Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Die Hitze wurde bald schon zu ihrem ärgsten Feind. In der mittäglichen Sonne wurde die Staubwüste zu einem einzigen, gewaltigen Glutkessel, und nach einer halben Stunde sah Torian ein, daß sie nicht mehr weiterreiten konnten. Es wäre Mord gewesen, die Männer voranzutreiben. Das Kribbeln in seiner Schulter hatte sich verstärkt, und noch stärker als zuvor – so stark, daß es ihn selbst erschreckte – spürte er den Drang, die Schattenburg zu erreichen, ohne daß er wußte, woher dieses Verlangen kam und was er dort eigentlich wollte, außer den Parasiten loszuwerden. Dennoch war es sinnvoller, jetzt schon ein Lager zu errichten und erst in der Nacht den Marsch fortzusetzen.
Schweren Herzens gab er den Befehl dazu.
Zwei Tage und Nächte lang zogen sie durch die Wüste, ohne daß etwas geschah, was für sie Gefahr bedeutete. Gelegentlich wies Cathar auf Fallen hin, auf die sie eigentlich hätten treffen müssen, die aber offenbar wirkungslos waren, da sie von der Schattenburg aus nicht mehr überwacht wurden. Glücklicherweise ersparte er sich eine genauere Beschreibung dessen, was sie andernfalls erwartet hätte.
Sie ritten fast nur noch nachts. Die Kälte war leichter zu ertragen als die Gluthitze der Tage, während der sie in ihren Zelten geschützt schliefen. Allmählich stieg Torians Zuversicht wieder, und auch die Soldaten wirkten nicht mehr ganz so niedergedrückt. Selbst Shyleen hatte ihren Widerstand aufgegeben, zumindest protestierte sie nicht mehr wie bisher gegen jeden Befehl.
Gegen Ende der dritten Nacht, als sie ihr Lager bereits wieder im Schatten eines der niedrigen, in diesem Teil der Staubwüste typischen Tafelberge aufgeschlagen hatten und Torian sich in sein Zelt begeben hatte, wehte plötzlich ein gellender Schrei an sein Ohr, seltsam dünn und weit entfernt in der klaren Nachtluft, bis er nach einigen Sekunden ebenso abrupt abbrach. Die Stille, die ihm folgte, war beinahe noch schrecklicher, aber sie währte nur eine Sekunde. Dann begann eine zweite Stimme loszuheulen, gleich darauf eine dritte und noch eine vierte.
Torian fuhr hoch und lief aus dem Zelt. Irgendwo vor ihm, verborgen hinter den Schatten der Nacht, bewegten sich Körper, harte Stiefelsohlen trampelten über den Sand, Männer riefen aufgeregt durcheinander, Metall klirrte. Und dazwischen gellten immer noch diese entsetzlichen, nicht enden wollenden Schreie.
Er rannte weiter, aber eine Gestalt vertrat ihm den Weg. Es war Bard. »Bleib hier«, rief der Rattengesichtige hastig.
Torian wollte ihn einfach aus dem Weg schieben, aber Bard stand wie ein Fels da. Er wirkte sehr entschlossen und entwickelte Kräfte, die Torian ihm nicht zugetraut hätte. Er begriff, daß Bard nötigenfalls sogar Gewalt anwenden würde, um ihn am Weitergehen zu hindern. Das Schreien dauerte noch einige Sekunden an, bevor es abbrach, doch diesmal wurde es nicht still.
»Was geht dort vorne vor?« fragte Torian scharf. »Werden wir angegriffen?«
Bard zögerte einen Moment, dann schüttelte er den Kopf. Trotz der herrschenden Dunkelheit konnte Torian deutlich den Schrecken sehen, der in seinem Gesicht geschrieben stand. »Nein«, flüsterte er. »Kein… Angriff. Es ist… Einige Männer haben sich von ihren Zelten entfernt und…« Er verstummte, starrte einen Moment lang aus weit geöffneten Augen ins Nichts und schien in sich hineinzulauschen, dann fuhr er herum. »Also gut«, keuchte er. »Komm mit.«
Sie liefen los. Im Lager war längst ein heilloses Chaos ausgebrochen. Die Männer drängelten sich am Fuße der mächtigen, sanft ansteigenden Düne, die das Lager nach Norden begrenzte. Dünne, aufgeregte Stimmen hallten durch die Nacht. Garth und Shyleen drängten die Männer zurück. Torian und Bard mußten sich mit Gewalt eine Gasse durch die Menge bahnen.
