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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Eine seiner dunklen Augenbrauen zuckte hoch.

»Vielleicht würde das ja helfen, sie warm zu halten.«

Einer der Männer regte sich murmelnd unter seiner Decke, und wir hörten auf zu reden. Der Kaffee in der Kanne kochte; ich konnte das sanfte Blubbern der Flüssigkeit in ihrem Inneren hören.

Was war es nur, das ihn aufhielt? Er konnte doch nicht so lange brauchen, um Josiah Beardsley auszufragen – entweder hatte er seine Antworten schnell bekommen, oder er hatte den Jungen laufen lassen. Ganz gleich, was der Junge gestohlen hatte, es betraf Jamie nicht – abgesehen von seinem earbsachd-Versprechen.

Die Flammen wirkten leicht hypnotisch; ich konnte in die wabernde Glut blicken und in der Erinnerung das große Feuer des gatherings sehen, die dunklen Gestalten, die es umstanden, und ich hörte von fern den Klang der Geigen …

»Soll ich ihn suchen gehen?«, fragte Roger plötzlich leise.

Ich fuhr auf, aus meiner schläfrigen Hypnose gerissen. Ich rieb mir mit der Hand über das Gesicht und schüttelte den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen.

»Nein. Es ist gefährlich, nachts in einen unbekannten Wald zu gehen, und du würdest ihn sowieso nicht finden. Wenn er bis zum Morgen nicht zurück ist – ist immer noch Zeit genug.«

Während die Minuten langsam vergingen, kam mir allmählich der Gedanke, dass die Dämmerung möglicherweise tatsächlich eher kommen würde als Jamie. Ich sorgte mich um Jamie – aber bis zum Morgen konnten wir wirklich nichts tun. Beunruhigende Gedanken versuchten, sich in meinen Kopf zu drängen; hatte Josiah ein Messer? Bestimmt hatte er das. Doch selbst, wenn er verzweifelt genug war, um es zu benutzen, war es möglich, dass er Jamie überrumpelte? Ich schob diese angstvollen Spekulationen beiseite und versuchte stattdessen, mich in Gedanken zu beschäftigen, indem ich den Hustentönen der Männer rings um das Feuer Zahlen zuordnete.

Nummer acht war Roger; ein tiefer, lockerer Husten, der seine Schultern erbeben ließ. Sorgte er sich um Brianna und Jemmy?, fragte ich mich. Oder fragte er sich, ob Brianna sich um ihn sorgte? Das hätte ich ihm sagen können, aber dieses Wissen hätte ihm auch nicht geholfen. Männer, die sich im Kampf befanden – oder sich zum Kampf rüsteten –, brauchten die Vorstellung, dass ihr Zuhause ein Ort äußerster Sicherheit war; die Überzeugung, dass dort alles zum Besten stand, hielt sie bei Laune und auf den Füßen, half ihnen zu marschieren und auszuharren. Andere Dinge wiederum würden sie zum Kämpfen bewegen, aber der Kampf macht nur einen so kleinen Teil des Krieges aus …

Einen verdammt wichtigen Teil, sagte Jamies Stimme in meinem Hinterkopf.

Schließlich nickte ich allmählich ein, erwachte aber wiederholt, weil mein Kopf heftig hoch ruckte. Beim letzten Mal wachte ich auf, weil ich Hände auf meinen Schultern spürte, jedoch nur kurz. Roger ließ mich zu Boden gleiten, legte mir die Hälfte meines Schultertuches zusammengeballt als Kissen unter den Kopf und zog mir den Rest fest um die Schultern. Ich erhaschte einen kurzen Blick seiner Silhouette vor dem Feuer, wie ein schwarzer Bär in seinem Umhang, und dann spürte ich nichts mehr.

Ich weiß nicht, wie lange ich schlief; ich erwachte ganz plötzlich, weil neben mir jemand heftig nieste. Jamie saß einen Meter von mir entfernt und hielt Josiah Beardsleys Handgelenk in der einen Hand, seinen Dolch in der anderen. Er hielt lange genug inne, um noch zweimal zu niesen, wischte sich ungeduldig die Nase an seinem Ärmel ab und stieß dann den Dolch in die Glut des Feuers.

Ich roch den Gestank des heißen Metalls und erhob mich abrupt auf einen Ellbogen. Bevor ich etwas sagen oder tun konnte, zuckte etwas an meiner Seite. Ich blickte erstaunt zu Boden, dann in die Höhe, dann wieder nach unten, so benommen, dass ich überzeugt war, immer noch zu träumen.

Unter meinem Umhang lag ein Junge an meinen Körper geschmiegt und schlief fest. Ich sah schwarze Haare und einen mageren Körper, bleiche Haut, die mit Dreck verschmiert und mit Kratzern übersät war. Dann ertönte am Feuer ein plötzliches, lautes Zischen, und ich riss meinen Blick herum und sah, wie Jamie Josiahs Daumen gegen das glühende Metall seines geschwärzten Dolches presste.

