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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Jamie hielt den Atem an, denn er erschrak genauso wie ich, brachte seine Gefühle aber rasch unter Kontrolle.

»Mr. Beardsley, nehme ich an«, sagte er.

Der Mann war gigantisch – oder er war es gewesen. Sein monströser Bauch erhob sich immer noch wie ein Wal aus dem Schatten, und die Hand, die vor meinem Fuß reglos auf den Dielen lag, hätte problemlos eine Kanonenkugel umschließen können. Doch die Haut des Oberarms hing schlaff, weiß und schwammig herab, und seine massige Brust war in der Mitte eingesunken. Das, was einmal ein Stiernacken gewesen sein musste, war jetzt nur noch Haut und Knochen, und ein einzelnes Auge glänzte hektisch unter verklebten Haarsträhnen auf.

Das Auge weitete sich, und er gab erneut das Geräusch von sich, wobei sein Kopf sich verzweifelt hochkämpfte. Ich spürte, wie Jamie ein Schauer durchlief. Es reichte, um auch mir die Nackenhaare zu Berge stehen zu lassen, doch ich ignorierte das Gefühl und drückte Jamie den Kerzenhalter in die Hand.

»Halt das Licht für mich.«

Ich ließ mich auf die Knie sinken, und zu spät spürte ich die Flüssigkeit, die durch den Stoff meines Rockes drang. Der Mann lag in seinem eigenen Dreck, und das schon seit einiger Zeit; der Boden war dick mit Schleim überzogen und feucht. Beardsley war nackt und nur mit einem Leinenlaken zugedeckt, und als ich es zurückschlug, sah ich vereiterte Wunden zwischen dem verschmierten Unrat.

Es war eindeutig, woran Mr. Beardsley litt; eine Seite seines Gesichtes hing grotesk herunter, das Augenlid war geschlossen, und der Arm und das Bein auf der mir zugewandten Seite lagen schlaff und tot da, die Gelenke knorrig und seltsam verrenkt, nachdem die Muskeln ringsum verfallen waren. Er schnaufte und blökte, und seine Zunge lugte schlabbernd aus seinem Mundwinkel hervor, als er vergeblich, aber dringend zu sprechen versuchte.

»Schscht«, sagte ich zu ihm. »Sagt nichts; jetzt ist alles gut.«

Ich ergriff sein Handgelenk, um seinen Puls zu fühlen; die Haut rutschte lose über die Knochen seines Armes, doch er reagierte nicht mit dem leisesten Zucken auf meine Berührung.

»Ein Schlaganfall«, sagte ich leise zu Jamie. »Eine Apoplexie, würdest du sagen.« Ich legte Beardsley meine Hand auf die Brust, um ihm den Trost einer menschlichen Berührung zuteilwerden zu lassen.

»Keine Sorge«, sagte ich zu ihm. »Wir sind hier, um zu helfen.« Ich sprach in beruhigendem Ton, doch noch als ich die Worte sagte, fragte ich mich, was für Hilfe hier wohl möglich war. Nun, zumindest Sauberkeit und Wärme; auf dem Dachboden war es fast so kalt wie draußen, und seine Brust war kühl und zwischen den buschigen Haaren mit Gänsehaut überzogen.

Die Leiter knarrte laut, und als ich mich umdrehte, sah ich die Umrisse von Mrs. Beardsleys Lockenkopf und ihre massigen Schultern vor dem Licht aus der Küche abgemalt.

»Wie lange befindet er sich schon in diesem Zustand?«, fragte ich scharf.

»Vielleicht … einen Monat«, sagte sie nach einer Pause. »Ich konnte ihn nicht fortbewegen«, sagte sie defensiv. »Er ifft zu ffwer.«

Das stimmte eindeutig. Allerdings …

»Warum ist er hier oben?«, wollte Jamie wissen. »Wenn Ihr ihn nicht bewegt habt, wie ist er dann hierher gekommen?« Er wandte sich um und beleuchtete den Dachboden mit seiner Kerze. Es gab hier kaum etwas, das einen Mann interessieren konnte; eine alte Strohmatratze, ein paar verstreute Werkzeuge und alte Haushaltsgegenstände. Das Licht fiel auf Mrs. Beardsleys Gesicht und verwandelte ihre blassblauen Augen in Eis.

»Er war … hinter mir her«, sagte sie schwach.

»Was?« Jamie schritt zur Leiter hinüber, bückte sich, packte sie am Arm und half ihr – sehr gegen ihren Willen, wie es schien –, das restliche Stück bis auf den Dachboden hinaufzusteigen.

»Was meint Ihr damit, hinter Euch her?«, fragte er mit Nachdruck. Sie zog die Schultern hoch, und in ihrem Bündel aus Schultertüchern sah sie so rund und freundlich aus wie eine Keksdose.

