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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Jamie hatte aufgehört zu husten, machte aber schreckliche Gurgelgeräusche, um den Hals frei zu bekommen – er hörte sich an wie ein Schwein, das im Schlamm erstickt.

»Hier«, flüsterte ich und reichte ihm den Becher wieder. »Trink, und dann leg dich hin. Du solltest wenigstens ein bisschen schlafen.«

Er schüttelte den Kopf und hob den Becher an seine Lippen. Er schluckte und verzog das Gesicht, weil der Kaffee so bitter schmeckte.

»Das lohnt sich nicht mehr«, krächzte er. Er wies mit dem Kopf nach Osten, wo sich die buschigen Kiefern jetzt wie schwarze Tuschezeichnungen vor dem grauer werdenden Himmel abhoben. »Und außerdem muss ich mir überlegen, was zum Teufel ich jetzt mache.«

Kapitel 27

Gevatter Tod klopft an

Ich konnte meine Ungeduld nur mit Mühe so lange zügeln, bis die Männer aufgestanden waren und gegessen hatten, das Lager – irritierend langsam – abgebrochen hatten und aufgestiegen waren. Endlich jedoch fand ich mich einmal mehr auf dem Pferderücken wieder und ritt durch einen Morgen, der so frisch und kalt war, dass ich das Gefühl hatte, die Luft, die ich einatmete, könnte zersplittern.

»Okay«, sagte ich ohne Einleitung, als mein Pferd sich neben Jamies gesellte. »Rede.«

Er sah mich an und lächelte. Sein Gesicht war von Müdigkeit durchfurcht, aber die kühle Luft – und eine Menge sehr starken Kaffees – hatten ihn wieder belebt. Trotz der unruhigen Nacht fühlte auch ich mich hellwach und quicklebendig, und das Blut pulsierte dicht unter meiner Hautoberfläche und ließ meine Wangen erblühen.

»Willst du denn nicht auf Roger warten?«

»Ich erzähl’s ihm später – oder du kannst es tun.« Es war unmöglich, zu dritt nebeneinander zu reiten; auch verdankten wir es nur einer Überflutung, die ein Kiesbett in den Hang gegraben hatte, dass wir zumindest vorerst nebeneinander herreiten konnten, außer Hörweite der anderen. Ich trieb mein Pferd dichter an Jamies heran, und meine Knie waren in den Dampf der Pferdenüstern gehüllt.

Jamie rieb sich mit der Hand durch das Gesicht und schüttelte sich, als wollte er die Müdigkeit vertreiben.

»Aye, nun«, sagte er. »Du hast doch gesehen, dass sie Brüder sind?«

»Das ist mir aufgefallen, ja. Wo zum Teufel kam der andere her?«

»Von da drüben.« Er hob das Kinn und wies nach Westen. Dank der Überflutung konnten wir ungehindert auf eine kleine Lichtung in der Talmulde unter uns blicken – eine natürliche Lücke in der Wildnis, wo die Bäume einer Wiese und einem Bach wichen. Von den Bäumen am Rand der Lichtung stieg eine kleine Rauchfahne auf, die wie ein Finger in die reglose, kalte Luft zeigte.

Blinzelnd machte ich etwas aus, das wie ein kleines Farmhaus mit ein paar wackeligen Nebengebäuden aussah. Während ich hinsah, kam eine kleine Gestalt aus dem Haus und hielt auf einen der Schuppen zu.

»Sie werden jeden Augenblick merken, dass er fort ist«, sagte Jamie ein wenig grimmig. »Obwohl sie mit etwas Glück nur glauben werden, dass er auf dem Abort ist oder die Ziegen melken gegangen ist.«

Ich machte mir nicht die Mühe zu fragen, woher er wusste, dass sie Ziegen hatten.

»Sind sie da zu Hause? Josiah und sein Bruder?«

»So könnte man es ausdrücken, Sassenach. Sie waren Leibeigene.«

»Waren?«, sagte ich skeptisch. Irgendwie bezweifelte ich, dass die Dauer der Leibeigenschaft für die beiden Brüder zufällig letzte Nacht abgelaufen war.

Jamie zuckte mit einer Achsel und wischte sich die triefende Nase am Ärmel ab.

»Falls sie nicht jemand fängt, aye.«

»Du hast Josiah doch auch gefangen«, sagte ich. »Was hat er dir denn erzählt?«

»Die Wahrheit«, sagte er mit leicht verzogenem Mund. »Oder zumindest glaube ich das.«

Er hatte Josiah durch die Dunkelheit verfolgt, geleitet vom heftigen Keuchen des Jungen, und hatte ihn schließlich in einer Felsenmulde gestellt und ihn in der Dunkelheit ergriffen. Er hatte den frierenden Jungen in sein Plaid gewickelt, ihn angewiesen, sich zu setzen, und die Klugheit gehabt, ihm mit Geduld und Bestimmtheit – und der Hilfe einiger Schlücke Whisky aus seiner Flasche – schließlich seine Geschichte zu entlocken.

