Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie ging jetzt auf die Scheune zu und rief in Abständen, ohne dass es eine Wirkung gezeigt hätte. Ich sah mich um, doch es gab keine frischen Spuren auf dem Hof außer den unseren. Ein paar Kotkügelchen lagen neben dem halb behauenen Holzstück verstreut, aber sie waren eindeutig schon mehrere Tage alt; sie waren taufeucht, aber nicht frisch – die meisten waren zu Pulver zerfallen.
Niemand war gekommen, niemand war gegangen, es sei denn zu Fuß. Die Beardsleys, wer und wie viele sie auch immer waren, hielten sich wahrscheinlich immer noch im Haus auf.
Aber sie hielten sich bedeckt. Es war zwar noch früh, aber nicht so früh, dass die Farmbewohner nicht schon ihrem Tagewerk nachgehen würden; schließlich hatte ich vorhin jemanden gesehen. Ich trat zurück, hielt mir zum Schutz gegen die aufgehende Sonne eine Hand über die Augen und hielt nach Lebenszeichen Ausschau. Ich war mehr als neugierig auf diese Beardsleys – und angesichts der jüngsten Ereignisse auch mehr als nur leicht nervös bei der Vorstellung, dass einer oder mehrere männliche Beardsleys mit uns reiten würden.
Ich wandte mich wieder der Tür zu und bemerkte eine seltsame Reihe von Einkerbungen im Türpfosten. Die einzelnen Kerben waren klein, aber es waren sehr viele, und über den einen Pfosten zogen sie sich ganz hin, über den anderen halb. Ich sah genauer hin; sie waren in Gruppen von sieben angeordnet, und zwischen den einzelnen Gruppen befand sich jeweils ein winziger Zwischenraum, so wie vielleicht ein Gefangener zählt, um den Überblick über die Wochen zu behalten.
Jamie kam aus der Scheune, gefolgt von einem leisen Blöken. Natürlich, die Ziegen, von denen er gesprochen hatte. Ich fragte mich, ob es Keziahs Aufgabe gewesen war, sie zu melken – wenn ja, dann würde seine Abwesenheit in Kürze auffallen, wenn sie nicht schon aufgefallen war.
Jamie ging ein paar Schritte auf das Haus zu, legte die Hände um seinen Mund und rief erneut. Keine Antwort. Er wartete einige Augenblicke, dann zuckte er mit den Achseln und trat auf die Veranda, wo er mit dem Griff seines Dolches an die Tür hämmerte. Es war laut genug, um Tote zu erwecken, wären denn welche in der Nähe gewesen, und die Hühner flitzten panisch davon, wobei sie einige Federn ließen, doch niemand antwortete auf Jamies donnernden Aufruf.
Jamie sah sich zu mir um und zog eine Augenbraue hoch. Kein normaler Mensch machte sich davon und ließ seine Farm unbeaufsichtigt zurück, nicht, wenn er Vieh hatte.
»Es ist jemand hier«, beantwortete er meinen unausgesprochenen Gedanken. »Die Ziegen sind frisch gemolken; sie haben noch Tropfen an den Zitzen.«
»Meinst du, sie sind womöglich alle unterwegs und suchen nach … äh … du weißt schon, wem?«, murmelte ich und trat dichter an ihn heran.
»Vielleicht.« Er trat zur Seite und bückte sich, um einen Blick in ein Fenster zu werfen. Es war einmal verglast gewesen, doch die meisten Scheiben hatten Sprünge oder fehlten, und man hatte ein zerschlissenes Stück Musselin vor die Öffnung genagelt. Ich sah, wie Jamie die Stirn runzelte – die Verachtung des Handwerkers angesichts einer lausigen Reparatur.
Er wandte plötzlich den Kopf, dann sah er mich an.
»Hörst du etwas, Sassenach?«
»Ja. Ich dachte, es wären die Ziegen, aber …«
Das Blöken erklang erneut – diesmal eindeutig aus dem Haus. Jamie hob die Hand an die Tür, aber sie gab nicht nach.
»Verriegelt«, sagte er und trat wieder an das Fenster, griff vorsichtig in den Rahmen und löste eine Ecke des Musselintuches.
»Uh«, sagte ich und rümpfte die Nase angesichts der Luft, die aus dem Fenster kam. Ich war an die Gerüche für den Winter abgedichteter Blockhäuser gewöhnt, wo sich die Düfte von Schweiß, schmutzigen Kleidern, nassen Füßen, fettigen Haaren und Nachttöpfen mit denen backenden Brotes, kochenden Fleisches und der subtileren Note der Schimmelpilze vermischte, aber das Aroma im Haus der Beardsleys untertraf das Übliche bei weitem.
