … ich glaube nicht, dass sie irgendetwas tun könnten.« Es war das Letzte, was ich sagen wollte; ich wünschte mir mehr als alles andere, dass wir jemanden finden konnten, der wusste, wie er alles wiedergutmachen konnte. Doch ich erinnerte mich an die Anfänge meiner Schwesternausbildung, an die wenigen Tage, die ich in der Entbindungsstation verbracht hatte, und an die Worte eines Arztes, der sich achselzuckend vom Bett einer Patientin abwandte, die eine Fehlgeburt erlitten hatte. »Eigentlich gibt es nichts, was man tun kann«, hatte er gesagt. »Wenn eine Frau ein Kind verlieren soll, dann geschieht das normalerweise auch, ganz gleich, was man versucht. Bettruhe ist tatsächlich das Einzige, und selbst das reicht oftmals nicht.«

»Es ist möglich, dass es gar nichts ist«, sagte ich, um uns beiden Mut zu machen. »Es ist nichts Ungewöhnliches, dass eine Frau manchmal in der Schwangerschaft leichte Blutungen hat.« Es war tatsächlich nichts Ungewöhnliches – während der ersten drei Monate. Ich war im sechsten Monat, und das hier war alles andere als normal. Dennoch, es gab viele Dinge, die eine Blutung auslösen konnten, und nicht alle waren ernst.

»Möglich, dass alles wieder gut wird«, sagte ich. Ich legte mir eine Hand auf den Bauch und drückte sacht zu. Augenblicklich spürte ich eine Reaktion des Insassen, einen trägen, gemächlichen Schubser, und es ging mir sofort besser. Ich empfand so tiefe Dankbarkeit, dass mir die Tränen in die Augen stiegen.

»Sassenach, was kann ich tun?«, flüsterte Jamie. Seine Hand umfasste mich und legte sich über der meinen auf meinen gefährdeten Bauch.

Ich legte meine andere Hand auf die seine und hielt mich fest.

»Höchstens beten«, sagte ich. »Bete für uns, Jamie.«

Kapitel 23

Die besten Pläne von Mäusen und Menschen

Am Morgen hatte es aufgehört zu bluten. Ich erhob mich mit großer Vorsicht, doch alles blieb gut. Dennoch war offensichtlich der Zeitpunkt da, an dem ich besser aufhörte, im Hôpital des Anges zu arbeiten, und ich schickte Fergus mit einem Brief zu Mutter Hildegarde, in dem ich ihr die Lage erklärte und mich entschuldigte. Er kehrte mit ihren Gebeten und guten Wünschen zurück und mit einer Flasche eines bräunlichen Elixiers, das – so die beigefügte Notiz – von den Maîtresses sage-femme zur Vorbeugung von Fehlgeburten sehr geschätzt wurde. Nach Monsieur Forez’ Salbe begegnete ich zwar jeder Arznei, die ich nicht selbst zubereitet hatte, mehr als nur etwas argwöhnisch, doch ich roch vorsichtig daran und stellte fest, dass die Zutaten zumindest rein botanischer Natur waren.

Nach gründlicher Überlegung nahm ich einen Löffel zu mir. Die Flüssigkeit war bitter und hatte einen üblen Nachgeschmack, doch der simple Akt, etwas zu tun – und sei es etwas, das vermutlich nutzlos war –, half mir, mich besser zu fühlen. Ich verbrachte jetzt den größten Teil der Tage damit, in meinem Zimmer auf der Couch zu liegen und zu lesen, zu dösen, zu nähen oder einfach nur mit den Händen auf dem Bauch ins Leere zu starren.

Wenn ich allein war. Wenn Jamie zu Hause war, verbrachte er den Großteil seiner Zeit mit mir, und wir unterhielten uns über die Ereignisse des Tages oder die jüngsten Briefe der Jakobiten. König James war anscheinend von dem geplanten Portweingeschäft seines Sohnes unterrichtet worden, und er begrüßte es mit voller Überzeugung als »… einen sehr vernünftigen Plan, der meiner Meinung nach viel dazu beitragen wird, dich in Frankreich auf gesunde Füße zu stellen, ganz wie es mein Wunsch ist«.

»James glaubt also, das Geld ist nur dazu gedacht, Charles hier als feinen Herrn zu etablieren und ihm Gewicht zu verleihen«, sagte ich. »Meinst du, das könnte alles sein, was er vorhat? Louise war heute Nachmittag hier; sie sagt, Charles hat sie letzte Woche besucht – er ließ sich nicht abweisen, obwohl sie sich zunächst geweigert hat, ihn zu empfangen. Sie sagt, er war aus irgendeinem Grund sehr echauffiert, wollte ihr aber nicht sagen, weshalb, und war nur voller mysteriöser Andeutungen auf eine bevorstehende Großtat. ›Ein großes Abenteuer‹, hat er gesagt. Das klingt nicht nach einer simplen Investition in eine Ladung Portwein, oder?«

»Nein«, sagte Jamie mit grimmiger Miene.

