Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und was soll dieser Jemand ihm erzählen? Sie haben den Jungen gesehen, als wir ihn angeschleppt haben, und sie haben ihn wieder fortlaufen sehen. Nach allem, was sie wissen, ist er über alle Berge.«
»Kenny Lindsay hat sie beide gesehen, als du sie mitgebracht hast.«
Er zuckte mit den Achseln.
»Aye, ich habe ein Wörtchen mit Kenny geredet, während wir die Pferde gesattelt haben. Er wird nichts sagen.« Er hatte Recht, das wusste ich. Kenny war einer seiner Männer aus Ardsmuir; er würde Jamies Anweisungen fraglos befolgen.
»Nein«, fuhr Jamie fort, während er sein Pferd zielsicher um einen großen Felsblock herumlenkte, »Beardsley ist kein Invalide; Josiah hat mir gesagt, dass er mit den Indianern Handel führt und Waren über die Vertragsgrenze in die Cherokeedörfer schafft. Ich weiß nur nicht, ob er im Augenblick zu Hause ist. Wenn es allerdings so ist –« Er holte Luft und hielt dann inne, um zu husten, weil die kalte Luft seine Lungen reizte.
»Das ist der andere Grund, warum ich die Männer vorgeschickt habe«, fuhr er schwach keuchend fort. »Wir werden nicht vor morgen wieder zu ihnen stoßen. Bis dahin hatten sie eine Nacht Zeit, sich in Brownsville zu betrinken und zu amüsieren; sie werden sich kaum noch an den Jungen erinnern, und es ist weniger wahrscheinlich, dass sie ihn vor Beardsley erwähnen. Mit etwas Glück sind wir längst wieder unterwegs, bevor ein Wort fällt – und dann hat Beardsley keine Möglichkeit mehr, uns zu verlassen, um den Jungen zu verfolgen.«
Also zählte er darauf, dass die Beardsleys die Gastfreundschaft besitzen würden, uns für die Nacht aufzunehmen. In dieser Gegend eine nahe liegende Erwartung. Während ich erneut auf seinen Husten lauschte, beschloss ich, mich heute Abend nötigenfalls auf seine Brust zu setzen und ihn zu zwingen, sich ordentlich mit Kampfer einreiben zu lassen, ob es ihm passte oder nicht.
Wir verließen den Wald, und ich warf einen argwöhnischen Blick auf das Farmhaus, das vor uns lag. Es war kleiner, als ich gedacht hatte, und ziemlich heruntergekommen. Die Türschwelle hatte einen Riss, die Veranda hing durch, und auf dem verwitterten Dach fehlten an einer Stelle die Schindeln. Nun, ich hatte schon schlimmere Nachtquartiere gehabt, und das wahrscheinlich nicht zum letzten Mal.
Das Tor der schiefen Scheune stand weit offen, doch es gab keine Anzeichen von Leben. Abgesehen von der Rauchsäule über dem Schornstein machte das ganze Anwesen einen verlassenen Eindruck.
Ich hatte das, was ich zu Jamie gesagt hatte, ernst gemeint, wenn es auch nicht ganz akkurat gewesen war. Er war ehrlich, und er war auch gesetzestreu – vorausgesetzt, es handelte sich um Gesetze, die er bereit war zu respektieren. Die bloße Tatsache, dass die Krone ein Gesetz erlassen hatte, das wusste ich, reichte nicht aus, um es auch in seinen Augen als Gesetz gelten zu lassen. Für andere, ungeschriebene Gesetze wiederum würde er sterben.
Dennoch, das Gesetz des Eigentums mochte einem ehemaligen Highlandräuber zwar weniger bedeuten als anderen Leuten, doch es war meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen – und der seinen daher sicherlich ebenso wenig –, dass er im Begriff war, sowohl auf die Gastfreundschaft als auch die Pflichterfüllung eines Mannes zu pochen, dessen Eigentum er gerade zu entwenden geholfen hatte. Ich wusste, dass Jamie keine tiefer gehenden Einwände gegen die Leibeigenschaft an und für sich hatte; normalerweise respektierte er einen solchen Anspruch. Dass er es hier nicht getan hatte, bedeutete, dass für ihn hier ein höheres Gesetz in Kraft getreten war – ob es allerdings Freundschaft, Mitleid, earbsachd oder etwas anderes war, wusste ich nicht. Er war stehen geblieben und wartete auf mich.
»Warum hast du dich entschlossen, Josiah zu helfen?«, fragte ich unverblümt, während wir uns unseren Weg über das verkommene Maisfeld bahnten, das vor dem Haus lag. Trockene Stängel knickten unter den Hufen der Pferde um, und auf der Laubschicht glitzerten Eiskristalle.
Jamie setzte den Hut ab und legte ihn vor sich auf den Sattel, um sich das Haar zusammenzubinden, bevor er sich in Gesellschaft begab.
