Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Kurz bevor sie die Höhle erreichten, drehte er sich im Laufen um und blickte in den Sturm zurück. Aber er sah nur Dunkelheit. Das Lager, die Felsen, hinter denen sie Deckung gesucht hatten, die Staubwüste, der Himmel – alles war verschwunden. Statt dessen brodelte dort etwas Gigantisches, Schwarzes, das rasend schnell herankam, Sand und Steine und mannsgroße Felsen wie dürres Laub in die Höhe reißend und zermalmend.
Mit letzter Kraft steigerte Torian sein Tempo und ließ sich in die dunkle Öffnung hineinfallen. Sekundenlang blieb er keuchend liegen und spürte Hände, die ihn weiter nach hinten zerrten, dann konnte er aus eigener Kraft weiterkriechen und blickte sich um.
Die Höhle war im Grunde keine Höhle, sondern zumindest am Eingang nur ein Riß im Fels, so schmal, daß zwei Menschen mit Mühe dort nebeneinander stehen konnten, aber durch eine Laune der Natur war der Berg so geborsten, daß wenige Schritte weiter eine Biegung und dahinter ein einigermaßen geräumiger Hohlraum entstanden waren. Selbst die Wut des Sturmes reichte nicht aus, diesen Knick mitzumachen, so daß nur vereinzelte Staubschleier bis hierhin hereinwehten und sie sogar wieder atmen konnten, ohne jedesmal mehr Sand als Luft in Mund und Nase zu bekommen. Eine Unterhaltung hingegen war immer noch nicht möglich. Der Sturm schwoll zu einem wahrhaft apokalyptischen Inferno an, und sein Brüllen wurde so unerträglich, daß sie sich sogar hier drinnen die Ohren zuhalten mußten.
Irgend jemand hatte es tatsächlich geschafft, noch ein paar Fackeln zu retten und zu entzünden. Torian schaute sich um. Die Gesichter der Menschen waren grau und starr vor Angst, aber sie hatten sich alle in Sicherheit bringen können, wie Torian erleichtert feststellte. Er war am weitesten von der Höhle entfernt gewesen, als der Sturm losgebrochen war. Die anderen mußten sich schon wesentlich früher hierher geflüchtet haben. Der Orkan hatte sich mit ihrer Ausrüstung zufriedengegeben und kein einziges Menschenleben gefordert.
Garth hockte in einer Ecke und starrte trübsinnig vor sich hin. Als er Torians Blick auf sich ruhen fühlte, schaute er kurz hoch und verzog das Gesicht zu einer Grimasse, die wohl ein Lächeln darstellen sollte, bevor er wieder in dumpfes Brüten verfiel. Eine Hand legte sich auf Torians Schulter. Er wandte den Kopf und blickte in Bards Gesicht, dessen dunkle Augen ihn besorgt musterten. Der Rattengesichtige mußte die schützende Höhle unter Einsatz des eigenen Lebens verlassen haben, um ihm zu helfen, wie Torian plötzlich bewußt wurde. Eine Woge von Dankbarkeit stieg in ihm auf und verdrängte für kurze Zeit sogar fast seine Abscheu vor dem Mann. Er nickte knapp zum Zeichen, daß mit ihm alles in Ordnung war.
Langsam ließ der Sandsturm nach; das Lärmen und Toben nahm allmählich ab, als Torian eine Bewegung neben sich wahrnahm. Er sah eine Gestalt, die dicht an der Biegung des Einganges stand und sich einige Schritte weit vorwagte, als der Sturm plötzlich noch einmal mit voller Kraft zuschlug. Die Gestalt, die er nun als Shyleen erkannte, wurde wie von unsichtbaren Händen gepackt und nach vorne gerissen. Verzweifelt versuchte sie, sich irgendwo festzuklammern, aber ihre Kraft reichte nicht aus.
Ohne zu denken, sprang Torian auf, sah aus den Augenwinkeln, wie Bard ihn zurückzuhalten versuchte, wich den Händen des Rattengesichtigen aus und rannte hinter Shyleen her. Noch bevor er den Eingang erreichte, wurde auch er vom Sturm gepackt und aus der Höhle hinausgewirbelt. Der Orkan hatte zwar einen großen Teil seiner Kraft verloren, war aber immer noch schlimmer als jedes Unwetter, das Torian bislang erlebt hatte. Sandkörner stachen wie Nadeln in seine Haut, und halbblind taumelte er vorwärts. Eine Bö fegte ihn von den Füßen und schleuderte ihn in den Sand. Sofort stemmte er sich wieder hoch und taumelte weiter. Ein Stück vor sich sah er eine Bewegung. Er schrie, doch der Sturm riß ihm die Worte sofort von den Lippen.
