Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Dann schien ein ganzer Berg auf ihn herabzustürzen. Die Luft wurde ihm aus den Lungen getrieben. Er sah nichts mehr. Drei, vier Sekunden lag er vollkommen reglos da, bis die Erkenntnis, daß er noch lebte, ganz langsam in sein Bewußtsein drang. Das Zischeln und Grollen des Ungeheuers hatte aufgehört, und statt dessen hatte sich eine fast unheimliche Stille über den Sandtrichter gebreitet. Vorsichtig öffnete er die Augen und blickte direkt in das weit aufgerissene Maul des Ameisenlöwen. Die Zähne befanden sich nur noch wenige Handbreit von seinem Gesicht entfernt. Die beiden Mandibeln hatten sich beiderseits seines Kopfes tief in den Sand gewühlt, bereit, zuzuschnappen und nachzuholen, was seinem Peitschenfühler mißlungen war.
Aber das Ungeheuer stellte keine Gefahr mehr dar. Es war tot. Sein eigener Sprung, mit dem es auf Torian gestürzt war, hatte das Schwert so tief in seinen Leib getrieben, daß die Spitze aus den zerborstenen Chitinplatten seines Rückens hervorragte. Es mußte auf der Stelle tot gewesen sein. Hätte es auch nur eine halbe Sekunde länger gelebt oder hätten sich seine Muskeln im Todeskampf noch einmal zusammengezogen…
Torian verscheuchte diese wenig erfreuliche Vorstellung aus seinen Gedanken, schob ächzend die Hände unter den gepanzerten Leib des Monstrums und wuchtete es hoch. Es war leichter, als er angesichts der ungeheuerlichen Größe vermutet hatte. Der Stoß reichte aus, den Kadaver in die Höhe und bis auf den gegenüberliegenden Trichterrand zu schleudern. In einer Wolke von stiebendem Sand und Staub schlitterte die Bestie hinab, schlug einen grotesken Purzelbaum und begann im lockeren Sand des Trichterbodens zu versinken; zusammen mit Torians Schwert, das noch immer in ihrem Leib steckte. Mit einem keuchenden Schrei sprang er hoch, stolperte ihr nach und riß die Waffe aus ihrem Körper, wobei er sorgsam darauf achtete, nicht auf den runden Fleck von Treibsand zu treten, in dem das tote Monstrum versank. Sonderbarerweise klebte nicht ein Tropfen Blut an der Klinge seines Schwertes.
Erst jetzt, als der erste Schrecken vorüber war und seine Gedanken wieder in den gewohnt logischen Bahnen zu laufen begannen, fiel ihm auf, daß dies bei weitem nicht alles war, was hier nicht stimmte. Das Ungeheuer war viel zu leicht gewesen, und obgleich die Klinge des Schwertes aus gehärtetem Stahl bestand, hätte sie den Chitinpanzer normalerweise nicht durchdringen können. Aber der Kadaver des Ungeheuers war auf Nimmerwiedersehen im Treibsand verschwunden, und er würde dieses Rätsel nicht mehr lösen können. Ebensowenig wie die Frage, wo dieser Alptraum von einem Ameisenlöwen herkam. Achselzuckend wandte er sich um, ließ sich behutsam auf Hände und Knie nieder und begann auf diese wenig elegante Art, die Trichterwand hinaufzukriechen. Es dauerte lange, bis er wieder auf sicherem Boden stand, und er war nicht sicher, ob es eine besonders kluge Entscheidung gewesen war, wieder hier heraufzukommen.
Er war nicht mehr allein. Wenige Schritte vor ihm krochen drei braunrote Ameisen aus einer Felsspalte. Es waren wahre Prachtexemplare von Ameisen, und sie waren ein wenig größer, als Formicide normalerweise werden. Um genau zu sein – jede einzelne von ihnen hätte eine prachtvolle Mahlzeit für den Ameisenlöwen abgegeben, dem Torian gerade mit Mühe und Not entkommen war…
Mit einem verzweifelten Sprung brachte er sich außer Reichweite der schnappenden Beißzangen und trat nach dem vordersten der Ungeheuer. Sein Fuß traf den Schädel des Insekts und zertrümmerte ihn wie eine Eierschale.
Fassungslos vor Unglauben blieb Torian mitten im Schritt stehen und starrte die tote Ameise an. So groß sie war, schien ihr Körper nicht wesentlich widerstandsfähiger als der einer normal gewachsenen Ameise zu sein. Sicher, er hatte mit der Kraft der Verzweiflung zugetreten, aber eine Ameise von der Größe eines Wolfes hätte – wären ihre Körperkräfte im gleichen Verhältnis mitgewachsen – mit Leichtigkeit ein ganzes Haus davontragen können!