»Sie waren eine Immigrantenfamilie – Vater, Mutter und sechs Kinder. Nur die Zwillinge haben überlebt, der Rest ist auf See an einer Krankheit gestorben. Sie hatten keine Verwandten hier – zumindest keine, die bei der Landung am Kai standen –, also hat der Kapitän sie verkauft. Der Preis hat die Kosten der Überfahrt für die Familie nicht gedeckt, deshalb hat man die Jungen für dreißig Jahre in die Leibeigenschaft verkauft, und ihre Löhne wurden mit der Schuld verrechnet.«

Er erzählte das in nüchternem Tonfall; solche Dinge passierten nun einmal. Ich wusste das zwar, war aber sehr viel weniger willens, sie kommentarlos hinzunehmen.

»Dreißig Jahre! Aber das ist ja – wie alt waren sie da?«

»Zwei oder drei«, sagte er.

Das verblüffte mich. Von der grundsätzlichen Tragödie einmal ganz abgesehen, konnte man dies wohl als mildernden Umstand rechnen; wenn der Käufer der Jungen für ihr Wohlergehen als Kinder gesorgt hatte … aber dann kamen mir Josiahs magere Rippen und seine krummen Beine in den Sinn. Man hatte nicht besonders gut für sie gesorgt. Allerdings ging es vielen Kindern aus liebevollen Familien auch nicht besser.

»Josiah hat keine Ahnung, wer seine Eltern waren, woher sie kamen oder wie sie hießen«, erklärte Jamie. Er hustete kurz und räusperte sich.

»Er kannte seinen eigenen Namen und den seines Bruders – sein Bruder heißt Keziah –, aber das war alles. Beardsley ist der Name des Mannes, der sie aufgenommen hat, aber die Jungen wissen nicht, ob sie aus Schottland, England oder Irland sind – bei diesen Namen sind sie wahrscheinlich keine Deutschen oder Polen, aber selbst das ist nicht unmöglich.«

»Hm.« Ich atmete nachdenklich ein Dampfwölkchen aus, das mir vorübergehend den Blick auf das Farmhaus unter uns vernebelte. »Also ist Josiah fortgelaufen. Ich nehme an, es hatte etwas mit der Brandmarke an seinem Daumen zu tun?«

Jamie nickte, den Blick zu Boden gerichtet, während sein Pferd sich den Weg bergab bahnte. Der Boden zu beiden Seiten des Kiesbettes war weich, und schwarze Erdklumpen lugten wie wuchernde Pilze durch das Geröll.

»Er hat einen Käse gestohlen – das hat er ehrlich zugegeben.« Sein Mund verbreiterte sich vorübergehend vor Belustigung. »Aus einer Milchkammer in Brownsville, aber die Milchmagd hat ihn gesehen. Eigentlich hat die Magd gesagt, dass es der andere war – der Bruder –, der ihn gestohlen hat, aber …« Jamie zog seine roten Augenbrauen kurz zusammen.

»Vielleicht war Josiah ja doch nicht so ehrlich, wie ich dachte. Jedenfalls hat einer der Jungen den Käse gestohlen; Beardsley hat sie beide damit erwischt und den Sheriff gerufen, und Josiah hat die Schuld auf sich genommen – und die Strafe.«

Nach diesem Vorfall, der sich vor zwei Jahren ereignet hatte, war der Junge von der Farm weggelaufen. Wie er Jamie sagte, hatte er stets vorgehabt, zurückzukehren und seinen Bruder zu retten, sobald er für sie beide einen Platz zum Leben ausfindig machen konnte. Jamies Angebot war ihm wie ein Geschenk des Himmels erschienen, und nach dem gathering hatte er sich sofort zu Fuß auf den Rückweg gemacht.

»Stell dir vor, wie überrascht er war, uns hier auf dem Berg vorzufinden«, sagte Jamie und nieste. »Er hat in der Nähe auf der Lauer gelegen und versucht, sich zu entscheiden, ob es besser sei zu warten, bis wir fort waren, oder ob er herausfinden sollte, ob wir zu der Farm unterwegs waren – denn wenn das der Fall wäre, so dachte er, würden wir eine wunderbare Ablenkung für ihn abgeben, während er sich auf die Farm schlich und seinen Bruder stahl.«

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