Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Die Feuchtigkeit war klamm und unangenehm, drang durch ihre Mäntel und selbst die umgehängten Decken hindurch und ließ sie den eisigen Biß des Windes besonders deutlich spüren. Das triste Wetter schlug sich auch auf die Stimmung der Menschen nieder. Eine Stunde ritten sie schweigend und bedrückt nebeneinander her, dicht zusammengerückt und über die Hälse ihrer Pferde gebeugt, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, während die Wolken tiefer und tiefer sanken. Dann setzte der Regen ein, eine Wand aus Wasser, die auf sie herabstürzte und alles, was weiter als ein paar Schritte entfernt war, in undurchdringlichem Grau verschwinden ließ. Die Regentropfen wurden vom böigen Wind fast waagerecht in ihre Gesichter gepeitscht und stachen wie Nadeln in ihre Haut.
Schließlich bogen sie auf ein Zeichen Cathars hin nach Westen ab, so daß sie Wind und Regen den Rücken kehrten und weniger schmerzhaft spürten. Nach einem Ritt von zwei Stunden hatten sie das Unwetter hinter sich gelassen. Die Wolkendecke riß auf, und gelegentlich brach sogar die Sonne durch, bis sie ganz aus ihrem Versteck kletterte, ihre Kleidung rasch trocknete und ihre durchgefrorenen Körper wärmte. Schon bald stand sie hoch am Himmel, und nach der anfänglichen Erleichterung begann die Hitze jetzt fast schon wieder unangenehm zu werden.
Etwas Dunkles, Gewaltiges tauchte am Horizont auf. Torian ließ sein Pferd etwas zurückfallen, bis er sich auf gleicher Höhe mit Cathar befand.
»Ja, das ist der Flüsterwald«, sagte der Magier, bevor Torian seine Frage an ihn richten konnte. »Das war es doch, was du wissen wolltest, nicht wahr? Wir können ihn in einer knappen Stunde erreichen. Dort beginnt die Straße der Ungeheuer.«
»Gibt es keinen anderen Weg zur Schattenburg als diesen?« fragte Torian. Der Anblick der gewaltigen, dunklen Wand bereitete ihm Unbehagen, Cathar schüttelte den Kopf. »Nein. Das heißt, wir können den Flüsterwald umgehen, aber es würde nichts ändern. Es wäre nur ein Umweg von mehreren Tagen, und die Gefahr würde dadurch nicht geringer.« Er sah Torian mit nachsichtigem Tadel an. »Ich fürchte, du machst dir immer noch falsche Vorstellungen von der Straße. Laß dich nicht von dem Namen täuschen. Es handelt sich keineswegs um eine befestigte Straße oder etwas dergleichen. Es ist einfach nur der Name für den ganzen Landstrich rund um die Schattenburg. Gleichgültig, aus welcher Richtung wir uns nähern.«
Torian sah sich demonstrativ um. »Die Vegetation sieht nicht gerade so aus, als ob hier ein Wald gedeihen könnte.«
Cathar lächelte und schwieg.
»Und was erwartet uns in diesem Wald?« fuhr Torian gereizt fort.
Cathar zuckte in einer fast menschlich wirkenden Geste die Achseln. »Ich weiß es nicht. Aber wir werden es wohl herausfinden.«
Torian schluckte die böse Bemerkung hinunter, die ihm auf der Zunge lag, ritt wieder ein Stück vor und setzte sich an die Spitze der kleinen Kolonne.
Sie brauchten nur wenig mehr als die angenommene Stunde, um den Wald zu erreichen. Im Schatten der ersten Bäume befahl er eine Rast; einer der wenigen Befehle, der freudig und dankbar ausgeführt wurde. Der dreistündige Ritt durch das Unwetter hatte ihnen mehr abverlangt als die fast dreifache Wegstrecke, die sie in gleicher Zeit am Vortag zurückgelegt hatten. Obwohl sie jetzt seit mehr als zwei Tagen zusammen waren, blieben die Söldner für ihn eine anonyme, namenlose Gruppe. Er mußte sich sogar dazu zwingen, sie als Soldaten zu betrachten, denn etwas in ihm sträubte sich immer noch, in ihnen etwas anderes zu sehen als das, was sie in Wahrheit waren: eine Bande von Mördern. Er weigerte sich instinktiv, aber beharrlich, sich ihre Namen einzuprägen; ein stummer, ebenso trotziger wie alberner Protest gegen ihre Anwesenheit. Sie mußten seine Ablehnung spüren, aber was er nicht verhindern konnte, war, daß er für sie zu einem Symbol der Hoffnung wurde. Genau wie er waren sie zu diesem Unternehmen gezwungen worden, und sie teilten auch seine Ablehnung gegen Cathar und Bard. Die Folge war, daß sie Torian in beinahe unterwürfiger Manier als Kommandanten akzeptieren und sich geradezu an ihn klammerten, auch wenn sie seine direkte Nähe mieden. Es war ihm unangenehm, da er nicht wußte, ob er diese Hoffnungen wirklich erfüllen konnte, und er sich weigerte, eine solche Verantwortung zu übernehmen, doch er war in diese Rolle hineingedrängt worden und konnte nichts dagegen tun. Wenigstens erwiesen sie sich als erstaunlich diszipliniert. Es hatte noch nicht den geringsten Zwischenfall gegeben.
