Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ja«, sagte ich, aber meine Aufmerksamkeit war abgelenkt. Als ich mich über die Beine des Kranken beugte, war mir ein Hauch von etwas in die Nase gestiegen, das ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gerochen hatte – ein übler, unheilverkündender Gestank.
Er war mir noch nicht oft untergekommen, aber selbst einmal hätte gereicht; der durchdringende Geruch von Gangrän prägt sich unauslöschlich ein. Ich wollte nichts sagen, was Beardsley möglicherweise alarmierte – wenn er uns denn verstehen konnte –, also tätschelte ich ihn stattdessen beruhigend und stand auf, um mir die Kerze von Jamie zu holen und mir die Stelle genauer anzusehen.
Er reichte sie mir und beugte sich dabei dicht an mein Ohr, um mir etwas zuzumurmeln.
»Kannst du irgendetwas für ihn tun, Sassenach?«
»Nein«, sagte ich ebenso leise. »Das heißt, nicht gegen den Schlaganfall. Ich kann die Wunden behandeln und ihm Kräuter gegen das Fieber geben – aber das ist alles.«
Er stand einen Moment still und blickte auf das verstummte Häufchen der Gestalt im Schatten. Dann schüttelte er den Kopf, bekreuzigte sich und stieg rasch die Leiter hinunter, um nach einem Seil zu suchen.
Ich ging langsam zu dem Kranken zurück, der mich mit einem belegten »Hachhh« und dem unruhigen Klopfen seines Beins begrüßte, wie das Alarmsignal eines Karnickels. Ich kniete mich zu seinen Füßen hin und murmelte beruhigende Belanglosigkeiten, während ich mich mit der Kerze näherte, um sie zu untersuchen. Die Zehen. Sämtliche Zehen an seinem abgestorbenen Fuß hatten Verbrennungen; manche hatten nur Brandblasen, manche waren fast bis auf den Knochen verbrannt. Die ersten beiden Zehen waren völlig schwarz, und die anschließende Oberseite des Fußes war grünlich angelaufen.
Ich war erschüttert – und zwar genauso sehr über die Vorstellung, was zu dieser Tat geführt haben mochte, wie über die Tat an sich. Die Kerze flackerte; meine Hände zitterten, und zwar nicht nur vor Kälte. Ich war nicht nur entsetzt über das, was sich hier abgespielt hatte, sondern auch besorgt über die unmittelbaren Konsequenzen. Was in aller Welt sollten wir nur mit diesen elenden Menschen anfangen?
Wir konnten Beardsley eindeutig nicht mitnehmen – doch genauso eindeutig konnte man ihn nicht hier in der Obhut seiner Frau zurücklassen. Es gab keine Nachbarn in der Nähe, die nach ihm sehen konnten, niemanden sonst auf der Farm, der für seine Sicherheit sorgen konnte. Ich nahm an, dass wir es vielleicht schaffen würden, ihn nach Brownsville zu transportieren; vielleicht gab es ja einen Wagen in der Scheune. Aber selbst wenn – was dann?
Es gab kein Hospital, in dem man sich um ihn kümmern würde. Wenn eins der Häuser in Brownsville ihn aus Mildtätigkeit aufnahm – schön und gut, aber angesichts von Beardsleys Zustand einen Monat nach dem Anfall hielt ich es für unwahrscheinlich, dass sich seine Lähmung oder sein Sprachvermögen großartig verbessern würden. Wer würde ihn aufnehmen, wenn das bedeutete, sich für den Rest seines Lebens Tag und Nacht um ihn zu kümmern.
Der Rest seines Lebens konnte natürlich sehr kurz ausfallen, je nachdem, wie erfolgreich ich mit dem Gangrän zurecht kam. Meine Sorge trat in den Hintergrund, als sich mein Verstand dem unmittelbaren Problem zuwandte. Ich würde eine Amputation vornehmen müssen; es war die einzige Möglichkeit. So lange es nur um die Zehen ging, war das einfach – aber möglicherweise reichten die Zehen nicht. Wenn ich den Fuß ganz oder teilweise abnehmen musste, stieg das Risiko durch Schock oder Infektion.
Konnte er es spüren? Manchmal behielten Schlaganfallpatienten das Gefühl in einer betroffenen Gliedmaße zurück, nicht aber die Bewegungsfähigkeit, manchmal die Bewegungsfähigkeit, aber kein Gefühl – manchmal keines von beidem. Vorsichtig berührte ich die gangränösen Zehen und behielt dabei sein Gesicht im Auge.
Sein gesundes Auge stand offen und hielt die Balken über ihm fixiert. Er sah mich nicht an und machte kein Geräusch – womit diese Frage beantwortet war. Nein, er konnte den Fuß nicht spüren. Das war in einer Hinsicht eine Erleichterung – wenigstens würde er bei der Amputation keine Schmerzen haben. Außerdem wurde mir klar, dass er auch die Verletzungen nicht gespürt hatte, die seinem Fuß beigebracht worden waren. War ihr das bewusst gewesen? Oder hatte sie seine abgestorbene Seite für ihre Attacken gewählt, weil ihm in der anderen noch etwas Kraft geblieben war und er sich möglicherweise noch hätte verteidigen können?
