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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Gottverdabbtes Weibsbild.« Jamies Stimme war gedämpft, denn er hatte sich den Ärmel vor das Gesicht gepresst, um die Blutung aus seiner Nase zu stillen, aber die Aufrichtigkeit in seinem Ton war nicht zu verkennen.

Mr. Beardsley zuckte keuchend und gurgelnd wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ich hielt die Kerze hoch und sah, dass er sich mit der einen Hand an den Hals schlug. Ein Leinentuch war zu einem Seil verdreht und um seinen Hals geschlungen, und sein Gesicht war schwarz, sein Auge quoll hervor. Ich griff rasch nach dem Tuch und löste es, ein Schwall fauliger Luft kam mir entgegen, und er atmete wieder.

»Wenn sie etwas schneller gewesen wäre, hätte sie ihn gehabt.« Jamie ließ seinen blutverschmierten Arm sinken und fasste sich vorsichtig an die Nase. »Hibbel, ich glaube, sie hat bir die Dase gebroched.«

»Warum? Warum habt Ihr mich aufgehalten?« Mrs. Beardsley war bei Bewusstsein, wenn sie auch schwankte und glasig dreinblickte. »Er ffollte ffterben, ich will, daff er fftirbt, er muff ffterben.«

»A nighean na galladh, Ihr hättet ihn doch während des ganzen letzten Monats jederzeit nach Lust und Laune umbringen können, wenn Ihr Euch seinen Tod wünscht«, sagte Jamie ungeduldig. »Warum in Gottes Namen habt Ihr gewartet, bis Ihr Zeugen hattet?«

Sie sah zu ihm auf, und ihr Blick war plötzlich scharf und klar.

»Ich wollte nicht, dass er tot ist«, sagte sie. »Ich wollte, dass er krepiert.« Sie lächelte, und ich sah die Stummel ihrer abgebrochenen Zähne. »Langsam.«

»Oh, Himmel«, sagte ich und wischte mir mit der Hand über das Gesicht. Es war erst später Vormittag, aber ich fühlte mich, als sei der Tag schon mehrere Wochen alt. »Es ist meine Schuld. Ich habe ihr gesagt, dass ich ihm vielleicht helfen kann; sie hat gedacht, ich würde ihn retten, ihn vielleicht sogar ganz heilen.« Der Fluch meines Rufes als Wunderheilerin! Ich hätte ja gelacht, wenn ich in der Stimmung für Ironie gewesen wäre.

Ein scharfer, frischer Gestank durchzog die Luft, und Mrs. Beardsley ging mit einem Schrei der Entrüstung auf ihren Mann los.

»Dreckige Befftie!« Sie sank auf die Knie, nahm ein hartes Brötchen von dem Teller und warf es nach ihm. Es prallte an seinem Kopf ab. »Dreckige, fftinkende, verdorbene, hinterlifftige …« Jamie zog sie an den Haaren hoch, als sie sich auf den Körper des Liegenden stürzte, packte ihren Arm und riss sie zurück. Sie schluchzte und fluchte kreischend.

»Teufel noch einmal«, übertönte er das Getöse. »Gib mir das Seil, Sassenach, bevor ich sie noch beide selbst umbringe.«

Mr. Beardsley vom Dachboden hinunterzubefördern, war so anstrengend, dass Jamie und ich danach durchgeschwitzt und mit stinkendem Schmutz bedeckt waren und weiche Knie hatten. Mrs. Beardsley saß wortlos und böswillig wie eine Kröte auf einem Hocker in der Ecke und machte keinerlei Anstalten zu helfen.

Sie schnappte entrüstet nach Luft, als wir den massigen, schlaffen Körper auf den sauberen Tisch legten, aber Jamie sah sie funkelnd an, und sie sank auf ihren Hocker zurück, den Mund zu einer dünnen, geraden Linie verklemmt.

Jamie wischte sich mit seinem blutbefleckten Ärmel über die Stirn und schüttelte den Kopf, als er Beardsley ansah. Ich konnte ihm das nicht verübeln; selbst gewaschen, warm zugedeckt und mit ein wenig warmem Essen gefüttert, war der Mann in einem furchtbaren Zustand. Ich untersuchte ihn erneut sorgfältig im Licht des Fensters. Die Diagnose seiner Zehen war eindeutig; der Gangrängestank war deutlich, und die grünliche Färbung zog sich über die ganze Außenkante seines Fußrückens.

Ich würde mehr als nur die Zehen abnehmen müssen – ich runzelte die Stirn und tastete die verwesende Fläche langsam ab. Dabei fragte ich mich, ob es besser wäre, eine Teilamputation zwischen den Mittelfußknochen zu versuchen oder den Fuß einfach am Knöchel abzunehmen. Die bewahrende Teilamputation hatte in diesem Fall eigentlich keinen Sinn; es war klar, dass Beardsley nie wieder laufen würde.

