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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Für die Dauer von zwei, drei Herzschlägen war Torian vor Entsetzen wie gelähmt, und um ein Haar wären es seine letzten Herzschläge gewesen. Die langsam und geradezu schwerfällig anmutenden Bewegungen des gesamten Pflanzenteppichs hätten ihn fast vergessen lassen, wie schnell sich die einzelnen Ranken zu bewegen vermochten. Ein Dornenstrang zuckte blitzartig hoch und peitschte nach seinem Gesicht. Im letzten Moment riß er den Kopf zur Seite. Die nadelspitzen Dornen verfehlten seine Stirn um kaum eine Handbreite, aber noch in der Luft drehte sich die Ranke in unmöglich anmutender Art, berührte seine Wange und riß ihm die Haut auf. Torian schrie vor Schmerz und hieb zu. Noch bevor die Ranke wieder zu Boden zurückklatschte, zerteilte er sie mit seinem Schwert.

Ein gurgelnder Schrei drang an sein Ohr. Shyleen hatte ihn ausgestoßen. Mit einem Sprung war er bei ihr und ließ die Klinge auf das Gewirr der Ranken niedersausen, die sie umschlungen hielten. Ein Wurzelstrang hatte sich um ihre Kehle gewunden und drohte sie zu erwürgen. Ihr Gesicht war bereits rot angelaufen. Verzweifelt schnappte sie nach Luft. Wie rasend hieb er auf die Stränge ein. Shyleen keuchte und fuhr sich mit der Hand über die Kehle. Die Ranke hatte einen dunkelroten Striemen hinterlassen. Blut rann aus unzähligen kleinen Wunden, welche die Dornen in ihre Haut gerissen hatten; nicht nur am Hals, sondern am ganzen Körper. Stöhnend kam sie auf die Beine.

»Wir müssen… weg«, keuchte sie.

Torian warf einen Blick zum Waldrand hinüber. Die grüne Wand lag nur wenige Dutzend Schritte entfernt, aber ebensogut hätten es zehn Meilen sein können. Die unheimliche Pflanzenarmee hatte einen regelrechten Wall um die Lichtung gebildet, eine fast mannshohe lebende Mauer aus wabernder Dunkelheit und unsteter, kriechender Bewegung. Es war wirklich eine Falle, wie sein Gefühl ihm von Anfang an suggeriert hatte – obwohl er sich nicht mehr sicher war, daß es sich wirklich nur um ein Gefühl gehandelt hatte –, und sie hatte sich so um sie geschlossen, daß eine Flucht unmöglich geworden war.

Ein Schatten wuchs hinter Torian in die Höhe, und er riß instinktiv sein Schwert hoch. Im letzten Moment konnte er im Schlag innehalten, als er Garth erkannte. Auch der Dieb blutete aus zahlreichen kleinen Wunden. Keine einzige war mehr als ein harmloser Kratzer, aber in ihrer Gesamtheit mußten sie ungeheuer schmerzhaft sein. Mit ungestümer Kraft hackte der Hüne nach mehreren Ranken, die sich um seinen Knöchel gewunden hatten. Torian konnte nicht einmal erahnen, wie es dem Dieb gelungen war, bis zu ihm vorzudringen. Er mußte wie ein Berserker unter den Pflanzen gewütet haben, doch jetzt war er am Ende seiner Kraft angelangt. Seine Augen waren blutunterlaufen und glasig, und sein Blick schien ins Leere zu gehen. Worte einer Torian unbekannten Sprache quollen über seine Lippen, und immer wieder deutete er entsetzt auf die Mitte der Lichtung, ohne daß es dort etwas Besonderes zu sehen gab. Torian ahnte, daß Garth ihm etwas Wichtiges mitteilen wollte, aber er verstand nicht, was.

Er konnte sich nicht länger auf den Dieb konzentrieren. Shyleens Warnschrei kam fast zu spät. Er fuhr herum und schlug noch in der Drehung zu. Zehn, zwölf Ranken züngelten wie ein lebender Wald aus Tentakelarmen auf ihn zu. Die Klinge durchtrennte einige. In unmöglich erscheinenden Windungen wichen die anderen dem Schwert aus, als handele es sich nicht um Pflanzen, sondern um intelligente Wesen. Sofort peitschten sie wieder auf ihn herab. Allein schon die Wucht des Angriffs brachte Torian ins Taumeln. Ein Dorn bohrte sich in seine Wange und riß die Haut noch weiter auf. Ein schmetternder Schlag traf sein Handgelenk und prellte ihm das Schwert aus den Fingern.

Als hätten sie nur darauf gewartet, rasten ein Dutzend weiterer Ranken heran. Ein harter Ruck an den Beinen ließ Torian endgültig zu Boden stürzen. Instinktiv riß er die Arme hoch, um seine Kehle und das Gesicht zu schützen, und er ignorierte den stechenden Schmerz, den der Biß der Dornen ihm zufügte. Das Gewicht der Pflanzenmonster preßte ihm die Luft aus der Lunge, und immer neue Stränge schoben sich heran und umklammerten ihn. Er packte eine Ranke, die sich über sein Gesicht wand, um sie wegzureißen. Ebensogut hätte er versuchen können, einen Berg mit bloßen Händen zu verschieben.

