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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Der Sand stob auf. Nacktes Entsetzen überschwemmte Torians Denken, schuppenhäutige Dämonenhände griffen nach seinen Beinen, klammerten sich mit furchtbarer Gewalt daran fest und versuchten, ihn in den Sand herabzuzerren, den Sand und etwas Entsetzliches, Ewiges, das darunter bereits auf ihn lauerte.

Er schrie gellend auf, spürte, wie Cathar mit einem hastigen Schritt zurückwich und ihn dabei mitriß, und –

Und dann war es vorbei.

Von einer Sekunde auf die andere war der Sand wieder glatt, die chtonische Fratze und die Hände verschwunden, und die Toten lagen wieder so da, wie sie niedergestürzt waren, unverändert.

»Bei Ch’tuon, was… was war das?« keuchte Torian. Er versuchte vergeblich, die entsetzlichen Bilder aus seinem Geist zu verdrängen. »Was war das?« flüsterte er noch einmal.

»Dasselbe, was diesen Männern passiert ist«, erwiderte Cathar mit einer Geste auf die Toten. »Und was uns allen passieren würde, wenn wir weitergingen. Es ist eine Falle, die noch nicht ausge…«

Eine plötzliche Windbö schlug ihm die weiteren Worte von den Lippen. Die Bö war so heftig, daß sie Torian von den Füßen riß, in den Sand schleuderte und seinen Schreckensschrei verschluckte.

Er rappelte sich wieder auf, blieb einige Sekunden lang reglos stehen und starrte an Cathar vorbei, die Augen vor Schrecken weit aufgerissen. Dann rannte er einige Schritte, so schnell er nur konnte, warf sich in den Schutz eines Felsens und barg den Kopf in den Armen.

Hinter ihm heulte der Urgroßvater aller Stürme heran.

Der Sturm hatte eine Stunde vor Sonnenaufgang begonnen. Er war ohne jede Vorwarnung losgebrochen, und mittlerweile war sich Torian ziemlich sicher, daß er innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht mehr aufhören würde. Wenn ihn sein Zeitgefühl nicht völlig trog, mußte es fast Mittag sein, aber rings um sie herum herrschte tiefste Nacht. Der Himmel spannte sich wie ein Tuch aus brodelnder Schwärze über der Wüste; so tief, daß Torian glaubte, ihn berühren zu können, wenn er nur die Hand ausstreckte. Nur ab und zu zuckte ein greller Blitz auf und tauchte die felsige Landschaft in unheimliches, flackerndes Licht, und der Sturm erfüllte die Luft mit einem ungeheuerlichen Heulen und Brüllen, als hätten sich sämtliche Geschöpfe Ch’tuons zu einem apokalyptischen Chor zusammengefunden, um eine Hymne auf den Weltuntergang anzustimmen. Staubfein zermahlener Sand prasselte auf den Felsen, hinter den Torian sich geflüchtet hatte, verfing sich in seinem Haar, in seiner Kleidung, in seinem Mund und seinen Augen, in seinen Ohren und seiner Nase. Vorsichtig hob er den Kopf, schirmte die Augen mit der Hand ab und spähte für einen kurzen Moment hinter seiner Deckung hervor.

Der Sturm hatte ihr Lager innerhalb einer einzigen Minute so gründlich zerstört, daß jede Feuerechse vor Neid erblaßt wäre, hatte die Überreste in einer weiteren Minute auf tausend Quadratmeilen verteilt und alles unter Tonnen und Tonnen von Sand begraben. Und er hatte ihre Pferde samt einem Gutteil der Ausrüstung auf Nimmerwiedersehen verschluckt und die fast mannstiefe Senke, in der sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, derart mit Sand zugeschaufelt, daß sie bis an die Hälse darin versunken wären, hätten sie den Fehler begangen, sich auf den Schutz des felsigen Randes zu verlassen. Ein totes Pferd flog wie ein Geschoß heran, prallte gegen einen Felsen und blieb davor liegen. Binnen weniger Sekunden war es unter einem Hügel aus aufgeschüttetem Sand verschwunden.

Wieder wetterleuchtete es über ihnen, und wahrscheinlich erfolgte auch gleich darauf ein Donnerschlag, der aber im Heulen und Brüllen des Sturmes unterging. Immerhin sah Torian in dem kurzen, weißblauen Flackern die verschwommenen Umrisse eines Menschen, der sich nur wenige Schritte neben ihm in den Schutz eines Felsens duckte. Vorsichtig erhob er sich hinter seiner Deckung, wartete ab, bis der Sturm für einen Moment innehielt – freilich nur, um danach mit doppelter Wucht wieder losschlagen zu können –, und rannte los.

Es waren nur wenige Schritte; nicht einmal zehn Meter. Trotzdem hätte er es um ein Haar nicht geschafft. Eine gewaltige Bö packte ihn, als er drei Viertel der Strecke hinter sich gebracht hatte, hob ihn wie ein Blatt vom Boden hoch und schleuderte ihn drei, vier Meter weit durch die Luft. Wäre er auf Felsen statt auf weichen Sand gestürzt, hätte er sich zweifellos sämtliche Knochen im Leibe gebrochen, aber auch so kostete es ihn seine letzte Kraft, sich auf Hände und Knie hochzustemmen und in den Schutz des nächsten Felsens zu kriechen.

