Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Also hast du beschlossen, dich stattdessen mit ihm zusammen hinzuschleichen und ihm bei seinem Diebstahl zu helfen.« Auch meine Nase tropfte vor Kälte. Ich griff mit einer Hand nach dem Taschentuch und vertraute dabei darauf, dass Mrs. Piggy uns nicht kopfüber den Berg hinunterkatapultierte, während ich mir die Nase putzte. Ich betrachtete Jamie über das Taschentuch hinweg. Er hatte immer noch das klamme, rotnasige Aussehen eines Kranken, aber seine hohen Wangenknochen waren von der Morgensonne gerötet, und für einen Mann, der die ganze Nacht in einem kalten Wald verbracht hatte, sah er bemerkenswert gut gelaunt aus. »Hat es Spaß gemacht?«
»Oh, aye, das kann man sagen. So etwas habe ich schon jahrelang nicht mehr gemacht.« Jamies Augen kniffen sich zu blauen Dreiecken zusammen, und er grinste. »Es hat mich an unsere Raubzüge im Land der Grants mit Dougal und seinen Männern erinnert, als ich noch ein Junge war. Im Dunkeln herumzukriechen, uns in die Scheune zu schleichen, ohne ein Geräusch zu machen – Himmel, ich musste mich zusammenreißen, um die Kuh nicht gleich mit zu stehlen. Oder hätte mich zusammenreißen müssen, wenn sie eine gehabt hätten.«
Ich rümpfte die Nase und lachte nachsichtig.
»Du bist wirklich ein richtiger Bandit, Jamie«, sagte ich.
»Bandit?«, sagte er ein wenig beleidigt. »Ich bin ein ausgesprochen ehrlicher Mann, Sassenach. Zumindest, wenn ich es mir leisten kann«, verbesserte er und warf dabei einen raschen Blick hinter sich, um sicher zu gehen, dass niemand mithörte.
»Oh, grundehrlich«, versicherte ich ihm. »Viel ehrlicher, als gut für dich ist. Du bist nur nicht besonders gesetzestreu.«
Diese Feststellung schien ihn etwas aus der Fassung zu bringen, denn er runzelte die Stirn und machte ein raues Geräusch, das entweder ein schottischer Laut der Widerrede sein konnte oder auch schlicht der Versuch, den Schleim zu lösen. Er hustete, dann zog er die Zügel an, stellte sich in den Steigbügeln auf und winkte Roger, der sich ein Stück vor uns befand, mit seinem Hut zu. Roger winkte zurück und wandte sein Pferd in unsere Richtung.
Ich brachte mein Pferd neben Jamie zum Stehen und legte ihm die Zügel auf den Hals.
»Ich lasse Roger mit den Männern nach Brownsville reiten«, erklärte Jamie und setzte sich wieder in den Sattel, »während ich den Beardsleys allein einen Besuch abstatte. Kommst du mit mir, Sassenach, oder gehst du mit Roger?«
»Oh, ich gehe mit dir«, sagte ich, ohne zu zögern. »Ich möchte sehen, was diese Beardsleys für Leute sind.«
Er lächelte und strich sich mit einer Hand das Haar zurück, bevor er sich den Hut wieder aufsetzte. Er trug sein Haar offen, um Hals und Ohren vor der Kälte zu schützen, und es leuchtete wie geschmolzenes Kupfer in der Morgensonne.
»Das habe ich mir gedacht. Aber achte auf dein Gesicht«, warnte er mich halb spöttisch. »Pass auf, dass du nicht den Mund aufreißt oder rot wirst, wenn sie ihren vermissten Dienstburschen erwähnen.«
»Kümmere dich um dein eigenes Gesicht«, sagte ich mürrisch. »Hat Josiah eigentlich gesagt, ob man ihn und seinen Bruder schlecht behandelt hat?« Ich fragte mich, ob möglicherweise mehr hinter Josiahs Flucht steckte als nur der Vorfall mit dem Käse.
Jamie schüttelte den Kopf.
»Ich habe ihn nicht gefragt, und er hat nichts gesagt – aber frag dich doch einmal, Sassenach, ob du ein anständiges Zuhause verlassen würdest, um allein im Wald zu leben, dein Bett im kalten Laub aufzuschlagen und Würmer und Grillen zu essen, bis du gelernt hast zu jagen?«
Er trieb sein Pferd an, um Roger entgegenzureiten, und überließ es mir, über diese Frage nachzusinnen. Kurz darauf kehrte er zurück, und ich ritt an seine Seite, denn ich hatte noch eine Frage, die mich beschäftigte.
»Aber wenn es hier so schlimm war, dass er sich gezwungen sah zu gehen – warum ist sein Bruder dann nicht mitgegangen?«
Jamie sah mich überrascht an, doch dann lächelte er, wenn auch ein wenig grimmig.
