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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Shyleen starrte ihn haßerfüllt an, und einen Moment lang sah es so aus, als ob sie sich trotz allem auf den Magier stürzen wollte. Aber der gefährliche Augenblick verstrich.

Cathar maß die stumm dastehenden Gardisten noch einmal mit einem langen, verächtlichen Blick, dann griff er nach den Zügeln seines Pferdes, und nach kurzem Zögern taten es ihm die anderen gleich. Torian atmete erleichtert auf. Shyleen starrte ihn fast haßerfüllt an, aber auch sie sträubte sich nicht länger, sondern folgte ihnen, wenn auch mit dem finstersten Gesicht, das sie zustande bringen konnte.

Schon bald darauf hieben sie wieder mit ihren Schwertern auf das Unterholz ein und bahnten sich ihren Weg; schneller noch als zuvor. Die Angst trieb sie voran. Torian sah, daß die Gardisten immer wieder die Köpfe wandten und zurückstarrten, aber die Ranken folgten ihnen nicht, und auch der Wald blieb ruhig, sah man von dem ununterbrochenen bösen Flüstern ab, das sich für Torian immer mehr wie leise Stimmen anhörte.

Sie brauchten eine knappe Stunde, um das andere Ende des Waldes zu erreichen; eine Stunde, die ihnen jedes bißchen Kraft kostete, die sie noch aufbringen konnten. Dann plötzlich wurde es vor ihnen hell, und in einer geraden, wie mit dem Lineal gezogenen Linie ging der Wald in Wüste über.

Ohne daß es eines Befehls bedurfte, sprangen die Gardisten auf ihre Pferde und preschten los. Erst als sie sich zwei Meilen vom Wald entfernt hatten, befahl Torian eine Rast. Erschöpft ließen sich die Menschen zu Boden sinken. Viele schliefen auf der Stelle ein.

Vor ihnen erstreckte sich die Staubwüste, eine lebensfeindliche Einöde aus Sand und Felsen, silbernen Spiegelungen und tanzender Weite, die am Horizont mit dem Himmel verschmolz und sich noch Hunderte von Meilen dahinter fortsetzte, bis weit in das Bergland von Scrooth hinein. Der Wind hatte gedreht und wehte ihnen nun wieder entgegen: eine sanfte Brise, die Sand und feinen Staub herantrug und die Luft mit einem unheimlichen, an- und abschwellenden Röhren und Raunen erfüllte, wie das Geräusch zahlloser horniger Käferbeine, die sich aneinander rieben; da und dort ein helles Klirren, wenn Metall scharrte, das Schnauben von Pferden, Stimmfetzen, Gemurmel und das Rascheln von Stoff.

Torian hörte nichts von alledem. Sein Blick war nach Norden gerichtet, in die Staubwüste hinein, die er noch stärker als die meisten anderen Einwohner Caracons hassen gelernt hatte. Sein Herz schlug sehr langsam und schwer, und seine Lippen waren trocken, obwohl er vor wenigen Minuten erst aus der Feldflasche getrunken hatte. Irgendwann hörte er leise Schritte. Bard trat zu ihm und setzte sich unaufgefordert neben ihn.

»Die erste Hürde hätten wir genommen«, bemerkte er.

Widerwillig sah Torian auf. »Ja«, murmelte er. »Und sieben Männer sind bereits tot.«

»Aber wir haben den Flüsterwald überwunden, vielleicht die ersten Menschen, die das geschafft haben.«

»Soll ich vielleicht stolz darauf sein?«

»Es wäre ein Grund. Aber das Schlimmste liegt noch vor uns. Irgendwo in der Wüste liegt der Berg, von dem aus sich eine Brücke zur Schattenburg spannt. Von nun an werden wir unsere Vorräte und vor allem unser Wasser streng rationieren müssen. Aber das ist wohl noch der geringste Anlaß zur Sorge. Die Wüste selbst ist harmlos.«

»So?« fragte Torian gedehnt. »Du kennst die Wüste nicht besonders gut, nicht wahr?«

»Nein«, gestand Bard. »Ich habe fast mein ganzes Leben in Armar verbracht. Aber dafür bist du ja da.«

»Nur weil ich die Staubwüste schon einmal durchquert habe? Du solltest sie nicht unterschätzen«, warnte ihn Torian beinahe zornig. »Glaube mir, sie ist nicht nur ein Stück leerer Erde, auf dem zufällig Sand liegt. Das haben schon viele geglaubt. Die meisten sind jetzt tot.«

»Was ist sie dann?«

Torian schnaubte. »Sie ist ein Ungeheuer«, stieß er hervor. »Eine Bestie, wie du sie dir schlimmer nicht vorstellen kannst, auf ihre Art vielleicht tödlicher als die angeblichen magischen Fallen auf der Straße der Ungeheuer. Garth und ich sind ihr einmal mit viel, viel Glück entkommen. Ich möchte ihr ungern Gelegenheit geben, das Versäumte nachzuholen. Sie wird uns alle verschlingen, wenn wir sie unterschätzen und einfach so hineinmarschieren. Sie wartet nur auf uns.«

Bard schwieg einen Moment und ließ seinen Blick über die sandige Einöde wandern. Torians Worte hatten ihn offenbar nachdenklich gestimmt. »Du sprichst von ihr, als würde sie leben«, sagte er leise.