Ein leises Rascheln ertönte hinter mir. Mrs. Beardsley war zurück. Sie stellte einen Eimer Wasser auf den Boden und legte einen Haufen Lappen dazu, dann stellte sie sich hinter mich und sah schweigend zu, wie ich begann, ihn von der Schmutzschicht zu befreien.
»Könnt Ihr ihn heilen?«, fragte sie. Ihr Tonfall war ruhig, abwesend, so als spräche sie von einem Fremden.
Der Kopf des Patienten kugelte plötzlich herum, so dass sich sein geöffnetes Auge auf mich heftete.
»Ich glaube, ich kann es ihm etwas leichter machen«, sagte ich vorsichtig. Ich wünschte, Jamie käme zurück. Abgesehen davon, dass ich meine Arzneitruhe brauchte, machte mich die Gesellschaft der Beardsleys ziemlich nervös.
Das wurde noch schlimmer, als Mr. Beardsley unkontrolliert eine kleine Menge Urin absonderte. Mrs. Beardsley lachte, und er antwortete mit einem Geräusch, bei dem sich meine Arme mit Gänsehaut überzogen. Ich wischte ihm die Flüssigkeit vom Oberschenkel, fuhr mit meiner Arbeit fort und gab mir alle Mühe, den Zwischenfall zu ignorieren.
»Habt Ihr oder Mr. Beardsley Verwandte in der Nähe?«, fragte ich so beiläufig wie möglich. »Jemanden, der Euch vielleicht zur Hand gehen könnte?«
»Niemanden«, sagte sie. »Er hat mich aus meinem Elternhaus in Maryland weggeholt. Und nach hier gebracht.« Sie sprach das »hier« aus, als handelte es sich um den fünften Kreis der Hölle, und so weit ich das beurteilen konnte, bestanden da tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten.
Unten öffnete sich die Tür, und ein willkommener, kalter Luftzug verkündete Jamies Rückkehr. Es polterte, als er meine Kiste auf den Tisch stellte, und ich erhob mich hastig, begierig, ihnen zu entfliehen, und wenn es nur für einige Minuten war.
»Da ist mein Mann mit meinen Arzneien. Ich … äh … gehe eben hinunter und hole sie …« Ich schob mich an Mrs. Beardsleys massiger Gestalt vorbei und floh die Leiter hinunter. Trotz der Kühle des Hauses schwitzte ich.
Jamie stand am Tisch und runzelte die Stirn, während er ein Stück Seil in der Hand hin und her drehte. Er blickte auf, als er mich hörte, und sein Gesicht entspannte sich ein wenig.
»Wie sieht es aus, Sassenach?«, fragte er leise und wies mit einem Ruck seines Kinns zum Dachboden.
»Ziemlich schlimm«, flüsterte ich und trat an seine Seite. »Er hat Gangrän in zwei Zehen; ich muss sie ihm abnehmen. Und sie sagt, sie haben keine Verwandten in der Nähe, die ihnen helfen könnten.«
»Mmpfm.« Seine Lippen verspannten sich, und er widmete seine Aufmerksamkeit der Schlinge, die er zu improvisieren begonnen hatte.
Ich griff nach meiner Medizintruhe, um nach meinen Instrumenten zu sehen, hielt aber inne, als ich Jamies Pistolen daneben auf dem Tisch liegen sah, dazu sein Pulverhorn und die Patronendose. Ich berührte seinen Arm und wies darauf, während meine Lippen lautlos das Wort »Was?« formten.
Die Falte zwischen seinen Augenbrauen vertiefte sich, doch bevor er antworten konnte, kam oben vom Speicher ein fürchterlicher Lärm, ein lautes Trampeln und Hämmern, begleitet von einem Gurgelgeräusch, das an einen Elefanten erinnerte, der in einem Schlammloch ertrank.
Jamie ließ das Seil fallen und raste auf die Leiter zu; ich folgte ihm dicht auf den Fersen. Er schrie auf, als sein Kopf die Spitze der Leiter erreichte, und dann machte er einen Satz nach vorn. Als ich hinter ihm auf den Dachboden kletterte, sah ich ihn im Dunklen mit Mrs. Beardsley ringen.
Sie rammte ihm ihren Ellbogen ins Gesicht und traf seine Nase. Dies raubte ihm jede Hemmung, die er empfunden haben mochte, Hand an eine Frau zu legen, und er riss sie zu sich herum und versetzte ihr einen kurzen, scharfen Kinnhaken, der ihre Kiefer klappern ließ. Sie schwankte, und ihr Blick wurde glasig. Ich schoss nach vorn, um die Kerze zu retten, während sie zu einem Puff aus Röcken und Unterröcken zusammensackte.