»Keziah ist taub, Sassenach.«
Nicht von Geburt an taub, wie Josiah ihm erzählt hatte; sein Zwillingsbruder hatte das Gehör als Folge einer Verletzung verloren, die er mit ungefähr fünf erlitten hatte. Daher konnte Keziah sprechen, aber außer sehr lauten Geräuschen konnte er nichts hören, und da er nicht in der Lage war, das Geräusch raschelnder Blätter oder schlurfender Füße wahrzunehmen, konnte er weder jagen, noch eventuellen Verfolgern entgehen.
»Er sagt, Keziah versteht ihn, und das stimmt zweifellos. Als wir uns in die Scheune geschlichen haben, habe ich unten Wache gehalten, während der Junge die Leiter zum Heuboden hinaufgestiegen ist. Ich habe keinen Ton gehört, aber innerhalb einer Minute waren beide Jungen unten bei mir, und Keziah hat sich den Schlaf aus den Augen gerieben. Mir war gar nicht klar gewesen, dass sie Zwillinge waren; ich war ziemlich verblüfft, die beiden da stehen zu sehen, ähnlich, wie sie sich sind.«
»Ich frage mich, warum Keziah seine Hose nicht mitgebracht hat«, sprach ich einen anderen Gedanken an, der mich verwunderte.
Jamie lachte voll Ironie.
»Danach habe ich auch gefragt. Anscheinend hatte er sie am Abend zuvor ausgezogen, sie im Heu liegen gelassen, und eine der Katzen hatte ihre Jungen darauf bekommen. Er wollte sie nicht stören.«
Ich lachte ebenfalls, wenn ich auch gleichzeitig beklommen an die bleichen, nackten Füße des Jungen dachte, deren blau angehauchte Haut im Schein des Feuers purpurn ausgesehen hatte.
»Guter Junge. Und seine Schuhe?«
»Er hatte keine.«
Inzwischen hatten wir den Fuß des Abhangs erreicht. Die Pferde traten auf der Stelle und zogen langsame Kreise um Jamie, während die Männer den Weg festlegten, einen Treffpunkt vereinbarten, sich verabschiedeten. Dann pfiff Roger – der dabei sogar relativ wenig befangen wirkte – durch die Zähne und schwenkte seinen Hut, um die Männer zusammenzurufen. Ich sah zu, wie er davonritt, und bemerkte, wie er sich halb im Sattel umwandte, sich dann zurückwandte und den Blick geradeaus richtete.
»Er ist sich nicht sicher, ob sie ihm wirklich folgen werden«, sagte Jamie, der ihn ebenfalls beobachtete. Er schüttelte kritisch den Kopf, dann zuckte er mit den Achseln und verwarf den Gedanken. »Aye, nun ja. Er wird schon zurechtkommen, oder auch nicht.«
»Er kommt zurecht«, sagte ich und dachte dabei an die vergangene Nacht.
»Freut mich, dass du das denkst, Sassenach. Dann komm.« Er schnalzte mit der Zunge und wandte den Kopf seines Pferdes.
»Wenn du dir nicht sicher bist, ob Roger zurecht kommt, warum schickst du ihn dann allein?«, fragte ich an seinen Rücken gerichtet, der im Sattel schwankte, als wir das lichte Wäldchen betraten, das zwischen uns und der jetzt unsichtbaren Farm lag. »Warum hältst du die Männer nicht zusammen und führst sie selbst nach Brownsville?«
»Erstens lernt er nichts, wenn ich ihm keine Gelegenheit dazu gebe. Zweitens –« Er hielt inne, wandte sich um und sah mich an. »Zweitens wollte ich nicht, dass die ganze Mannschaft mit zu den Beardsleys kommt und vielleicht erfährt, dass sie ihren Knecht vermissen. Das ganze Lager hat Josiah gestern Abend gesehen, aye? Wenn du einen Jungen vermisst und erfährst, dass ganz in der Nähe im Wald ein Junge aufgetaucht ist und für Aufruhr gesorgt hat, könnte es doch sein, dass du daraus deine Schlüsse ziehst, meinst du nicht?«
Er wandte sich wieder geradeaus, und ich folgte ihm durch eine enge Lücke zwischen den Kiefern. Tau schimmerte wie Diamanten auf Rinde und Nadel, und von den Ästen über uns fielen kleine, eisige Tropfen, die mich zusammenfahren ließen, wenn sie meine Haut trafen.
»Aber wird sich dieser Beardsley dir nicht anschließen, sofern er nicht alt oder invalide ist?«, wandte ich ein. »Früher oder später muss er es doch mitbekommen, wenn jemand Josiah erwähnt.«
Er schüttelte den Kopf, ohne sich umzudrehen.