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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Mit einemmal begann die Wüste neben ihm zu brodeln; der Sand kräuselte sich, warf Blasen und sprudelte wie kochendes Wasser, und plötzlich griffen schwarze peitschende Tentakel aus dem Gelbbraun des Bodens hervor, wickelten sich um seine Arme und Beine und zerrten mit grausamer Kraft an ihnen. Er schrie auf und warf sich zurück, aber der Griff der Tentakel war erbarmungslos und viel zu stark für ihn.

Keuchend fiel Torian auf die Knie. Er versuchte, den Sturz abzufangen, aber seine Hände versanken bis zu den Ellbogen im lockeren, staubfeinen Sand. Die Tentakel waren verschwunden, und er begriff, daß er sich wiederum nur etwas eingebildet hatte. Wäre er nicht zu schwach gewesen, hätte er in einem Anflug von Galgenhumor schallend gelacht, als ihm bewußt wurde, welch jämmerliches Ende er nehmen würde, und alles nur, weil er für einen kurzen Moment auf sein Gefühl gehört hatte, statt auf das, was ihm sein logisches Denken sagte. Es war zum Wahnsinnigwerden. Er hatte gegen die Schwarzen Magier und sogar die jahrmillionenalten Geschöpfe Ch’tuons gekämpft – und sie besiegt! –, Geschöpfe, deren Macht der von Göttern gleichkam. Und jetzt würde er hier erbärmlich verdursten, besiegt von einer Wüste, über deren Gefährlichkeit er nur zu gut Bescheid gewußt hatte. Er stieß ein trockenes Schluchzen aus.

Irgend etwas bewegte sich vor ihm; vielleicht eine Windbö, die mit Sand und Staub spielte, um ihn zu narren, vielleicht auch nur ein weiterer grausamer Scherz seines Unterbewußtseins, das ihm – warum auch immer – ganz offensichtlich den Krieg erklärt hatte. Aber dann wiederholte sich die Bewegung, sehr viel deutlicher als beim erstenmal, und diesmal war er sicher, daß es mehr als eine Illusion oder das Spiel von Wind und Sand war.

Mühsam erhob sich Torian – was sich als gar nicht so einfach erwies, denn der lockere Sand gab immer wieder unter seinen Füßen nach –, sah sich instinktiv nach allen Seiten um und näherte sich der Stelle, an der er die Bewegung ausgemacht zu haben glaubte. Erst jetzt fiel ihm auf, daß er wieder an der Flanke eines der sonderbaren Geröllberge stand, die typisch für diesen Teil der Staubwüste waren. Offenbar hatte er ganz instinktiv diese Richtung eingeschlagen, um überhaupt irgendein Ziel zu haben und nicht blind von einer Sanddüne zur anderen zu stolpern.

Dicht vor ihm neigte sich der Boden in sanftem Winkel, und erst jetzt wurde Torian gewahr, daß er eine regelrechte Senke bildete, einen flachen, absolut gleichförmigen Trichter, an dessen tiefster Stelle der Sand vollkommen eben war. Irgend etwas an diesem Anblick alarmierte ihn, aber er wußte nicht, was, und wahrscheinlich wäre er in seinem gegenwärtigen Zustand ohnehin nicht mehr in der Lage gewesen, auf irgendeine Warnung seines Verstandes zu achten.

Einen Moment lang blieb er noch stehen und schaute sich um. Die Bewegung wiederholte sich nicht. Er trat bis ganz an den Krater heran, setzte behutsam einen Fuß auf die Trichterwand und prüfte die Festigkeit des Sandes. Sie war nicht gerade groß, würde ihn aber tragen, wenn er sich vorsichtig genug bewegte. Trotzdem schlitterte er mehr in den Trichter hinab als er ging.

Der Boden unter seinen Füßen vibrierte ganz sacht nur, aber doch gerade noch spürbar. Torian blieb abrupt stehen, rutschte auf dem feinen Sand aber noch ein gutes Stück weiter und fand erst Halt, als er beide Beine und die Spitze seines Schwertes in den Boden stemmte.

Für einen Moment.