Jamie sah meine krampfhafte Bewegung aus dem Augenwinkel und blickte finster in meine Richtung, die Lippen geschürzt, um mich lautlos zum Schweigen zu bewegen. Josiah verzerrte das Gesicht und hatte vor Schmerzen die Lippen von den Zähnen zurückgezogen – aber er machte kein Geräusch. Auf der anderen Seite des Feuers saß Kenny Lindsay und beobachtete das Geschehen still wie ein Felsblock.

Immer noch überzeugt, dass ich träumte – oder in der Hoffnung, dass es so war –, legte ich eine Hand auf den Jungen, der sich an mich schmiegte. Er bewegte sich erneut, und als ich seinen soliden Körper unter meinen Fingern spürte, wurde ich vollends wach. Meine Hand umschloss seine Schulter, und er riss erschrocken die Augen auf.

Er fuhr zurück und kämpfte sich ungeschickt hoch. Dann sah er seinen Bruder – denn Josiah war eindeutig sein Bruder – und erstarrte abrupt. Sein wilder Blick fiel auf die Lichtung, auf die verstreuten Männer, auf Jamie, Roger und mich.

Josiah ignorierte den Schmerz seiner verbrannten Hand, der furchtbar sein musste, erhob sich und trat rasch und sanft an die Seite seines Bruders und ergriff seinen Arm.

Ich stand auf, langsam, um sie nicht zu erschrecken. Sie beobachteten mich, identische Mienen des Argwohns in ihren schmalen, weißen Gesichtern. Identisch. Ja, genau die gleichen, verkniffenen Gesichter – obwohl der andere Junge das Haar lang trug. Alles, was er anhatte, war ein zerlumptes Hemd, und er war barfuß. Ich sah, wie Josiah seinem Bruder beruhigend den Arm drückte, und in mir stieg eine Ahnung auf, was genau er gestohlen hatte. Ich brachte ein Lächeln für die beiden zustande, dann hielt ich Josiah die Hand entgegen.

»Lasst mich Eure Hand sehen«, flüsterte ich.

Er zögerte ein paar Sekunden, dann gab er mir die rechte Hand. Es war ein sauberer, ordentlicher Schnitt; so ordentlich, dass mir im ersten Moment leicht schwindelig wurde. Die Haut an der Daumenwurzel war sauber abgeschnitten, die offene Wunde mit glühendem Metall kauterisiert. Ein schwarz-rotes, verkrustetes Oval war an die Stelle des anklagenden Brandzeichens getreten.

Ich hörte eine leise Bewegung hinter mir; Roger hatte meine Arzneitruhe geholt und sie zu meinen Füßen abgestellt.

Es gab nicht viel für die Wunde zu tun, außer, ein wenig Enziansalbe aufzutragen und den Daumen mit einem sauberen, trockenen Tuch zu verbinden. Dabei beobachtete ich Jamie aus dem Augenwinkel; er hatte seinen Dolch in die Scheide gesteckt und sich rasch erhoben, um in den Bündeln und Satteltaschen zu kramen. Als ich kurz darauf fertig war, war er mit einem kleinen Essensbündel zurück, das er in ein Halstuch gewickelt hatte, und mit einer überzähligen Decke, die zu einer Rolle zusammengebunden war. Über seinem Arm trug er meine abgelegte Hose.

Diese reichte er dem neuen Jungen, gab Josiah das Essen und die Decke, dann legte er ihm die Hand auf die Schulter und drückte sie fest. Er berührte den anderen Jungen sanft und drehte ihn zum Wald, indem er ihm die Hand auf den Rücken legte. Dann wies er mit einem Ruck seines Kopfes auf die Bäume, und Josiah nickte. Er sah mich an und tippte sich an die Stirn. Der weiße Verband an seinem Daumen leuchtete auf, und er flüsterte: »Dank’ Euch, Ma’am.«

Die beiden Jungen verschwanden lautlos im Wald. Die nackten Füße des Zwillings blitzten hell unter dem wehenden Saum der Hose auf, als er seinem Bruder folgte.

Jamie nickte Kenny zu, dann setzte er sich am Feuer nieder und ließ plötzlich erschöpft die Schultern nach vorn sinken. Ich goss ihm einen Kaffee ein, und er nahm ihn entgegen. Sein Mund zuckte im Versuch eines dankbaren Lächelns, das in einem heftigen Hustenanfall unterging.

Ich griff nach dem Becher, bevor der Kaffee überschwappen konnte, und fing über Jamies Schulter hinweg Rogers Blick auf. Er nickte gen Osten und legte einen Finger an seine Lippen, dann zuckte er mit den Achseln und verzog das Gesicht zu einer resignierten Grimasse. Er wollte genauso gern wie ich wissen, was geschehen war – und warum. Doch er hatte Recht – die Nacht verblasste schon. Es würde bald dämmern, und die Männer – die allesamt für gewöhnlich beim ersten Lichtstrahl erwachten – würden an die Oberfläche des Bewusstseins zurückkehren.

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