Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Wie weit ist es noch?« wandte er sich an Cathar.
Dem Magier schien der kräftezehrende Marsch nichts auszumachen. Seine Schritte waren noch ebenso federnd und elastisch wie beim Aufbruch. Er musterte Torian mit kaum verhohlenem Spott, der gerade noch vor der Grenze zur Unverschämtheit lag und unter anderen Umständen – und abgesehen von der bedauerlichen, aber unabänderlichen Tatsache, daß Cathar ein Magier war – für Torian Grund genug gewesen wäre, ihm das überhebliche Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen.
Überhaupt hatte sich das Verhalten des Magiers geändert, seit sie Armar verlassen hatten. Offiziell galt Torian immer noch als Kommandant des Trupps, aber es gelang Cathar immer besser, ihn mit jedem Wort und jeder Geste fühlen zu lassen, daß es nur eine geliehene Macht war und er sich in Wirklichkeit als der wahre Herrscher fühlte.
»Etwas weniger als zwei Meilen. Wenn wir nicht zwischendurch schon auf ein paar gefräßige Drachen stoßen, können wir es also in drei bis vier Stunden schaffen«, antwortete er spöttisch. Torian war ziemlich sicher, daß es hier alle möglichen Schrecken gab, aber keine Drachen. Cathar machte sich nicht einmal mehr die Mühe, ihn wenigstens auf intelligente Weise zu verhöhnen.
»Willst du eine Rast? Wenn dein Fuß weh tut, kann ich auch immer noch eine Trage bauen lassen.«
Torian schüttelte wütend den Kopf. Die Schmerzen in seinem Fuß waren fast unerträglich geworden, aber Cathar wartete nur auf ein Zeichen von Schwäche, das wußte er. Mit zusammengebissenen Zähnen und ohne ein Wort quälte er sich weiter.
Einen Augenblick lang glaubte er, im Dickicht des Dschungels neben ihnen eine schwache Bewegung wahrgenommen zu haben, aber als er genauer hinsah, entdeckte er nichts als eine dichte grünschwarze Wand aus Schatten, Dickicht und Baumstämmen. Nach einem letzten zweifelnden Blick wandte er wieder den Kopf und stapfte weiter. Cathar würde es spüren, wenn ihnen Gefahr drohte; sie mußten sich wohl oder übel auf ihn verlassen. Torian war übermäßig nervös, und es konnte gut sein, daß ein Baumstamm oder der Schatten eines vom Wind bewegten Zweiges ihn genarrt hatten.
Eine weitere Stunde lang hielt er den mörderischen Marsch durch. Aber schließlich konnten auch die anderen nicht mehr weiter, und sie rasteten auf einer kleinen Lichtung, nachdem sie etwa die Hälfte des Waldes durchquert hatten. Erschöpft ließ sich Torian zu Boden sinken – und fuhr mit einem leisen Schmerzensschrei wieder hoch. Das knöchelhohe Gras hatte eine Dornenranke verborgen. Er schob sie mit dem Fuß zur Seite und ignorierte Cathars schadenfrohes Grinsen. Wütend massierte Torian seine schmerzenden Beine und lehnte sich mit geschlossenen Augen zurück.
Doch er fand keine Ruhe. Eine seltsame Vorahnung einer Gefahr erfüllte ihn. Etwas stimmte nicht mit diesem Ort, ohne daß er eine Ursache dafür erkennen konnte. Auf den ersten Blick schien sich nichts verändert zu haben. Es dauerte mehrere Minuten, bis ihm bewußt wurde, daß das Gefühl der Bedrohung nicht nur auf seine überreizten Nerven zurückzuführen war. Nach dem ununterbrochenen Knacken von Zweigen war jetzt Stille eingekehrt.
Totenstille…
Um die Lichtung herum lastete der Dschungel wie eine massive Mauer, die nicht nur den größten Teil des Lichts, sondern auch alle Geräusche in sich aufsog wie eine durstiger Schwamm das Wasser. Selbst das Heulen des Windes in den Baumwipfeln – in den letzten Stunden ihr ständiger Begleiter – war verstummt. Einzig die von den Leuten verursachten Geräusche waren noch zu vernehmen: gedämpftes Murmeln und Klirren von Metall, wenn jemand nach seinem Schwert griff; und natürlich das Schnauben der Pferde. Sie hatten die Tiere am Rande der Lichtung angebunden und ihnen zu fressen gegeben, aber sie rührten den Hafer nicht an, sondern scharrten nur unruhig mit ihren Hufen den Boden auf, zerrten am Zaumzeug und wieherten gelegentlich vor Angst.