»Nun, ich habe zu ihm gesagt, dass ich seinen Entschluss respektiere, wenn er fest steht. Dass wir ihn aber von der Narbe an seinem Daumen befreien müssten, wenn er nach Fraser’s Ridge kommen will, ob allein oder mit seinem Bruder, weil sie sonst für Gerede sorgen und Beardsley davon erfahren würde und wir die Konsequenzen tragen müssten.«
Er atmete tief ein und wieder aus, und ein weißes Wölkchen umschwebte seinen Kopf, dann drehte er sich um und sah mich mit ernstem Gesicht an.
»Der Junge hat keine Sekunde gezögert, obwohl er schon einmal gebrandmarkt worden war und Bescheid wusste. Und ich sage dir, Sassenach – ein Mann mag einmal eine Verzweiflungstat aus Liebe oder Courage begehen … aber es gehört mehr als das dazu, wenn man es schon einmal getan hat und verdammt gut weiß, wie es sich anfühlen wird, es erneut zu tun.«
Er wandte sich ab, ohne meine Antwort abzuwarten, und ritt auf den Hof, wo er eine Schar Futter suchender Tauben aufscheuchte. Er saß aufrecht auf seinem Pferd, seine Schultern breit und gerade. Von dem Netz aus tiefen Narben, das seinen Rücken unter dem Umhang überzog, war keine Spur zu sehen, aber ich wusste genau, dass sie da waren.
Das war es also, dachte ich. Wie das Spiegelbild im Wasser ist gegenüber dem Angesicht, also ist eines Menschen Herz gegenüber dem anderen. Und das Gesetz der Courage war dasjenige, nach dem er schon am längsten lebte.
Auf der Veranda hockten mehrere Hühner, die sich zu Kugeln aufgeplustert hatten und uns mit ihren gelben Augen verächtlich betrachteten. Sie murmelten mürrisch vor sich hin, als wir abstiegen, doch sie froren zu sehr, als dass sie zu mehr in der Lage gewesen wären, als widerstrebend von uns fortzuschlurfen und ihr sonniges Plätzchen aufzugeben. Mehrere Dielen der Veranda waren durchgebrochen, und der Hof war mit halb gehobelten Holzstücken und verstreuten Nägeln übersät, so als hätte jemand vorgehabt, sie zu flicken, aber noch keine Zeit gefunden, sich darum zu kümmern. Die Reparatur wurde schon seit einiger Zeit aufgeschoben, dachte ich; die Nägel waren verrostet, und die frisch gesägten Bretter hatten sich vor Feuchtigkeit verzogen und Risse bekommen.
»Hallo, im Haus!«, rief Jamie und hielt mitten auf dem Vorplatz an. Dies war die allgemein übliche Etikette, wenn man sich einem fremden Haus näherte; die meisten Leute in den Bergen waren zwar gastfreundlich, aber nicht wenige betrachteten Fremde mit Argwohn und wickelten die Begrüßungsformalitäten mit vorgehaltener Büchse ab, bis sie sich von der Vertrauenswürdigkeit des Besuchers überzeugt hatten.
Da ich dies wusste, hielt ich vorsichtig Abstand von Jamie, achtete jedoch darauf, dass ich zu sehen war und breitete demonstrativ meine Röcke aus und strich sie glatt, um gleichzeitig mit meinem Geschlecht auch unsere friedlichen Absichten kundzutun.
Verdammt, ein kleines Loch hatte sich in den braunen Wollstoff gebrannt, zweifellos von einem umherfliegenden Funken des Lagerfeuers. Ich verbarg die verbrannte Stelle in einer Falte des Rockes, während ich darüber nachdachte, wie seltsam es doch war, dass man Frauen automatisch als harmlos betrachtete. Wäre mir danach gewesen, hätte ich mich problemlos in der ganzen Gegend als Einbrecherin betätigen und arglose Familien meucheln können.
Glücklicherweise hatte ich jedoch noch nie den Impuls verspürt, dies zu tun, wenn mir auch schon dann und wann die Erkenntnis gekommen war, dass der Hippokratische Eid mit seinem Versprechen, niemandem Schaden zuzufügen, sich möglicherweise nicht ausschließlich auf medizinische Vorgänge bezog. Ich hatte schon mehr als einmal den Impuls verspürt, einem meiner uneinsichtigeren Patienten ein Holzscheit über den Schädel zu ziehen, doch bis jetzt war es mir stets gelungen, das Bedürfnis im Zaum zu halten.
Doch natürlich genossen die wenigsten Leute den Vorteil, die Welt mit dem voreingenommenen Auge eines Arztes zu sehen. Und es stimmte, dass Frauen weniger für die rauen Freizeitvergnügungen übrig hatten, die den Männern solche Freude machten – ich traf selten auf Frauen, die sich zum Spaß zu Brei schlugen. Wenn sie allerdings ein gutes Motiv hatten, dann …