»Er hat mich gefflagen«, sagte sie schlicht. »Ich bin auf die Leiter geklettert, um vor ihm zu flüchten, aber er ifft mir gefolgt. Ich habe verffucht, mich hier hinten im Dunklen zu verfftecken, und dann kam er, aber dann … ifft er gefallen. Und … er kam nicht mehr hoch.« Sie zuckte erneut mit den Achseln.

Jamie hielt ihr die Kerze dicht vor das Gesicht. Sie lächelte schwach und nervös, und ihr Blick huschte zwischen mir und Jamie hin und her. Ich sah, dass das Lispeln daher rührte, dass ihre Schneidezähne abgebrochen waren – schräg abgeknickt knapp unterhalb des Zahnfleisches. Eine kleine Narbe zog sich durch ihre Oberlippe, eine andere leuchtete weiß zwischen den Haaren der einen Augenbraue auf.

Ein grauenvolles Geräusch kam von dem Mann auf dem Boden – ein wütendes Kreischen, das sich wie Protest anhörte –, und sie zuckte zusammen und schloss automatisch vor Angst die Augen.

»Mmpfm«, sagte Jamie und ließ den Blick von ihr zu ihrem Ehemann wandern. »Aye. Nun ja. Bringt etwas Wasser herauf, bitte, Ma’am. Außerdem noch eine Kerze und ein paar frische Tücher«, rief er ihr nach, als sie auf die Leiter zueilte, heilfroh, eine Entschuldigung zu haben, um sich zu entfernen.

»Jamie – bring mir das Licht wieder her, ja?«

Er kam und stellte sich neben mich und hielt die Kerze so, dass ihr Licht auf den ruinierten Körper fiel. Er warf Beardsley einen finsteren Blick zu, in dem sich Mitleid und Abneigung vermischten, und schüttelte langsam den Kopf.

»Ein Gottesurteil, meinst du, Sassenach?«

»Ich meine, hier hat nicht nur Gott die Hand im Spiel«, sagte ich mit gesenkter Stimme, um unten in der Küche nicht gehört zu werden. Ich streckte die Hand aus und nahm ihm den Kerzenhalter ab. »Sieh nur.«

Eine Wasserflasche und ein Teller mit hartem, angeschimmeltem Brot standen in der Dunkelheit neben Beardsleys Kopf, und der Boden war mit Krümeln und klebrigen, halb gekauten Brotstückchen bedeckt. Sie hatte ihm zu essen gegeben – gerade genug, um ihn am Leben zu erhalten. Und doch hatte ich beim Durchschreiten des Vorderzimmers Lebensmittel in rauen Mengen gesehen – Schinken, die von der Decke hingen, Fässer mit Trockenfrüchten, Pökelfisch und Sauerkraut.

Dort gab es bündelweise Felle, Krüge mit Öl, haufenweise Wolldecken – und doch lag der Herr all dieser Besitztümer hier im Dunklen, ausgehungert und zitternd unter einem einzigen Leinentuch.

»Warum hat sie ihn nur nicht einfach sterben lassen?«, sagte Jamie leise, den Blick auf das schimmelige Brot gerichtet. Beardsley gurgelte und knurrte bei seinen Worten, sein offenes Auge verdrehte sich heftig, Tränen liefen ihm über das Gesicht und der Rotz kam ihm in Blasen aus der Nase. Er schlug um sich und grunzte, bäumte sich auf vor Frustration und landete mit einem satten Plumps, der die Dielen des Dachbodens erschütterte, wieder auf dem Boden.

»Ich glaube, er kann dich verstehen. Könnt Ihr das?« Diese Frage war an den Kranken gerichtet, der auf eine Weise schluckte und spuckte, aus der klar ersichtlich war, dass er sich zumindest angesprochen fühlte.

»Was das Warum angeht …«

Ich wies auf Beardsleys Beine und fuhr langsam mit der Kerze daran entlang. Einige der Verletzungen waren in der Tat Druckverletzungen, die durch das lange, hilflose Liegen verursacht worden waren. Andere nicht. Auf einem seiner massigen Oberschenkel zeichneten sich parallele Schnitte ab, die eindeutig von einem Messer stammten – schwarz und verklumpt. Das Schienbein war in regelmäßigen Abständen mit einer Reihe von Verletzungen verziert, entzündete, rote, nässende Wunden mit schwarzen Rändern. Brandwunden, dem Vereitern überlassen.

Bei diesem Anblick schnaubte Jamie leise und blickte hinter sich in Richtung der Leiter. Von unten kam das Geräusch einer Tür, die sich öffnete. Ein kalter Luftzug wehte auf den Speicher herauf, und die Kerzenflamme tanzte wild. Die Tür schloss sich, und die Flamme beruhigte sich.

»Ich glaube, ich kann ihn irgendwie nach unten befördern.« Jamie hielt die Kerze hoch und warf einen abschätzenden Blick auf die Dachbalken. »Vielleicht mit einer Schlinge, wenn ich ein Seil über den Balken da werfe. Darf man ihn bewegen?«

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