Garth und Shyleen hieben auf die Pflanzen ein, aber sie hatten keine Chance gegen sie. Die Ranken waren nicht besonders zäh und verdorrten, sobald sie abgeschlagen wurden, doch für jeden zerstörten Strang schoben sich zehn neue heran.

»Das Schwert!« brüllte Torian.

Garth versuchte die Waffe zu erreichen, doch wieder hatte Torian den Eindruck, als wären die Pflanzen intelligent und hätten die Gefahr erkannt. Sofort griffen sie ihn noch ungestümer an. Er packte sein Schwert mit beiden Händen und führte so schnelle Streiche, daß das Auge den Bewegungen der Klinge kaum noch zu folgen vermochte, aber trotz allem war sein Kampf aussichtslos.

Plötzlich tauchte ein weiterer Schatten in einer dunklen Kutte neben ihm auf. Mit bloßen Händen packte Cathar ein ganzes Bündel von Ranken, die sich um Torians Brust geschlungen hatten. Ohne sichtliche Kraftanstrengung riß er sie zurück. Unter der Berührung verdorrten die Pflanzen zu Staub. Der Magier packte das Schwert und warf es Torian zu, dann war er so plötzlich verschwunden, wie er aufgetaucht war.

Der Angriff – sofern man das Massaker, das die Pflanzenmonster anrichteten, überhaupt so nennen konnte – war in ihrer unmittelbaren Umgebung fast zum Erliegen gekommen. Nur zögernd huschten noch vereinzelte Ranken heran, zuckten jedoch jedesmal vor ihnen wieder zurück, so daß Torian Gelegenheit fand, sich umzusehen. Die Überlebenden hatten sich zu einem engen Kreis zusammengeschlossen und hieben mit aller Kraft, die ihnen Verzweiflung und Todesangst verliehen, auf die Dornenranken ein, doch konnte ihre Gegenwehr für die ungeheure Masse der Pflanzen nicht mehr als Nadelstiche darstellen. Für die Dauer eines Herzschlages hoffte Torian mit aller Inbrunst, daß all die vielen einzelnen Stiche ausgereicht hatten, sie zur Aufgabe zu zwingen.

Dann sah er, daß dem nicht so war. Ganz und gar nicht.

Im Gegenteil.

Die Pflanzen änderten lediglich ihre Taktik und räumten damit jeden Zweifel aus, daß ihnen tatsächlich eine fremde, gefährliche Intelligenz innewohnte. Der eigentliche Angriff begann erst. Kaum sichtbare, wellenartige Bewegungen liefen durch den lebenden Teppich. Die Masse hob und senkte sich wie im Rhythmus von Herzschlägen und schob sich ineinander. Dabei wuchs sie in unglaublichem Tempo in die Höhe und formte sich zu einer gewaltigen finsteren Woge, die jeden Augenblick über ihnen zusammenschlagen konnte.

In stummer Verzweiflung starrte Torian auf das unglaubliche Bild, schloß für einige Sekunden die Augen und kämpfte gegen das Gefühl der Resignation an. Seine Hände begannen zu zittern. Er krampfte die Finger um den Knauf des Schwertes, als ob er es zerbrechen wollte. Die Nägel schnitten schmerzhaft in sein Fleisch, doch er nahm es kaum wahr. Wie hatte er sich nur jemals auf diese wahnsinnige Expedition einlassen können? Die unheimliche Woge, die sich in einem wie mit dem Zirkel gezogenen Kreis von wenigen Schritten Durchmesser um sie herum erstreckte, hatte inzwischen mehr als Mannshöhe erreicht. Es schien, als hätte die Nacht am hellen Tag Gestalt angenommen und wäre zu eigenem Leben erwacht, um sie zu verschlingen. Sie waren bereits in eine unentrinnbare Falle geraten, kaum daß sie die Straße der Ungeheuer nur betreten hatten. Wie hatte er sich jemals einbilden können, alles zu überwinden, was die Schwarzen Magier im Laufe der Jahrtausende zu ihrem Schutz errichtet hatten?

»Komm her!« schrie Cathar und riß Torian damit aus der Erstarrung. »Komm zu mir, Torian. Schnell!«

Er hastete zu dem Magier. »Wir müssen eine Bresche durch den Wall schlagen«, rief er. »Wir müssen – «

»Schweig, du Narr.«

Cathar packte ihn und drehte ihn zu sich herum. Gleichzeitig tastete er mit der anderen Hand nach Torians Gesicht. Die gespreizten, spinnenartigen Finger preßten sich hart gegen seine Schläfen. Es war wie ein Blitz, der in seine Gedanken fuhr; unerwartet und grell und schmerzhaft und so warnungslos, daß Torian unwillkürlich zurückprallte und versuchte, die Hand zu heben, um den Griff des Magiers zu sprengen.

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