Der Umriß, den er im Licht des Blitzes bemerkt hatte, war Shyleen. Ihre Hand streckte sich ihm entgegen, als er auf den Felsen zurobbte, packte die seine und zog ihn mit erstaunlicher Kraft in die Deckung des Steines. Er nickte dankbar. Zum Sprechen fehlte ihm der Atem. Außerdem hätte das Heulen des Sturmes ohnehin jeden Laut verschluckt, denn als Shyleen den Mund öffnete und irgend etwas schrie, drang nicht ein Wort an seine Ohren, so daß er nur verständnislos mit den Schultern zucken konnte. Er starrte sie an und versuchte, die Worte von ihren Lippen abzulesen. Shyleen packte seine Hand. Ihr Griff war so fest, daß Torian vor Schmerz die Zähne zusammenbiß. Mit der anderen Hand deutete sie auf den Berg hinter ihnen, dessen Flanke annähernd lotrecht über ihnen in die Höhe ragte, aber alles, was mehr als sechs oder sieben Meter entfernt war, verlor sich in tobender Bewegung und irrsinnig tanzenden Sandschwaden. Wieder bewegte Shyleen die Lippen, und diesmal glaubte Torian ihren Mund das Wort Höhle formen zu sehen. Sie wartete nicht mehr ab, ob er verstanden hatte, sondern sprang auf die Füße, fuhr herum und zerrte ihn einfach hinter sich her.

Während der ersten paar Dutzend Schritte war es beinahe einfach, denn der Sturm schob sie geradewegs vor sich her, so daß sie nicht einmal hätten stehenbleiben können, würden sie es gewollt haben. Die zweite Hälfte des Weges wurde zu einem Spießrutenlaufen durch die Hölle. Der schwarze Granit des Berges tauchte so unvermittelt vor ihnen auf, daß sie keine Möglichkeit mehr fanden, das Unglück zu verhindern. Shyleen versuchte stehenzubleiben, aber als hätte der Sturm nur auf diesen Augenblick gewartet, fauchte in diesem Moment eine brüllende Bö heran, riß sie von den Füßen und nach vorne und schmetterte sie gegen den Berg. Ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. Mit haltlos rudernden Armen brach sie zusammen, hob schützend die Hände vor das Gesicht und keuchte gleich darauf ein zweitesmal vor Schmerz, als die nächste Bö auch Torian ergriff und ihn gegen sie schleuderte.

Benommen versuchte er aufzustehen, sah ein braunschwarzes Etwas auf sich zurasen und drehte hastig den Kopf, ehe der Sand, den die Sturmbö heranschleuderte, ihm das Gesicht wegschmirgeln konnte. Mit aller Kraft stemmte er sich in den Boden und war verzweifelt bemüht, irgendwo Halt zu finden, aber trotzdem wurde er in die Höhe und noch einmal gegen den Fels geschleudert, daß ihm auch das letzte bißchen Luft aus den Lungen gepreßt wurde und er das Gefühl hatte, jede einzelne Rippe in seiner Brust würde gleich mehrfach gebrochen. Er fiel, rollte instinktiv herum und barg den Kopf zwischen den Armen. Sein Mund und seine Nase waren voller Sand; seine Kehle brannte, als hätte er gemahlenes Glas eingeatmet. Er konnte nichts mehr sehen. Das Heulen des Sturmes stieg zu einem infernalischen Crescendo an. Blutige Kreise tanzten vor seinen Augen. Sein Herz raste zum Zerspringen. Erschöpft blieb er liegen und wunderte sich einfach nur darüber, daß er überhaupt noch lebte, bis er sich plötzlich gepackt und in die Höhe gerissen fühlte, diesmal aber nicht vom Sturm, sondern von menschlichen Händen. Mühsam öffnete er die Augen und erkannte ein verschwommenes, auf und ab hüpfendes Oval, das erst nach Sekunden zu einem rattenähnlichen Gesicht wurde. Mit einem Ruck zerrte ihn Bard vollends auf die Füße, stieß ihn grob herum und gestikulierte wild in Richtung des Berges.

Die schwarze Wand war noch näher gekommen, und während Torian hinter Bard um den Berg herumtaumelte, steigerte sich der Sturm zu unbeschreiblicher Wut, als spürte die Wüste, daß die sicher geglaubten Opfer ihr doch noch zu entkommen drohten. Gegenüber dem Weltuntergang, der nun über sie hereinbrach, nahm sich alles Vorangegangene wie ein lauer Sommerwind aus. Funken stoben aus dem Fels, wo der Sand mit unvorstellbarer Gewalt gegen den Granit gepeitscht wurde. Torian spürte den Sand wie unsichtbare Fäuste auf seinen Rücken einschlagen und verstand selbst am allerwenigsten, woher er die Kraft nahm, sich auf den Beinen zu halten und immer noch an Bards Seite weiterzurennen. Kopfgroße Steine regneten herab und zerbarsten rings um sie, und plötzlich hob sich dicht vor Torians Füßen der Boden und klaffte zu einem halbmeterbreiten, gezackten Schlund auf. Bard setzte mit einer verblüffend elegant anmutenden Bewegung über den Spalt hinweg und stürmte weiter. Torian folgte ihm mit einem verzweifelten Sprung, und dicht neben ihm landete Shyleen im Sand. Sofort rappelten sie sich wieder auf, und endlich sah Torian vor sich das niedrige, dunkle Loch im Berg.

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