»Das tut sie auch!« bestätigte Torian.

»Aber du sprichst in einem Ton von ihr, in dem man über einen Feind spricht. Und du übertreibst gewaltig. Diesmal sind die Voraussetzungen anders als während deiner Reise nach Radon. Wir haben genügend Proviant und Wasser für Wochen mit. Wenn die Wüste uns aufzuhalten versucht, dann werden wir sie bezwingen. Wir können sie uns unterwerfen.«

»Unterwerfen?« Torian stieß ein bitteres Lachen aus. »Du weißt nicht, wovon du sprichst. Du hast recht, ich kenne die Staubwüste, und ich hasse sie. Ich übertreibe nicht, eher das Gegenteil. Ich fürchte sie wie die Pest – gerade weil ich sie kenne. Sie ist ein Ungeheuer, eine blutrünstige Bestie, die sich nur unter einem Mantel von Stille und Leblosigkeit verbirgt. Aber in Wahrheit bleibt sie ein Monstrum. Es ist Mord, auf gut Glück hineinzumarschieren.«

»Wir marschieren nicht auf gut Glück los, das weißt du«, tadelte Bard. »Und uns bleibt keine andere Wahl, also bringt uns diese Diskussion nicht weiter. Laß uns aufbrechen. Bevor wir unser Nachtlager aufschlagen, möchte ich möglichst weit von diesem Wald weg sein.«

Torian nickte schwerfällig. Er stand auf und wollte zu seinem Pferd gehen, doch der Rattengesichtige hielt ihn am Arm zurück.

»Auf ein Wort noch«, bat er. »Ich weiß, daß du mich nicht leiden kannst, Torian, aber ich möchte nicht, daß du mich für einen Speichellecker Cathars hältst. Ich unterstütze ihn nur, weil ich glaube, daß er das Richtige tut. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß ich sein Sklave bin. Ich möchte, daß du das weißt.«

Einen Moment lang starrte Torian ihn verwirrt an, dann riß er seinen Arm mit einem Ruck los und gab das Zeichen zum Aufbruch. Unwilliges Raunen wurde laut, doch er kümmerte sich nicht darum, sondern stieg in den Sattel und wartete ungeduldig, bis auch die anderen aufgesessen waren. Er lenkte sein Pferd zu Shyleen und Garth.

»Irgendwie kommt mir diese Gegend bekannt vor«, bemerkte der Dieb. Es klang nicht halb so spöttisch, wie es klingen sollte. »Und irgendwie habe ich schlechte Erinnerungen an diese Wüste.«

»Immerhin hast du überhaupt welche«, gab Torian knapp zurück. »Bleibt ein wenig zurück und achtet darauf, daß keiner der Männer Dummheiten macht. Diese Narren scheinen alle nicht recht zu wissen, worauf sie sich einlassen.«

Ohne eine Antwort abzuwarten, sprengte er los und setzte sich an die Spitze der Kolonne. Cathar schloß zu ihm auf, doch anders als befürchtet, versuchte der Magier nicht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, sondern gab nur mit einer knappen Handbewegung die Richtung an, an die sie sich halten mußten. Sie ritten langsam, und Torian hob eine Hand vor das Gesicht, damit die heranwehenden Staubschleier ihm nicht die Sicht nahmen, aber sie kamen trotzdem nicht gut voran. Der Sand war hier so fein, daß die Pferde bei jedem Schritt bis weit über die Fesseln in den Boden einsanken, und wie es aussah, würde das Tempo ihres Vorwärtskommens eher noch sinken.

Mit jedem Schritt, den sie sich weiter nach Norden bewegten und damit tiefer in die Wüste eindrangen, fühlte sich Torian unsicherer. Es war keine Angst vor dem Tod oder den namenlosen Schrecken, welche die Straße der Ungeheuer Shyleens düsteren Schilderungen zufolge für sie bereithalten mochte, sondern eine völlig andere, gestaltlose Art von Furcht, die mit dem Wind herantrieb, sich auf dürren Spinnenbeinen in seine Seele schlich und sie vergiftete. Eine Furcht, gegen die er wehrlos war. Er war sich nicht einmal sicher, ob sie wirklich etwas mit der Schattenburg zu tun hatte. Vielleicht war es einfach die Angst vor der unergründlichen Art von Leben, das dieser Wüste innewohnte und das er Bard – anscheinend mit wenig Erfolg – zu erklären versucht hatte.

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