Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Laß es«, stieß Cathar gehetzt hervor, »öffne deinen Geist.«
Torian wußte nicht, was der Magier vorhatte, nicht einmal, was er überhaupt tat, aber er sträubte sich nicht länger. Er schloß die Augen, doch es wurde nicht dunkel. Er sah Bilder, die so fremdartig waren, daß er im ersten Moment glaubte, sich in einer völlig anderen Welt zu befinden. Erst nach Sekunden begriff er, daß er immer noch die Lichtung sah, er sie jetzt aber durch Cathars Augen erblickte. Es gab keine Farben mehr, nur noch helle und dunkle Grautöne in allen denkbaren Schattierungen, die zugleich in ihr Gegenteil verdreht waren. Was dunkel sein mußte, war hell, und umgekehrt. Um Torian herum herrschte nachtschwarze Dunkelheit, aus der sich die Gestalten der anderen unscharf abhoben. Doch er nahm nicht nur die Schatten wahr. Vor ihm erstreckte sich ein Gespinst dünner, weißleuchtender Fäden, scheinbar wirr ineinander verwoben, doch je stärker er sich konzentrierte, um so deutlicher schälte sich ein kompliziertes, spinnennetzähnliches Muster aus der sinnverwirrenden Symmetrie, das an ein riesiges Speichenrad erinnerte. An zahlreichen Stellen kreuzten sich die Fäden und bildeten grell strahlende, pulsierende Knoten.
Torian zitterte vor Anstrengung und preßte die Hände gegen die Schläfen, aber genau wie Cathar folgte er dem Verlauf des Musters mit seinem Blick, bis er gefunden hatte, was er suchte. Die Fäden, die nichts weiter als die Dornenranken und Wurzelstränge darstellten, trafen sich alle an einem einzigen Punkt. Sie waren nicht voneinander unabhängige Wesen, sondern lediglich Tausende Ausläufer einer einzigen Riesenpflanze, deren pulsierendes Zentrum wie ein gigantisches Herz in der Mitte der Lichtung lag.
»Zerstöre es!« gellte Cathars Befehl. Torian hatte die Worte nicht normal gehört, sondern sie waren direkt in seinem Geist aufgeklungen.
Er schauderte, aber er hob sein Schwert und schleuderte es wie einen Speer. In steilem Winkel stieg es in die Höhe, erreichte seinen höchsten Punkt und senkte sich trudelnd wieder herab. Er spürte, wie Cathar den Flug wie mit unsichtbaren Händen beeinflußte, die Richtung ein wenig korrigierte und das Schwert genau ins Zentrum der strahlenden Helligkeit lenkte, dann konnte er es nicht mehr ertragen, mit dem Geist des Magiers verbunden zu sein. Er stieß ein ersticktes Keuchen aus, riß Cathars Hand von seinem Gesicht und taumelte zurück. Im gleichen Moment wurde die Welt um ihn herum wieder normal. Alles begann sich vor seinen Augen zu drehen. Er schwankte vor Schwäche und wäre gestürzt, wenn Garth nicht noch rechtzeitig zugegriffen und ihn aufgefangen hätte.
Ein dumpfes Beben lief durch die Masse der Pflanzen. In wildem Todeskampf peitschten sie noch einmal um sich, aber ihren Bewegungen fehlte schon jetzt die vorige Kraft. Dann, von einem Augenblick zum anderen, war es vorbei. Die Ranken erstarrten in der Bewegung und zerfielen in Sekundenschnelle zu Staub, nur vereinzelt zuckte noch ein Strang, bevor er sich ebenfalls auflöste. Ein Teppich aus grauer Asche bedeckte die Lichtung und wurde rasch vom Wind fortgewirbelt.
Torian nahm kaum noch etwas von dem wahr, was um ihn herum geschah. Was er während der wenigen Sekunden, die er mit Cathar verbunden gewesen war, erlebt hatte, war mehr, als sein Geist verarbeiten konnte. Die Welt des Magiers war für einen Menschen grenzenlos fremd, und der unweigerliche Preis einer längeren Vereinigung wäre der Wahnsinn gewesen. Rasende Kopfschmerzen peinigten ihn, und ihm wurde schwindelig. Er sank auf die Knie, kämpfte vergeblich gegen die Übelkeit an und übergab sich würgend. Es dauerte lange, bis die Kopfschmerzen verebbten und er sich mit Garths und Shyleens Hilfe wieder auf die Beine quälen konnte. Er taumelte auf Cathar zu und klammerte sich an der Kutte des Magiers fest, als die Schwäche ihn erneut übermannte.