Als sie den Fuß der Sanddüne erreichten, verstand Torian den Schrecken des Rattengesichtes. Cathar kniete im Sand, und vor ihm lagen die Leichen von vier Soldaten. Ihre Kehlen waren durchgeschnitten.
In dem Moment, in dem Torian neben ihnen auf die Knie sank, erhob sich Cathar, nahm eine Handvoll Sand auf und wischte damit das Blut von der Klinge seines Schwertes. Voller Entsetzen begriff Torian, daß er es gewesen war, der diese vier Männer getötet hatte. Eine Sekunde lang starrte er den Magier in ungläubigem Schrecken an, dann eilte er weiter, blieb aber sofort wieder stehen, als Cathar hastig die Hand hob.
»Geh nicht weiter«, befahl der Magier, »oder dir geschieht dasselbe wie diesen vier.« Er deutete mit einer Kopfbewegung auf die Toten. In seinen Augen glomm Bedauern auf. »Es gab keine Rettung mehr für sie.«
»Aber was… was ist geschehen?« stammelte Torian hilflos.
»Eine Falle«, antwortete Cathar. »Diese Narren haben sich zu weit vom Lager entfernt.« Er zuckte gleichmütig die Achseln.
»Was weiß ich, was sie hier wollten.«
Instinktiv sah sich Torian um. Die Wüste lag reglos und still vor ihnen, so wie sie sich die ganze Zeit über präsentiert hatte.
»Komm.« Cathar streckte die Hand aus. »Das beste ist, ich zeige es dir, dann wirst du begreifen. Geh weiter. Aber langsam.«
Zögernd gehorchte Torian, überwand seine Abscheu und griff nach der spinnenartigen Hand des Magiers. Er trat einen Schritt vor, doch nichts geschah. Sein Blick heftete sich auf die Gesichter der vier Toten. Aus ihren gebrochenen Augen starrte ihm der blanke Wahnsinn entgegen, ein Entsetzen, das menschliche Vorstellungskraft überstieg. Er verstand plötzlich, daß es wirklich ein Akt der Barmherzigkeit gewesen war, als Cathar sie getötet hatte, auch wenn er immer noch nicht begriff, was geschehen war.
Torian zögerte erneut, umfaßte instinktiv Cathars Hand noch fester und machte einen weiteren Schritt.
Im gleichen Moment bewegte sich einer der Toten.
Torians Herz schien einen entsetzlichen Sprung zu tun. Eine eisige Hand legte sich um seinen Nacken und glitt kribbelnd seinen Rücken herab.
Der Mann war eindeutig tot! Aber er bewegte sich! Langsam, unendlich langsam richte er sich auf, hob die Hände und starrte Torian aus seinen gebrochenen Augen an. Sein Mund klaffte wie eine geschlitzte Wunde. Etwas Schwarzes, Glitzerndes schien sich darin zu winden. Und dann begann er zu sprechen!
Du hast mich umgebracht, Torian! krächzte er mit entsetzlich verzerrter, quäkender Totenstimme. Du hast uns belogen, als du uns Schutz versprachest. Cathars Weg führt nur in den Tod!
Und mit einem Male sprachen auch die anderen, stimmten in den grauenhaften, monotonen Singsang des lebenden Leichnams ein, schrien immer und immer wieder die gleichen Worte: Du hast uns getötet, Torian!
Torian wollte zurückweichen, aber das Grauen lähmte ihn. Unfähig, auch nur einen Muskel zu rühren, starrte er die furchtbaren Gestalten an. Entsetzen breitete sich in seinen Gedanken aus, ein Schrecken, der alles überstieg, was er jemals erlebt hatte.
Aber das Grauen hatte seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Die Toten veränderten sich. Ihre Gesichter zerfielen, wurden alt und zerbröckelten mit ungeheurer Geschwindigkeit. Was sonst Monate und Jahre dauerte, geschah in Sekunden. Ihre Haut wurde grau, riß auf und zerfiel zu zeitgewobenem Staub. Aber darunter kam nicht der Totenschädel eines Menschen zum Vorschein, sondern eine neue, grauenhafte Fratze mit einem scharfkantigen Papageienschnabel, dessen Klicken Torians Nerven fast zum Zerreißen brachte, und einem zyklopischen, rotleuchtenden Auge, in dem ein höhnischer Triumph loderte.
Sie sind mein! kicherte die Fratze, jetzt gehören sie mir. Du hast sie betrogen und mir zum Geschenk gemacht. Ich danke dir dafür, und bald gehörst auch du für alle Zeiten mir. Du weißt, was ich bin? Ich bin der Parasit in deiner Schulter, und es dauert nicht mehr lange, bis wir ganz eins geworden sind.