»Entweder halten sie ihre Schweine im Haus«, sagte ich mit einem Blick auf die Scheune, »oder es wohnen zehn Leute da drinnen, die seit dem letzten Frühjahr keinen Fuß mehr vor die Tür gesetzt haben.«
»Es ist ein bisschen muffig«, pflichtete Jamie mir bei. Er steckte sein Gesicht zum Fenster hinein, verzog das Gesicht über den Gestank und bellte: »Thig a mach! Kommt heraus, Beardsley, oder ich komme hinein!«
Ich lugte über seine Schulter, um zu sehen, ob seine Aufforderung Wirkung zeigte. Das Zimmer im Inneren war groß, aber so voll gestellt, dass der fleckige Fußboden unter dem Gerümpel kaum zu sehen war. Ich schnüffelte vorsichtig und kam zu dem Schluss, dass die Fässer, die ich sah, unter anderem Pökelfisch, Teer, Äpfel, Bier und Sauerkraut enthielten, während ganze Bündel von Wolldecken, die mit Koschenille und Indigo gefärbt waren, Fässer mit Schießpulver und halb gegerbte Felle, die nach Hundekot rochen, den einzigartigen Mief im Inneren um ihre eigenen Aromen ergänzten. Beardsleys Handelsware, nahm ich an.
Das andere Fenster war ebenfalls verdeckt, und zwar mit einem zerschlissenen Wolfspelz, so dass das Innere halb dunkel und schattig war; mit seinen aufgehäuften Kisten, Bündeln, Fässern und Möbelstücken sah das Zimmer aus wie eine der Armut anheim gefallene Version von Ali Babas Höhle.
Das Geräusch kam erneut von der Rückseite des Hauses, diesmal etwas lauter; ein Geräusch zwischen Quieken und Knurren. Ich trat einen Schritt zurück, denn zusammen mit dem beißenden Geruch beschwor das Geräusch ein lebhaftes Bild von dunklem Pelz und plötzlichen Gewaltausbrüchen herauf.
»Bären«, vermutete ich halb im Ernst. »Die Bewohner sind fort, und im Haus ist ein Bär.«
»Aye, natürlich«, sagte Jamie sehr trocken. »Ganz bestimmt. Ob Bären oder nicht, irgendetwas stimmt hier nicht. Hol die Pistolen und das Pulver aus meiner Satteltasche.«
Ich nickte und wandte mich zum Gehen, doch bevor ich von der Veranda treten konnte, erklang im Haus ein schlurfendes Geräusch, und ich drehte mich abrupt wieder um. Jamie hatte seinen Dolch ergriffen, doch seine Hand entspannte sich am Knauf, als er erblickte, was dort innen war. Gleichzeitig zog er überrascht die Augenbrauen hoch, und ich beugte mich über seinen Arm, um etwas zu sehen.
Eine Frau blinzelte zwischen zwei Warenbergen hindurch und sah sich argwöhnisch um wie eine Ratte, die aus einem Abfallhaufen hervorlugt. Ihre Erscheinung sah einer Ratte zwar nicht besonders ähnlich, da sie lockiges Haar hatte und ziemlich kräftig war, aber sie blinzelte uns genauso berechnend an wie ein Schädling, der eine Bedrohung einschätzt.
»Fort mit Euch«, sagte sie, nachdem sie offensichtlich zu dem Schluss gekommen war, dass wir nicht die Vorhut einer Armee auf Eroberungszügen waren.
»Guten Morgen, Ma’am«, begann Jamie. »Ich bin James Fraser, aus …«
»Es interessiert mich nicht, wer Ihr seid«, erwiderte sie. »Fort mit Euch.«
»Das kommt nicht in Frage«, sagte er bestimmt. »Ich muss den Herrn des Hauses sprechen.«
Ein außergewöhnlicher Ausdruck wanderte über ihr rundes Gesicht; Betroffenheit, Berechnung und etwas, das möglicherweise Belustigung war.
»Müsst Ihr das?«, sagte sie. Sie lispelte leicht; es kam als »Müfft Ihr daff?« heraus. »Und wer sagt, dass Ihr das müsst?«
Jamies Ohren liefen langsam rot an, aber er antwortete ganz ruhig.
»Der Gouverneur, Madam. Ich bin Oberst James Fraser«, sagte er mit Nachdruck, »und man hat mich mit der Musterung einer Miliz beauftragt. Alle einsatzfähigen Männer im Alter von sechzehn bis sechzig Jahren sind dazu aufgerufen. Würdet Ihr bitte Mr. Beardsley holen?«
»Mili-itsch, ja?«, sagte sie und sprach das Wort sehr vorsichtig aus. »Ach, und gegen wen werdet Ihr kämpfen?«
»Niemanden, wenn wir Glück haben. Aber der Aufruf zur Musterung ist nun einmal erfolgt; ich muss ihm Folge leisten, und dasselbe gilt für jeden gesunden Mann diesseits der Vertragsgrenze.« Jamies Hand verstärkte ihren Druck auf das Kreuz des Innenrahmens und rüttelte versuchsweise daran. Es bestand aus fadenscheinigen Kiefernlatten, deren Holz geschrumpft und stark verwittert war; es war klar, dass er es aus der Wand reißen und durch die Öffnung treten konnte, wenn er das wollte. Er sah ihr direkt in die Augen und lächelte freundlich.