»Was war das?« krächzte er. »Bei allen Dämonen, was hast du getan?«
Aber er bekam keine Antwort. Und im Grunde war es auch gar nicht nötig. Er wußte nicht einmal, ob er wirklich eine Antwort hören wollte.
»Nein!« sagte Shyleen zum wiederholten Male innerhalb der letzten Minuten und schüttelte ebenfalls zum wiederholten Male stur den Kopf. Die überlebenden Gardisten hatten sich in einem Halbkreis um sie gruppiert, die Schwerter in den Händen und den gleichen Ausdruck trotziger Entschlossenheit im Gesicht. Angst flackerte in ihren Augen. Sieben der Männer waren tot, und kaum einer war ohne Verletzungen davongekommen. Der einzige Trost war, daß sie die Pferde schnell wieder hatten einfangen können. Schon nach wenigen Metern hatten sich die aufgebrachten Tiere im Unterholz verfangen und nicht mehr weiter fliehen können. Aber die meisten von ihnen waren verwundet.
Torian wechselte einen raschen Blick mit Bard. Auch der Rattengesichtige war blaß geworden und hielt die Hand um den Schwertgriff gekrallt. Cathar stand mit vor der Brust verschränkten Armen zwei Schritte neben ihm, dicht am Waldrand. Er schien äußerlich völlig ruhig zu sein, doch Torian erkannte, daß er innerlich kochte.
»Ihr könnt allein weitergehen, wenn ihr unbedingt wollt«, fuhr Shyleen fort. »Keiner von uns wird euch mehr begleiten.«
»Und was ist mit dir?« Torian wandte sich an Garth, der bislang nur schweigend dagestanden hatte.
»Ich?« Garth schnaubte. »Ich finde diese ganze Diskussion ausgesprochen idiotisch. Ich will so schnell wie möglich und so weit wie möglich weg von hier.«
»Da siehst du es!« rief Shyleen.
»Aber da wir es nicht können, schließe ich mich Torian an«, fügte er hinzu.
»Idiot!« rief Shyleen wütend. »Genügt es nicht, wenn sich Torian mit diesem verfluchten Magier verbündet?«
»Ihr – « begann Torian, doch Cathar unterbrach ihn mit einer raschen Handbewegung.
»Narren!« sagte der Magier ruhig. »Torian und Garth scheinen die einzigen zu sein, die sich ihren Verstand bewahrt haben. Ihr wißt, daß ich euch vernichten könnte, hier, auf der Stelle.«
»Dann versuch es«, entgegnete Shyleen hitzig. »Wir werden ja sehen, ob du wirklich so stark bist, wie du behauptest, Cathar.«
Cathar lächelte, aber es war nicht sehr viel Humor in diesem Lächeln. »Es wäre völlig unnötig, meine Kraft zu verschwenden«, erklärte er. »Meinetwegen geht. Ich werde euch nicht hindern. Aber ich fürchte, ihr werdet nicht sehr weit kommen.«
»Wie weit wir mit dir kommen, haben wir ja gesehen!« hielt ihm einer der Männer vor.
»Zehnmal weiter als ohne mich«, fuhr Cathar ungerührt fort. »Ich gebe zu, daß ich auf diesen Angriff nicht gefaßt war, weil ich mich zu sehr auf den Wald konzentriert habe. Ihr habt es allein mir zu verdanken, daß wir diese Lichtung überhaupt erreicht haben.« Er fuhr herum und deutete auf den Wald. »Seht!«
In den ersten Sekunden geschah gar nichts. Dann lief ein langsames, schwerfälliges Beben durch die graugrüne Wand. Einige Zweige bewegten sich plötzlich anders als zuvor, stärker, als daß allein der leichte Wind dafür verantwortlich sein konnte. In absurden Drehungen und Windungen bogen sie sich herab und nach vorne, griffen wie mit rauchigen Armen nach den Menschen auf der Lichtung.
»Hör auf«, stöhnte Torian.
»Ich habe aufgehört«, erwiderte Cathar. »Was ihr seht, ist die wahre Natur des Waldes. Er würde euch binnen weniger Augenblicke verschlingen, wenn ich ihn nicht mehr bändige.« Er machte erneut eine Handbewegung, und die Bewegungen des Waldes hörten auf. Die Pflanzen wurden wieder zu dem, was sie waren: eine unheimliche, von flüsternden Stimmen erfüllte Mauer um sie herum. Das mörderische Eigenleben, das sie gerade noch erfüllt hatte, war wieder erloschen. Nein, nicht erloschen, dachte Torian schaudernd. Gebändigt, und nur für kurze Zeit.
»Nun?« fragte Cathar. »Wollt ihr immer noch umkehren?«