Torian verdrängte diese Gedanken. Auch er fühlte sich erschöpft wie seit Tagen nicht mehr, doch obwohl er sich im spärlichen Gras ausgestreckt hatte, ließ ihn der Gedanke an das, was vor ihnen lag, keine Ruhe finden. Sie hatten die unbefestigte, nur mit in weiten Abständen aufgestellten Markierungssteinen angezeigte Grenze nach Lacom bereits überschritten. Es war ein armes, beinahe völlig von der Staubwüste erobertes Land, dessen Bewohner fast ausschließlich vom Kriegshandwerk lebten. Der Flüsterwald paßte nicht hierher, und gerade der Widerspruch zu der Kargheit des umliegenden Landes zeigte Torian deutlicher als alles andere, daß der nur ein paar Dutzend Schritte entfernte Waldrand weit mehr als eine geologische Besonderheit war.
Er markierte den Durchgang zu einer anderen Welt.
»Die letzte Chance, umzukehren«, vernahm er Shyleens Stimme. Unaufgefordert setzte sich die ehemalige Priesterin neben ihn. »Mit dem ersten Schritt in diesen Wald hinein verspielen wir diese Möglichkeit.«
»Sag das Cathar, nicht mir«, knurrte Torian. »Du weißt, was passieren würde, wenn wir es auch nur versuchten.«
»Ja«, antwortete Shyleen. »Aber vielleicht wäre der Tod gnädiger als das, was uns erwartet.«
Für dich und die anderen vielleicht, dachte Torian, sprach es aber nicht aus. Statt dessen strich er mit der Hand in einer unbewußten Bewegung über seine linke Schulter. Das Kribbeln darin verstärkte sich.
Der Marsch durch den Wald war ungleich beschwerlicher, als Torian sich vorgestellt hatte. Während der ersten halben Stunde nach ihrer Rast genoß er die Kühle unter dem fast undurchdringlichen Blätterdach, aber dann verdichtete sich der Wald immer mehr und schloß sich rings um sie herum zu einer düsteren Wand aus ineinander verwobenen Schatten und mannshohem Unterholz. Es gab keine Wege; nicht einmal einen Pfad oder Tierwechsel, so daß sie sich bald nur noch mühsam vorwärtskämpfen konnten, indem sie mit ihren Schwertern eine Bresche in die Wand aus Büschen und Schlingpflanzen hackten. An Reiten war nicht einmal mehr zu denken; einige Männer am Ende der Kolonne führten die Pferde am Zügel. Sie hatten alle Mühe damit, denn die Tiere waren unruhig, scheuten immer wieder und bäumten sich auf. Selbst sie hatten Angst. Etwas war ganz und gar nicht so, wie es sein sollte.
Besorgt richtete Torian seinen Blick wieder nach vorne. Der Boden unter seinen Füßen war aufgeweicht und morastig und schien bei jedem Schritt mit gierigen Händen nach seinen Schuhen zu greifen, so daß er die Füße oftmals nur gewaltsam freibekam. Obwohl sie kaum eine Stunde in dieser grünen Hölle unterwegs waren, hatten seine Muskeln sich bereits verkrampft und reagierten mit wildem Schmerz auf jede Bewegung.
Cathar hatte angeboten, ihm eine Trage bauen zu lassen, damit er seinen Fuß schonen konnte, aber er hatte es entschieden zurückgewiesen. Mittlerweile bedauerte Torian fast schon, das Angebot abgelehnt zu haben. Stolz war eine feine Sache, solange man ihn sich leisten konnte. Trotzdem – es hätte nicht gerade einen guten Eindruck gemacht, wenn ausgerechnet er, auf dem die Hoffnungen der meisten Menschen ruhten, ihnen auch noch zur Last gefallen wäre. Er, die lebende Legende. Das große Vorbild, dachte er spöttisch. Wenn sie wüßten, was er wirklich empfand!
Aber sie wußten es nicht, und sie durften es auch niemals erfahren. So schleppte er sich trotz des immer schlimmer werdenden Schmerzes in seinem Fuß aus eigener Kraft voran, und wie alle anderen – selbst Shyleen – trat er in regelmäßigen Abständen an die Spitze des Trupps, um mit seinem Schwert Gebüsch und Schlingpflanzen aus dem Weg zu schlagen. Und wie alle übrigen war er jedesmal dankbar, wenn er diesen Platz nach ein paar Minuten wieder an einen anderen abtreten konnte.