»Hm«, sagte ich. »Nun, man könnte vermutlich wetten, dass Charles nicht vorhat, sich mit dem Profit dieses Unterfangens in Paris niederzulassen und ein redlicher Kaufmann zu werden.«

»Wenn ich wetten würde, würde ich meinen letzten Heller darauf setzen«, sagte Jamie. »Die Frage ist jetzt, wie halten wir ihn auf?«

Die Antwort kam uns ein paar Tage später nach langen Diskussionen und vielen unbrauchbaren Vorschlägen. Murtagh, der mir mehrere Stoffballen aus dem Hafen mitgebracht hatte, befand sich mit uns in meinem Schlafzimmer.

»Es heißt, in Portugal gehen die Pocken um«, stellte er fest, während er die teure Moiréseide auf das Bett plumpsen ließ wie einen Stapel schäbiger Jute. »Heute Morgen ist ein Schiff mit Eisen aus Lissabon gekommen, und der Hafenmeister hat es mit drei Helfern gründlich durchgekämmt. Hat aber nichts gefunden.« Er erspähte die Brandyflasche auf dem Tisch, schenkte sich ein Glas halb voll und trank es in großen, gesunden Zügen wie Wasser. Ich beobachtete diese Darbietung mit offenem Mund, bis mich Jamies Ausruf von dem Anblick losriss.

»Pocken?«

»Aye«, sagte Murtagh und hielt dazu kurz inne. Dann hob er das Glas wieder und setzte seine systematische Stärkung fort.

»Pocken«, murmelte Jamie. »Pocken.«

Langsam schwand das Stirnrunzeln aus seinem Gesicht und damit auch die tiefe senkrechte Falte zwischen seinen Augenbrauen. Er setzte eine zutiefst nachdenkliche Miene auf und lehnte sich in seinem Sessel zurück, die Hände im Nacken verschränkt, während er Murtagh fixierte. Der Hauch eines Lächelns ließ seinen breiten Mund zur Seite zucken.

Murtagh beobachtete diesen Vorgang mit skeptischer Resignation. Er leerte sein Glas und saß vornübergebeugt auf seinem Hocker, während Jamie aufsprang und den kleinen Schotten leise pfeifend zu umkreisen begann.

»Ich gehe davon aus, dass du eine Idee hast?«, sagte ich.

»Oh, aye«, sagte er und lachte leise vor sich hin. »Oh, aye, ich habe eine Idee.«

Er wandte sich mir zu, und Schabernack und Scharfsinn leuchteten ihm aus den Augen.

»Hast du etwas in deiner Kräuterkiste, das bei einem Menschen Fieber auslösen würde? Oder Durchfall? Oder Ausschlag?«

»Nun ja«, sagte ich langsam und überlegte. »Rosmarin. Oder Cayenne. Und natürlich Cascara für den Durchfall. Warum?«

Er blickte Murtagh an und grinste breit, begeistert von seiner eigenen Idee, dann zerzauste er seinem Verwandten kichernd das Haar, so dass es ihm in schwarzen Stacheln vom Kopf abstand. Murtagh sah ihn finster an und legte dabei große Ähnlichkeit mit Louises zahmen Äffchen an den Tag.

»Also«, sagte Jamie mit Verschwörermiene zu uns beiden. »Was, wenn das Schiff des Comte St. Germain die Pocken an Bord hat, wenn es aus Portugal kommt?«

Ich starrte ihn an. »Hast du den Verstand verloren?«, erkundigte ich mich höflich. »Was wäre denn dann?«

»Dann«, unterbrach Murtagh, »würde es mindestens die Fracht verlieren. Man würde sie per Gesetz verbrennen oder im Hafen über Bord werfen.« In seinen schwarzen Äuglein glänzte Interesse auf. »Und wie willst du das bewerkstelligen, Junge?«

Jamies freudige Erregung ließ ein wenig nach, obwohl seine Augen weiter leuchteten.

»Nun«, räumte er ein, »ich habe es noch nicht bis zum Ende durchdacht, aber fürs Erste …«

Wir mussten mehrere Tage diskutieren und recherchieren, um den Plan auszuklügeln, doch am Ende stand es fest: Cascara war als Durchfallauslöser abgelehnt worden, weil es handlungsunfähig machte. Aber ich fand einige gute Ersatzmittel in einem der Kräuterbücher, die mir Meister Raymond geliehen hatte.

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