Die beiden überlebenden Formicide nutzten den Augenblick seines Staunens, sich mit schnappenden Kiefern auf ihn zu stürzen. Die handlangen Beißzangen der einen schlossen sich um seinen Oberschenkel, während die andere ihn schlichtweg ansprang; ein Verhalten, das bei einer normalen Ameise einfach undenkbar war. Instinktiv riß er den linken Arm hoch, um sein Gesicht zu schützen, schlug mit der anderen Hand zurück und spürte, wie der Brustpanzer des Ungeheuers wie Glas zersprang. Mit zuckenden Beinen fiel es zu Boden. Torian fuhr herum, packte die Beißzangen der dritten Ameise, bog sie auseinander und brach beinahe versehentlich eine davon ab. Die Ameise sprang mit einem wütenden Zischen zurück und funkelte ihn an. Er zertrümmerte ihr den Schädel. Der ganze bizarre Kampf hatte nicht länger als eine halbe Minute gedauert. Torian zog sein Schwert aus der Scheide, packte die Waffe fester und drehte sich einmal im Kreis. Mißtrauisch musterte er den Felsspalt, aus dem die drei Bestien herausgekrochen waren. In den finsteren Schatten dahinter bewegte sich etwas Großes, Glänzendes, Krabbelndes. Aber wenn dort noch weitere Riesenameisen hockten, hatten sie offensichtlich aus dem Schicksal ihrer drei Artgenossen gelernt. Torian war beinahe enttäuscht, daß sich keines der Rieseninsekten mehr blicken ließ. Trotzdem beendete er seine Drehung und musterte aufmerksam die Umgebung, ehe er sich vor einer der Ameisen in die Hocke sinken ließ und sie vorsichtig mit der Spitze seines Schwertes anstieß. Ihr Körper rollte wie eine leere Hülle hin und her. Wie bei dem Ameisenlöwen zuvor war nicht ein Tropfen Blut zu sehen.
Dafür kroch eine fette, schwarzbehaarte Spinne aus dem zerborstenen Brustpanzer hervor. Eine eisige Hand schien über Torians Rücken zu fahren, als er das achtbeinige Kriechtier erblickte. Es sah aus wie eine Blutspinne, doch während die Ameisen und der Ameisenlöwe ins Gigantische vergrößerte Exemplare ihrer Art darstellten, war das Tier vor ihm nur die Miniaturausgabe einer Blutspinne, aber selbst dieses faustgroße Bündel aus schwarzen Haaren und Beinen reichte aus, unbeschreiblichen Ekel in Torian wachzurufen. Ihre ausdruckslosen Facettenaugen musterten ihn mit stummer Feindseligkeit.
Dann sprang sie ihn an. Wie ein pelziger Ball federte das widerliche Tier vom Boden hoch, verfehlte sein Gesicht um Millimeter und prallte gegen seine Schulter. Die Spinnenbeine hakten sich in den Stoff seines Wamses, und etwas Weiches, widerlich Flaumiges tastete über seine Wange und berührte seinen Mundwinkel. Ein stechender Schmerz zuckte durch Torians Wange, als die Spinne zubiß und ihr Gift in seinen Körper drang. Er schrie auf, warf sich zur Seite und schlug in heller Panik mit den Händen nach dem ekelhaften Tier. Er traf. Die Spinne wurde davongeschleudert, flog zwei, drei Meter weit durch die Luft und fiel mit einem sonderbar weichen Geräusch in den Sand. Einen Moment lang blieb sie benommen hocken, dann drehte sie sich herum und hielt aus blinzelnden Augen nach ihm Ausschau. Eines ihrer Beine war gebrochen; ein einzelner glitzernder Blutstropfen schimmerte in ihrem Fell, und die dünnen Fühler rechts und links ihres dreieckigen Insektenmaules zitterten erregt. Er brauchte all seine Kraft, den Ekel niederzukämpfen, der ihm die Kehle zusammenschnürte. Sein Gesicht fühlte sich besudelt und geschwollen an, wo ihn die Spinnenbeine berührt hatten, und wenn ihr Gift auch für einen Menschen ungefährlich war, so bereitete es ihm doch Schmerzen. Seine Lippe war taub, und allein der Gedanke, daß das leise Tasten, das er darauf verspürt hatte, die Berührung eines Spinnenbeines gewesen war, trieb ihn schier in den Wahnsinn. Wenn es etwas gab, das er wie die Pest haßte und gleichzeitig vielleicht noch mehr fürchtete als Ch’tuon und sämtliche Schwarzen Magier Caracons, dann waren es Spinnen. Wie jeder Mensch hatte auch er einen schwachen Punkt, etwas, bei dem ihm keine Logik und kein klares Überlegen mehr nutzten, und bei dem irgend etwas in ihm schlichtweg ausrastete. Bei Torian waren es Spinnen, und das nicht erst, seit er auf eine Blutspinne getroffen und von ihr als Brutplatz für ihr Junges ausgewählt worden war. Wenn er die Wahl hätte, mit einer Spinne oder einem schlechtgelaunten Berglöwen ein Zimmer teilen zu müssen, würde er wohl den Berglöwen vorziehen.