Die Stille war nicht natürlich, sie wirkte auf eine furchterregende Art fremdartig. Zuvor hatte Torian nicht bewußt darauf geachtet, aber er war sicher, daß Vogelgezwitscher und auch das Brüllen ferner Raubtiere ihren bisherigen Weg begleitet hatten. Obwohl er sich keineswegs eine Begegnung mit irgendeinem der Wesen wünschte, die sich in diesem Wald verbergen mochten, irritierte ihn doch ihr plötzliches Verstummen.
Es war, als hätte die Natur den Atem angehalten – oder als hätte ihr stärker ausgeprägter Instinkt die Tiere von diesem Ort vertrieben, wie er auch die Pferde scheuen ließ.
Eine Falle! dachte er. Diese ganze Lichtung war eine einzige Falle, auch wenn er die Bedrohung immer noch nur unterschwellig spüren konnte.
Er versuchte den verrückten Gedanken zu vertreiben, konnte ihn aber nicht völlig abschütteln. Wieder glaubte er, am Waldrand eine huschende Bewegung zu entdecken, und wieder hörte sie auf, als er genauer hinsah.
Doch er war nicht der einzige, dem die unnatürliche Stille auffiel. Einige seiner Begleiter waren aufgesprungen und blickten sich unsicher um, die Schwerter kampfbereit erhoben. Torian wechselte einen raschen Blick mit Cathar, doch der Magier zuckte nur kaum merklich mit den Schultern. Shyleen hatte sich ein Stück von Torian entfernt neben Garth hingesetzt. Jetzt erhob sie sich und kam zu ihm herüber. Ihre arrogante Überheblichkeit war wie weggeblasen. Eine Hand lag auf dem Knauf des Schwertes, und als sie ihren Blick über den Rand der kleinen Lichtung wandern ließ, flackerte nur mühsam unterdrückte Angst in ihren Augen.
»Die Tiere«, flüsterte sie. »Es ist doch nicht normal, daß sie so plötzlich verstummen. Wir sollten so schnell wie möglich…«
Torian erfuhr nicht mehr, was sie noch sagen wollte. Er sah nur noch ein fingerdickes Etwas, das vor ihr plötzlich in die Höhe schnellte und sich um ihre Kehle schlang, bevor er ebenfalls von einer ungeheuren Kraft von den Füßen geholt wurde.
Ein scharfer Schmerz zuckte durch sein rechtes Bein. Er stürzte, versuchte instinktiv, seinen Sturz mit vorgestreckten Armen abzufangen, und prallte hart auf den Boden, als ihm die Hände noch in der Bewegung weggerissen wurden. Für einen Moment blieb er benommen liegen.
Etwas tastete beinahe sanft über seine Beine und kroch daran höher, während es wie mit winzigen Zähnen in seine Haut biß. Blindlings packte er zu. Er bekam etwas Dünnes, Nachgiebiges zu fassen, das sich als unerwartet zäh entpuppte, als er es wegzureißen versuchte. Jetzt erst erkannte er, daß er eine Dornenranke in der Hand hielt, die sich wie ein zu lang geratener Wurm zwischen seinen Fingern wand. Weitere Ranken krochen auf ihn zu. Er riß sein Schwert aus der Scheide und hieb mit aller Kraft zu. Die Klinge zerschnitt einige von ihnen. Die abgetrennten Enden fielen zuckend zu Boden und lösten sich binnen Sekundenbruchteilen in Asche auf.
Schreie drangen an seine Ohren. Noch einmal schlug er mit dem Schwert nach einer, die sich um seinen Arm wickeln wollte. Dann sprang er auf.
Die Lichtung bot ein Bild des Schreckens. Der Boden selbst schien zu brodelndem Leben erwacht zu sein. Das Gras lag unter einer Decke sich windender dunkler Ranken und Wurzelstränge begraben. Unbeschreiblicher Ekel stieg in Torian hoch. Es sah aus, als wäre die ganze Umgebung von einem riesigen lebenden Teppich pulsierender, ineinander verschlungener Schlangenleiber bedeckt. Er hatte noch Glück im Unglück gehabt, daß er sich so weit am Rande der Lichtung aufhielt, wohin sich bislang nur wenige Ranken vorgeschoben hatten.
Viele der anderen hatte es wesentlich schlimmer erwischt. Die meisten von ihnen waren trotz ihrer Vorsicht von dem Angriff überrascht und zu Boden gerissen worden; einige lagen bereits unter fast mannshohen Hügeln der dunklen, zuckenden Masse begraben. Die Pferde kreischten wie rasend, einige hatten sich losreißen können und stoben in wilder Panik davon, doch keines der Tiere wurde von den Pflanzen angegriffen.