Das Zittern wiederholte sich. Plötzlich drang ein tiefes, machtvolles Grollen und Knirschen direkt aus dem Boden hervor, und dann explodierte der Trichter. Eine Sandfontäne schoß zehn, fünfzehn Meter weit in die Höhe, und in ihrem Zentrum wuchs etwas Gewaltiges, Glitzerndes heran, bäumte sich mit einem furchtbaren, gleichzeitig zischelnden wie grollenden Laut auf und fiel krachend zurück in den Sand. Einen Moment lang glaubte Torian, daß seine Nerven ihm wieder nur etwas vorgaukelten, aber begriff sehr rasch, daß er alles andere als eine Illusion erlebte. Etwas Schlankes, Horniges zuckte wie eine Peitschenschnur in Torians Richtung, grub eine armlange Furche neben ihm in den Sand und zog sich wieder zurück. Entsetzt starrte er das Monstrum an. Die furchtbare Erschütterung hatte ihn von den Füßen gerissen und ein Stück weiter die Trichterwand hinabschlittern lassen, und noch immer regneten Sand und Staub auf ihn herab, aber trotzdem konnte er die Kreatur, die so urplötzlich aus dem Boden gebrochen war, deutlich erkennen. Und jetzt wußte er auch, woran der so harmlos erscheinende Trichter im Sand erinnert hatte. Nur kam diese Erkenntnis ein wenig zu spät…

Das fast mannslange Ding, das ihn aus faustgroßen Augen anstarrte, war nichts anderes als ein Ameisenlöwe, einer jener hinterhältigen Insektenfresser, die in kleinen Sandmulden hocken und darauf warten, daß ihnen Ameisen und andere Kriechtiere in die Falle laufen; eine Falle, die aus nichts anderem als eben diesem Trichter besteht, dessen Wände so fein zerkaut sind, daß der Sand kaum fester als Wasser ist und ein Entkommen daraus schier unmöglich wird. Nur daß dieses Exemplar dieser unfreundlichen Gattung halb so lang war wie ein ausgewachsener Mensch und über Mandibeln verfügte, die Torian mit einem freundlichen Zwicken den Arm abtrennen konnten…

Trotzdem schien das Ungeheuer zu zögern, einen Gegner von seiner Größe anzugreifen. Seine dunkelvioletten Augen musterten Torian mit stummer Wut, und die übermannslangen, dünnen Peitschenfühler, die beiderseits seines Maules aus dem Schädel wuchsen, zuckten nervös hierhin und dorthin und wirbelten den Sand auf. Aber es griff noch nicht an. Vielleicht war Torian ihm wirklich ein wenig zu groß als Zwischenmahlzeit, vielleicht war es auch nur irritiert, weil es noch nie eine Ameise mit Stiefeln und Lederwams gesehen hatte.

In jedem Fall schien Torian der Moment günstig, die Flucht zu ergreifen. Vorsichtig, um nicht auf dem lockeren Sand abermals den Halt zu verlieren und kopfüber zwischen die Zähne des Ungeheuers zu purzeln, stemmte er sich hoch und begann, rücklings den Trichter hinaufzukriechen. Genauer gesagt, er versuchte es. Der lockere Sand gab unter seinen Füßen nach wie Staub. Er fiel, schlitterte einen weiteren Meter in die Tiefe und kam mit einem entsetzten Keuchen wieder zum Stillstand. Der Ameisenlöwe stieß einen grollenden Laut aus. Seine chitingepanzerten Beine wühlten im Sand.

Panik stieg in Torian hoch. Er wälzte sich herum, krallte Hände und Füße in den lockeren Sand und begann mit verzweifelter Kraft, den Hang hinaufzuklettern. Ein Fehler, der ihn um ein Haar den Kopf gekostet hätte; im wortwörtlichen Sinne. Das Rieseninsekt war vielleicht zu dumm, um zu erkennen, daß er ganz und gar keine Ameise war – aber es war nicht zu dumm, seine reichlich lächerlichen Schwimmbewegungen als das zu erkennen, was sie darstellen sollten, nämlich als Flucht. Und es reagierte, wie ein Raubtier auf ein flüchtendes Opfer nun einmal reagiert. Die Bestie stieß ein fürchterliches Röhren aus und bäumte sich auf. Plötzlich klatschte einer ihrer Peitschenfühler auf Torian herab, bildete vor seinem Gesicht eine Schlinge und zog sich mit einem kurzen, harten Ruck zusammen. Hätte er nicht blitzartig den Kopf zwischen die Schultern gezogen und sich gleichzeitig wieder ein Stück nach unten rutschen lassen, wäre der Hunger des Ameisenlöwen wohl gesättigt gewesen. Torian fuhr herum, sah einen titanischen Schatten auf sich zufliegen und riß instinktiv sein Schwert in die Höhe. Ein heftiger Schlag traf seine Arme und trieb seine Ellbogen bis zu den Handgelenken in den Sand. Das Schwert wurde ihm entrissen.

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