Offenbar hatte Shyleen völlig die Orientierung verloren, denn sie rannte genau in die falsche Richtung, immer weiter fort von der Höhle. Torian folgte ihr, so schnell es der Sturm und der Sand zuließen, der bei jedem Schritt unter seinen Füßen nachgab, so daß er tief einsank. Und als der Sturm für kurze Zeit wieder mit aller Wut auf ihn einschlug und ihn immer wieder zu Boden schleuderte, kroch er weiter hinter ihr her, wieder und wieder ebenso lauthals wie vergebens ihren Namen schreiend.
Er wußte nicht, wie lange er sich hinter Shyleen durch die Hölle aus Sand und Hitze und Schmerz quälte. Ein paarmal hätte er sie fast erreicht, doch sie bemerkte ihn nicht und stürmte wie eine Besessene weiter, obwohl der Sturm inzwischen merklich nachgelassen hatte. Irgendwann stürzte sie und blieb liegen, und Torian kroch die letzten Meter bis zu ihr. Sie lag reglos vor ihm. Behutsam, als wäre sie aus Glas, drehte er sie herum –
und im gleichen Moment löste sie sieh vor seinen Augen in Nichts auf!
Der Sturm hatte sich gelegt, aber dafür war die Hitze wieder ins Unerträgliche gestiegen und ließ jeden einzelnen Schritt zu einer Qual werden. Torian versank bis über die Knöchel im Sand; Staub wirbelte in dichten Schwaden rings um ihn in der Luft, und das erbarmungslos grelle Licht gaukelte seinen Augen Dinge vor, die nicht vorhanden waren. Er hatte Durst; gräßlichen Durst. Der Sand, durch den er stolperte, schien sich an seine Beine zu klammern und ihn festhalten zu wollen, und der Wind zerrte an seinem Haar und seinen Kleidern; ein heißer, böiger Wind, der seinem ohnehin ausgelaugten Körper auch noch das letzte bißchen Flüssigkeit zu entziehen trachtete. Überall war Sand, in seiner Kleidung, seinem Mund, der Nase, und sogar unter seinen Augenlidern scheuerten einige der winzigen, staubfeinen Körner. Irgendwo vor ihm erschien ein Berg inmitten der Wüste, als tauche er aus glasklarem sprudelnden Wasser auf. Die Luft, die längst schon wieder vor Hitze flimmerte, ließ den gigantischen Pfeiler aus schwarzgrauem Granit flimmern und hüpfen, ein Schemen, wenig realer als eine Fata Morgana, und in der klaren, heißen Luft über der Wüste in einer Entfernung, die nicht zu schätzen war: Es konnten genausogut zwei wie zweitausend Meilen sein. Es machte keinen Unterschied mehr – Torian hatte nicht die Kraft, weder das eine noch das andere zu schaffen.
Er wußte längst nicht mehr, wie lange er schon unterwegs war. Während der vergangenen Stunden hatten sich seine Muskeln zuerst in Pudding und dann in schmerzende, verkrampfte Bündel verwandelt, und jeder Schritt kostete ihn mehr Anstrengung als der vorangegangene. Die Sonne berührte als rot lodernder Flammenball den Horizont. Sie schien wie ein höhnisches Auge auf ihn herabzustarren und sich über seine sinnlosen Versuche zu amüsieren. Es mußte Abend sein, aber seinem Gefühl zufolge taumelte er bereits seit einem Jahrhundert durch die Wüste; mindestens. Als sich Shyleen vor seinen Augen aufgelöst und er die Illusion endlich durchschaut hatte, war es zu spät gewesen. Er war so oft im Kreis gelaufen, daß er sich unmöglich an die Richtung erinnern konnte, aus der er gekommen war, und der Sturm hatte alle Spuren wie mit einem riesigen Besen ausgelöscht. Alles, woran Torian sich hätte orientieren können, war der Berg gewesen, an dessen Fuß das Lager gelegen hatte, aber auch der war irgendwo in der endlosen Weite der Staubwüste verschwunden, und jetzt stolperte er durch eine gigantische Einöde aus glattgeschliffenen Felsen und Sand und Hitze und noch einmal Sand und noch mehr Hitze. Sein Herz schlug sonderbar schwer und langsam, und der Durst, der auf den ersten Meilen nur störend gewesen war, hatte die Grenze echten körperlichen Schmerzes längst erreicht und überstiegen.