Ich kaute skeptisch auf meiner Unterlippe. Was das anging, so war die ganze Operation möglicherweise zwecklos; er wurde von Fieberschüben verzehrt, und aus den Wunden an seinen Beinen und Pobacken lief der Eiter. Wie groß mochte seine Chance sein, sich von der Amputation zu erholen, ohne an einer Infektion zu sterben?

Ich hatte nicht gehört, wie Mrs. Beardsley hinter mich trat; für eine so schwere Frau bewegte sie sich bemerkenswert leise.

»Was habt ihr vor?«, fragte sie, und ihre Stimme klang neutral und unbeteiligt.

»Die Zehen Eures Mannes sind gangränös«, sagte ich. Zwecklos, Beardsley jetzt nicht mehr in Alarm versetzen zu wollen. »Ich muss seinen Fuß amputieren.« Es gab wirklich keine andere Wahl, obwohl mir bei der Vorstellung, die nächsten Tage – oder Wochen – hier zu verbringen und Beardsley zu pflegen, beklommen zumute wurde. Ich konnte ihn ja wohl kaum in den liebenden Händen seiner Frau zurücklassen!

Sie umkreiste langsam den Tisch und kam bei seinen Füßen zum Stehen. Ihr Gesicht war ausdruckslos, doch ein winziges Lächeln erschien in ihren Mundwinkeln, verlosch und leuchtete wieder auf, als hätte es ein Eigenleben. Sie warf einen langen Blick auf die geschwärzten Zehen, dann schüttelte sie den Kopf.

»Nein«, sagte sie leise. »Lafft ihn verrotten.«

Immerhin beantwortete sich jetzt die Frage, ob Beardsley uns verstand; sein offenes Auge quoll hervor, er gab ein wütendes Kreischen von sich und hieb um sich, um sie zu fassen zu bekommen, so dass er gefährlich dicht daran war, bei seinen Bemühungen vom Tisch zu fallen. Jamie packte ihn und drückte und hievte mit aller Kraft, um die füllige Masse auf dem Tisch zu halten. Als Beardsley schließlich keuchend und jammernd nachgab, richtete sich Jamie nicht minder keuchend auf und sah Mrs. Beardsley mit einem Ausdruck extremer Abneigung an.

Sie zuckte mit den Schultern und zog ihr Schultertuch fest zusammen, wich aber weder zurück noch wandte sie den Blick ab. Sie hob trotzig das Kinn.

»Ich bin seine Frau«, sagte sie. »Ich werde nicht zulassen, dass Ihr ihn ffneidet. Es bringt sein Leben in Gefahr.«

»Es ist der sichere Tod, wenn ich es nicht tue«, sagte ich knapp. »Und ein schrecklicher Tod. Ihr –« Ich bekam den Satz nicht zu Ende; Jamie legte mir die Hand auf die Schulter und drückte fest zu.

»Bring sie hinaus, Claire«, sagte er leise.

»Aber –«

»Hinaus.« Seine Hand verstärkte ihren Griff auf meiner Schulter so, dass es fast schmerzte. »Komm erst zurück, wenn ich dich rufe.«

Seine Miene war grimmig, aber es war etwas in seinen Augen, bei dem mir angst und bange wurde. Ich blickte zur Anrichte, wo seine Pistolen neben meiner Medizintruhe lagen, dann wieder in sein Gesicht, entsetzt.

»Das kannst du doch nicht tun«, sagte ich.

Er sah Beardsley trostlos an.

»Einen Hund würde ich in so einem Fall töten, ohne eine Sekunde zu überlegen«, sagte er leise. »Soll ich für ihn weniger tun?«

»Er ist aber kein Hund!«

»Nein, das ist er nicht.« Er ließ die Hand von meiner Schulter sinken und umrundete den Tisch, bis er an Beardsleys Seite stand.

»Wenn Ihr mich versteht, Mann – schließt das Auge«, sagte er leise. Es folgte ein kurzes Schweigen, und Beardsleys blutunterlaufenes Auge richtete sich auf Jamie – unleugbar vernunftbegabt. Das Lid senkte sich langsam, dann hob es sich wieder.

Jamie wandte sich zu mir um.

»Geht«, sagte er. »Lasst ihn entscheiden. Ob – oder ob nicht – ich werde dich rufen.«

Meine Knie zitterten, und ich ballte die Hände in den Falten meines Rockes.

»Nein«, sagte ich. Ich sah Beardsley an, dann schluckte ich und schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte ich erneut. »Wenn – wenn du … du musst einen Zeugen haben.«

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